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Die über 50jährigen sind Wahlsieger

PR Profi Klaus J. Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker 

Weil die unter Dreissigjährigen bekannt stimmfaul sind und die bis zu 50jährigen oft, privat wie beruflich, völlig überlastet tun, müssen die über 50jährigen die Nationalratswahlen im Oktober des kommenden Jahres entscheiden. Sie sind es, die über den Träger des Siegeskranzes entscheiden. Damit sind die Alten im Land jetzt schon als die eigentlichen Wahlsieger 2015 erkennbar.

Ihnen stellt sich nicht die Frage, ob man an die Urne gehen soll. Man geht einfach. Sie stimmen zunehmend auch schriftlich ab, aber der feierliche Gang am Sonntagvormittag zur meist nahe gelegenen Stimmurne ist immer noch ein Bild, das nicht selten zu sehen ist. Das Volk demonstriert nicht gegen die Regierung, wie rund um die Schweiz der Fall, sondern stimmt für die Regierenden, ob zweifelnd oder nicht.

Angesichts einer solchen direkt-demokratischen Verantwortung stellt sich bald einmal die Frage: Haben wir die richtige Auswahl?
Als eigentlicher Herausforderer darf Dr. Christoph Blocher mit seinen Freunden gelten, der es im kommenden Herbst für die von ihm geschaffene SVP nochmals wissen will. Er verfügt über volksnahe Intelligenz und ein fast unerschöpfliches Wahlkampfbudget, um dies alle Mitbewerber ihn beneiden. Sein Geld gibt ihm Macht, mehr noch aber seine Botschaft an das Schweizer Volk: Macht den Zaun enger, lasst weniger Menschen heran und geht nicht zu weit nach Brüssel. Bleibt, wer ihr seid, Schweizerinnen und Schweizer nämlich.

Derlei kommt gerade bei der Generation 50+ gut an, die jeden Tag zusehen muss wie die Generation der Kinder und Enkel jenen Wohlstand und jene Autonomie vertun, welche sie geschaffen und ausgebaut hat. Hilft sie Christoph Blocher, über die 30%-Marke zu kommen? Auf diese Schlüsselfrage liegt heute noch keine Antwort vor.

Die FDP, liberal und freisinnig, hat unter Parteipräsident Philipp Müller so wenig Profil gewonnen wie unter seinen Vorgängern seit Franz Steinegger und Fulvio Pelli auch. Beim Urner stürzte die Partei ab, der Tessiner holte sie nicht mehr hoch und der Aargauer schleppt sie über die Distanz, einmal mehr rechtslastig, dann wieder zur Mitte pendelnd. Ohnehin ist die FDP Schweiz nur noch ein Wurmfortsatz ihrer einstigen Macht; alle Zeichen weisen darauf hin, dass sie eines nicht allzu fernen Tages untergehen wird wie ihre deutsche Schwesterpartei dies soeben auch getan hat. Legen die Freisinnigen nicht endlich den versprochenen Stilwechsel hin, weg von der Partei der Anwälte und Lobbyisten, hin zu einer echten Volkspartei, die sie unter Ulrich Bremi einmal war, ist jede Stimme für sie verloren.

Die CVP hat das gleiche Problem, nur eine Spur dramatischer. Von dem Traumteam Christophe Darbellay (Parteipräsident) und Doris Leuthard (Bundesrätin) ist wenig übrig geblieben. Darbellay tritt demnächst zurück, will im Wallis Staatsrat werden, aber auch einen Fuss in Bern behalten. Doris Leuthard hat nach ihrem glanzvollen Präsidialjahr mit Energie, Verkehr und Medien wenig dankbare Funktionen. Die Risse im Bild werden sichtbarer.

Die im Alleingang verlorene BDP will den Machterhalt für Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf durch den Anschluss an die CVP schaffen, ganz nach dem Motto „Blind und lahm gemeinsam in die Zukunft“. Beide Parteien vertreten jene Teile des alternden Bürgertums, das den Anschluss an die Gegenwart verloren hat und besorgt ist um die Zukunft seiner Restvermögens wie jener offenen und stillen Subventionen, die ein erträgliches Auskommen sichern.

Die SP ist seit 20 Jahren keine Arbeiterpartei mehr, sondern Hoffnungsträger der Angehörigen einer zu gross gewordenen Verwaltung auf städtischer, kantonaler und nationaler Ebene. Dazu kommt ein ausgedehntes kulturelles Prekariat, das sich auf der obersten Stufe staatlicher Subventionen gekonnt bedient und auf der unteren von ständigen Bettelaktionen lebt, die heute „crowd funding“ genannt werden. Ebenso gross ist die Unterstützung der SP aus den Kreisen der Schweizer Sozialindustrie, die davon lebt, auf Kosten der Steuerzahler Gelder an Menschen zu verteilen, die Arbeit als eine Zumutung betrachten.

Diese durchaus spannende Szene wird bereichert von Grünen und Grünliberalen, die ebenso gerne dem Fortschritt im Wege stehen, um dann sofort die Hand zu öffnen, wenn sie via Staat vom Steuerzahler Geld benötigen, um Randgebiete der Gesellschaft künstlich am Leben zu erhalten.

Grosse Teile der Jugend, soweit sie noch ein politisch-romantisches Weltbild hat, steht diesem politischen Blumenstrauss von Schwarz über Gelb zu Rot einigermassen verständnislos gegenüber. Es ist an der Generation 50+, jene politische Stabilität zu wahren, die ein Funktionieren der Schweiz noch einige Zeit sichert. In unseren Nachbarländern zeigt sich der Zerfall der einstigen politischen Kultur noch rascher als bei uns. Wir sind in eine „Demokratie à la Dürrenmatt“ eingetreten. Wer lacht, muss vor die Tür.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH