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Können wir unsere Welt verteidigen?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wer die Schweiz wenig verlässt oder vom Rest der Welt nur Sandstrände oder Kletterberge kennt, darf mit recht davon überzeugt sein: Wir leben im schönsten Land der Welt. Es mag für viele, die gerne Ramba-Zamba haben, ein wenig langweilig sein, aber dies hat den Vorteil, dass Langeweile und Sicherheit ein gutes Pärchen bilden.

Wieder für andere ist die Schweiz zu schnell geworden, auf den Strassen, sogar auf der Schiene und, ohnehin, in der Luft. Diese Geschwindigkeit der Abläufe, auch des Sprechens und Handelns, macht viele verrückt, die sich sehnsüchtig an die Goldene Zeit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts erinnern.

Die ernsthafte Frage stellt sich, ob wir unsere schöne schweizerische Welt verteidigen können und wenn ja, wie? Wenn Europa von Ausländern aus aller Welt überrannt wird, die dann noch mehr Ausländer per Handy und Gesetz zu uns locken, dann wird das alte Europa bald wieder jünger, sicher aber auch anders sein.

Um uns entstehen Gegenwelten, sei es in Schlieren bei Zürich, in Täsch vor Zermatt oder in vielen Genfer Gemeinden, wo die Zahl der Ausländer schon grösser ist als die der Einheimischen. Eine echte multikulturelle Vermischung kann ich nicht feststellen: Eriträer bleiben Eriträer und können nicht mit Afghanen und Syrern oder Menschen aus Kamerun. Das ist auch kein Wunder, denn jedes dieser Völker hat eigene Traditionen und Religionen, von denen diejenige des Islam noch eine der harmloseren ist.

Es kommt auf allen Ebenen zu Zusammenstössen. Im Heim geht man mit Eisenstangen aufeinander los, eine Afrikanerin sticht eine Schweizer Betreuerin nieder, kleine Diebstähle sind an der Tagesordnung. Man kann sich, ganz so, wie es heisst, nicht riechen. Wir als Schweizer haben es besonders schwer, denn unsere Kultur ist seit 2000 Jahren christlich geprägt. Das gilt auch dann, wenn wir nicht mehr zur Beichte oder in die Kirche gehen.

Im Bataclan in Paris war man gewarnt, wie vor allem jüdische Publikationen berichten. Dort wurde seit Jahren für die Grenzpolizei in Israel Geld gesammelt: Der jüngste Überfall war sogar angemeldet, aber ohne Datum. In Frankreich haben „Securité“, Polizei und Militär versagt. Wenn Staatspräsident François Hollande, den man „den Pinguin“ nennt, nun den starken Mann markiert, wirkt das eher lachhaft als glaubwürdig.

Wir sind seit einer Generation in Europa gewarnt worden vor dem kommenden „Grossen Marsch nach Norden“, nach Europa. Aber keiner unserer Politiker wollte dies ernst nehmen. Schlimmer noch, die USA und Frankreich haben im Norden Afrikas leichtsinnigerweise jene Staaten zerstört, die für uns ein Bollwerk bildeten. Das gleiche ist im Nahen Osten geschehen, wo die US-Amerikaner in blindem Übermut von George W. Bush den Irak und seinen Nachfolgern Syrien zerstören liessen. Ein Angriff auf den Iran, was zur sicheren Niederlage des Westens geführt hätte, konnte nur mühsam verhindert werden.

Und jetzt? Wenn die von uns gewählten Politiker unsere Welt nicht verteidigen wollen und können, was können wir tun? Wir können aktiv mitmachen überall dort, wo es um unsere Kultur geht. Wir müssen nicht die Faust im Sack machen, sondern sollen uns in den politischen Foren aktiv beteiligen. Sonst werden dies ehrgeizige Politiker für uns tun, die „mehr lafere als lifere“.

Wir müssen entscheiden, ob wir selbstbewusste Schweizer und Europäer sind. Hier geht es nicht um die EU, die Europäische Union, sondern um die Schweizer und die europäische Heimat. Bald sind nur noch acht Prozent der Weltbevölkerung Europäer. Bald wird die FIFA vielleicht von einem Araber oder Afrikaner geführt, weil wir unseren eigenen Leuten, darunter Joseph S. Blatter, nicht mehr trauen wollten. Sind dies nicht Zeichen des Untergangs?

Ich wünsche Ihnen deshalb Selbstvertrauen; Sie müssen aus den Medien auch lernen, was wichtig oder unwichtig ist. Wenn die Schweiz und Europa bestehen wollen, müssen wir alle künftig viel arbeiten und noch mehr lernen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Die grosse Atemlosigkeit

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Noch sind wir inmitten der Wahlen. Der Nationalrat ist leicht nach rechts gerutscht, daran sind die Grünen und Grünliberalen, ein wenig auch die BDP von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf selber schuld. Sie haben die letzten vier Jahre kaum genutzt, um stabile Strukturen aufzubauen. Dies wird zur Folge haben, dass soziale Verbesserungen (AHV, IV) aus den Traktanden fallen und der Weg nach Brüssel zügig unter die Beine genommen wird. Die Flugspesen der Chefbeamten nach Brüssel werden steigen.

CVP-Präsident Christophe Darbellay darf ebenso als gescheitert gelten wie Bundesrätin Doris Leuthard, deren grüne Energievision zu einer politischen Halluzination geworden ist. Der Energiepolitikerin kommt das politische Fundament abhanden. Mehr denn je wird es notwendig werden, die SRG oder Teile davon zu privatisieren. Der Medienministerin Doris Leuthard wird dies nicht gefallen, aber die Zeichen der Zeit gehen in diese Richtung.

Christoph Mörgeli, wohl von Panik befallen, hat sich selber gestürzt. Das Zürcher SVP-Volk verweigerte ihm die Gefolgschaft und entschied sich, wie andere Bürgerliche auch, für den SVP-Jungstar Roger Köppel. Dieser, von messianischer Begeisterung angetrieben, die Schweiz vor allem Bösen zu retten, ein Savonarola aus der Zürcher Goldküstengemeinde Küsnacht, ist zum Schrecken aller Linken und Halblinken geworden. Sein Kampfblatt, „Die Weltwoche“, hat nun die Chance, mehr denn je beachtet zu werden.

Tim Guldimann, ein älterer Salonlöwe mit SP-Innenfutter, als Schweizer Botschafter in Berlin residierend, mit mehreren Wohnungen und Häusern in Deutschland wie in der Schweiz, wird künftig auf Steuerzahlers Kosten zu den Sitzungen im Nationalrat anfliegen und den Fluglärm rund um Kloten noch vermehren, dies als sozialen Fortschritt deklarierend.

Magdalena Martullo-Blocher, die politisch begabte Tochter von Dr. Christoph Blocher, wird es als SVP-Nationalrätin in Bern schwer haben. Sie, die nie Widerspruch duldet, muss nun anderen zuhören; ich sehe sie schon als Fraktionschefin die Peitsche schwingen.

…und Marcel Dobler, der 35jährige IT-Wunderknabe aus Rapperswil-Jona, der im Sturmlauf das St. Galler Polit-Establishment in Angst und Schrecken versetzte, als er sich vom St. Galler Stimmvolk für die FDP in den Nationalrat wählen liess. Die St. Galler Politiker, sonst eher der Trägheit verfallen, glaubten sich sicher, auch ohne grossen geistigen wie materiellen Aufwand wieder gewählt zu werden. Gerade am Beispiel dieses seit langem stagnierenden Kantons wird deutlich wie dünn die Säulen sind, auf denen unser politisches System ruht.

Gleichzeitig werden Arbeitsplätze wie nie abgebaut; sogar Peter Spuhler, der Züge und Trams herstellt, muss nun mit Teilen der Produktion ins Ausland ausweichen. Die Schweiz ist definitiv zu teuer geworden, weshalb der Export, auch bei den Uhren, unter die Räder kommt.

Die Einkommen und Renten vieler schmelzen dahin, denn die Lebenshaltungskosten steigen überdurchschnittlich. Schweizer Politiker sind deshalb nicht unglücklich, wenn Familien im nahen Ausland einkaufen; gerade Bezüger von niedrigen Salären können ihren Lebensstandard damit einigermassen erhalten. In Kantonen und Gemeinden steigen die Zuschüsse für Krankenkassen, Mieten und andere Sozialleistungen rascher als früher. Der fleissige Mittelstand zahlt.

Die daraus resultierende grosse Atemlosigkeit wird angeheizt durch die Angst vor Flüchtlingen aus aller Welt, die in grossen Menschenströmen nach Europa ziehen. Wer die Schweiz durchqueren will, zahlt pro Kopf über 8 000.— Franken. Die Schlepper, nicht nur aus der Türkei, Libyen oder dem Kosovo, werden zu Millionären.

Wer seine Ruhe haben will und die meditative Stille vorzieht, muss auf technische Hilfsmittel, wie sie heute üblich sind, mindestens auf Zeit verzichten. Radio und Fernsehen vermitteln häufig tiefere Einblicke, aber es ist schwierig, immer die besten Sendungen zu finden.

So taumeln wir, von Medien beschossen, durch die Gegenwart. Was stimmt, was nicht? Der Eindruck verstärkt sich: Viele kommen nicht mehr mit. Es entstehen grosse Tabuzonen, Themen, die man nur noch einseitig behandeln darf. Dazu melde ich mich demnächst.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum reagieren alte Menschen so wenig?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Junge Menschen bis zu einem Alter von vierzig Jahren regen sich gerne auf, geben Stellungnahmen ab, schreiben Leserbriefe. Für sie ist dies eine Form der Aktivität, wo sie sich zu erkennen geben. Sie meinen, sie hätten etwas zu sagen. Ganz anders Menschen über 50 Jahre: Sie reagieren wenig, z.B. auf diesen Blog, sie machen vielleicht die Faust im Sack, aber dann vergessen sie es wieder.

Es gilt, was der einst berühmte Schweizer Politiker Ulrich Bremi einmal sagte: „Jedes Wort ist eine Fehlerquelle.“ Die meisten Menschen wagen es nicht mehr, eine eigene Meinung zu formulieren; sie blicken angstvoll nach links und rechts, um erst einmal festzustellen, wohin die Herde rennt. Dann rennen sie fröhlich hinterher, andere mit sich reissend.

Viele haben auch keine Hoffnung mehr, sie könnten mit ihrem Beitrag etwas verändern. Warum soll ich etwas sagen, wenn ohnehin niemand zuhört? So ist es zu vernehmen, sitzt man in einer Kaffeerunde. Wer es nicht gelernt hat, wie man im Internet seine Meinung einbringt oder seiner Lokalzeitung in zehn Zeilen mitteilen kann, dass ein bestimmter Beitrag einfach falsch sei, der gibt den Gedanken an eine eigene Stellungnahme sofort wieder auf.

Alte Menschen haben zu viel gesehen und gehört, um noch den Glauben zu haben, sie könnten die Welt verändern, geschweige denn die Politik in ihrer Gemeinde. Ihr Leben ist von vielerlei kleinen Demütigungen gekennzeichnet, die sie müde werden liessen. Es genügen ihnen das kleine Glück, die Enkel, die Katze, der Hund, die alte Freundin aus der Primar- oder der Handelsschule.

Natürlich gibt es Ausnahmen, jene maximal zehn Prozent von Menschen, die sich gerne zu Wort melden, in Versammlungen eine Meinung äussern, öffentlich auftreten und auch die TV-Bildschirme nicht meiden. Sie haben eine Stufe erreicht, wo man sie, oben angelangt, oft Meinungsführer nennt. Diesen zu widersprechen, wagt schon gar niemand mehr, ist damit doch die Angst verbunden, mit seiner Wortmeldung nicht ernstgenommen  zu werden.

Die schweigenden Alten sind ein wachsender Faktor unserer alternden Gesellschaft. Blicken wir in die Schweizer Medien, sehen wir dort jeden Tag ausländische Fachleute, welche die nicht selten abstrusesten Thesen veröffentlichen dürfen. Das ist globaler Meinungsabfall, der von unseren Verlagshäusern schon aus Kostengründen gerne vermarktet wird.

Noch viel schlimmer und für unsere gesellschaftliche Entwicklung gefährlicher ist die zunehmende Schreibunfähigkeit unserer jungen Generationen. Mir begegnen laufend 30-40jährige, die keinen geraden Satz mehr formulieren können. Sie sind mit Computer und Internet aufgewachsen, drücken sich mit Twitter und anderen Schnelldiensten aus. Ihnen fehlt die Grammatik, eine elegante Ausdrucksweise, die vor einer Generation noch die Regel war. Man ist geneigt anzunehmen, es fehle ihnen nicht nur an Ausdrucks-, sondern sogar an Denkvermögen.

Wer den halben Tag am Tisch sitzt und Kreuzworträtsel löst, um die dann verbleibende Tageshälfte am TV-Gerät Krimis und heillos dumme TV-Serien zu sehen, sollte lieber 30-60 Minuten ein kluges Buch lesen, was für Ungeübte eine Anstrengung sein kann, oder einen Brief schreiben, vielleicht sogar gegen den Inhalt dieses Meinungsblogs protestieren.

Ich warte.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Vom Wandel zur Apotheose?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Weil sich in unserem Land vor den Herbstwahlen ohnehin alles überschlägt und viele nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, tut es gut, sich den untergründigen Strömungen hinzuwenden, die mehr bestimmen, als es die öffentlichen Medien wahrnehmen wollen.

Womit niemand gerechnet hat: Das „Magazin“ des „Tagesanzeiger“, geführt vom sensiblen Bündner Finn Canonica, hat in der Ausgabe 35/2015 einen längeren Artikel des Berner Schriftstellers E.Y. Meyer publiziert, worin er ein Gemälde Albert Ankers und ein Foto von Friedrich Dürrenmatt analysiert. E.Y. Meyer ist der volle Kontrast zu den vier Kandidatinnen für den Schweizer Buchpreis 2015, der in Kürze wieder vergeben wird; am ehesten nähert sich die Langsam-Schreiberin Ruth Schweikert sprachlich dem 2011 für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagenen Schweizer Grossschriftsteller.

Noch erstaunlicher: Meyers „Magazin“-Artikel löst eine Fülle positiver Reaktionen im ganzen Land aus. Es melden sich aus allen Landesteilen sonst schweigsame Menschen zu Wort, die sich in ihm besser erkennen als in der Neu-Literatur des 21. Jahrhunderts.

Was bietet E.Y. Meyer? Seine beiden letzten Bücher sind bei Stämpfli in Bern erschienen. Sie heissen „Wandlung“ und „Apotheose“ und müssen, um verständlich zu werden, hintereinander gelesen werden. Meyer zeigt, wie die Schweiz sich wandelt und die Menschen den Aufstieg zur Apotheose suchen. Damit ist der Autor hoch aktuell.

Die Schweiz erlebt einen von vielen als dramatisch empfundenen Wandel, aber gelingt auch die Apotheose, die uneinholbare Vergöttlichung von Menschen, die alles erreicht haben?

Soeben wurde im Nationalrat die Initiative für ein Grundeinkommen für jeden Schweizer abgeschmettert. Für die Antrag stellenden Basler wäre es die perfekte Apotheose, wenn jeder Schweizer, ohne zu arbeiten, gut 2000 Franken netto im Monat vom Staat und Steuerzahler beziehen könnte. Reizvoll ist es, dass hinter der Initiative eine Basler Milliardärin steht, Beatrice Oeri, deren Urgrossvater den Weltkonzern Hoffmann-LaRoche gegründet hat. Sie unterstützt auch die in Dornach bei Basel ansässigen Anthroposophen der Rudolf Steiner-Bewegung, die eine Apotheose eigener Art betreiben.

Der Traum der Schweiz, dem Himmel nahe zu sein, wird von Eindringlingen jäh gestört. Nahe beim Volk sind es die Zuwanderer aus dem Nahen Osten und Afrika, welche die Schweizer Apotheose miterleben möchten. „Sie klopfen nicht an, sondern schlagen die Tür ein“, sagt Victor Orban, der sich belagert fühlende Präsident Ungarns. Weiter oben ist es US-Justizministerin Loretta Lynch, die ein Jahr vor ihrer sicheren Abwahl den in Zürich ansässigen Weltfussballverband FIFA in die Knie zwingen will, wo als Präsident der Walliser Joseph („Sepp“) Blatter die Festung verteidigt. Lynch, ob der knochentrockenen Schweizer Verteidigung leicht unzufrieden, hat sich nun auf den deutschen Volkswagen-Konzern gestürzt.

Vom Wandel zur Apotheose – ob unserem Land das Kunststück gelingt? Wer sich nicht festlegen will, kann mindestens bestätigen: „Wir sind unterwegs.“

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Ein Sommer zum geniessen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es war unglaublich heiss in diesem Sommer, aber alte Knochen haben diese Wärme ganz gerne. Unangenehm sind nur zwei Dinge: Die brennende Sonne im Gesicht und auf der Glatze und die Schwierigkeit, richtig tief einatmen zu wollen. Mit Hut, Kappe, Sonnenschirm und Fächer lässt sich der heisse Sommer erträglicher machen. Missen möchte ich ihn nicht.

Viel ärgerlicher ist die Entwicklung unseres Landes. Während wir den Bergkantonen das Bauen von Zweitwohnungen verboten haben, haben sich bei uns im industriellen Flachland die Baukräne vervielfältigt und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Kanton Zürich als eine der wachstumsstärksten Schweizer Regionen, soll von 1,4 Millionen Einwohnern auf 1,56 Millionen ausgebaut werden. Niemand verbürgt sich, dass es auch mehr werden können.

Warum dieser Wahnsinn? Economiesuisse, die Dachorganisation der Schweizer Wirtschaft unter Leitung des Misserfolgsmanagers (Kuoni, Axpo) Heinz Karrer, hat die Weichen auf Wachstum gestellt. Das gilt natürlich nur für Konzerne und grosse Dienstleistungsfirmen. Metzger, Coiffeure und Hoteliers müssen selber sehen, wie sie zurechtkommen. Dafür ist der Schweizerische Gewerbeverband zuständig, der von Hans-Ulrich Bigler geführt wird. Wenn Economiesuisse und Bundesrat zusammen spielen, hat er einen schweren Stand.

Was noch zunehmen wird, ist der sehr lärmige Strassenverkehr. Autobahnen werden vom Bund vor allem im Jura und im Oberwallis gebaut; die Ausbauten im Mittelland gehen sträflich langsam voran, worüber sich vor allem die SBB freuen, die ihre Passagiere zu Spitzenzeiten auf dem Fussboden sitzen lässt. Das gilt jetzt als lässig.

Ausgebaut wird auch der Flughafen Zürich-Kloten, wo heute 25 Millionen Passagiere abgefertigt werden, davon ein grosser Teil Transitpassagiere, die unserem Land wenig, der Deutschen Lufthansa, die bei uns unter dem Decknamen Swiss arbeitet, aber viel bringen. Zürich ist ein offizieller Heimatflughafen der Deutschen Lufthansa; es war einmal der Heimatflughafen der Swissair. Dass wir sie nicht mehr haben, ist eher unsere Schuld resp. solcher Persönlichkeiten wie Marcel Ospel, Moritz Suter und Kaspar Villiger, die keine zwei Milliarden Franken mehr einschiessen wollten. Später haben wir die UBS mit sechzig Milliarden gerettet.

Das Wachstum der Schweiz spielt sich im internationalen Handel ab:

– Deshalb subventionieren wir mit unserem Steuergeld den Landesflughafen Zürich-Kloten, der aber zu einem Drittel von Süddeutschen benutzt wird, die uns dafür den Fluglärm und die Abgase hinterlassen.

– Deshalb subventionieren wir das Tram zwischen Basel und der deutschen Stadt Weil, damit die Basler lernen, günstig in Deutschland einzukaufen. Der Basler Detailhandel ist nicht erfreut.

– Deshalb subventionieren wir mit 780 000 Franken pro Jahr ab dem 13. Dezember fünfmal täglich die SBB-Verbindung St. Gallen-Konstanz, damit die St. Galler günstig in Deutschland einkaufen können. Die Konstanzer zahlen nur 14% der Kosten für den Schweizer Zug.

Ich finde, unsere Chefbeamten sind verrückt geworden. Sie freuen sich über „die gute Gesprächskultur“ mit den Deutschen und lassen sich über den Tisch ziehen, als hätten sie nie jassen gelernt. Die Deutschen aber pokern mit uns.
Diesen Sommer wollen wir geniessen; was kommt, wird fürchterlich.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum handelt der Bundesrat nicht?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Nie werde ich vergessen, wie ich von der FDP Schweiz und dem damaligen FDP-Nationalrat Niklaus Schneider-Ammann in die Arbeitsgruppe KMU eingeladen wurde. Die Sitzungen fanden, wie üblich, im Zürcher Hauptbahnhof statt, damit die Teilnehmer aus der ganzen Schweiz einen leicht erreichbaren Treffpunkt hatten. Wir waren hoch kreativ, lasen Papiere, gaben Stellungnahmen ab, begleitet von Spitzenbeamten aus Bern. Was ist daraus geworden? Niklaus Schneider-Ammann wurde Bundesrat; den KMU geht es nicht besser, eher schlechter.

Unsere FDP-, SVP- und CVP-Politiker überschlagen sich seit Jahren mit Vorschlägen zum Abbau der Bürokratie, damit Unternehmer wieder besser atmen und arbeiten können. Kaum sind sie Regierungs-, Staats- oder Bundesräte geworden, haben sie alles vergessen. Warum handelt der Bundesrat nicht. Warum handeln die kantonalen Regierungen nicht?

Es gibt nur eine Antwort: Die Spitzenvertreter der Verwaltung, die Staatssekretäre und Chefbeamten, wollen dies nicht. Ganz im Gegenteil, sie machen Karriere und verdienen grossartig, wenn ihr Apparat immer grösser wird. Er verlangt mehr Arbeitssicherheit, mehr Lehrlingsausbildung, mehr Produktedeklarationen, mehr Produktesicherheit, mehr statistische Erhebungen (damit die Beamten etwas zu tun haben) und mehr Auskünfte, die ein Konzern widerwillig, aber leicht leistet, für einen 10 Personen-Betrieb aber untragbar, weil eine Belastung sind.

Das normierte Denken in der Verwaltung siegt über das kreative Denken in den Firmen. Seit die Schweizerische Nationalbank der Schweizer Wirtschaft einen Tiefschlag versetzt hat, indem sie den Franken teurer machte, appellieren Bundes-, National- und Ständeräte an die Kreativität der Schweizer Firmen. Gleichzeitig tun sie alles, um den Berner wie den kantonalen Politik- und Verwaltungsbetrieb zu fördern, der die Kosten steigert und die Kraft zu Neuem verringert.
„Die Überregulierung durch staatliche Amtsstellen wird immer grösser“, sagt mein Freund Ruedi Lustenberger, der Zentralpräsident des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten. Er beklagt, dass der Staatsdienst den Staatsangestellten mehr dient, als den freien Bürgern. Sollen wir davon überrascht sein? Seit Cicero wissen wir: Eine schwache Regierung braucht immer eine starke Verwaltung. Was heisst das für unser Land?

Es bedeutet, dass jeder vernünftige National- und Ständerat in aller Heimlichkeit den Marschallstab in seiner Tasche mit sich führt, der ihn zum Bundesrat führen soll. Ist er einmal Bundesrat, wie Johann Schneider-Ammann es geschafft hat, wird er zur Fingerpuppe der Verwaltung, die nur darauf wartet, ihn zu integrieren. Jeder kluge Bundesrat wird mehr auf die Verwaltung hören als auf seine Parteiwähler, denn Bundesräte sind nicht abwählbar.
Die KMU und das Gewerbe haben auch kaum eine Chance gegen die grossen Banken, Konzerne und Dienstleistungsfirmen, welche die erfolgreiche Exportschweiz repräsentieren. Diese haben genug personelle und intellektuelle Ressourcen, um Firmen der B-Schweiz an den Rand zu spielen. Ohne den Schweizerischen Gewerbeverband mit seinem Direktor Hans-Ulrich Bigler, der einen hinhaltenden Widerstand leistet, wäre die Lage noch weitaus schlimmer.

Kurzum, die Parteien und Parlamentarier, im Konflikt zwischen Konzern- und Gewerbeinteressen, haben sich längst auf die Seite der Grossfirmen geschlagen. Die kommenden Steuersenkungen werden den Grossfirmen mehr nützen als den kleinen. Während die FDP-Parlamentarier mehr den Konzernen dienen werden, sind die SVP-Politiker dem Gewerbe und den KMU näher. Die CVP-Politiker machen es allen schwer; die sogenannten kleinen Mitteparteien wie BDP und GLP haben keinen grossen Spielraum mehr.
Dem stehen die Sozialdemokraten gegenüber, die eine Partei von Mitgliedern aus der Verwaltung, den Gesundheitsbehörden und der Schulen wie Hochschulen sind. Diese verlangen, ganz natürlich, mehr Staat. Das Gewerbe hat kein Interesse daran, deren Forderungen zu unterstützen.

Was heisst das für den 18. Oktober? Den Versprechungen der Bundesräte ist kein Wort zu glauben. Was die Parteien uns wissen lassen, ist nicht mehr als eine Täuschung. Die Kandidaten werden uns im besten Fall gut unterhalten. Was auf den Stimmbürger zukommt, sind höhere Kosten. Die Fäuste im Sack werden dicker werden.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum gehen Sie nicht wählen?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wahrscheinlich werden am 18. Oktober wieder nur 45% aller Stimmberechtigten an die Urne gehen, um die alten und neuen National- und Ständeräte zu wählen. Niemand sollte aber sagen, das Schweizer Volk interessiere sich nicht für Politik, treten doch über 2800 Bewerberinnen und Bewerber national an, um einen der 246 Sitze im Parlament in Bern zu gewinnen.

Die bürgerlichen Parteien, einschl. der Sozialdemokraten, die in ihrer Mehrheit längst verbürgerlicht sind, haben nicht das geringste Interesse an einem wirklichen Wahlkampf. Dies kostet nur viel Geld, welches niemand hat, und bringt mit den Neuwählern nur Risiken, dass etwas falsch läuft. Wenn CVP und SP mit exotisch wirkenden Neuschweizern antreten, löst dies im Volk meist Kopfschütteln aus; die ehrgeizigen Kinder aus Schweizer Mischehen haben keinen leichten Stand.

Einzige Ausnahme ist die SVP, die mit einem von Dr. Christoph Blocher gesteuerten Dauerwahlkampf endlich auf 28% der Stimmen oder etwas mehr kommen möchte. Die Kleinparteien, einschl. der CVP, laufen Gefahr, weiter an Einfluss zu verlieren. Warum eigentlich?

Der seit acht Jahren erkennbare Trend zum Dauerwahlkampf während des ganzen Jahres fordert die Parteispitzen wie die Parteikassen. Unangefochten liegt seit gut 20 Jahren die SVP an der Spitze, angetrieben vom Ausnahmepolitiker Christoph Blocher. Doch ist die mangelnde Führung der Partei unübersehbar: In Basel-Stadt, der Waadt und Zug sind die kantonalen SVP-Präsidenten unter Druck gekommen. Der Zürcher Kantonalpräsident Alfred Heer distanziert sich vom Wahlkampf seiner Mutterpartei. Parteipräsident Toni Brunner („Das Sünneli“) startet politische Vorstösse, die sich innert 48 Stunden in Nichts auflösen.

Noch ungewisser ist die Situation bei der FDP, die zwischenzeitlich als sicherer Wahlsieger im Herbst gilt. Die einst abgewanderten Rechtsliberalen strömen offensichtlich wieder zum liberalen Original zurück. Dies ist weniger begründet durch eine besondere Leistung der FDP, sondern gleicht eher dem schwappenden Wasser in einem Kessel: einmal hin, einmal zurück.

Parteipräsident Philipp Müller hält sich erkennbar zurück, um keine Verwirrung zu stiften. Fraktionschefin Gabi Huber hat ihren Rücktritt aus Rat und Politik angekündigt; ihren Leistungsnachweis kann sie nur wolkig beschreiben, was mindestens im Urnerland als Leistungsnachweis gilt.

Bei der CVP muss am 18. Oktober insofern ein Wunder geschehen, als nur die Stammwähler der einst christlichen Partei das einstige Flaggschiff des Schweizer Katholizismus vor dem Niedergang retten können. Dem Walliser Christophe Darbellay ist es nicht gelungen, seiner Partei neue Motorik zu vermitteln. Die echten Altkatholiken sterben aus, politisch begabte Jungkatholiken müssten unter Schutz gestellt werden, so selten sind sie geworden. Das Potential für eine christlich-sozialliberale Politik ist unter dem Druck der Verteilungskämpfe im Binnenmarkt eingebrochen und hat keine Erholungschancen. Der Untergang des Landesrings und der Liberalen Partei, die sich der FDP anschliessen musste, sollten als Fanal gewertet werden.

Die Sozialdemokraten zu wählen, ist für ältere bürgerliche Menschen ausgeschlossen, gibt sich die Partei unter Führung von Christian Lévrat doch vorwiegend als Enteignungs- und Umverteilungspartei, welche die Zukunft unseres Landes in der EU oder mindestens dieser angenähert sieht. Angehörige staatlicher Verwaltungen, der Gesundheits-, Sozial- und Schulindustrie, werden diese Auffassung nicht teilen, sind sie doch Gewinner der Umverteilung. Wir haben längst nicht mehr eine Politik von „Mehr Freiheit, weniger Staat“, die zuletzt auch dem Freisinn peinlich war, sondern eine Politik von „Mehr Staat, weniger Freiheit“.

Die grosse Zahl neuer Kandidaten beweist: Ein wichtiger Teil aktiver Mitbürger ist unzufrieden, wie die Parteien jetzt in Bern den Kuchen unter sich aufteilen und die Zukunft des Landes gestalten wollen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Rapperswiler Unternehmer Marcel Dobler. Erst 35jährig, hat er die Firma digitec AG mit über 500 Mitarbeitern aus dem Start zum Erfolg geführt. Jetzt will er etwas für das Land tun und kandidiert im Kanton St. Gallen als FDP-Nationalrat. Dobler will eine solide Wachstumspolitik nicht nur für seinen wirtschaftlich gefährdeten Kanton St. Gallen, sondern die ganze Schweiz.

Wie wichtig diese Bewegung ist, die bei uns vom Volk ausgeht, zeigt das Beispiel der USA: Dort hat bei den konservativen Republikanern ein proletarischer Milliardär das Kommando übernommen. Donald Trump zeigt die Schwäche der einstigen Elitepartei überdeutlich an seiner Person auf. Wenn mit ihm die „weissen Amerikaner“ nach Obama wieder an die Macht kommen wollen, erinnert dies stark an das späte Rom.

Also, gehen Sie wählen, stimmen Sie ab. Ehe auch unsere noch recht stabile Demokratie degeneriert, wie dies auch andernorts in Europa unübersehbar geworden ist, sollten wir sie mit unserem persönlichen Einsatz wieder verjüngen und aktivieren.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Amden: Gequälter Umgang mit Flüchtlingen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wie verfahren die Flüchtlingssituation in der Schweiz ist, macht das Beispiel von Amden im Kt. St. Gallen deutlich. Was sich in dem einst idyllischen Bergdorf abspielt, ist typisch für die Schweiz.

Erster Schritt: Der Schwesterorden vermietet  sein Alters- und Pflegeheim, das Kurhaus „Bergruh“, an den Kanton St. Gallen. Dieser sieht darin eine Chance, in der aus St. Galler Sicht abgelegenen Gemeinde, die mehr auf Zürich als die Stadt St. Gallen ausgerichtet ist, ein Auffanglager für bis zu 100 Afrikaner einzurichten. In fünf Monaten soll deren Einzug erfolgen.

Zweiter Schritt: Der Gemeinderat von Amden empfiehlt seinen Mitbürgern, den wahrscheinlich eriträischen Ansiedlern „mit Respekt“ zu begegnen, aber auch „eine gewisse Distanz“ zu wahren. Es bestehe sonst die Gefahr, sie fühlten sich als Wirtschaftsflüchtlinge in Amden zu wohl und würden ihre Familien nachholen. Im benachbarten Weesen liess der Gemeindepräsident Informationen über die Fremden und Notfallnummern verteilen.

Es gibt keinen Grund, das Schicksal der meist jungen Eriträer als besonders grausam zu betrachten. Sie mögen einen langen Militär- und Landdienst haben, aber wir opfern auch 30-40% unseres Lebens dem Staat in Form von Steuern, die dann, oft merkwürdig, verteilt werden. Wer bei uns gegen den Staat revoltierte, das gilt auch heute noch, landet rasch einmal in einer psychiatrischen Behandlung oder bei der Kesb.

Wir dürfen es als gegeben betrachten, dass Bund und Kantone ausländische Zuwanderer gerne in schwache Gemeinden abschieben, die sich nicht gross wehren können. Wie im Falle von Amden, werden die Bewohner vor vollendete Tatsachen gestellt, denn die Vollzugsbehörden wissen sehr wohl, dass das Volk damit nicht einverstanden ist.

Die Gutmenschen selber wohnen meist, wie Bundesrätin Simonetta Sommaruga auch, in ruhiger Villenlage. Sie treffen, wie ich auch, kaum direkt mit Flüchtlingen zusammen, da ich den öffentlichen Verkehr nur dann benutze, wenn es unbedingt zwingend ist. Bundesräte, Chefbeamte und Wirtschaftsführer haben genügend eigene Flugzeuge, Helikopter und Luxusautos mit Fahrer zur Verfügung, um die langsame Verwandlung des Schweizer Volks mit Distanz zu erleben, ganz wie es nun dem Ureinwohnern Amdens empfohlen wird.

Es ist in hohem Masse der untere Schweizer Mittelstand und auch das bei uns zunehmend vorhandene Prekariat, die dem direkten Kontakt mit Menschen aus Afrika und Asien ausgesetzt sind. Diese sprechen unsere Sprachen nicht, haben oft einen anderen Glauben und benehmen sich auf eine Art und Weise, die vielen fremd und daher wenig verständlich ist.

Wenn in Amden nun verlangt wird, man solle „auf Distanz“ bleiben, ist dies so wenig glücklich wie unsere ganze Flüchtlingspolitik. Wer „auf Distanz“ bleibt, lernt seinen Nachbar nie kennen. Wer „auf Distanz“ urteilt, unterliegt Fehlurteilen. Damit steigt die Aggression bei „Sommarugas Staatsgästen“, denn diese wollen in den reichen Städten leben und nicht auf einer Alp herum irren.

Wie ich meine Steuern seit Jahrzehnten brav zahle, hätten die Eriträer zuhause bleiben sollen. Sie können nicht verglichen werden mit Schweizer Armuts-Auswanderern in die USA im 18. und 19. Jahrhundert, denn diese lernten rasch und halfen sofort mit, die USA aufzubauen. Daraus ergibt sich für uns: Sofort voll integrieren oder wieder nach Hause senden. Die Amdener Lösung ist keine gute.

*Klaus J. Stöhlker, Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Brauchen wir den Kanton Glarus noch?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wer mit politischen Schwergewichten zusammen sitzt, hört immer häufiger den Satz „In einer Generation werden wir nur noch 5-7 selbständige Kantone haben.“ Der Abfluss von Steuerkraft, der Auszug der talentierten jungen Menschen und der steigende Verwaltungsaufwand sind die Damoklesschwerter, welche den Untergang vieler Kantone zur Folge haben werden.

Wer sich dagegen wehrt, sind kantonale Parteien und Politiker, die auf Kosten ihrer mittelständischen Steuerzahler sehr attraktive und bequeme Jobs haben. Ich kenne Staats- und Regierungsräte, die schon seit zehn Jahren und mehr im Amt sind und nie etwas Nennenswertes geleistet haben. Andere haben das Schul- und Sozialwesen mehr ruiniert als optimiert. Weil sie die Deckung ihrer Parteifreunde und der Verwaltung haben, fällt das nicht weiter auf.

Die kantonalen Medien, an Qualität laufend verlierend, haben auch keinen Grund, ihre politische Scheinautonomie leichtfertig infrage zu stellen. Sie werden vom Bund und der SRG immer höher subventioniert, was den Verlegern kein sorgenfreies, aber ein erträgliches Leben gestattet.

Es stellt sich, stellvertretend für andere, die Frage: Brauchen wir den Kanton Glarus noch? Er hat ohnehin nur zwei Gemeinden, dazu einen Tourismus, der sich auf wenige Standorte (Braunwald) beschränkt, und eine Industrie, die langsam abwandert. Der einst progressive Kanton hat die Moderne weitgehend verschlafen. Es fehlt ihm das Geld, um eine nennenswerte Modernisierung zu verwirklichen; es fehlen ihm auch die Menschen, welche die Globalisierung und deren Konsequenzen verstehen.

Ergo, wir brauchen den Kanton Glarus als selbständigen Kanton eigentlich nicht mehr. Der „Zigerschlitz“, schon sein alter Name drückt dies aus, ist zum zugewandten Ort für das aufstrebende Rapperswil-Jona und die finanzstarken Innerschweizer Kantone geworden. Sie werden getragen vom expandierenden Grossraum Zürich, der in den kommenden zehn Jahren mit mindestens 200 000 Zuwanderern rechnet. Das ist es, was zählt.

Dem ebenso einwohnerschwachen Kanton Uri geht es nicht besser. Wenn die zweite Gotthard-Röhre kommt, woran nicht gezweifelt werden kann, bleibt von Uri nur ein Schlauch übrig, durch den Europas PKW und LKW von Nord nach Süd und zurück fahren werden. Ob die wenigen industriellen Säulen dann wirklich vor Ort überleben werden, wird sich erst in einer Generation zeigen. Wie die Burkhalter die Sika und Thomas Schmidheiny die Holcim aufgegeben hat, die Kaba sich einem deutschen Konzern angeschlossen hat, werden weitere Schweizer Firmen ähnliche Wege suchen, sei es für den Erhalt der Firma in einer Scheinselbständigkeit oder zur Sicherung des Familienkapitals. Der Urner Talboden wird dann europäisiert; aus Urner Tradition wird dann Folklore.

Im Westen nicht anders: Viele Oberwalliser, die in diesen Tagen im französischsprachigen Sion das 200jährige Jubiläum des Beitritts des Kantons Wallis zur Schweiz feiern müssen, nennen sich heute schon „Bernwalliser“. Von der Berner Regierung wird dies mit Wohlwollen aufgenommen. Die deutschsprachigen Oberwalliser, die sich selber nur „Walliser“ nennen, gelten als fleissig und zuverlässig. Da es nur noch 67 000 von ihnen gibt und das Französisch sprechende Unterwallis stärker wächst, fühlen sich die Vor-napoléonischen einstigen Herren des Wallis heute unterdrückt. Wie üblich, sind es die Besten, die den Fluchtweg über Bern, Basel und Zürich in die Deutsche Schweiz suchen.

Ein Kanton, der sich nicht selber finanzieren kann, hat, dauert dies an, seine Selbständigkeit verspielt. Wie das Unterwallis zu Recht als lémanischer Landesteil gilt, kann man den Kanton Fribourg der Waadt zuschlagen. Der Kanton Jura, eine politische Fehlgeburt, wird den gleichen Weg Richtung Genf gehen wollen, nachdem die Berner Regierung nie das Vertrauen der Béliers gefunden hat.

Sind dies nur Gedankenspiele oder ist dies baldige Realität? Die Schweiz tritt jetzt in eine wirtschaftliche Periode ein, wo nur hoch spezialisierte KMU- und Gewerbebetriebe und global tätige Unternehmen der A-Schweiz eine dauerhafte Überlebenschance haben. Die wirtschaftlich sich öffnenden Landesgrenzen werden, wie dies jetzt schon der Fall ist, zum Niedergang aller Betriebe führen, die Standardprodukte, und diese oft zu teuer, auf den Markt bringen.

Die Steuerleistungen werden eher rückläufig sein. Bund, Kantone und Gemeinden haben dann die Wahl, sich erneut tief zu verschulden oder Sozial- wie Transferleistungen abzubauen.
Wie der Kanton Glarus eine historische Reminiszenz ist, ein Bote aus der Schweizer Vorzeit der Pässe und der Industrialisierung, wo man derlei noch brauchte, sind heute die grossen Schweizer Städte die bestimmenden Faktoren. Der Widerstand der Kantone gegen diese Entwicklung kommt den Steuerzahler immer teurer zu stehen.

Es muss gelten: Wer sich nicht selbst finanzieren kann und seine überzogenen Ansprüche durch Dritte finanzieren lassen muss, hat die volle Autonomie bereits verloren.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Leben wir nicht sorglos?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Das jüngste Sorgenbarometer der Schweiz sagt eigentlich nur eines aus: Wir haben keine ernsthaften Sorgen. Natürlich sind wir besorgt, haben diffuse Ängste und manchmal sogar echten Ärger, aber Sorgen, echte Sorgen, haben nur die wenigsten.

Vor zehn Tagen war ich drei Tage im Goetheanum in Dornach, um mir dort den neuen „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe anzusehen. Dieser „faustische Wille“, alles, aber auch alles in seinen tiefsten Gründen zu erfahren, hat uns seit 250 Jahren weit gebracht. Die Welt ist zusammen gerückt, die Europäer sind sich näher gekommen, die Atombombe hat einen Weltkrieg verhindert und dem genetisch optimierten Menschen kommen steht vor der Tür. Die naturnahe Menschenproduktion wird zunehmend abgelöst von der kulturell gesteuerten Menschenproduktion. Wer im Uterus ungenügende Leistungen zeigt, wird früh abgetrieben. Wer vorzeitig aus dem Leben aussteigen möchte, kann dies in der Schweiz ohne Schwierigkeiten verwirklichen.

Die Walpurgisnacht, wo Frauen sich als Hexen selbst verwirklichen, erleben wir an jedem freundlichen Wochenende in Lausanne, wenn dort die Jugend sich trifft. Es gilt aber auch für jedes öffentliche und private Fest, „wo jeder sich selbst spüren will“ und sein Da-Sein sucht.

Was den Frauen recht ist, gilt auch für die Männer. Wer einst in „Auerbachs Keller“ tobte, sucht heute die Disco auf. „Niedrige Astralität“ wird dies in Dornach genannt; dem kann kaum widersprochen werden.

Plutus, der Gott des Reichtums, herrscht in der Schweiz. „Tatendurst und Schöpferdrang“ stellen wir allerdings kaum noch fest; vielmehr ist Ausverkauf angesagt: Holcim an Lafarge, Sika an Saint-Gobain, die Hotels an die Chinesen. Viele werden diesen Weg noch gehen.

„Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen“, hätte auch mancher Schweizer Bankier des 20. Jahrhunderts gerne gesagt. Schon nach einer Generation sind sie abgelöst worden durch Deutsche (UBS), Afrikaner (CS Group) oder Amerikaner und Holländer.

Gerade deshalb empfehle ich den Besuch in Dornach. Dort sind mir nur Menschen, jeglichen Alters und aus aller Welt begegnet, die lächeln. Kein falsches Lächeln auf den Stockzähnen, sondern jene warme Herzlichkeit, die sonst in unseren Theatern und Opernhäusern fast ausgestorben ist.

Das Ziel der Schüler Rudolf Steiners ist es, durch Selbsterkenntnis zur Welterkenntnis durchzustossen. Die Begegnung mit dem „luziferischen“ Sein ist ein möglicher Weg hinauf auf den „mons philosophicus“, dessen Ersteigung im 21. Jahrhundert noch vor uns liegt.

Die grösste Gefahr, welcher wir ausgesetzt sind, wird von vielen nicht erkannt: Sind wir doch eingeschlossen wie Homunculus in der Phiole, glauben viel zu wissen und frei zu atmen, während wir isoliert sind im „containment“, das unseren Horizont beschränkt.

Ausbrüche sind nur dann möglich, durchbrechen und erweitern wir das landesübliche Medienangebot. Ganz offensichtlich kommt das Wissen von weit aussen, nicht von innen. Damit sind wir zurück in der Schweizer Wirklichkeit, wie sie sich seit 700 Jahren präsentiert: Es sind die fremden Geister, welche unser Land fortwährend erneuern.

Das ist die gute Botschaft.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH