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Die grosse Atemlosigkeit

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Noch sind wir inmitten der Wahlen. Der Nationalrat ist leicht nach rechts gerutscht, daran sind die Grünen und Grünliberalen, ein wenig auch die BDP von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf selber schuld. Sie haben die letzten vier Jahre kaum genutzt, um stabile Strukturen aufzubauen. Dies wird zur Folge haben, dass soziale Verbesserungen (AHV, IV) aus den Traktanden fallen und der Weg nach Brüssel zügig unter die Beine genommen wird. Die Flugspesen der Chefbeamten nach Brüssel werden steigen.

CVP-Präsident Christophe Darbellay darf ebenso als gescheitert gelten wie Bundesrätin Doris Leuthard, deren grüne Energievision zu einer politischen Halluzination geworden ist. Der Energiepolitikerin kommt das politische Fundament abhanden. Mehr denn je wird es notwendig werden, die SRG oder Teile davon zu privatisieren. Der Medienministerin Doris Leuthard wird dies nicht gefallen, aber die Zeichen der Zeit gehen in diese Richtung.

Christoph Mörgeli, wohl von Panik befallen, hat sich selber gestürzt. Das Zürcher SVP-Volk verweigerte ihm die Gefolgschaft und entschied sich, wie andere Bürgerliche auch, für den SVP-Jungstar Roger Köppel. Dieser, von messianischer Begeisterung angetrieben, die Schweiz vor allem Bösen zu retten, ein Savonarola aus der Zürcher Goldküstengemeinde Küsnacht, ist zum Schrecken aller Linken und Halblinken geworden. Sein Kampfblatt, „Die Weltwoche“, hat nun die Chance, mehr denn je beachtet zu werden.

Tim Guldimann, ein älterer Salonlöwe mit SP-Innenfutter, als Schweizer Botschafter in Berlin residierend, mit mehreren Wohnungen und Häusern in Deutschland wie in der Schweiz, wird künftig auf Steuerzahlers Kosten zu den Sitzungen im Nationalrat anfliegen und den Fluglärm rund um Kloten noch vermehren, dies als sozialen Fortschritt deklarierend.

Magdalena Martullo-Blocher, die politisch begabte Tochter von Dr. Christoph Blocher, wird es als SVP-Nationalrätin in Bern schwer haben. Sie, die nie Widerspruch duldet, muss nun anderen zuhören; ich sehe sie schon als Fraktionschefin die Peitsche schwingen.

…und Marcel Dobler, der 35jährige IT-Wunderknabe aus Rapperswil-Jona, der im Sturmlauf das St. Galler Polit-Establishment in Angst und Schrecken versetzte, als er sich vom St. Galler Stimmvolk für die FDP in den Nationalrat wählen liess. Die St. Galler Politiker, sonst eher der Trägheit verfallen, glaubten sich sicher, auch ohne grossen geistigen wie materiellen Aufwand wieder gewählt zu werden. Gerade am Beispiel dieses seit langem stagnierenden Kantons wird deutlich wie dünn die Säulen sind, auf denen unser politisches System ruht.

Gleichzeitig werden Arbeitsplätze wie nie abgebaut; sogar Peter Spuhler, der Züge und Trams herstellt, muss nun mit Teilen der Produktion ins Ausland ausweichen. Die Schweiz ist definitiv zu teuer geworden, weshalb der Export, auch bei den Uhren, unter die Räder kommt.

Die Einkommen und Renten vieler schmelzen dahin, denn die Lebenshaltungskosten steigen überdurchschnittlich. Schweizer Politiker sind deshalb nicht unglücklich, wenn Familien im nahen Ausland einkaufen; gerade Bezüger von niedrigen Salären können ihren Lebensstandard damit einigermassen erhalten. In Kantonen und Gemeinden steigen die Zuschüsse für Krankenkassen, Mieten und andere Sozialleistungen rascher als früher. Der fleissige Mittelstand zahlt.

Die daraus resultierende grosse Atemlosigkeit wird angeheizt durch die Angst vor Flüchtlingen aus aller Welt, die in grossen Menschenströmen nach Europa ziehen. Wer die Schweiz durchqueren will, zahlt pro Kopf über 8 000.— Franken. Die Schlepper, nicht nur aus der Türkei, Libyen oder dem Kosovo, werden zu Millionären.

Wer seine Ruhe haben will und die meditative Stille vorzieht, muss auf technische Hilfsmittel, wie sie heute üblich sind, mindestens auf Zeit verzichten. Radio und Fernsehen vermitteln häufig tiefere Einblicke, aber es ist schwierig, immer die besten Sendungen zu finden.

So taumeln wir, von Medien beschossen, durch die Gegenwart. Was stimmt, was nicht? Der Eindruck verstärkt sich: Viele kommen nicht mehr mit. Es entstehen grosse Tabuzonen, Themen, die man nur noch einseitig behandeln darf. Dazu melde ich mich demnächst.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Gratuliere zum Geburtstag, Dr. Christoph Blocher

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Am kommenden Sonntag, dem 11. Oktober, wird Dr. Christoph Blocher 75 Jahre alt. Keiner hat so wie er seit über einer Generation die Schweizer Politik geprägt, keiner hat so viel verändert. Jetzt liefert er, wieder einmal, den Wahlkampf seines Lebens, denn mit 79 Jahren, in vier Jahren, lebt er in der gleichen biologischen Gefahrenzone wie derzeit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Hat Christoph Blocher, den man nicht Jubilar nennen mag, sein politisches Lebensziel erreicht? Ist das Schweizer Volk seinen Rufen gefolgt, die Unabhängigkeit des Landes zu bewahren? Man ist geneigt zu sagen, dies ist nicht ausreichend der Fall. Erst der 18. Oktober, das kommende Wahlwochenende, wird zeigen, ob der Schweizerischen Volkspartei der lange ersehnte Durchbruch und damit auch der zweite Bundesrat gelingt.

Es ist nur die Flüchtlings- oder die Zuwanderungsfrage, die Christoph Blocher wieder auf den Thron bringen kann, den er als Bundesrat schon einmal bestiegen hatte. Jene 27% der Wählerinnen und Wähler, die er sicher in der Tasche hat, werden überlagert von weiteren mindestens 30% der Bevölkerung, die Angst vor zu viel Ausländern haben, weil sie – nicht ganz zu Unrecht – befürchten, ihre Traumschweiz des 20. Jahrhunderts werde im neuen 21. Jahrhundert zu Trümmern.

Blocher kommt an seinem Geburtstag zugute, dass Konkurrent Philippe Müller, Präsident der FDP Schweiz und Erbe vieler Niederlagen seiner Partei, nicht wirklich einen durchgreifenden Wahlkampf führte. Der Wind des Wandels treibt ihm offensichtlich enttäuschte Wähler der grünen Mittelinks-Parteien zu. Ob dies für einen dauerhaften Aufschwung der Freisinnigen genug ist, wird sich bald zeigen. Christoph Darbellays schmelzender Gletscher, der sich CVP nennt, lebt wohl nur noch von der Nostalgie, nicht unähnlich der SP Schweiz, die unter Christian Lévrat in eine merkwürdige Starre verfallen ist.

Christoph Blocher, Anarchist, der ausser seiner Herrschaft nie eine andere geduldet hat, ist einer der bedeutendsten Unternehmer unseres Landes geworden. Mit grosszügigen Stiftungen hat er etwas von dem Geld zurück erstattet, das er als durchaus raffinierter Investor mit gewagten Manövern gewonnen hat. Wie er die Emser Werke übernommen hat, ist legendär. Schon jung hat er damals seinen Instinkt für den kühnen Zugriff bewiesen.

War Christoph Blocher gut für unser Land? Ich denke ja, denn gerade der Abstand zur Europäischen Union (EU) hat unser Land attraktiv gemacht für viele. Wenn unser jetziger Bundesrat vieles von dem verschenkt, was die Eigenart der Schweiz ausmacht, ist dies eine Tragödie für alle. Blocher marschiert immer in die gleiche Richtung, während gleichzeitig der Boden unter ihm wegrutscht.

Ist für den jetzt 75jährigen ein gutes Ende vorstellbar? Wirtschaftlich müssen wir uns keine Sorge um ihn machen. Innenpolitisch hat er eine neue Mannschaft aufgebaut; die alte SVP-Garde hat, teilweise unter sanftem Zwang, die Ränge verlassen. Albert Rösti in Bern, der Wahlkampfleiter der schweizerischen SVP, der einen ausgezeichneten Job macht, darf mit Aufstieg rechnen. Der intellektuelle Roger Köppel, seit zwanzig Jahren in einem Steigerungslauf, wird am 18. Oktober beweisen müssen, ob er auch „das Volk“ überzeugen konnte.

Wohin aber geht die Schweiz wirklich? Längst haben die grossen Banken und Konzerne im Land das Sagen, ausgedrückt durch den Machtanspruch der économiesuisse. Wer an ihnen vorbei politisieren will, hat kaum eine Chance. Das gilt auch für den Schweizerischen Gewerbeverband mit Hans-Ulrich Bigler, der in der politischen Kampagnenführung zu den Talenten zählt und koordiniert mit der économiesuisse vorgeht.

Christoph Blocher, zur Elite der Schweiz zählend, ist immer ein wenig Aussenseiter geblieben. Sein harter Schwabenschädel duldet keine Unterwerfung, war es doch das Volk seines Urgrossvaters, das in den USA, in Russland und in Siebenbürgen grosse Kulturen aufgebaut hat.

Er ist bereits in eine spielende Phase eingetreten, wo man das Leben nicht mehr ganz so ernst nimmt, wie zu Beginn. Wenn die Freisinnigen mit linker Unterstützung den Weg nach Brüssel antreten, um dort die Freiheit der Schweiz stückweise zu verkaufen, wird er als „Alter vom Berge“ in seiner Burg in Bünden sitzen und jene Schweiz suchen, die seinen Vorfahren so teuer gewesen ist.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Vom Wandel zur Apotheose?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Weil sich in unserem Land vor den Herbstwahlen ohnehin alles überschlägt und viele nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, tut es gut, sich den untergründigen Strömungen hinzuwenden, die mehr bestimmen, als es die öffentlichen Medien wahrnehmen wollen.

Womit niemand gerechnet hat: Das „Magazin“ des „Tagesanzeiger“, geführt vom sensiblen Bündner Finn Canonica, hat in der Ausgabe 35/2015 einen längeren Artikel des Berner Schriftstellers E.Y. Meyer publiziert, worin er ein Gemälde Albert Ankers und ein Foto von Friedrich Dürrenmatt analysiert. E.Y. Meyer ist der volle Kontrast zu den vier Kandidatinnen für den Schweizer Buchpreis 2015, der in Kürze wieder vergeben wird; am ehesten nähert sich die Langsam-Schreiberin Ruth Schweikert sprachlich dem 2011 für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagenen Schweizer Grossschriftsteller.

Noch erstaunlicher: Meyers „Magazin“-Artikel löst eine Fülle positiver Reaktionen im ganzen Land aus. Es melden sich aus allen Landesteilen sonst schweigsame Menschen zu Wort, die sich in ihm besser erkennen als in der Neu-Literatur des 21. Jahrhunderts.

Was bietet E.Y. Meyer? Seine beiden letzten Bücher sind bei Stämpfli in Bern erschienen. Sie heissen „Wandlung“ und „Apotheose“ und müssen, um verständlich zu werden, hintereinander gelesen werden. Meyer zeigt, wie die Schweiz sich wandelt und die Menschen den Aufstieg zur Apotheose suchen. Damit ist der Autor hoch aktuell.

Die Schweiz erlebt einen von vielen als dramatisch empfundenen Wandel, aber gelingt auch die Apotheose, die uneinholbare Vergöttlichung von Menschen, die alles erreicht haben?

Soeben wurde im Nationalrat die Initiative für ein Grundeinkommen für jeden Schweizer abgeschmettert. Für die Antrag stellenden Basler wäre es die perfekte Apotheose, wenn jeder Schweizer, ohne zu arbeiten, gut 2000 Franken netto im Monat vom Staat und Steuerzahler beziehen könnte. Reizvoll ist es, dass hinter der Initiative eine Basler Milliardärin steht, Beatrice Oeri, deren Urgrossvater den Weltkonzern Hoffmann-LaRoche gegründet hat. Sie unterstützt auch die in Dornach bei Basel ansässigen Anthroposophen der Rudolf Steiner-Bewegung, die eine Apotheose eigener Art betreiben.

Der Traum der Schweiz, dem Himmel nahe zu sein, wird von Eindringlingen jäh gestört. Nahe beim Volk sind es die Zuwanderer aus dem Nahen Osten und Afrika, welche die Schweizer Apotheose miterleben möchten. „Sie klopfen nicht an, sondern schlagen die Tür ein“, sagt Victor Orban, der sich belagert fühlende Präsident Ungarns. Weiter oben ist es US-Justizministerin Loretta Lynch, die ein Jahr vor ihrer sicheren Abwahl den in Zürich ansässigen Weltfussballverband FIFA in die Knie zwingen will, wo als Präsident der Walliser Joseph („Sepp“) Blatter die Festung verteidigt. Lynch, ob der knochentrockenen Schweizer Verteidigung leicht unzufrieden, hat sich nun auf den deutschen Volkswagen-Konzern gestürzt.

Vom Wandel zur Apotheose – ob unserem Land das Kunststück gelingt? Wer sich nicht festlegen will, kann mindestens bestätigen: „Wir sind unterwegs.“

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Der Aufbruch findet nicht statt.

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es sind sublime Entscheidungsfaktoren, die Karrieren begünstigen oder hemmen können. Im jetzt seinen Höhepunkt erreichenden Wahlkampf vor dem Entscheidungstag vom 18. Oktober sind die Wählerinnen und Wähler auf viele sachlich-neutrale Informationen angewiesen. Wer glaubt, diese würden angeboten, der irrt.

1. Die Prominenz der Parteien darf in der „Arena“ des Schweizer Fernsehens auftreten und in anderen öffentlichkeitswirksamen Sendungen. Wer als Politiker dort angelangt ist, dem ist die Wahl fast sicher. Die gleiche Rolle spielt der „SonnTalk“ im Peter Wanner’schen Medienverbund, wo Markus Gilli die politischen Karrieren bestimmt. Wer ausgeschlossen wird, weil er zu wenig medienwirksam ist, braucht die starke Hilfe seiner Partei oder befreundeter Organisationen.

2. Wie die „Schweizer Illustrierte“ sich die Namen tüchtiger Jungpolitiker von den Parteien nennen lässt, ohne sich selbst ein Urteil zu bilden, beschränken sich die meisten Regionalredaktionen darauf, nur die bereits im Amt befindlichen Spitzenkandidaten ausführlich vorzustellen. Mit Sicherheit befinden sich unter den hundert weiteren Kandidaten in einem Kanton ebenso begabte Nachwuchstalente. Sie haben nur selten eine Chance, von den Medien „entdeckt“ zu werden. Auch damit werden die Platzhalter begünstigt. Die Redaktionen erklären dieses Verhalten mit eigener Überforderung, da sie weder Zeit noch Personal haben, derlei zu leisten.

Kein Wunder, dass der immer wieder verlangte oder erhoffte Aufbruch damit nicht stattfinden kann. Weil politische Erfolge viel mit Macht zu tun haben, sind politische Neueinsteiger immer ein Risiko, das zu mindern oder mindestens berechenbar zu machen die Aufgabe der Parteizentralen ist.

Die politisch erfahrenen Kandidaten wissen dies und benutzen jeden Wahlkampf dazu, den nächsten vorzubereiten. Wer den Fuss einmal auf die rotierende Karriereleiter gesetzt hat, wird sie, je nach Talent, rascher oder langsamer hinauf klettern. Das Ziel, in seinem Kanton oder auf nationaler Ebene in Bern, etwas durchsetzen zu dürfen, ist zu verlockend.

Weil diese Selektion mühsam ist, dazu viel Zeit und Geld verschlingt, ist ein echter Aufbruch in Bern eher unwahrscheinlich. Die Fraktionsdisziplin ist strenger geworden; wer sich dieser entzieht, gilt bald einmal als bunter Vogel.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Mein Entsetzen hält sich in Grenzen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn viele Zeitungen jetzt schreiben „Die Welt blickt mit Entsetzen…..“, dann sehe ich stets meine Nachbarn an und horche in mich selber hinein: Niemand ist entsetzt. Viele sind traurig, ganz wie ich auch, wenn Kinder im Mittelmeer ertrinken, Väter sich auf Eisen-bahnschienen werfen, um nicht samt Familie in ein ungarisches Lager eingeliefert zu werden oder schreiende Mädchen von ihren Familien getrennt und wieder ins Ausland abgeschoben werden. Das sind keine guten Zeiten.

Anderseits finde ich, die Ertrinkenden im Mittelmeer sind oft Opfer ihrer eigenen Familien, die nach Europa eindringen wollen, um dort Geld zu verdienen, das sie dann wieder in eigene Häuser in einem afrikanischen Land investieren. Wer zuhause bleibt, hat diese Chance nur selten.

Wenn die Syrer oder Afghanen aus ihren Ländern nach Europa fliehen, sind sie späte Opfer europäischer Anmassung und Unfähigkeit. Das jetzt zusammen brechende Syrien wurde von Frankreich und England gemeinsam geschaffen. Die Afghanen hatten nie eine Chance: Erst wurden sie von den Engländern überfallen, dann von den Russen, zwischendurch von den Taliban, die von den US-Amerikanern gegen die Russen aufgerüstet wurden, schliesslich fielen sie ganz den NATO-Truppen zum Opfer. Generationen voller Schmerz und Unglück waren das Ergebnis westlicher Aggressionen.

In meiner Jugend hatten wir in Deutschland einen Satz: „Es wird nicht ausgewandert.“ Wir ärgerten uns schrecklich über die konservativen Parteien, aber nur wenige flüchteten nach Australien oder Kanada. Es wurde der Versuch gemacht, das eigene Land zum Besseren zu verändern.

Den Afrikanern wie den Asiaten wird es nicht erspart bleiben, selber ihre Staaten zum Besseren hin zu verändern. Vom den reichen Staaten des Westens sollten sie nicht zu viel Unterstützung erhoffen. Unsere Eliten, wie wir selber es auch tun, sorgen zuerst einmal für die eigene Tasche. Was wir während nunmehr drei Generationen an Entwicklungshilfe geliefert haben, war zumeist Wirtschaftsförderung und Kampf um politischen Einfluss. Das ist auch heute noch so.

Nein, entsetzt sind wir nicht wirklich. Wir haben die Schrecken der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki erlebt, die Konzentrationslager der Deutschen, die Morde der französischen Armee in Nordafrika und Indochina, den Vietnamkrieg, die blutigen Aufstände in Indonesien, die Völkermorde in Afrika. Vulkane haben Zehntausende vernichtet, tropische Stürme und Erdbeben Hunderttausende. Wieso sollten wir entsetzt sein?

Der Mensch, überschätzen wir ihn nicht, sichert zuerst einmal sein eigenes Leben und das seiner Familie. Auch die Zuwanderung der Flüchtlinge wird nach dieser Regel beurteilt. Wenn UBS-Präsident Axel Weber uns sagt, wir würden künftig länger arbeiten müssen, denn eine Rente allein werde nicht mehr genügen, um das Leben zu finanzieren, dann werden sich viele fragen, warum die Sozialkosten dennoch steigen.

Nein, wir sind nicht entsetzt, aber wir sehen mit Entsetzen, wie sich unsere einst ordentlich-saubere Umwelt zunehmend chaotisch verändert. Viele unserer Kinder müssen künftig in Hochhäusern leben, wo sie verdichtet gestapelt werden ganz wie in New York City, HongKong oder Frankfurt schon heute. Unser altes Europa, unsere bürgerliche Welt zerfallen; kein Politiker hat den Mut, uns dies zu sagen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Ein Sommer zum geniessen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es war unglaublich heiss in diesem Sommer, aber alte Knochen haben diese Wärme ganz gerne. Unangenehm sind nur zwei Dinge: Die brennende Sonne im Gesicht und auf der Glatze und die Schwierigkeit, richtig tief einatmen zu wollen. Mit Hut, Kappe, Sonnenschirm und Fächer lässt sich der heisse Sommer erträglicher machen. Missen möchte ich ihn nicht.

Viel ärgerlicher ist die Entwicklung unseres Landes. Während wir den Bergkantonen das Bauen von Zweitwohnungen verboten haben, haben sich bei uns im industriellen Flachland die Baukräne vervielfältigt und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Kanton Zürich als eine der wachstumsstärksten Schweizer Regionen, soll von 1,4 Millionen Einwohnern auf 1,56 Millionen ausgebaut werden. Niemand verbürgt sich, dass es auch mehr werden können.

Warum dieser Wahnsinn? Economiesuisse, die Dachorganisation der Schweizer Wirtschaft unter Leitung des Misserfolgsmanagers (Kuoni, Axpo) Heinz Karrer, hat die Weichen auf Wachstum gestellt. Das gilt natürlich nur für Konzerne und grosse Dienstleistungsfirmen. Metzger, Coiffeure und Hoteliers müssen selber sehen, wie sie zurechtkommen. Dafür ist der Schweizerische Gewerbeverband zuständig, der von Hans-Ulrich Bigler geführt wird. Wenn Economiesuisse und Bundesrat zusammen spielen, hat er einen schweren Stand.

Was noch zunehmen wird, ist der sehr lärmige Strassenverkehr. Autobahnen werden vom Bund vor allem im Jura und im Oberwallis gebaut; die Ausbauten im Mittelland gehen sträflich langsam voran, worüber sich vor allem die SBB freuen, die ihre Passagiere zu Spitzenzeiten auf dem Fussboden sitzen lässt. Das gilt jetzt als lässig.

Ausgebaut wird auch der Flughafen Zürich-Kloten, wo heute 25 Millionen Passagiere abgefertigt werden, davon ein grosser Teil Transitpassagiere, die unserem Land wenig, der Deutschen Lufthansa, die bei uns unter dem Decknamen Swiss arbeitet, aber viel bringen. Zürich ist ein offizieller Heimatflughafen der Deutschen Lufthansa; es war einmal der Heimatflughafen der Swissair. Dass wir sie nicht mehr haben, ist eher unsere Schuld resp. solcher Persönlichkeiten wie Marcel Ospel, Moritz Suter und Kaspar Villiger, die keine zwei Milliarden Franken mehr einschiessen wollten. Später haben wir die UBS mit sechzig Milliarden gerettet.

Das Wachstum der Schweiz spielt sich im internationalen Handel ab:

– Deshalb subventionieren wir mit unserem Steuergeld den Landesflughafen Zürich-Kloten, der aber zu einem Drittel von Süddeutschen benutzt wird, die uns dafür den Fluglärm und die Abgase hinterlassen.

– Deshalb subventionieren wir das Tram zwischen Basel und der deutschen Stadt Weil, damit die Basler lernen, günstig in Deutschland einzukaufen. Der Basler Detailhandel ist nicht erfreut.

– Deshalb subventionieren wir mit 780 000 Franken pro Jahr ab dem 13. Dezember fünfmal täglich die SBB-Verbindung St. Gallen-Konstanz, damit die St. Galler günstig in Deutschland einkaufen können. Die Konstanzer zahlen nur 14% der Kosten für den Schweizer Zug.

Ich finde, unsere Chefbeamten sind verrückt geworden. Sie freuen sich über „die gute Gesprächskultur“ mit den Deutschen und lassen sich über den Tisch ziehen, als hätten sie nie jassen gelernt. Die Deutschen aber pokern mit uns.
Diesen Sommer wollen wir geniessen; was kommt, wird fürchterlich.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Italien setzt die Schweiz unter Wasser

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Viele von uns Älteren haben eine Wohnung oder ein Haus im Tessin. Jetzt müssen wir damit rechnen, dass die Italiener unsere Spaziergänge entlang des Lago Maggiore weniger attraktiv machen, denn sie verlangen einen stark erhöhten Pegelstand. Dies wird zur Folge haben, dass die Strände im Tessin noch kleiner werden, als sie es heute schon sind. Kommen die gefürchteten Herbst-, Winter- und Frühlingsstürme, die das Seewasser auf die Piazza treiben, ist mit noch mehr Hochwasser zu rechnen.

Niemand kann die Italiener daran hindern, diesen Plan zu verwirklichen. Sie kontrollieren das Stauwehr am südlichen Ende des Sees in Sesto Calende. Dahinter liegen tausende von Bauernbetrieben und Reisfarmern, die aufgrund der Seewasser-Reserve mehr Anbausicherheit wollen. Die mehr berühmten als schönen Kanäle von Milano, die vor wenigen Wochen wegen Wassermangels unpassierbar waren, werden auch mit Schweizer Wasser versorgt.

Ein Vergleich: Während Israel das Wasser des Jordan kontrolliert und es seinen Nachbarn, vor allem den Palästinensern, einfach zuteilt, haben bei uns die Italiener die Kontrolle über das Seewasser. Theoretisch können sie grosse Teile des Tessins unter Wasser setzen, werden dies aber schon deshalb nicht tun, weil sie selber gerne in Lugano und Locarno spazieren gehen und einkaufen.

Dieser Vorgang zeigt wieder einmal die Schwäche unserer Aussenpolitik: Im Süden bedrohen uns die Italiener, im Norden die Deutschen, im Westen die Franzosen, letztere aber weniger als die anderen. Nur die Österreicher im Osten unseres Landes sind friedlich, ganz wie die Liechtensteiner auch, die wir an dieser Stelle nicht vergessen wollen.

Haben Sie in den letzten Jahren, seit FDP-Bundesrat Didier Burkhalter das Aussendepartement führt, aussenpolitische Erfolge in Erinnerung? Nein, wir sind ständig in der Defensive und verkünden dies als grosse Erfolge.

Der Tessin spielt in der Schweizer Politik ohnehin kaum noch eine Rolle. Einzig Massimo Lombardi, Ständerat, Eishockey-Präsident und Freund Russlands, darf als gewichtige Persönlichkeit gelten. Mit seinen Vorstössen trägt er dazu bei, die Darbellay’sche CVP ganz zu zertrümmern, will er doch einen zweiten SVP-Bundesrat unterstützen. Mancher muss hier tief durchatmen.

Der Tessin ist ein wunderbarer Lebensraum, der uns manche Reise nach Afrika oder in den Nahen Osten ersetzt. Wenn wir älteren Menschen uns dort wohl fühlen, weil einfach alles stimmt, muss dies nicht heissen, dass dies nicht für unsere Enkel gilt. Hier ist die Einschränkung zu akzeptieren, dass das Locarnese sprachlich offener und das Schwiizerdütsch weit verbreitet ist, während die Luganeser Jugend, soweit es sich noch um Schweizer handelt, das Italienische vorzieht.

Derlei Mühen sind es, welche unsere Schweiz spannend und attraktiv machen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Kirchen im Warenhaus, Asylanten in die Klöster

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Demnächst kann der Churer Bischof Vitus Huonder im Ornat in Ebikon durch das grösste Warenhaus der Schweiz mit angeschlossenem Freizeitzentrum wandern. In der neuen „Mall“ amerikanischen Zuschnitts, die von Kuwaitis gebaut wird, weil der Schweizer Industrielle Alfred Schindler keine besseren Käufer für sein Grundstück fand, kann Bischof Vitus dann in einem interreligiösen Raum, wo auch Moslems, Juden, Hindus, Reformierte und andere Ungläubige Zutritt haben, die Heilige Messe lesen. Halleluja!

Früher kamen die Menschen zur Kirche; heute kommt die Kirche zu den Menschen. Die Ergebnisse sind wenig überzeugend. Während die christlichen Kirchen in die Warenhäuser ziehen, wollen die Landeskirchen die meist islamischen Asylanten in den Klöstern unterbringen.

Der Gebetsraum für die Shopping-Mall ist die Idee des dortigen Diakons und Gemeindeleiters Daniel Unternährer. Für den regionalen Gemeindeverband, wo das Grosswarenhaus zu stehen kommt, sagt die Managerin: „Ein interreligöser Andachtsraum könnte noch einmal ganz andere Leute nach Ebikon locken, auch ein Publikum, das der Mall kritisch gegenüber steht.“ Und die Betreiberfirma bestätigt: „Unser Ziel ist die Realisierung von maximalem Mehrwert für nationale und internationale Investoren.“

Bischof Gmür aus Basel, in dessen Bistum das Shopping Center zu stehen kommt, wird dort wohl kaum die Einsegnung vornehmen. Als treuer Anhänger von Papst Franziskus, Verkünder von weniger Konsum und mehr Respekt vor den 71% der Armen in der Welt, wird Bischof Vitus die Gläubigen wohl eher auffordern, regelmässig zu den Gottesdiensten in die Kirchen zu kommen.

Obwohl mehr Reformierte als römische Katholiken ihre Kirche aufgeben, stellt sich die Frage: Sind solche Gebetsräume mitten im Rummel wirklich der richtige Ort für die Verkündung des Glaubens? Die bisherigen Beispiele der Zürcher „Shopping Kirche“ im Sihlcenter, an Bahnhöfen oder Flughäfen sind nicht sehr ermutigend.

Jene Menschen, die am Wochenende wirklich keine Zeit haben, einen Gottesdienst zu besuchen, werden auch in den Schmalspur-„Kirchen“ nicht ihr Glück finden. Ich kann mir dort höchstens Stossgebete vorstellen: „Herr, lass‘ mich meine Kreditkarte wieder finden, weil mein Mann sonst ausrastet.“

Diese glattgesichtigen Diakone, deren penetrante Dauerfreundlichkeit und verständnisvolle Hingabe an jeden Unsinn leider zur Regel geworden sind, können nur eine Schwachstrom-Kirche zur Folge haben.

Die Kuwaitis wollen in Ebikon ihr Geld mit einem „maximalen Mehrwert“ verdienen. Wer dann in diesem Andachtsraum betet, ist den Arabern recht egal. Allah ist für alle Rechtgläubigen da, Gott bleibt verhüllt jenseits der Wolkenobergrenze und JAHWE kümmert sich nur um seine kleine Gemeinde, die es seit Jahrtausenden immer neu zu retten gilt.

Ist es nicht ein Jammer, wie mit solchen Vorschlägen die Kirche dem Mammon zu dienen beginnt? Jesus Christus hat den Tempel einmal ausgefegt und die Tische der Händler umgestürzt. Heute soll die Kirche den Händlern die Kunden bringen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Wie gefährlich ist eine Völkerwanderung?

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Kein Zweifel, die Zahl der Zuwanderer nach Europa hat in den letzten zwanzig Jahren dramatisch zugenommen. Wir stehen am Beginn einer neuen Völkerwanderung, die vom Süden nach Norden führt. Am Beispiel unserer germanischen Vorfahren, die vor 1 600 Jahren aus dem Norden nach Süden zogen, wird deutlich, welche Gefahren Europa und den Europäern drohen.

Meine Frau ist kimbrischer Herkunft. Aus dem heutigen nördlichen Dänemark zogen die Kimbern vor gut 2000 Jahren bis nach Südfrankreich, wo sie erstmals die Römer vernichtend schlugen. Ihre blauäugigen, rothaarigen und sommersprossigen Nachfahren leben noch heute in den Alpen; sie werden Walser genannt. Meine Walliser Schwiegermutter hatte noch die Walser-Merkmale. Sie wurden bei ihren Kindern genetisch überdeckt vom Luzerner Vater, einem Alemannen.

Die germanische Völkerwanderung führte über 500 Jahre zu grausamen Kriegen, Raubzügen und Überfällen, worunter die damaligen Völker, auch die Römer, sehr litten. Die Germanen wurden von den Römern Barbaren genannt, „Fremde“, und mit hohen Erdwällen abgehalten, ganz wie wir heute in Nordafrika, Spanien und Ungarn elektrisch geladene Zäune bauen, um die Barbaren aus Afrika, dem Mittleren Osten und Afghanistan abzuhalten.

Das half nichts, Rom brach zusammen. Germanenführer wurden zu römischen Kriegsherren ernannt, sogar zu Cäsaren. Die Macht ging, langsam und mit Rückfällen, auf sie über. Es dauerte tausend Jahre bis daraus das neue Europa entstand, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das von Napoléon I. vernichtet wurde.

Wenn Völker wandern, bilden sie, früher wie heute, in den Gastländern kleine Kolonien. Dies ist in Südfrankreich, Südschweden. London und Paris, aber auch in Kreuzberg in Berlin gut zu beobachten. Die Besten von ihnen werden Unternehmer und bald auch Chefs grosser Unternehmen. Der FC Wil wird von einer türkischen Familie geführt, das neue Andermatt von einem begabten Ägypter, die Crédit Suisse Group von einem talentierten Afrikaner von der Elfenbeinküste. Sie ziehen andere Verbündete nach, oft der gleichen Herkunft.

Die finanzielle Belastung, welche durch die von den eigenen Eliten geförderte Zuwanderung entsteht, trägt das Volk, soweit es über nennenswerte Mittel verfügt. Die Eliten, so war es schon im alten Rom, gingen Verträge mit den Zuwanderern ein, um ihre eigene Macht zu sichern.

Europa und die Schweiz werden deshalb nicht verschwinden, sondern in variablen Formen erhalten bleiben. Die Zuwanderer übernehmen einen Teil unserer Sitten, z.Bsp. den technischen Fortschritt (Handys, Autos, moderne Wohnungen), werden aber auf Bestandteile ihrer eigenen Kultur nicht leichtfertig verzichten.

„Old Europe“ sagen die Amerikaner über uns. Ja, wir sind alt und kinderlos geworden, ganz wie die Römer in ihrer Schlussphase, die 400 Jahre währte, auch.

Ich wünsche Ihnen einen frohen 1. August.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Schmetterling oder tote Raupe?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn Sie diese Zeilen lesen, packe ich gerade die Koffer, um ins Wallis zu reisen. Nein, nicht nach Zermatt, auch wenn ich dort auf der Riffelalp das Volkstheater besuchen werde. Unten im Dorf wimmelt es von Asiaten; sie mögen nett sein, aber eigentlich haben wir kein gemeinsames Interesse. Wir gehen uns aus dem Weg.

Aus dem gleichen Grund meide ich Luzern, Interlaken und die Jungfrau-Bahnen.
Was sollen diese Billigtouristen, die für eine Übernachtung mit Frühstück nur sechzig Franken zahlen wollen, uns an Mehrwert bringen? Gut, sie kaufen Uhren, Schuhe und Schmuck. Das ist das mindeste, was sie tun können.

Im Kanton St. Gallen wehren sich die Hoteliers, Wirte und Detailhändler gegen die Asien-Strategie ihres Walliser Tourismuschefs. Ich teile ihre Meinung, denn der Kanton ist wunderschön, aber in erster Linie geeignet für Deutsche, Österreicher, Holländer und Osteuropäer. Um sie zu gewinnen, muss man sich allerdings etwas einfallen lassen. Daran fehlt es wohl.

Jetzt ist mein Freund Hermann Suter gestorben, Intellektueller, Historiker, Kommandant und Rektor in Luzern. Er war einer der letzten grossen Schweizer, die für ihr Land zu kämpfen gewohnt waren. Asiatische Touristen waren so wenig sein Fall wie Schweizer Banken unter ausländischer Kontrolle. Suter hat gelitten unter der jetzigen Entwicklung unseres Landes. Von unseren Medien, die das Bild der Heimat zeichnen, hielt er gleich gar nichts: „Viele Journalisten warten nur auf Pfründen in der Verwaltung“, sagte er häufig und die Medien „als vierte Gewalt“ lösten bei ihm nur ein heftiges Gelächter aus.

Die Milizarmee, der er fleissig diente, sah er zu einem Anhängsel der NATO werden und es war niemand da, der ihm dies ernsthaft widerlegen wollte. Der in Bern geplante Untergang der Kantone in Metropolitanregionen fand in ihm einen misstrauischen Beobachter. Wie sich jetzt zeigt, haben die Kantone noch viel Widerstandskraft. Wie die Bundesverwaltung jetzt allerdings nicht nur Aufsicht, sondern auch die Entscheide über unsere Flughäfen an sich reissen will, würde Hermann Suters Beobachtungen bestätigen.

Was sind wir nun? Eine langsam absterbende Schweizer Raupe, wo die Bergtäler sich leeren und das Volk sich zwischen Zürich und Zug wie zwischen Lausanne und Genf drängt? Überall erlebe ich junge Menschen, wie Marcel Dobler aus Rapperswil,
35, Gründer von digitec, der jetzt in den Nationalrat will, um jungen Schweizer Unternehmern besser helfen zu können. Sie wollen nicht Kader in Konzernen werden, die zum Schluss ins Ausland verkauft werden, sondern die Schweiz aufbauen.

Oder wird die Schweiz von morgen jener strahlende Schmetterling, wo Menschen
aus aller Welt miteinander arbeiten und beieinander sitzen, wie Google in Zürich oder an der grossartigen ETH Lausanne? Viele junge Schweizer haben es geschafft, in diese schwer arbeitenden Zirkel einzudringen, aber noch mehr stehen einigermassen ratlos vor Türen, die sich nicht öffnen wollen.
Wir älteren Menschen, so wir klug waren, haben vorgesorgt; die erste bis dritte Säule ist intakt. Wir betrachten staunend, wie überfüllt die untere Bahnhofstrasse in Zürich ist und meiden sie. Unser Land ist laut und lärmig geworden.

Deshalb ziehe ich mich jetzt einige Tage in unser stilles Chalet auf 1300 Metern zurück. Dort brennt zwar auch die Sonne, aber der Wind bleibt kühl. Die Seele erwacht aus der städtischen Betäubung. Ich denke, das sollten Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, auch tun.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH