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Wer stellt die Welt auf den Kopf?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Als Schweizer haben wir es gerne senkrecht, sehr gerade, immer aufrecht und, bitte, ohne Unklarheiten, ohne Wischiwaschi. Wer eine eigene Meinung hat, was ohnehin als Luxus gelten darf, möge diese auch be- und festhalten. Abweichler gelten als unzuverlässig, ja fast als Landesverräter.

Weil die Zeiten unruhig sind und des öfteren Ereignisse eintreten, die mit unserem Wissenstand wenig vereinbar sind, halten sich die grossen Verlage der Schweiz luxuriöse Vordenker. Sie haben in ihren Kommentaren des Recht, die Welt auf den Kopf zu stellen. Ich meine, diese Herren sollten wir kennen:

Da wäre einmal Frank A. Meyer, Freund des Verlegers Michael Ringier und graue Eminenz der Ringier-Gruppe. Meyer, der schon beim misslungenen EWR-Beitritt und Zusammenbruch der Swissair eine nicht sehr rühmliche Rolle spielte, sieht sich als späten „bourgeois“ europäischen Kalibers. Als nach Berlin ausgelagerter Dauerkritiker hochkapitalistischen Fehlverhaltens sieht er sich nunmehr gezwungen, den mehrheitlich bildungsfernen Lesern des „SonntagsBlick“ die Idee nahe zu bringen, „es könnte doch sein, dass das ….kapitalistische System das einzige ist, das Freiheit garantiert.“ Tusch, die Gedanken sind frei….

Was linkspolitische Kurventechnik angeht, ist Daniel Binswanger, der für den „Tagesanzeiger“ und dessen “Magazin“ die Welt vom Standort Paris aus beleuchtet, eine Autorität. Von dort gewinnt er jene Klarheit des Geistes, die er bei den Schweizer Eliten des Öfteren vermisst. Die Winde des liberalen Weltgeistes lassen ihn wie einen Albatros über die Untiefen Schweizer Befindlichkeiten segeln. Mit Tief- und Weitblick ausgestattet, ist er zum Antipoden von Frank A. Meyer geworden.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ hat mit Urs Schoettli einen freien Mitarbeiter, der uns wie kein anderer gekonnt die Welt Chinas und Asiens interpretiert. Mit festen Sitzen in Tokio, Hongkong und Mumbai ausgestattet, lebt er seit Jahrzehnten in einer fernen Welt, die immer noch voller Geheimnisse für uns geblieben ist. Schoettli ist ein grossbürgerlicher Liberaler, der sein heimisches Solothurn häufig besucht. Sein Selbstbewusstsein war nicht immer NZZ-kompatibel, aber journalistische Qualität, wie sie heute dort versprochen wird, verlangt seine Präsenz.

Drei grosse Journalisten, jeder in seiner Art, dürfen die Welt auf den Kopf stellen. Marcel Ospel hat dies als Chef des alten UBS-Konzerns getan und ist auf die Nase gefallen. Matthäus Schiner wollte für die Schweiz Norditalien erobern und bescherte uns Marignano. Sepp Blatter baute den Weltkonzern FIFA auf und kämpft nun gegen die Verleumder aus dem eigenen Lager.

Es wird immer Männer (und vielleicht auch Frauen) geben, die unser Weltbild verändern können. Wir sollten aber auch den Mut haben, sich ihrem Urteil zu stellen. Das bleibt unbequem.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH