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Ein Sommer zum geniessen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es war unglaublich heiss in diesem Sommer, aber alte Knochen haben diese Wärme ganz gerne. Unangenehm sind nur zwei Dinge: Die brennende Sonne im Gesicht und auf der Glatze und die Schwierigkeit, richtig tief einatmen zu wollen. Mit Hut, Kappe, Sonnenschirm und Fächer lässt sich der heisse Sommer erträglicher machen. Missen möchte ich ihn nicht.

Viel ärgerlicher ist die Entwicklung unseres Landes. Während wir den Bergkantonen das Bauen von Zweitwohnungen verboten haben, haben sich bei uns im industriellen Flachland die Baukräne vervielfältigt und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Kanton Zürich als eine der wachstumsstärksten Schweizer Regionen, soll von 1,4 Millionen Einwohnern auf 1,56 Millionen ausgebaut werden. Niemand verbürgt sich, dass es auch mehr werden können.

Warum dieser Wahnsinn? Economiesuisse, die Dachorganisation der Schweizer Wirtschaft unter Leitung des Misserfolgsmanagers (Kuoni, Axpo) Heinz Karrer, hat die Weichen auf Wachstum gestellt. Das gilt natürlich nur für Konzerne und grosse Dienstleistungsfirmen. Metzger, Coiffeure und Hoteliers müssen selber sehen, wie sie zurechtkommen. Dafür ist der Schweizerische Gewerbeverband zuständig, der von Hans-Ulrich Bigler geführt wird. Wenn Economiesuisse und Bundesrat zusammen spielen, hat er einen schweren Stand.

Was noch zunehmen wird, ist der sehr lärmige Strassenverkehr. Autobahnen werden vom Bund vor allem im Jura und im Oberwallis gebaut; die Ausbauten im Mittelland gehen sträflich langsam voran, worüber sich vor allem die SBB freuen, die ihre Passagiere zu Spitzenzeiten auf dem Fussboden sitzen lässt. Das gilt jetzt als lässig.

Ausgebaut wird auch der Flughafen Zürich-Kloten, wo heute 25 Millionen Passagiere abgefertigt werden, davon ein grosser Teil Transitpassagiere, die unserem Land wenig, der Deutschen Lufthansa, die bei uns unter dem Decknamen Swiss arbeitet, aber viel bringen. Zürich ist ein offizieller Heimatflughafen der Deutschen Lufthansa; es war einmal der Heimatflughafen der Swissair. Dass wir sie nicht mehr haben, ist eher unsere Schuld resp. solcher Persönlichkeiten wie Marcel Ospel, Moritz Suter und Kaspar Villiger, die keine zwei Milliarden Franken mehr einschiessen wollten. Später haben wir die UBS mit sechzig Milliarden gerettet.

Das Wachstum der Schweiz spielt sich im internationalen Handel ab:

– Deshalb subventionieren wir mit unserem Steuergeld den Landesflughafen Zürich-Kloten, der aber zu einem Drittel von Süddeutschen benutzt wird, die uns dafür den Fluglärm und die Abgase hinterlassen.

– Deshalb subventionieren wir das Tram zwischen Basel und der deutschen Stadt Weil, damit die Basler lernen, günstig in Deutschland einzukaufen. Der Basler Detailhandel ist nicht erfreut.

– Deshalb subventionieren wir mit 780 000 Franken pro Jahr ab dem 13. Dezember fünfmal täglich die SBB-Verbindung St. Gallen-Konstanz, damit die St. Galler günstig in Deutschland einkaufen können. Die Konstanzer zahlen nur 14% der Kosten für den Schweizer Zug.

Ich finde, unsere Chefbeamten sind verrückt geworden. Sie freuen sich über „die gute Gesprächskultur“ mit den Deutschen und lassen sich über den Tisch ziehen, als hätten sie nie jassen gelernt. Die Deutschen aber pokern mit uns.
Diesen Sommer wollen wir geniessen; was kommt, wird fürchterlich.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum handelt der Bundesrat nicht?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Nie werde ich vergessen, wie ich von der FDP Schweiz und dem damaligen FDP-Nationalrat Niklaus Schneider-Ammann in die Arbeitsgruppe KMU eingeladen wurde. Die Sitzungen fanden, wie üblich, im Zürcher Hauptbahnhof statt, damit die Teilnehmer aus der ganzen Schweiz einen leicht erreichbaren Treffpunkt hatten. Wir waren hoch kreativ, lasen Papiere, gaben Stellungnahmen ab, begleitet von Spitzenbeamten aus Bern. Was ist daraus geworden? Niklaus Schneider-Ammann wurde Bundesrat; den KMU geht es nicht besser, eher schlechter.

Unsere FDP-, SVP- und CVP-Politiker überschlagen sich seit Jahren mit Vorschlägen zum Abbau der Bürokratie, damit Unternehmer wieder besser atmen und arbeiten können. Kaum sind sie Regierungs-, Staats- oder Bundesräte geworden, haben sie alles vergessen. Warum handelt der Bundesrat nicht. Warum handeln die kantonalen Regierungen nicht?

Es gibt nur eine Antwort: Die Spitzenvertreter der Verwaltung, die Staatssekretäre und Chefbeamten, wollen dies nicht. Ganz im Gegenteil, sie machen Karriere und verdienen grossartig, wenn ihr Apparat immer grösser wird. Er verlangt mehr Arbeitssicherheit, mehr Lehrlingsausbildung, mehr Produktedeklarationen, mehr Produktesicherheit, mehr statistische Erhebungen (damit die Beamten etwas zu tun haben) und mehr Auskünfte, die ein Konzern widerwillig, aber leicht leistet, für einen 10 Personen-Betrieb aber untragbar, weil eine Belastung sind.

Das normierte Denken in der Verwaltung siegt über das kreative Denken in den Firmen. Seit die Schweizerische Nationalbank der Schweizer Wirtschaft einen Tiefschlag versetzt hat, indem sie den Franken teurer machte, appellieren Bundes-, National- und Ständeräte an die Kreativität der Schweizer Firmen. Gleichzeitig tun sie alles, um den Berner wie den kantonalen Politik- und Verwaltungsbetrieb zu fördern, der die Kosten steigert und die Kraft zu Neuem verringert.
„Die Überregulierung durch staatliche Amtsstellen wird immer grösser“, sagt mein Freund Ruedi Lustenberger, der Zentralpräsident des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten. Er beklagt, dass der Staatsdienst den Staatsangestellten mehr dient, als den freien Bürgern. Sollen wir davon überrascht sein? Seit Cicero wissen wir: Eine schwache Regierung braucht immer eine starke Verwaltung. Was heisst das für unser Land?

Es bedeutet, dass jeder vernünftige National- und Ständerat in aller Heimlichkeit den Marschallstab in seiner Tasche mit sich führt, der ihn zum Bundesrat führen soll. Ist er einmal Bundesrat, wie Johann Schneider-Ammann es geschafft hat, wird er zur Fingerpuppe der Verwaltung, die nur darauf wartet, ihn zu integrieren. Jeder kluge Bundesrat wird mehr auf die Verwaltung hören als auf seine Parteiwähler, denn Bundesräte sind nicht abwählbar.
Die KMU und das Gewerbe haben auch kaum eine Chance gegen die grossen Banken, Konzerne und Dienstleistungsfirmen, welche die erfolgreiche Exportschweiz repräsentieren. Diese haben genug personelle und intellektuelle Ressourcen, um Firmen der B-Schweiz an den Rand zu spielen. Ohne den Schweizerischen Gewerbeverband mit seinem Direktor Hans-Ulrich Bigler, der einen hinhaltenden Widerstand leistet, wäre die Lage noch weitaus schlimmer.

Kurzum, die Parteien und Parlamentarier, im Konflikt zwischen Konzern- und Gewerbeinteressen, haben sich längst auf die Seite der Grossfirmen geschlagen. Die kommenden Steuersenkungen werden den Grossfirmen mehr nützen als den kleinen. Während die FDP-Parlamentarier mehr den Konzernen dienen werden, sind die SVP-Politiker dem Gewerbe und den KMU näher. Die CVP-Politiker machen es allen schwer; die sogenannten kleinen Mitteparteien wie BDP und GLP haben keinen grossen Spielraum mehr.
Dem stehen die Sozialdemokraten gegenüber, die eine Partei von Mitgliedern aus der Verwaltung, den Gesundheitsbehörden und der Schulen wie Hochschulen sind. Diese verlangen, ganz natürlich, mehr Staat. Das Gewerbe hat kein Interesse daran, deren Forderungen zu unterstützen.

Was heisst das für den 18. Oktober? Den Versprechungen der Bundesräte ist kein Wort zu glauben. Was die Parteien uns wissen lassen, ist nicht mehr als eine Täuschung. Die Kandidaten werden uns im besten Fall gut unterhalten. Was auf den Stimmbürger zukommt, sind höhere Kosten. Die Fäuste im Sack werden dicker werden.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Italien setzt die Schweiz unter Wasser

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Viele von uns Älteren haben eine Wohnung oder ein Haus im Tessin. Jetzt müssen wir damit rechnen, dass die Italiener unsere Spaziergänge entlang des Lago Maggiore weniger attraktiv machen, denn sie verlangen einen stark erhöhten Pegelstand. Dies wird zur Folge haben, dass die Strände im Tessin noch kleiner werden, als sie es heute schon sind. Kommen die gefürchteten Herbst-, Winter- und Frühlingsstürme, die das Seewasser auf die Piazza treiben, ist mit noch mehr Hochwasser zu rechnen.

Niemand kann die Italiener daran hindern, diesen Plan zu verwirklichen. Sie kontrollieren das Stauwehr am südlichen Ende des Sees in Sesto Calende. Dahinter liegen tausende von Bauernbetrieben und Reisfarmern, die aufgrund der Seewasser-Reserve mehr Anbausicherheit wollen. Die mehr berühmten als schönen Kanäle von Milano, die vor wenigen Wochen wegen Wassermangels unpassierbar waren, werden auch mit Schweizer Wasser versorgt.

Ein Vergleich: Während Israel das Wasser des Jordan kontrolliert und es seinen Nachbarn, vor allem den Palästinensern, einfach zuteilt, haben bei uns die Italiener die Kontrolle über das Seewasser. Theoretisch können sie grosse Teile des Tessins unter Wasser setzen, werden dies aber schon deshalb nicht tun, weil sie selber gerne in Lugano und Locarno spazieren gehen und einkaufen.

Dieser Vorgang zeigt wieder einmal die Schwäche unserer Aussenpolitik: Im Süden bedrohen uns die Italiener, im Norden die Deutschen, im Westen die Franzosen, letztere aber weniger als die anderen. Nur die Österreicher im Osten unseres Landes sind friedlich, ganz wie die Liechtensteiner auch, die wir an dieser Stelle nicht vergessen wollen.

Haben Sie in den letzten Jahren, seit FDP-Bundesrat Didier Burkhalter das Aussendepartement führt, aussenpolitische Erfolge in Erinnerung? Nein, wir sind ständig in der Defensive und verkünden dies als grosse Erfolge.

Der Tessin spielt in der Schweizer Politik ohnehin kaum noch eine Rolle. Einzig Massimo Lombardi, Ständerat, Eishockey-Präsident und Freund Russlands, darf als gewichtige Persönlichkeit gelten. Mit seinen Vorstössen trägt er dazu bei, die Darbellay’sche CVP ganz zu zertrümmern, will er doch einen zweiten SVP-Bundesrat unterstützen. Mancher muss hier tief durchatmen.

Der Tessin ist ein wunderbarer Lebensraum, der uns manche Reise nach Afrika oder in den Nahen Osten ersetzt. Wenn wir älteren Menschen uns dort wohl fühlen, weil einfach alles stimmt, muss dies nicht heissen, dass dies nicht für unsere Enkel gilt. Hier ist die Einschränkung zu akzeptieren, dass das Locarnese sprachlich offener und das Schwiizerdütsch weit verbreitet ist, während die Luganeser Jugend, soweit es sich noch um Schweizer handelt, das Italienische vorzieht.

Derlei Mühen sind es, welche unsere Schweiz spannend und attraktiv machen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum gehen Sie nicht wählen?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wahrscheinlich werden am 18. Oktober wieder nur 45% aller Stimmberechtigten an die Urne gehen, um die alten und neuen National- und Ständeräte zu wählen. Niemand sollte aber sagen, das Schweizer Volk interessiere sich nicht für Politik, treten doch über 2800 Bewerberinnen und Bewerber national an, um einen der 246 Sitze im Parlament in Bern zu gewinnen.

Die bürgerlichen Parteien, einschl. der Sozialdemokraten, die in ihrer Mehrheit längst verbürgerlicht sind, haben nicht das geringste Interesse an einem wirklichen Wahlkampf. Dies kostet nur viel Geld, welches niemand hat, und bringt mit den Neuwählern nur Risiken, dass etwas falsch läuft. Wenn CVP und SP mit exotisch wirkenden Neuschweizern antreten, löst dies im Volk meist Kopfschütteln aus; die ehrgeizigen Kinder aus Schweizer Mischehen haben keinen leichten Stand.

Einzige Ausnahme ist die SVP, die mit einem von Dr. Christoph Blocher gesteuerten Dauerwahlkampf endlich auf 28% der Stimmen oder etwas mehr kommen möchte. Die Kleinparteien, einschl. der CVP, laufen Gefahr, weiter an Einfluss zu verlieren. Warum eigentlich?

Der seit acht Jahren erkennbare Trend zum Dauerwahlkampf während des ganzen Jahres fordert die Parteispitzen wie die Parteikassen. Unangefochten liegt seit gut 20 Jahren die SVP an der Spitze, angetrieben vom Ausnahmepolitiker Christoph Blocher. Doch ist die mangelnde Führung der Partei unübersehbar: In Basel-Stadt, der Waadt und Zug sind die kantonalen SVP-Präsidenten unter Druck gekommen. Der Zürcher Kantonalpräsident Alfred Heer distanziert sich vom Wahlkampf seiner Mutterpartei. Parteipräsident Toni Brunner („Das Sünneli“) startet politische Vorstösse, die sich innert 48 Stunden in Nichts auflösen.

Noch ungewisser ist die Situation bei der FDP, die zwischenzeitlich als sicherer Wahlsieger im Herbst gilt. Die einst abgewanderten Rechtsliberalen strömen offensichtlich wieder zum liberalen Original zurück. Dies ist weniger begründet durch eine besondere Leistung der FDP, sondern gleicht eher dem schwappenden Wasser in einem Kessel: einmal hin, einmal zurück.

Parteipräsident Philipp Müller hält sich erkennbar zurück, um keine Verwirrung zu stiften. Fraktionschefin Gabi Huber hat ihren Rücktritt aus Rat und Politik angekündigt; ihren Leistungsnachweis kann sie nur wolkig beschreiben, was mindestens im Urnerland als Leistungsnachweis gilt.

Bei der CVP muss am 18. Oktober insofern ein Wunder geschehen, als nur die Stammwähler der einst christlichen Partei das einstige Flaggschiff des Schweizer Katholizismus vor dem Niedergang retten können. Dem Walliser Christophe Darbellay ist es nicht gelungen, seiner Partei neue Motorik zu vermitteln. Die echten Altkatholiken sterben aus, politisch begabte Jungkatholiken müssten unter Schutz gestellt werden, so selten sind sie geworden. Das Potential für eine christlich-sozialliberale Politik ist unter dem Druck der Verteilungskämpfe im Binnenmarkt eingebrochen und hat keine Erholungschancen. Der Untergang des Landesrings und der Liberalen Partei, die sich der FDP anschliessen musste, sollten als Fanal gewertet werden.

Die Sozialdemokraten zu wählen, ist für ältere bürgerliche Menschen ausgeschlossen, gibt sich die Partei unter Führung von Christian Lévrat doch vorwiegend als Enteignungs- und Umverteilungspartei, welche die Zukunft unseres Landes in der EU oder mindestens dieser angenähert sieht. Angehörige staatlicher Verwaltungen, der Gesundheits-, Sozial- und Schulindustrie, werden diese Auffassung nicht teilen, sind sie doch Gewinner der Umverteilung. Wir haben längst nicht mehr eine Politik von „Mehr Freiheit, weniger Staat“, die zuletzt auch dem Freisinn peinlich war, sondern eine Politik von „Mehr Staat, weniger Freiheit“.

Die grosse Zahl neuer Kandidaten beweist: Ein wichtiger Teil aktiver Mitbürger ist unzufrieden, wie die Parteien jetzt in Bern den Kuchen unter sich aufteilen und die Zukunft des Landes gestalten wollen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Rapperswiler Unternehmer Marcel Dobler. Erst 35jährig, hat er die Firma digitec AG mit über 500 Mitarbeitern aus dem Start zum Erfolg geführt. Jetzt will er etwas für das Land tun und kandidiert im Kanton St. Gallen als FDP-Nationalrat. Dobler will eine solide Wachstumspolitik nicht nur für seinen wirtschaftlich gefährdeten Kanton St. Gallen, sondern die ganze Schweiz.

Wie wichtig diese Bewegung ist, die bei uns vom Volk ausgeht, zeigt das Beispiel der USA: Dort hat bei den konservativen Republikanern ein proletarischer Milliardär das Kommando übernommen. Donald Trump zeigt die Schwäche der einstigen Elitepartei überdeutlich an seiner Person auf. Wenn mit ihm die „weissen Amerikaner“ nach Obama wieder an die Macht kommen wollen, erinnert dies stark an das späte Rom.

Also, gehen Sie wählen, stimmen Sie ab. Ehe auch unsere noch recht stabile Demokratie degeneriert, wie dies auch andernorts in Europa unübersehbar geworden ist, sollten wir sie mit unserem persönlichen Einsatz wieder verjüngen und aktivieren.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Brauchen wir den Kanton Glarus noch?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wer mit politischen Schwergewichten zusammen sitzt, hört immer häufiger den Satz „In einer Generation werden wir nur noch 5-7 selbständige Kantone haben.“ Der Abfluss von Steuerkraft, der Auszug der talentierten jungen Menschen und der steigende Verwaltungsaufwand sind die Damoklesschwerter, welche den Untergang vieler Kantone zur Folge haben werden.

Wer sich dagegen wehrt, sind kantonale Parteien und Politiker, die auf Kosten ihrer mittelständischen Steuerzahler sehr attraktive und bequeme Jobs haben. Ich kenne Staats- und Regierungsräte, die schon seit zehn Jahren und mehr im Amt sind und nie etwas Nennenswertes geleistet haben. Andere haben das Schul- und Sozialwesen mehr ruiniert als optimiert. Weil sie die Deckung ihrer Parteifreunde und der Verwaltung haben, fällt das nicht weiter auf.

Die kantonalen Medien, an Qualität laufend verlierend, haben auch keinen Grund, ihre politische Scheinautonomie leichtfertig infrage zu stellen. Sie werden vom Bund und der SRG immer höher subventioniert, was den Verlegern kein sorgenfreies, aber ein erträgliches Leben gestattet.

Es stellt sich, stellvertretend für andere, die Frage: Brauchen wir den Kanton Glarus noch? Er hat ohnehin nur zwei Gemeinden, dazu einen Tourismus, der sich auf wenige Standorte (Braunwald) beschränkt, und eine Industrie, die langsam abwandert. Der einst progressive Kanton hat die Moderne weitgehend verschlafen. Es fehlt ihm das Geld, um eine nennenswerte Modernisierung zu verwirklichen; es fehlen ihm auch die Menschen, welche die Globalisierung und deren Konsequenzen verstehen.

Ergo, wir brauchen den Kanton Glarus als selbständigen Kanton eigentlich nicht mehr. Der „Zigerschlitz“, schon sein alter Name drückt dies aus, ist zum zugewandten Ort für das aufstrebende Rapperswil-Jona und die finanzstarken Innerschweizer Kantone geworden. Sie werden getragen vom expandierenden Grossraum Zürich, der in den kommenden zehn Jahren mit mindestens 200 000 Zuwanderern rechnet. Das ist es, was zählt.

Dem ebenso einwohnerschwachen Kanton Uri geht es nicht besser. Wenn die zweite Gotthard-Röhre kommt, woran nicht gezweifelt werden kann, bleibt von Uri nur ein Schlauch übrig, durch den Europas PKW und LKW von Nord nach Süd und zurück fahren werden. Ob die wenigen industriellen Säulen dann wirklich vor Ort überleben werden, wird sich erst in einer Generation zeigen. Wie die Burkhalter die Sika und Thomas Schmidheiny die Holcim aufgegeben hat, die Kaba sich einem deutschen Konzern angeschlossen hat, werden weitere Schweizer Firmen ähnliche Wege suchen, sei es für den Erhalt der Firma in einer Scheinselbständigkeit oder zur Sicherung des Familienkapitals. Der Urner Talboden wird dann europäisiert; aus Urner Tradition wird dann Folklore.

Im Westen nicht anders: Viele Oberwalliser, die in diesen Tagen im französischsprachigen Sion das 200jährige Jubiläum des Beitritts des Kantons Wallis zur Schweiz feiern müssen, nennen sich heute schon „Bernwalliser“. Von der Berner Regierung wird dies mit Wohlwollen aufgenommen. Die deutschsprachigen Oberwalliser, die sich selber nur „Walliser“ nennen, gelten als fleissig und zuverlässig. Da es nur noch 67 000 von ihnen gibt und das Französisch sprechende Unterwallis stärker wächst, fühlen sich die Vor-napoléonischen einstigen Herren des Wallis heute unterdrückt. Wie üblich, sind es die Besten, die den Fluchtweg über Bern, Basel und Zürich in die Deutsche Schweiz suchen.

Ein Kanton, der sich nicht selber finanzieren kann, hat, dauert dies an, seine Selbständigkeit verspielt. Wie das Unterwallis zu Recht als lémanischer Landesteil gilt, kann man den Kanton Fribourg der Waadt zuschlagen. Der Kanton Jura, eine politische Fehlgeburt, wird den gleichen Weg Richtung Genf gehen wollen, nachdem die Berner Regierung nie das Vertrauen der Béliers gefunden hat.

Sind dies nur Gedankenspiele oder ist dies baldige Realität? Die Schweiz tritt jetzt in eine wirtschaftliche Periode ein, wo nur hoch spezialisierte KMU- und Gewerbebetriebe und global tätige Unternehmen der A-Schweiz eine dauerhafte Überlebenschance haben. Die wirtschaftlich sich öffnenden Landesgrenzen werden, wie dies jetzt schon der Fall ist, zum Niedergang aller Betriebe führen, die Standardprodukte, und diese oft zu teuer, auf den Markt bringen.

Die Steuerleistungen werden eher rückläufig sein. Bund, Kantone und Gemeinden haben dann die Wahl, sich erneut tief zu verschulden oder Sozial- wie Transferleistungen abzubauen.
Wie der Kanton Glarus eine historische Reminiszenz ist, ein Bote aus der Schweizer Vorzeit der Pässe und der Industrialisierung, wo man derlei noch brauchte, sind heute die grossen Schweizer Städte die bestimmenden Faktoren. Der Widerstand der Kantone gegen diese Entwicklung kommt den Steuerzahler immer teurer zu stehen.

Es muss gelten: Wer sich nicht selbst finanzieren kann und seine überzogenen Ansprüche durch Dritte finanzieren lassen muss, hat die volle Autonomie bereits verloren.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Leben wir nicht sorglos?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Das jüngste Sorgenbarometer der Schweiz sagt eigentlich nur eines aus: Wir haben keine ernsthaften Sorgen. Natürlich sind wir besorgt, haben diffuse Ängste und manchmal sogar echten Ärger, aber Sorgen, echte Sorgen, haben nur die wenigsten.

Vor zehn Tagen war ich drei Tage im Goetheanum in Dornach, um mir dort den neuen „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe anzusehen. Dieser „faustische Wille“, alles, aber auch alles in seinen tiefsten Gründen zu erfahren, hat uns seit 250 Jahren weit gebracht. Die Welt ist zusammen gerückt, die Europäer sind sich näher gekommen, die Atombombe hat einen Weltkrieg verhindert und dem genetisch optimierten Menschen kommen steht vor der Tür. Die naturnahe Menschenproduktion wird zunehmend abgelöst von der kulturell gesteuerten Menschenproduktion. Wer im Uterus ungenügende Leistungen zeigt, wird früh abgetrieben. Wer vorzeitig aus dem Leben aussteigen möchte, kann dies in der Schweiz ohne Schwierigkeiten verwirklichen.

Die Walpurgisnacht, wo Frauen sich als Hexen selbst verwirklichen, erleben wir an jedem freundlichen Wochenende in Lausanne, wenn dort die Jugend sich trifft. Es gilt aber auch für jedes öffentliche und private Fest, „wo jeder sich selbst spüren will“ und sein Da-Sein sucht.

Was den Frauen recht ist, gilt auch für die Männer. Wer einst in „Auerbachs Keller“ tobte, sucht heute die Disco auf. „Niedrige Astralität“ wird dies in Dornach genannt; dem kann kaum widersprochen werden.

Plutus, der Gott des Reichtums, herrscht in der Schweiz. „Tatendurst und Schöpferdrang“ stellen wir allerdings kaum noch fest; vielmehr ist Ausverkauf angesagt: Holcim an Lafarge, Sika an Saint-Gobain, die Hotels an die Chinesen. Viele werden diesen Weg noch gehen.

„Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen“, hätte auch mancher Schweizer Bankier des 20. Jahrhunderts gerne gesagt. Schon nach einer Generation sind sie abgelöst worden durch Deutsche (UBS), Afrikaner (CS Group) oder Amerikaner und Holländer.

Gerade deshalb empfehle ich den Besuch in Dornach. Dort sind mir nur Menschen, jeglichen Alters und aus aller Welt begegnet, die lächeln. Kein falsches Lächeln auf den Stockzähnen, sondern jene warme Herzlichkeit, die sonst in unseren Theatern und Opernhäusern fast ausgestorben ist.

Das Ziel der Schüler Rudolf Steiners ist es, durch Selbsterkenntnis zur Welterkenntnis durchzustossen. Die Begegnung mit dem „luziferischen“ Sein ist ein möglicher Weg hinauf auf den „mons philosophicus“, dessen Ersteigung im 21. Jahrhundert noch vor uns liegt.

Die grösste Gefahr, welcher wir ausgesetzt sind, wird von vielen nicht erkannt: Sind wir doch eingeschlossen wie Homunculus in der Phiole, glauben viel zu wissen und frei zu atmen, während wir isoliert sind im „containment“, das unseren Horizont beschränkt.

Ausbrüche sind nur dann möglich, durchbrechen und erweitern wir das landesübliche Medienangebot. Ganz offensichtlich kommt das Wissen von weit aussen, nicht von innen. Damit sind wir zurück in der Schweizer Wirklichkeit, wie sie sich seit 700 Jahren präsentiert: Es sind die fremden Geister, welche unser Land fortwährend erneuern.

Das ist die gute Botschaft.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Tierischer 5-Tagesabriss in beinahe lautloser Manier

Ilse Oehler

Ilse Oehler

Mitten in der Stadt lebt es sich in den Ferien in diesen Monaten in sich selber ruhend. Nur drei Meter entfernt von meinem Fenster sichte ich einen der drei oft genüsslich an der Sonne liegenden Fuchsmitbewohner in unserem Park. Diesem einen kann ich sogar durch das geschlossene Fenster zu pfeifen. Direkt schaut er mir seelenruhig in die Augen, ohne Angst, spitzt die grossen Ohren, dann diese kratzend. Wegen ungewohnter Tonlage? Im Wechsel über das festgetretene Weglein nutzten auch Katzen diesen Pfad. Seit die jungen Füchse flügge geworden sind, haben jene das Sagen. Nur noch eine mutige Katze ist scheinbar tagsüber da unterwegs.

Am 2. Tag auf dem Balkon. Über meinem Kopf, hautnah, es sah aus, als wirft jemand eine Mütze in die Höhe, in Sekundenschnelle, gleichzeitig ein harter Knall. Es versuchte die Kurve zu kriegen und am Zwischenpfeiler fand es seinen Tod. Traurig, da lag es am Boden und rang noch zweimal nach Luft. Eigenartig, dass dieser Platz dem Amselweibchen mit schwarzem Schnabel sein Todesurteil wurde, da nie in all den Jahren sowas passierte.

Anderntags entdecke ich in einem Zwischengang an der kühlen Decke einen eigenartigen runden Bollen. Sanft stupfe ich nach oben. Ein knalliger Widerhall wie von einer runterfallenden Nussschale. Am Boden lag ein Marienkäferchen. Ihm konnte ich das Grün auf meinem Balkon anbieten.

Wie überraschten mich am 4. Tag kleinste Ameisen im Duschraum. Tonlos krochen sie im Wechsel. Schnell war die Ursache entdeckt. Ein Handwerker war im Haus und konnte die Ursache unmittelbar beheben. Wie sagte er, mit einer Fugenspritze. Ein Löchlein hat er zugekittet, die winzigen Ameisen irritiert und in die Flucht getrieben. Ob er weiss, dass Fuge, die Musikform, in lateinisch „Flucht“ bedeutet.

Am 5. Tag wird es nicht bunt, sondern schwarz-weiss. Ein aus dem Revier von Amtswegen fachmännisch vertriebener Frechdachs hat sich wieder auf den Weg begeben. Es grüsst das Raubtier in seinem dicken rauen Dachshaar am helllichten Vormittag auf diesem Trampelpfad. Eine Erinnerung? Vaters Rasierpinsel aus Dachshaaren, auch mitten in der Nacht das Erlebnis mit einem Stinktier.

Und wenn wir gerade bei erlebter Tiervielfalt sind. Stammen wir vom Affen ab? Dabei sei in der Hitze des Gefechts ein Schwenker erlaubt, zurück zu meinem natürlichen Urstamm. Meine Mutter musste meinen Bruder in seiner pubertierenden Zeitphase des Öftern zähmen. Denn er rief uns Schwestern eines Tages übermütig zu: „Du Aff Du!“ So nahm unsere Mamma ihn in die Pflicht. Ab diesem Moment bündelte er still und leise all seine jungen Hirnzellen, wagte erneut einen Angriff, indem er uns zurief: „166, 166, 166“. Spitzbübisch gefiel er sich in seiner Rolle. Ich aber wollte nicht sein Alphabet Affe sein. Eine unzumutbare Gugelfuhr für unsere Eltern.

Ein Kontrapunkt dagegen sehr?
Diese Sommerhitze 2015 macht Tier und Mensch Unternehmens-/Reiselustig. Komplexe Sachverhalte durchdringen die Welt und unsere Wahrnehmung. Ferienzeit, frei verfügbare Zeit für Gedankensprünge/ Einschnitte wie Fugen zur Fuge: «Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565)», von Bach.

https://de.wikipedia.org/wiki/Toccata_und_Fuge_d-Moll_BWV_565
https://www.youtube.com/watch?v=ipzR9bhei_o

Ilse Oehler

Kirchen im Warenhaus, Asylanten in die Klöster

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Demnächst kann der Churer Bischof Vitus Huonder im Ornat in Ebikon durch das grösste Warenhaus der Schweiz mit angeschlossenem Freizeitzentrum wandern. In der neuen „Mall“ amerikanischen Zuschnitts, die von Kuwaitis gebaut wird, weil der Schweizer Industrielle Alfred Schindler keine besseren Käufer für sein Grundstück fand, kann Bischof Vitus dann in einem interreligiösen Raum, wo auch Moslems, Juden, Hindus, Reformierte und andere Ungläubige Zutritt haben, die Heilige Messe lesen. Halleluja!

Früher kamen die Menschen zur Kirche; heute kommt die Kirche zu den Menschen. Die Ergebnisse sind wenig überzeugend. Während die christlichen Kirchen in die Warenhäuser ziehen, wollen die Landeskirchen die meist islamischen Asylanten in den Klöstern unterbringen.

Der Gebetsraum für die Shopping-Mall ist die Idee des dortigen Diakons und Gemeindeleiters Daniel Unternährer. Für den regionalen Gemeindeverband, wo das Grosswarenhaus zu stehen kommt, sagt die Managerin: „Ein interreligöser Andachtsraum könnte noch einmal ganz andere Leute nach Ebikon locken, auch ein Publikum, das der Mall kritisch gegenüber steht.“ Und die Betreiberfirma bestätigt: „Unser Ziel ist die Realisierung von maximalem Mehrwert für nationale und internationale Investoren.“

Bischof Gmür aus Basel, in dessen Bistum das Shopping Center zu stehen kommt, wird dort wohl kaum die Einsegnung vornehmen. Als treuer Anhänger von Papst Franziskus, Verkünder von weniger Konsum und mehr Respekt vor den 71% der Armen in der Welt, wird Bischof Vitus die Gläubigen wohl eher auffordern, regelmässig zu den Gottesdiensten in die Kirchen zu kommen.

Obwohl mehr Reformierte als römische Katholiken ihre Kirche aufgeben, stellt sich die Frage: Sind solche Gebetsräume mitten im Rummel wirklich der richtige Ort für die Verkündung des Glaubens? Die bisherigen Beispiele der Zürcher „Shopping Kirche“ im Sihlcenter, an Bahnhöfen oder Flughäfen sind nicht sehr ermutigend.

Jene Menschen, die am Wochenende wirklich keine Zeit haben, einen Gottesdienst zu besuchen, werden auch in den Schmalspur-„Kirchen“ nicht ihr Glück finden. Ich kann mir dort höchstens Stossgebete vorstellen: „Herr, lass‘ mich meine Kreditkarte wieder finden, weil mein Mann sonst ausrastet.“

Diese glattgesichtigen Diakone, deren penetrante Dauerfreundlichkeit und verständnisvolle Hingabe an jeden Unsinn leider zur Regel geworden sind, können nur eine Schwachstrom-Kirche zur Folge haben.

Die Kuwaitis wollen in Ebikon ihr Geld mit einem „maximalen Mehrwert“ verdienen. Wer dann in diesem Andachtsraum betet, ist den Arabern recht egal. Allah ist für alle Rechtgläubigen da, Gott bleibt verhüllt jenseits der Wolkenobergrenze und JAHWE kümmert sich nur um seine kleine Gemeinde, die es seit Jahrtausenden immer neu zu retten gilt.

Ist es nicht ein Jammer, wie mit solchen Vorschlägen die Kirche dem Mammon zu dienen beginnt? Jesus Christus hat den Tempel einmal ausgefegt und die Tische der Händler umgestürzt. Heute soll die Kirche den Händlern die Kunden bringen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Wie gefährlich ist eine Völkerwanderung?

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Kein Zweifel, die Zahl der Zuwanderer nach Europa hat in den letzten zwanzig Jahren dramatisch zugenommen. Wir stehen am Beginn einer neuen Völkerwanderung, die vom Süden nach Norden führt. Am Beispiel unserer germanischen Vorfahren, die vor 1 600 Jahren aus dem Norden nach Süden zogen, wird deutlich, welche Gefahren Europa und den Europäern drohen.

Meine Frau ist kimbrischer Herkunft. Aus dem heutigen nördlichen Dänemark zogen die Kimbern vor gut 2000 Jahren bis nach Südfrankreich, wo sie erstmals die Römer vernichtend schlugen. Ihre blauäugigen, rothaarigen und sommersprossigen Nachfahren leben noch heute in den Alpen; sie werden Walser genannt. Meine Walliser Schwiegermutter hatte noch die Walser-Merkmale. Sie wurden bei ihren Kindern genetisch überdeckt vom Luzerner Vater, einem Alemannen.

Die germanische Völkerwanderung führte über 500 Jahre zu grausamen Kriegen, Raubzügen und Überfällen, worunter die damaligen Völker, auch die Römer, sehr litten. Die Germanen wurden von den Römern Barbaren genannt, „Fremde“, und mit hohen Erdwällen abgehalten, ganz wie wir heute in Nordafrika, Spanien und Ungarn elektrisch geladene Zäune bauen, um die Barbaren aus Afrika, dem Mittleren Osten und Afghanistan abzuhalten.

Das half nichts, Rom brach zusammen. Germanenführer wurden zu römischen Kriegsherren ernannt, sogar zu Cäsaren. Die Macht ging, langsam und mit Rückfällen, auf sie über. Es dauerte tausend Jahre bis daraus das neue Europa entstand, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das von Napoléon I. vernichtet wurde.

