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Wir Alten leben von Legenden

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es sind vor allem wir Alten, die nachmittags und abends vor dem Fernseher sitzen und uns von Krimis und Komödien berieseln lassen. Urs Aeschbacher ist bewundernswert beruhigend, Beatrice Egli hat einen jungmütterlichen Sex, der uns sanft wiegt. Die Walliserin Sina sucht uns wieder aufzuwecken; vergebens, denn sie ist auch nicht mehr die Jüngste.

Wir Alten wiegen uns in Legenden. Was den Tag über in Zürich, Basel, Lausanne oder Genf geschieht, von Bern ganz zu schweigen, summt in unseren Ohren. Das Geschwätz der Politiker wirkt als Dauerton eher wenig animierend, Doris Fiala, Gregor Rutz und viele andere mögen mir verzeihen.

Aufregend sind alleine die Sozialdemokraten: Susanne Leutenegger-Oberholzer kauft in Valbella eine Zweitwohnung, während sie gleichzeitig gegen Zweitwohnungen kämpft. SP-Nationalrätin Margret Kiener-Nellen verstösst als Vermieterin gegen das Mietrecht und tritt aus dem Vorstand des Mieterinnen- und Mieterverbandes zurück. SP alt Nationalrat Peter Vollmer wohnt mit seiner Ehefrau Gisela, einer SP-Stadträtin in Bern, in einer besonders günstigen Wohnung. Beide, obwohl als intelligent geltend, wissen nicht, wie viele Quadratmeter sie bewohnen und weshalb sie so wenig bezahlen.

Die Legende, die SP diene den Arbeitern, tut uns allen gut. In Wirklichkeit dient sie Staatsangestellten, Berufspolitikern und allerlei Privilegierten, die einen SP-Parteiausweis in der Tasche haben, zur stillen Bereicherung. Ach, vergessen wir das Thema. Es tut ein wenig weh.

Eine der schönsten Legenden ist es, die einstige SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey habe dem 1,8 Mio.-Menschen-Staat Kosovo zur Selbständigkeit verholfen und damit der Demokratie gedient. „Der Westen hat einen Pakt mit kriminellen Politikern geschlossen“, sagt der Politologe Shkelzen Gashi. Er hofft auf Dick Marty und Carla del Ponte, um dort der Wahrheit ans Licht zu verhelfen. Sollen wir uns wirklich um derlei kümmern? Eigentlich ja, denn die Schweiz zahlt seit Jahren Millionen zur Erhaltung dieses Scheinstaates.

Wir glauben auch, unsere Verwaltungen in Bund, Kantonen und Gemeinden seien die fleissigsten der Welt. Wie sich heraus stellt, sitzen unsere Angestellten und Beamten im Kanton Luzern, vielleicht auch andernorts, vor ihren Bildschirmen und betrachten sich auf YouTube Sex-Filme und –fotos. Da sie dann Überstunden machen müssen, um die reguläre Arbeit zu erledigen, verlangen sie mehr Ferientage.

Die IT-Skandale in den Verwaltungen von Bund und Kantonen, welche Millionen von Steuergeldern kosten, sind nicht Legende, sondern Wirklichkeit. Die Verantwortlichen schütteln den Kopf und sagen, dies komme halt vor. Geht es unseren Spitzenbeamten zu gut?

Legenden umgeben uns, schläfern uns ein und stellen uns ruhig. Das Schweizer Fernsehen sagt uns jeden Abend, dass unser Land in Ordnung ist. Manchmal sagt es auch, so in der „Rundschau“, es gebe Bösewichte, welche unsere Freiheit missbrauchen.

Gehen wir doch lieber mit unserem Hund spazieren. Er liebt uns, blickt uns treu an, widerspricht uns nicht und wedelt mit dem Schwanz. Es darf auch eine Katze sein.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH