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Pause bitte! Ein Weckruf zur Ruhe

Ilse Oehler

Ilse Oehler

Die bis an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit uns auferlegte Alltagshektik führt zunehmend zu individuellen und gesellschaftlichen Denkfehlern nach dem Muster: Immer fit, unterwegs zu Wohlstand und Reichtum, alles ist machbar in der Wachstums- und Ich-Gesellschaft… Als Folge dieses Denkens bleiben Teile unserer Gesellschaft in erschreckender Oberflächlichkeit gefangen, ihre Lebensfreude scheint wie betäubt, ihre persönliche und berufliche Entwicklung weist schon heute ins morgige Abseits. Es darf doch nicht wahr sein, dass selbst in meinem unmittelbaren Umfeld zehn von zwanzig Menschen sagen: «I mag nümme no», ich komme nicht mehr mit!

Viele fürchten aber eine Aufforderung zur Pause wie der Teufel das Weihwasser, wie den Verlust von Macht. Weckrufe zur Besonnenheit schallen in der von überkommenen Dogmen beherrschten Zeit wie ein hohles Echo zurück. Demgegenüber sollte es uns gelingen, eine positive Entdeckungsreise in die Welt der Pause zu unternehmen, um auf den Boden einer lebendigen und lebenswerten Wirklichkeit zurückzukehren. Es sind die grundlegenden menschlichen Werte, über die wir in Ruhe nachdenken wollen. Ich frage mich: Fehlt der Welt das weibliche Gesicht? Immerhin führt der Verdrängungswettbewerb gegen Frauen, nicht nur in Führungspositionen, in vielen Ländern langsam auf Nebengleise. In Ansätzen und mit zunehmender Dynamik wird Platz frei für die längst erforderliche Umsetzung der Gleichstellung.

Pause als Kraftquelle
In Ruhe sich einen Moment lang in der eigenen Ursprünglichkeit zu finden, könnte zu einer veränderten Art und Weise führen, aufeinander zuzugehen und sich darüber bewusst zu werden, welch grossartiges «Humankapital» im Gegenüber vorhanden ist. Werden wir aber auch zu Ich-Entdeckern, getragen von unserem Bauchgefühl, und tragen wir besonders Sorge zum persönlichen Umfeld. Das Einfügen von Pausen baut uns auf und stärkt uns nach innen ebenso wie nach aussen. Optimismus – die philosophische Auffassung, wonach die bestehende Welt die beste aller möglichen sei – ist in uns gratis abrufbar. Wir finden den Optimismus in der Pause, in der Stille, an Orten der Ruhe, wo wir richtig Atem holen. Henry Dunant hat für diese Momente mit der «strategischen Windstille im operativen Sturm» ein wunderbares Bild gefunden. Vor dem Hintergrund dieses Bildes mag die Skulptur dieses Buches stehen. Geschnitzt, geformt, gemeisselt, das ist der Mensch. Und doch beweglich!

Vorwort aus dem Buch „Pause bitte“ Und dann ein Neuanfang
Herausgegeben von Ilse Oehler

Mit freundlicher Genehmigung des Somedia Buchverlags