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„Begrabt mich nicht.“

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn mich irgendein Satz in diesen kriegerischen Tagen erschüttert hat, dann der des sechsjährigen Jungen, den die Rettungsmannschaften in Syrien aus einem zerschossenen Haus zogen: „Begrabt mich nicht.“ flehte er, dessen ganze Familie tot war, die Rettungsmannschaften an.

Welcher Lebenswille in diesem kleinen Körper, der schlimm zerfetzt war! Es ist der gleiche Lebenswille, der die flüchtenden Iraker, Syrer, Afghanen und Afrikaner nach Europa treibt. Es sind meist die besten und kräftigsten Männer mit ihren Familien, die keine Zukunft mehr im eigenen Land sehen. Ihr stiller Schrei heisst „Begrabt uns nicht.“ Sie wollen leben.

Wenn viele Deutsche und andere Europäer an dieser Stelle sagen: „Wir haben schon einmal, nach dem Zweiten Weltkrieg, solche Flüchtlingswellen erlebt. Zwölf Millionen Ostdeutsche, die in Westdeutschland aufgenommen wurden“, dann gerät gerne in Vergessenheit, dass es sich dabei mehrheitlich um Menschen handelte, die aus dem gleichen oder mindestens ähnlichen Sprach- und Kulturkreis stammten. Man sprach deutsch und war ein Christ.

Diese Menschen zu integrieren, fiel schon vor siebzig Jahren schwer. Ich habe als junger Mann die Turnhallen besucht, in welche Familien oft Jahre zwischen Zeltplanen leben mussten. Aber sie konnten Deutsch und die meisten wollten auch arbeiten.

Wer jetzt nach Westeuropa will, denn nach Osteuropa will keiner, ist zumeist Moslem, aufgewachsen in einer vorzivilisatorischen Kultur, die mit unserer modern-urbanen Kultur wenig gemein hat. Diese Familien, von denen kaum eine Deutsch oder eine andere europäische Sprache spricht, kennen weder unsere Sitten noch haben sie grosse Lust, nach diesen zu leben. Sie kennen unsere Arbeitswelt nicht, haben meist auch keine nennenswerte Ausbildung.

Natürlich gibt es den berühmten syrischen Arzt, der ebenso gut wie die unsrigen ist, aber es dauert Jahre bis er in unserer überhitzten, von Geschwindigkeit geprägten Spitalstruktur heimisch werden wird. Soll er als Hausarzt in die Provinz gehen? Dort leben gerade jene Einheimischen für die jeder Fremde, auch der aus dem eigenen Land, des Teufels ist.

„Begrabt mich nicht“, der Lebenswille des kleinen Jungen sagt aber noch etwas ganz anderes, eine Botschaft, die wir nicht überhören sollten: „Wir in den jungen Völkern des Ostens und des Südens, wir haben diesen unbedingten Lebenswillen, den ihr im reichen Norden nicht mehr habt. Wir wollen arbeiten und kämpfen und uns einsetzen. Was habt Ihr? Wohlstand, Reichtum, aber keine Kinder mehr.“ Und unsere Alten, unsere Schwächsten, sie gehen zu Firmen, die Selbsttötungsmaschinen für sie bereithalten.

„Begrabt mich nicht“, heisst auch, lasst mich lernen, arbeiten, etwas leisten. Ich sehe viele Menschen jeglichen Alters in Westeuropa, welche diesen Willen nicht mehr haben. Sie sagen nicht „Begrabt mich nicht“, sondern „Lasst mich in Ruhe“. Das ist schon das halbe Begräbnis.

Wir Europäer sind alt geworden, zu Sonderleistungen kaum noch abrufbar. Es riecht nach Alterstod in Europa. Einst waren es die jungen Schweizer, die als Edelsoldaten in ganz Europa die Ritter und Soldaten verprügelten. Einst waren es die jungen Freisinnigen, welche die reiche Schweiz der Neuzeit aufbauten. Heute sind sie alt geworden und verteidigen ihren Wohlstand.
Der Schrei des Kindes wird mich noch lange begleiten. Er soll auch in Ihnen etwas auslösen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Die grosse Atemlosigkeit

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Noch sind wir inmitten der Wahlen. Der Nationalrat ist leicht nach rechts gerutscht, daran sind die Grünen und Grünliberalen, ein wenig auch die BDP von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf selber schuld. Sie haben die letzten vier Jahre kaum genutzt, um stabile Strukturen aufzubauen. Dies wird zur Folge haben, dass soziale Verbesserungen (AHV, IV) aus den Traktanden fallen und der Weg nach Brüssel zügig unter die Beine genommen wird. Die Flugspesen der Chefbeamten nach Brüssel werden steigen.

CVP-Präsident Christophe Darbellay darf ebenso als gescheitert gelten wie Bundesrätin Doris Leuthard, deren grüne Energievision zu einer politischen Halluzination geworden ist. Der Energiepolitikerin kommt das politische Fundament abhanden. Mehr denn je wird es notwendig werden, die SRG oder Teile davon zu privatisieren. Der Medienministerin Doris Leuthard wird dies nicht gefallen, aber die Zeichen der Zeit gehen in diese Richtung.

Christoph Mörgeli, wohl von Panik befallen, hat sich selber gestürzt. Das Zürcher SVP-Volk verweigerte ihm die Gefolgschaft und entschied sich, wie andere Bürgerliche auch, für den SVP-Jungstar Roger Köppel. Dieser, von messianischer Begeisterung angetrieben, die Schweiz vor allem Bösen zu retten, ein Savonarola aus der Zürcher Goldküstengemeinde Küsnacht, ist zum Schrecken aller Linken und Halblinken geworden. Sein Kampfblatt, „Die Weltwoche“, hat nun die Chance, mehr denn je beachtet zu werden.

Tim Guldimann, ein älterer Salonlöwe mit SP-Innenfutter, als Schweizer Botschafter in Berlin residierend, mit mehreren Wohnungen und Häusern in Deutschland wie in der Schweiz, wird künftig auf Steuerzahlers Kosten zu den Sitzungen im Nationalrat anfliegen und den Fluglärm rund um Kloten noch vermehren, dies als sozialen Fortschritt deklarierend.

Magdalena Martullo-Blocher, die politisch begabte Tochter von Dr. Christoph Blocher, wird es als SVP-Nationalrätin in Bern schwer haben. Sie, die nie Widerspruch duldet, muss nun anderen zuhören; ich sehe sie schon als Fraktionschefin die Peitsche schwingen.

…und Marcel Dobler, der 35jährige IT-Wunderknabe aus Rapperswil-Jona, der im Sturmlauf das St. Galler Polit-Establishment in Angst und Schrecken versetzte, als er sich vom St. Galler Stimmvolk für die FDP in den Nationalrat wählen liess. Die St. Galler Politiker, sonst eher der Trägheit verfallen, glaubten sich sicher, auch ohne grossen geistigen wie materiellen Aufwand wieder gewählt zu werden. Gerade am Beispiel dieses seit langem stagnierenden Kantons wird deutlich wie dünn die Säulen sind, auf denen unser politisches System ruht.

Gleichzeitig werden Arbeitsplätze wie nie abgebaut; sogar Peter Spuhler, der Züge und Trams herstellt, muss nun mit Teilen der Produktion ins Ausland ausweichen. Die Schweiz ist definitiv zu teuer geworden, weshalb der Export, auch bei den Uhren, unter die Räder kommt.

Die Einkommen und Renten vieler schmelzen dahin, denn die Lebenshaltungskosten steigen überdurchschnittlich. Schweizer Politiker sind deshalb nicht unglücklich, wenn Familien im nahen Ausland einkaufen; gerade Bezüger von niedrigen Salären können ihren Lebensstandard damit einigermassen erhalten. In Kantonen und Gemeinden steigen die Zuschüsse für Krankenkassen, Mieten und andere Sozialleistungen rascher als früher. Der fleissige Mittelstand zahlt.

Die daraus resultierende grosse Atemlosigkeit wird angeheizt durch die Angst vor Flüchtlingen aus aller Welt, die in grossen Menschenströmen nach Europa ziehen. Wer die Schweiz durchqueren will, zahlt pro Kopf über 8 000.— Franken. Die Schlepper, nicht nur aus der Türkei, Libyen oder dem Kosovo, werden zu Millionären.

Wer seine Ruhe haben will und die meditative Stille vorzieht, muss auf technische Hilfsmittel, wie sie heute üblich sind, mindestens auf Zeit verzichten. Radio und Fernsehen vermitteln häufig tiefere Einblicke, aber es ist schwierig, immer die besten Sendungen zu finden.

So taumeln wir, von Medien beschossen, durch die Gegenwart. Was stimmt, was nicht? Der Eindruck verstärkt sich: Viele kommen nicht mehr mit. Es entstehen grosse Tabuzonen, Themen, die man nur noch einseitig behandeln darf. Dazu melde ich mich demnächst.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum ist die Schweiz ein Verlierer?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wir sind das teuerste Land der Erde und auch das Land mit den besten Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Unternehmen. Unsere Bundesbeamten verdienen, einschl. Putzfrauen, im Jahr durchschnittlich 127 000.— Franken. Der Präsident einer mittelgrossen Stadt, wie Baden oder Romanshorn es sind, verdient rasch einmal über 200 000 Franken im Jahr. Kann es sein, dass etwas nicht stimmt bei uns?

Wir haben in Sachen Bankgeheimnis nach knapp hundert Jahren die Schlacht gegen amerikanische und deutsche Justizbehörden verloren. Die besten eigenen und US-amerikanischen Anwälte konnten diese Jahrhundertniederlage nicht verhindern. „We are doing our best“, war nach Millionenhonoraren die wenig befriedigende Antwort der Anwälte für den Finanzplatz.

EDA-Chef Didier Burkhalter wollte die Schweiz dem Europäischen Gerichtshof unterstellen lassen, was in Bern wenig Beifall fand. Fremde Richter im eigenen Haus? Staatssekretär Yves Rossier, aus dessen Stall dieser Vorschlag stammte, wurde zurückgebunden. Seine Karriere hat seither einen deutlichen Rückschlag erlitten. Indirekter Sieger war ein anderer Schweizer: Prof. Dr. Carl Baudenbacher, Präsident des EFTA-Gerichtshofes in Luxemburg, der vor einer solchen Lösung stets gewarnt hat. Der politisch-juristische Ausverkauf der Schweiz konnte im letzten Augenblick noch gestoppt werden.

In Verkehrsfragen verhandelt die Schweiz gegen deutsche und italienische Interessen wie ein Primarschüler gegen Hochschulprofessoren. Nicht nur nehmen wir es hin, dass der Flughafen Zürich-Kloten vor allem von deutschen Fluggesellschaften benutzt wird, sondern wir tragen es auch mit Fassung, dass Kloten zu einem Heimatflughafen der Süddeutschen Bevölkerung geworden ist. Fracht aus Württemberg und Bayern fliegt über Kloten in alle Welt. Während die Deutschen die Ruhe über ihren Schwarzwaldtannen für maximal 5000 Einwohner eisern verteidigen, leiden bei uns 300 000 Menschen unter Fluglärm und giftigen Kerosin-Abfällen, die unsere Wohngebiete wie Erholungslandschaften verdrecken.

Weil wir in der Luft schlecht verhandeln, muss dies auch für die Schiene gelten. Wir finanzieren den Deutschen im Norden der Schweiz an der Grenze auf Schweizer Boden eine Bahnlinie Ost-West und weil die Italiener kein Geld haben, finanzieren wir im Süden deren Bahnstrecke, die den Anschluss in die Schweiz sicherstellen soll. Wieso sind wir nie die Gewinner in solchen bilateralen Verhandlungen?

Schuld ist der Kompromiss. Von früher Kindheit an wird jeder Schweizer im Sinne einer liberalen Kompromiss-Haltung erzogen. Später, in den Gemeinden, Kantonen und im Bund heisst es immer: „Nicht streiten, wir suchen den Kompromiss.“ Damit kommt man im Ausland nicht weit. Wer gegen ausländische Spitzendiplomaten in Verhandlungen gewinnen will, braucht eine grosse Hutnummer. Dort will man nicht den Kompromiss, sondern den Sieg.

Wie die Mitte dort ist, wo nichts ist, wie bald auch der Wahltag am 18. Oktober zeigen wird, ist der Kompromiss nach Meinung von Margret Thatcher, die von älteren Schweizern immer noch hoch verehrt wird, wie folgt zu verstehen: „To me, consensus seems to be the process if abandoning all beliefs, principles, values and policies. It is something in which no one believes and to which no one objects.“ So ist es, der Kompromiss ist für uns oft die schlechteste Lösung, vor allem bei internationalen Verhandlungen.

Der Kompromiss hält unser Land zusammen und hat viele wohlhabend und reich gemacht. Unsere Politiker, seien sie von links oder rechts, sind Kompromisspolitiker auf Lebenszeit. Macht einer nicht mit, wie Peter Bodenmann und Christoph Blocher dies tun, gelten sie sofort als bunte Vögel.

Erstmals habe ich im Vorfeld der Herbstwahlen, die vor der Tür stehen, neue Kandidaten erlebt, die nicht den Kompromiss wollen. Einer von ihnen ist der 35jährige Marcel Dobler aus Rapperswil-Kemprathen, der für die St. Galler FDP in die Hosen gestiegen ist. Dobler, Gründer der Digitec AG, will in Bern etwas erreichen, den Beamtenapparat abbauen, die Lasten für KMU- und Gewerbebetriebe verringern und weniger Ausländer hereinlassen.

Die junge Generation wird ungeduldig. Sie sieht sich im Alter gefährdet und lehnt daher unnötige Kompromisse ab.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Mein Entsetzen hält sich in Grenzen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn viele Zeitungen jetzt schreiben „Die Welt blickt mit Entsetzen…..“, dann sehe ich stets meine Nachbarn an und horche in mich selber hinein: Niemand ist entsetzt. Viele sind traurig, ganz wie ich auch, wenn Kinder im Mittelmeer ertrinken, Väter sich auf Eisen-bahnschienen werfen, um nicht samt Familie in ein ungarisches Lager eingeliefert zu werden oder schreiende Mädchen von ihren Familien getrennt und wieder ins Ausland abgeschoben werden. Das sind keine guten Zeiten.

Anderseits finde ich, die Ertrinkenden im Mittelmeer sind oft Opfer ihrer eigenen Familien, die nach Europa eindringen wollen, um dort Geld zu verdienen, das sie dann wieder in eigene Häuser in einem afrikanischen Land investieren. Wer zuhause bleibt, hat diese Chance nur selten.

Wenn die Syrer oder Afghanen aus ihren Ländern nach Europa fliehen, sind sie späte Opfer europäischer Anmassung und Unfähigkeit. Das jetzt zusammen brechende Syrien wurde von Frankreich und England gemeinsam geschaffen. Die Afghanen hatten nie eine Chance: Erst wurden sie von den Engländern überfallen, dann von den Russen, zwischendurch von den Taliban, die von den US-Amerikanern gegen die Russen aufgerüstet wurden, schliesslich fielen sie ganz den NATO-Truppen zum Opfer. Generationen voller Schmerz und Unglück waren das Ergebnis westlicher Aggressionen.

In meiner Jugend hatten wir in Deutschland einen Satz: „Es wird nicht ausgewandert.“ Wir ärgerten uns schrecklich über die konservativen Parteien, aber nur wenige flüchteten nach Australien oder Kanada. Es wurde der Versuch gemacht, das eigene Land zum Besseren zu verändern.

Den Afrikanern wie den Asiaten wird es nicht erspart bleiben, selber ihre Staaten zum Besseren hin zu verändern. Vom den reichen Staaten des Westens sollten sie nicht zu viel Unterstützung erhoffen. Unsere Eliten, wie wir selber es auch tun, sorgen zuerst einmal für die eigene Tasche. Was wir während nunmehr drei Generationen an Entwicklungshilfe geliefert haben, war zumeist Wirtschaftsförderung und Kampf um politischen Einfluss. Das ist auch heute noch so.

Nein, entsetzt sind wir nicht wirklich. Wir haben die Schrecken der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki erlebt, die Konzentrationslager der Deutschen, die Morde der französischen Armee in Nordafrika und Indochina, den Vietnamkrieg, die blutigen Aufstände in Indonesien, die Völkermorde in Afrika. Vulkane haben Zehntausende vernichtet, tropische Stürme und Erdbeben Hunderttausende. Wieso sollten wir entsetzt sein?

Der Mensch, überschätzen wir ihn nicht, sichert zuerst einmal sein eigenes Leben und das seiner Familie. Auch die Zuwanderung der Flüchtlinge wird nach dieser Regel beurteilt. Wenn UBS-Präsident Axel Weber uns sagt, wir würden künftig länger arbeiten müssen, denn eine Rente allein werde nicht mehr genügen, um das Leben zu finanzieren, dann werden sich viele fragen, warum die Sozialkosten dennoch steigen.

Nein, wir sind nicht entsetzt, aber wir sehen mit Entsetzen, wie sich unsere einst ordentlich-saubere Umwelt zunehmend chaotisch verändert. Viele unserer Kinder müssen künftig in Hochhäusern leben, wo sie verdichtet gestapelt werden ganz wie in New York City, HongKong oder Frankfurt schon heute. Unser altes Europa, unsere bürgerliche Welt zerfallen; kein Politiker hat den Mut, uns dies zu sagen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Ein Sommer zum geniessen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es war unglaublich heiss in diesem Sommer, aber alte Knochen haben diese Wärme ganz gerne. Unangenehm sind nur zwei Dinge: Die brennende Sonne im Gesicht und auf der Glatze und die Schwierigkeit, richtig tief einatmen zu wollen. Mit Hut, Kappe, Sonnenschirm und Fächer lässt sich der heisse Sommer erträglicher machen. Missen möchte ich ihn nicht.

Viel ärgerlicher ist die Entwicklung unseres Landes. Während wir den Bergkantonen das Bauen von Zweitwohnungen verboten haben, haben sich bei uns im industriellen Flachland die Baukräne vervielfältigt und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Kanton Zürich als eine der wachstumsstärksten Schweizer Regionen, soll von 1,4 Millionen Einwohnern auf 1,56 Millionen ausgebaut werden. Niemand verbürgt sich, dass es auch mehr werden können.

Warum dieser Wahnsinn? Economiesuisse, die Dachorganisation der Schweizer Wirtschaft unter Leitung des Misserfolgsmanagers (Kuoni, Axpo) Heinz Karrer, hat die Weichen auf Wachstum gestellt. Das gilt natürlich nur für Konzerne und grosse Dienstleistungsfirmen. Metzger, Coiffeure und Hoteliers müssen selber sehen, wie sie zurechtkommen. Dafür ist der Schweizerische Gewerbeverband zuständig, der von Hans-Ulrich Bigler geführt wird. Wenn Economiesuisse und Bundesrat zusammen spielen, hat er einen schweren Stand.

Was noch zunehmen wird, ist der sehr lärmige Strassenverkehr. Autobahnen werden vom Bund vor allem im Jura und im Oberwallis gebaut; die Ausbauten im Mittelland gehen sträflich langsam voran, worüber sich vor allem die SBB freuen, die ihre Passagiere zu Spitzenzeiten auf dem Fussboden sitzen lässt. Das gilt jetzt als lässig.

Ausgebaut wird auch der Flughafen Zürich-Kloten, wo heute 25 Millionen Passagiere abgefertigt werden, davon ein grosser Teil Transitpassagiere, die unserem Land wenig, der Deutschen Lufthansa, die bei uns unter dem Decknamen Swiss arbeitet, aber viel bringen. Zürich ist ein offizieller Heimatflughafen der Deutschen Lufthansa; es war einmal der Heimatflughafen der Swissair. Dass wir sie nicht mehr haben, ist eher unsere Schuld resp. solcher Persönlichkeiten wie Marcel Ospel, Moritz Suter und Kaspar Villiger, die keine zwei Milliarden Franken mehr einschiessen wollten. Später haben wir die UBS mit sechzig Milliarden gerettet.

Das Wachstum der Schweiz spielt sich im internationalen Handel ab:

– Deshalb subventionieren wir mit unserem Steuergeld den Landesflughafen Zürich-Kloten, der aber zu einem Drittel von Süddeutschen benutzt wird, die uns dafür den Fluglärm und die Abgase hinterlassen.

– Deshalb subventionieren wir das Tram zwischen Basel und der deutschen Stadt Weil, damit die Basler lernen, günstig in Deutschland einzukaufen. Der Basler Detailhandel ist nicht erfreut.

– Deshalb subventionieren wir mit 780 000 Franken pro Jahr ab dem 13. Dezember fünfmal täglich die SBB-Verbindung St. Gallen-Konstanz, damit die St. Galler günstig in Deutschland einkaufen können. Die Konstanzer zahlen nur 14% der Kosten für den Schweizer Zug.

Ich finde, unsere Chefbeamten sind verrückt geworden. Sie freuen sich über „die gute Gesprächskultur“ mit den Deutschen und lassen sich über den Tisch ziehen, als hätten sie nie jassen gelernt. Die Deutschen aber pokern mit uns.
Diesen Sommer wollen wir geniessen; was kommt, wird fürchterlich.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum handelt der Bundesrat nicht?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Nie werde ich vergessen, wie ich von der FDP Schweiz und dem damaligen FDP-Nationalrat Niklaus Schneider-Ammann in die Arbeitsgruppe KMU eingeladen wurde. Die Sitzungen fanden, wie üblich, im Zürcher Hauptbahnhof statt, damit die Teilnehmer aus der ganzen Schweiz einen leicht erreichbaren Treffpunkt hatten. Wir waren hoch kreativ, lasen Papiere, gaben Stellungnahmen ab, begleitet von Spitzenbeamten aus Bern. Was ist daraus geworden? Niklaus Schneider-Ammann wurde Bundesrat; den KMU geht es nicht besser, eher schlechter.

Unsere FDP-, SVP- und CVP-Politiker überschlagen sich seit Jahren mit Vorschlägen zum Abbau der Bürokratie, damit Unternehmer wieder besser atmen und arbeiten können. Kaum sind sie Regierungs-, Staats- oder Bundesräte geworden, haben sie alles vergessen. Warum handelt der Bundesrat nicht. Warum handeln die kantonalen Regierungen nicht?

Es gibt nur eine Antwort: Die Spitzenvertreter der Verwaltung, die Staatssekretäre und Chefbeamten, wollen dies nicht. Ganz im Gegenteil, sie machen Karriere und verdienen grossartig, wenn ihr Apparat immer grösser wird. Er verlangt mehr Arbeitssicherheit, mehr Lehrlingsausbildung, mehr Produktedeklarationen, mehr Produktesicherheit, mehr statistische Erhebungen (damit die Beamten etwas zu tun haben) und mehr Auskünfte, die ein Konzern widerwillig, aber leicht leistet, für einen 10 Personen-Betrieb aber untragbar, weil eine Belastung sind.

Das normierte Denken in der Verwaltung siegt über das kreative Denken in den Firmen. Seit die Schweizerische Nationalbank der Schweizer Wirtschaft einen Tiefschlag versetzt hat, indem sie den Franken teurer machte, appellieren Bundes-, National- und Ständeräte an die Kreativität der Schweizer Firmen. Gleichzeitig tun sie alles, um den Berner wie den kantonalen Politik- und Verwaltungsbetrieb zu fördern, der die Kosten steigert und die Kraft zu Neuem verringert.
„Die Überregulierung durch staatliche Amtsstellen wird immer grösser“, sagt mein Freund Ruedi Lustenberger, der Zentralpräsident des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten. Er beklagt, dass der Staatsdienst den Staatsangestellten mehr dient, als den freien Bürgern. Sollen wir davon überrascht sein? Seit Cicero wissen wir: Eine schwache Regierung braucht immer eine starke Verwaltung. Was heisst das für unser Land?

Es bedeutet, dass jeder vernünftige National- und Ständerat in aller Heimlichkeit den Marschallstab in seiner Tasche mit sich führt, der ihn zum Bundesrat führen soll. Ist er einmal Bundesrat, wie Johann Schneider-Ammann es geschafft hat, wird er zur Fingerpuppe der Verwaltung, die nur darauf wartet, ihn zu integrieren. Jeder kluge Bundesrat wird mehr auf die Verwaltung hören als auf seine Parteiwähler, denn Bundesräte sind nicht abwählbar.
Die KMU und das Gewerbe haben auch kaum eine Chance gegen die grossen Banken, Konzerne und Dienstleistungsfirmen, welche die erfolgreiche Exportschweiz repräsentieren. Diese haben genug personelle und intellektuelle Ressourcen, um Firmen der B-Schweiz an den Rand zu spielen. Ohne den Schweizerischen Gewerbeverband mit seinem Direktor Hans-Ulrich Bigler, der einen hinhaltenden Widerstand leistet, wäre die Lage noch weitaus schlimmer.

Kurzum, die Parteien und Parlamentarier, im Konflikt zwischen Konzern- und Gewerbeinteressen, haben sich längst auf die Seite der Grossfirmen geschlagen. Die kommenden Steuersenkungen werden den Grossfirmen mehr nützen als den kleinen. Während die FDP-Parlamentarier mehr den Konzernen dienen werden, sind die SVP-Politiker dem Gewerbe und den KMU näher. Die CVP-Politiker machen es allen schwer; die sogenannten kleinen Mitteparteien wie BDP und GLP haben keinen grossen Spielraum mehr.
Dem stehen die Sozialdemokraten gegenüber, die eine Partei von Mitgliedern aus der Verwaltung, den Gesundheitsbehörden und der Schulen wie Hochschulen sind. Diese verlangen, ganz natürlich, mehr Staat. Das Gewerbe hat kein Interesse daran, deren Forderungen zu unterstützen.

Was heisst das für den 18. Oktober? Den Versprechungen der Bundesräte ist kein Wort zu glauben. Was die Parteien uns wissen lassen, ist nicht mehr als eine Täuschung. Die Kandidaten werden uns im besten Fall gut unterhalten. Was auf den Stimmbürger zukommt, sind höhere Kosten. Die Fäuste im Sack werden dicker werden.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum gehen Sie nicht wählen?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wahrscheinlich werden am 18. Oktober wieder nur 45% aller Stimmberechtigten an die Urne gehen, um die alten und neuen National- und Ständeräte zu wählen. Niemand sollte aber sagen, das Schweizer Volk interessiere sich nicht für Politik, treten doch über 2800 Bewerberinnen und Bewerber national an, um einen der 246 Sitze im Parlament in Bern zu gewinnen.

Die bürgerlichen Parteien, einschl. der Sozialdemokraten, die in ihrer Mehrheit längst verbürgerlicht sind, haben nicht das geringste Interesse an einem wirklichen Wahlkampf. Dies kostet nur viel Geld, welches niemand hat, und bringt mit den Neuwählern nur Risiken, dass etwas falsch läuft. Wenn CVP und SP mit exotisch wirkenden Neuschweizern antreten, löst dies im Volk meist Kopfschütteln aus; die ehrgeizigen Kinder aus Schweizer Mischehen haben keinen leichten Stand.

Einzige Ausnahme ist die SVP, die mit einem von Dr. Christoph Blocher gesteuerten Dauerwahlkampf endlich auf 28% der Stimmen oder etwas mehr kommen möchte. Die Kleinparteien, einschl. der CVP, laufen Gefahr, weiter an Einfluss zu verlieren. Warum eigentlich?

Der seit acht Jahren erkennbare Trend zum Dauerwahlkampf während des ganzen Jahres fordert die Parteispitzen wie die Parteikassen. Unangefochten liegt seit gut 20 Jahren die SVP an der Spitze, angetrieben vom Ausnahmepolitiker Christoph Blocher. Doch ist die mangelnde Führung der Partei unübersehbar: In Basel-Stadt, der Waadt und Zug sind die kantonalen SVP-Präsidenten unter Druck gekommen. Der Zürcher Kantonalpräsident Alfred Heer distanziert sich vom Wahlkampf seiner Mutterpartei. Parteipräsident Toni Brunner („Das Sünneli“) startet politische Vorstösse, die sich innert 48 Stunden in Nichts auflösen.

Noch ungewisser ist die Situation bei der FDP, die zwischenzeitlich als sicherer Wahlsieger im Herbst gilt. Die einst abgewanderten Rechtsliberalen strömen offensichtlich wieder zum liberalen Original zurück. Dies ist weniger begründet durch eine besondere Leistung der FDP, sondern gleicht eher dem schwappenden Wasser in einem Kessel: einmal hin, einmal zurück.

Parteipräsident Philipp Müller hält sich erkennbar zurück, um keine Verwirrung zu stiften. Fraktionschefin Gabi Huber hat ihren Rücktritt aus Rat und Politik angekündigt; ihren Leistungsnachweis kann sie nur wolkig beschreiben, was mindestens im Urnerland als Leistungsnachweis gilt.

Bei der CVP muss am 18. Oktober insofern ein Wunder geschehen, als nur die Stammwähler der einst christlichen Partei das einstige Flaggschiff des Schweizer Katholizismus vor dem Niedergang retten können. Dem Walliser Christophe Darbellay ist es nicht gelungen, seiner Partei neue Motorik zu vermitteln. Die echten Altkatholiken sterben aus, politisch begabte Jungkatholiken müssten unter Schutz gestellt werden, so selten sind sie geworden. Das Potential für eine christlich-sozialliberale Politik ist unter dem Druck der Verteilungskämpfe im Binnenmarkt eingebrochen und hat keine Erholungschancen. Der Untergang des Landesrings und der Liberalen Partei, die sich der FDP anschliessen musste, sollten als Fanal gewertet werden.

Die Sozialdemokraten zu wählen, ist für ältere bürgerliche Menschen ausgeschlossen, gibt sich die Partei unter Führung von Christian Lévrat doch vorwiegend als Enteignungs- und Umverteilungspartei, welche die Zukunft unseres Landes in der EU oder mindestens dieser angenähert sieht. Angehörige staatlicher Verwaltungen, der Gesundheits-, Sozial- und Schulindustrie, werden diese Auffassung nicht teilen, sind sie doch Gewinner der Umverteilung. Wir haben längst nicht mehr eine Politik von „Mehr Freiheit, weniger Staat“, die zuletzt auch dem Freisinn peinlich war, sondern eine Politik von „Mehr Staat, weniger Freiheit“.

Die grosse Zahl neuer Kandidaten beweist: Ein wichtiger Teil aktiver Mitbürger ist unzufrieden, wie die Parteien jetzt in Bern den Kuchen unter sich aufteilen und die Zukunft des Landes gestalten wollen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Rapperswiler Unternehmer Marcel Dobler. Erst 35jährig, hat er die Firma digitec AG mit über 500 Mitarbeitern aus dem Start zum Erfolg geführt. Jetzt will er etwas für das Land tun und kandidiert im Kanton St. Gallen als FDP-Nationalrat. Dobler will eine solide Wachstumspolitik nicht nur für seinen wirtschaftlich gefährdeten Kanton St. Gallen, sondern die ganze Schweiz.

Wie wichtig diese Bewegung ist, die bei uns vom Volk ausgeht, zeigt das Beispiel der USA: Dort hat bei den konservativen Republikanern ein proletarischer Milliardär das Kommando übernommen. Donald Trump zeigt die Schwäche der einstigen Elitepartei überdeutlich an seiner Person auf. Wenn mit ihm die „weissen Amerikaner“ nach Obama wieder an die Macht kommen wollen, erinnert dies stark an das späte Rom.

Also, gehen Sie wählen, stimmen Sie ab. Ehe auch unsere noch recht stabile Demokratie degeneriert, wie dies auch andernorts in Europa unübersehbar geworden ist, sollten wir sie mit unserem persönlichen Einsatz wieder verjüngen und aktivieren.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Brauchen wir den Kanton Glarus noch?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wer mit politischen Schwergewichten zusammen sitzt, hört immer häufiger den Satz „In einer Generation werden wir nur noch 5-7 selbständige Kantone haben.“ Der Abfluss von Steuerkraft, der Auszug der talentierten jungen Menschen und der steigende Verwaltungsaufwand sind die Damoklesschwerter, welche den Untergang vieler Kantone zur Folge haben werden.

Wer sich dagegen wehrt, sind kantonale Parteien und Politiker, die auf Kosten ihrer mittelständischen Steuerzahler sehr attraktive und bequeme Jobs haben. Ich kenne Staats- und Regierungsräte, die schon seit zehn Jahren und mehr im Amt sind und nie etwas Nennenswertes geleistet haben. Andere haben das Schul- und Sozialwesen mehr ruiniert als optimiert. Weil sie die Deckung ihrer Parteifreunde und der Verwaltung haben, fällt das nicht weiter auf.

Die kantonalen Medien, an Qualität laufend verlierend, haben auch keinen Grund, ihre politische Scheinautonomie leichtfertig infrage zu stellen. Sie werden vom Bund und der SRG immer höher subventioniert, was den Verlegern kein sorgenfreies, aber ein erträgliches Leben gestattet.

Es stellt sich, stellvertretend für andere, die Frage: Brauchen wir den Kanton Glarus noch? Er hat ohnehin nur zwei Gemeinden, dazu einen Tourismus, der sich auf wenige Standorte (Braunwald) beschränkt, und eine Industrie, die langsam abwandert. Der einst progressive Kanton hat die Moderne weitgehend verschlafen. Es fehlt ihm das Geld, um eine nennenswerte Modernisierung zu verwirklichen; es fehlen ihm auch die Menschen, welche die Globalisierung und deren Konsequenzen verstehen.

Ergo, wir brauchen den Kanton Glarus als selbständigen Kanton eigentlich nicht mehr. Der „Zigerschlitz“, schon sein alter Name drückt dies aus, ist zum zugewandten Ort für das aufstrebende Rapperswil-Jona und die finanzstarken Innerschweizer Kantone geworden. Sie werden getragen vom expandierenden Grossraum Zürich, der in den kommenden zehn Jahren mit mindestens 200 000 Zuwanderern rechnet. Das ist es, was zählt.

Dem ebenso einwohnerschwachen Kanton Uri geht es nicht besser. Wenn die zweite Gotthard-Röhre kommt, woran nicht gezweifelt werden kann, bleibt von Uri nur ein Schlauch übrig, durch den Europas PKW und LKW von Nord nach Süd und zurück fahren werden. Ob die wenigen industriellen Säulen dann wirklich vor Ort überleben werden, wird sich erst in einer Generation zeigen. Wie die Burkhalter die Sika und Thomas Schmidheiny die Holcim aufgegeben hat, die Kaba sich einem deutschen Konzern angeschlossen hat, werden weitere Schweizer Firmen ähnliche Wege suchen, sei es für den Erhalt der Firma in einer Scheinselbständigkeit oder zur Sicherung des Familienkapitals. Der Urner Talboden wird dann europäisiert; aus Urner Tradition wird dann Folklore.

Im Westen nicht anders: Viele Oberwalliser, die in diesen Tagen im französischsprachigen Sion das 200jährige Jubiläum des Beitritts des Kantons Wallis zur Schweiz feiern müssen, nennen sich heute schon „Bernwalliser“. Von der Berner Regierung wird dies mit Wohlwollen aufgenommen. Die deutschsprachigen Oberwalliser, die sich selber nur „Walliser“ nennen, gelten als fleissig und zuverlässig. Da es nur noch 67 000 von ihnen gibt und das Französisch sprechende Unterwallis stärker wächst, fühlen sich die Vor-napoléonischen einstigen Herren des Wallis heute unterdrückt. Wie üblich, sind es die Besten, die den Fluchtweg über Bern, Basel und Zürich in die Deutsche Schweiz suchen.

Ein Kanton, der sich nicht selber finanzieren kann, hat, dauert dies an, seine Selbständigkeit verspielt. Wie das Unterwallis zu Recht als lémanischer Landesteil gilt, kann man den Kanton Fribourg der Waadt zuschlagen. Der Kanton Jura, eine politische Fehlgeburt, wird den gleichen Weg Richtung Genf gehen wollen, nachdem die Berner Regierung nie das Vertrauen der Béliers gefunden hat.

Sind dies nur Gedankenspiele oder ist dies baldige Realität? Die Schweiz tritt jetzt in eine wirtschaftliche Periode ein, wo nur hoch spezialisierte KMU- und Gewerbebetriebe und global tätige Unternehmen der A-Schweiz eine dauerhafte Überlebenschance haben. Die wirtschaftlich sich öffnenden Landesgrenzen werden, wie dies jetzt schon der Fall ist, zum Niedergang aller Betriebe führen, die Standardprodukte, und diese oft zu teuer, auf den Markt bringen.

Die Steuerleistungen werden eher rückläufig sein. Bund, Kantone und Gemeinden haben dann die Wahl, sich erneut tief zu verschulden oder Sozial- wie Transferleistungen abzubauen.
Wie der Kanton Glarus eine historische Reminiszenz ist, ein Bote aus der Schweizer Vorzeit der Pässe und der Industrialisierung, wo man derlei noch brauchte, sind heute die grossen Schweizer Städte die bestimmenden Faktoren. Der Widerstand der Kantone gegen diese Entwicklung kommt den Steuerzahler immer teurer zu stehen.

Es muss gelten: Wer sich nicht selbst finanzieren kann und seine überzogenen Ansprüche durch Dritte finanzieren lassen muss, hat die volle Autonomie bereits verloren.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Tierischer 5-Tagesabriss in beinahe lautloser Manier

Ilse Oehler

Ilse Oehler

Mitten in der Stadt lebt es sich in den Ferien in diesen Monaten in sich selber ruhend. Nur drei Meter entfernt von meinem Fenster sichte ich einen der drei oft genüsslich an der Sonne liegenden Fuchsmitbewohner in unserem Park. Diesem einen kann ich sogar durch das geschlossene Fenster zu pfeifen. Direkt schaut er mir seelenruhig in die Augen, ohne Angst, spitzt die grossen Ohren, dann diese kratzend. Wegen ungewohnter Tonlage? Im Wechsel über das festgetretene Weglein nutzten auch Katzen diesen Pfad. Seit die jungen Füchse flügge geworden sind, haben jene das Sagen. Nur noch eine mutige Katze ist scheinbar tagsüber da unterwegs.

Am 2. Tag auf dem Balkon. Über meinem Kopf, hautnah, es sah aus, als wirft jemand eine Mütze in die Höhe, in Sekundenschnelle, gleichzeitig ein harter Knall. Es versuchte die Kurve zu kriegen und am Zwischenpfeiler fand es seinen Tod. Traurig, da lag es am Boden und rang noch zweimal nach Luft. Eigenartig, dass dieser Platz dem Amselweibchen mit schwarzem Schnabel sein Todesurteil wurde, da nie in all den Jahren sowas passierte.

Anderntags entdecke ich in einem Zwischengang an der kühlen Decke einen eigenartigen runden Bollen. Sanft stupfe ich nach oben. Ein knalliger Widerhall wie von einer runterfallenden Nussschale. Am Boden lag ein Marienkäferchen. Ihm konnte ich das Grün auf meinem Balkon anbieten.

Wie überraschten mich am 4. Tag kleinste Ameisen im Duschraum. Tonlos krochen sie im Wechsel. Schnell war die Ursache entdeckt. Ein Handwerker war im Haus und konnte die Ursache unmittelbar beheben. Wie sagte er, mit einer Fugenspritze. Ein Löchlein hat er zugekittet, die winzigen Ameisen irritiert und in die Flucht getrieben. Ob er weiss, dass Fuge, die Musikform, in lateinisch „Flucht“ bedeutet.

Am 5. Tag wird es nicht bunt, sondern schwarz-weiss. Ein aus dem Revier von Amtswegen fachmännisch vertriebener Frechdachs hat sich wieder auf den Weg begeben. Es grüsst das Raubtier in seinem dicken rauen Dachshaar am helllichten Vormittag auf diesem Trampelpfad. Eine Erinnerung? Vaters Rasierpinsel aus Dachshaaren, auch mitten in der Nacht das Erlebnis mit einem Stinktier.

Und wenn wir gerade bei erlebter Tiervielfalt sind. Stammen wir vom Affen ab? Dabei sei in der Hitze des Gefechts ein Schwenker erlaubt, zurück zu meinem natürlichen Urstamm. Meine Mutter musste meinen Bruder in seiner pubertierenden Zeitphase des Öftern zähmen. Denn er rief uns Schwestern eines Tages übermütig zu: „Du Aff Du!“ So nahm unsere Mamma ihn in die Pflicht. Ab diesem Moment bündelte er still und leise all seine jungen Hirnzellen, wagte erneut einen Angriff, indem er uns zurief: „166, 166, 166“. Spitzbübisch gefiel er sich in seiner Rolle. Ich aber wollte nicht sein Alphabet Affe sein. Eine unzumutbare Gugelfuhr für unsere Eltern.

Ein Kontrapunkt dagegen sehr?
Diese Sommerhitze 2015 macht Tier und Mensch Unternehmens-/Reiselustig. Komplexe Sachverhalte durchdringen die Welt und unsere Wahrnehmung. Ferienzeit, frei verfügbare Zeit für Gedankensprünge/ Einschnitte wie Fugen zur Fuge: «Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565)», von Bach.

https://de.wikipedia.org/wiki/Toccata_und_Fuge_d-Moll_BWV_565
https://www.youtube.com/watch?v=ipzR9bhei_o

Ilse Oehler

Dienstleistungen ohne Menschen

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie

Self-Check-out bei Migros und Coop, Web-Check-in bei den Fluggesellschaften, Banken ohne Schalter, Pflegeroboter in Japan – und in Zukunft selbststeuernde LKWs ohne Chauffeure auf unseren Autobahnen? Schleichend, aber mit ungeheurer Wucht verändert sich unsere Dienstleistungs-gesellschaft. Wer es noch nicht bemerkt hat: Immer öfter erbringen wir Kunden selbst die Dienstleistung: Wir scannen beim Einkaufen die Preise unserer Waren ein und erledigen beim Ausgang gleich selbst die Abrechnung. Beim Abfluggate am Flughafen stehen wir, wenn wir Economy Class fliegen, vor dem „Gatter“ und öffnen durch das Einscannen der Boarding Card uns selbst die Türen.

Als Sohn eines Swissair-Mitarbeiters durfte ich schon in Kindheitstagen relativ viel fliegen. Beim Check-in wünschte die Dame am Schalter jedem einen guten Flug, beim Boarding vor dem Verlassen des Flughafengebäudes genauso. Sie werden nun sagen, das hat die Fluggesellschaft ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so antrainiert, ob der Wunsch deshalb aus dem Herzen kam? Die paar Worte mögen durchaus etwas Mechanisches an sich gehabt haben, aber es war für beide, für den Kunden und den Angestellten, doch ein kurzer persönlicher Augenblick. Und einen guten Wunsch zu vernehmen, ist allemal ein Lächeln wert.

Kürzlich flog ich von Wien nach Zürich. Für einmal hatte ich ein Gepäckstück aufzugeben. Ich probierte den automatischen Check-in, bei dem man gleich selbst den Koffer auf das Transportband stellt und ihn eincheckt. Irgendwie funktionierte das Einscannen des Strichcodes nicht. Ich schaute mich hilfesuchend um und erblickte eine Mitarbeiterin, die für solche Fälle beim automatischen Check-in ihre Dienste anbietet. Leider war sie eine Ausnahme von der Regel österreichischer Gastfreundschaft. Zögernd und mit finsterer Mine kam sie meiner Bitte um Unterstützung nach. Später dachte ich mir, vielleicht war sie so wenig hilfsbereit, weil sie erkannte, dass mit diesen technischen Neuerungen in kurzer Zeit eine ganze Berufsgruppe verschwinden wird.

Kommen nach der Landwirtschaft und der Industrie nun auch die Dienstleistungen unter Rationalisierungsdruck? So ist es. In unserer Hochlohn-Gesellschaft sind persönliche Dienstleistungen ein Luxus geworden. Geht dann unserer Gesellschaft die Arbeit aus? Ich habe diese Frage schon öfters in meinem Leben gehört, deshalb male ich kein Schreckensszenario an die Wand. Ich denke, dass durch Innovationen wieder neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden.

Ob aber das Persönliche durch diese Rationalisierungen nicht auf der Strecke bleibt, da bin ich weniger optimistisch. Erkennen wir überhaupt noch den Wert einer persönlichen Begegnung? Welche Einstellung haben wir zum Kernwort der Dienstleistungsgesellschaft, nämlich anderen Menschen einen Dienst erweisen?

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie Zürich