Wenn Völker wandern, bilden sie, früher wie heute, in den Gastländern kleine Kolonien. Dies ist in Südfrankreich, Südschweden. London und Paris, aber auch in Kreuzberg in Berlin gut zu beobachten. Die Besten von ihnen werden Unternehmer und bald auch Chefs grosser Unternehmen. Der FC Wil wird von einer türkischen Familie geführt, das neue Andermatt von einem begabten Ägypter, die Crédit Suisse Group von einem talentierten Afrikaner von der Elfenbeinküste. Sie ziehen andere Verbündete nach, oft der gleichen Herkunft.

Die finanzielle Belastung, welche durch die von den eigenen Eliten geförderte Zuwanderung entsteht, trägt das Volk, soweit es über nennenswerte Mittel verfügt. Die Eliten, so war es schon im alten Rom, gingen Verträge mit den Zuwanderern ein, um ihre eigene Macht zu sichern.

Europa und die Schweiz werden deshalb nicht verschwinden, sondern in variablen Formen erhalten bleiben. Die Zuwanderer übernehmen einen Teil unserer Sitten, z.Bsp. den technischen Fortschritt (Handys, Autos, moderne Wohnungen), werden aber auf Bestandteile ihrer eigenen Kultur nicht leichtfertig verzichten.

„Old Europe“ sagen die Amerikaner über uns. Ja, wir sind alt und kinderlos geworden, ganz wie die Römer in ihrer Schlussphase, die 400 Jahre währte, auch.

Ich wünsche Ihnen einen frohen 1. August.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Schmetterling oder tote Raupe?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn Sie diese Zeilen lesen, packe ich gerade die Koffer, um ins Wallis zu reisen. Nein, nicht nach Zermatt, auch wenn ich dort auf der Riffelalp das Volkstheater besuchen werde. Unten im Dorf wimmelt es von Asiaten; sie mögen nett sein, aber eigentlich haben wir kein gemeinsames Interesse. Wir gehen uns aus dem Weg.

Aus dem gleichen Grund meide ich Luzern, Interlaken und die Jungfrau-Bahnen.
Was sollen diese Billigtouristen, die für eine Übernachtung mit Frühstück nur sechzig Franken zahlen wollen, uns an Mehrwert bringen? Gut, sie kaufen Uhren, Schuhe und Schmuck. Das ist das mindeste, was sie tun können.

Im Kanton St. Gallen wehren sich die Hoteliers, Wirte und Detailhändler gegen die Asien-Strategie ihres Walliser Tourismuschefs. Ich teile ihre Meinung, denn der Kanton ist wunderschön, aber in erster Linie geeignet für Deutsche, Österreicher, Holländer und Osteuropäer. Um sie zu gewinnen, muss man sich allerdings etwas einfallen lassen. Daran fehlt es wohl.

Jetzt ist mein Freund Hermann Suter gestorben, Intellektueller, Historiker, Kommandant und Rektor in Luzern. Er war einer der letzten grossen Schweizer, die für ihr Land zu kämpfen gewohnt waren. Asiatische Touristen waren so wenig sein Fall wie Schweizer Banken unter ausländischer Kontrolle. Suter hat gelitten unter der jetzigen Entwicklung unseres Landes. Von unseren Medien, die das Bild der Heimat zeichnen, hielt er gleich gar nichts: „Viele Journalisten warten nur auf Pfründen in der Verwaltung“, sagte er häufig und die Medien „als vierte Gewalt“ lösten bei ihm nur ein heftiges Gelächter aus.

Die Milizarmee, der er fleissig diente, sah er zu einem Anhängsel der NATO werden und es war niemand da, der ihm dies ernsthaft widerlegen wollte. Der in Bern geplante Untergang der Kantone in Metropolitanregionen fand in ihm einen misstrauischen Beobachter. Wie sich jetzt zeigt, haben die Kantone noch viel Widerstandskraft. Wie die Bundesverwaltung jetzt allerdings nicht nur Aufsicht, sondern auch die Entscheide über unsere Flughäfen an sich reissen will, würde Hermann Suters Beobachtungen bestätigen.

Was sind wir nun? Eine langsam absterbende Schweizer Raupe, wo die Bergtäler sich leeren und das Volk sich zwischen Zürich und Zug wie zwischen Lausanne und Genf drängt? Überall erlebe ich junge Menschen, wie Marcel Dobler aus Rapperswil,
35, Gründer von digitec, der jetzt in den Nationalrat will, um jungen Schweizer Unternehmern besser helfen zu können. Sie wollen nicht Kader in Konzernen werden, die zum Schluss ins Ausland verkauft werden, sondern die Schweiz aufbauen.

Oder wird die Schweiz von morgen jener strahlende Schmetterling, wo Menschen
aus aller Welt miteinander arbeiten und beieinander sitzen, wie Google in Zürich oder an der grossartigen ETH Lausanne? Viele junge Schweizer haben es geschafft, in diese schwer arbeitenden Zirkel einzudringen, aber noch mehr stehen einigermassen ratlos vor Türen, die sich nicht öffnen wollen.
Wir älteren Menschen, so wir klug waren, haben vorgesorgt; die erste bis dritte Säule ist intakt. Wir betrachten staunend, wie überfüllt die untere Bahnhofstrasse in Zürich ist und meiden sie. Unser Land ist laut und lärmig geworden.

Deshalb ziehe ich mich jetzt einige Tage in unser stilles Chalet auf 1300 Metern zurück. Dort brennt zwar auch die Sonne, aber der Wind bleibt kühl. Die Seele erwacht aus der städtischen Betäubung. Ich denke, das sollten Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, auch tun.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH