Schlagwort-Archiv: Blocher

Gratuliere zum Geburtstag, Dr. Christoph Blocher

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Am kommenden Sonntag, dem 11. Oktober, wird Dr. Christoph Blocher 75 Jahre alt. Keiner hat so wie er seit über einer Generation die Schweizer Politik geprägt, keiner hat so viel verändert. Jetzt liefert er, wieder einmal, den Wahlkampf seines Lebens, denn mit 79 Jahren, in vier Jahren, lebt er in der gleichen biologischen Gefahrenzone wie derzeit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Hat Christoph Blocher, den man nicht Jubilar nennen mag, sein politisches Lebensziel erreicht? Ist das Schweizer Volk seinen Rufen gefolgt, die Unabhängigkeit des Landes zu bewahren? Man ist geneigt zu sagen, dies ist nicht ausreichend der Fall. Erst der 18. Oktober, das kommende Wahlwochenende, wird zeigen, ob der Schweizerischen Volkspartei der lange ersehnte Durchbruch und damit auch der zweite Bundesrat gelingt.

Es ist nur die Flüchtlings- oder die Zuwanderungsfrage, die Christoph Blocher wieder auf den Thron bringen kann, den er als Bundesrat schon einmal bestiegen hatte. Jene 27% der Wählerinnen und Wähler, die er sicher in der Tasche hat, werden überlagert von weiteren mindestens 30% der Bevölkerung, die Angst vor zu viel Ausländern haben, weil sie – nicht ganz zu Unrecht – befürchten, ihre Traumschweiz des 20. Jahrhunderts werde im neuen 21. Jahrhundert zu Trümmern.

Blocher kommt an seinem Geburtstag zugute, dass Konkurrent Philippe Müller, Präsident der FDP Schweiz und Erbe vieler Niederlagen seiner Partei, nicht wirklich einen durchgreifenden Wahlkampf führte. Der Wind des Wandels treibt ihm offensichtlich enttäuschte Wähler der grünen Mittelinks-Parteien zu. Ob dies für einen dauerhaften Aufschwung der Freisinnigen genug ist, wird sich bald zeigen. Christoph Darbellays schmelzender Gletscher, der sich CVP nennt, lebt wohl nur noch von der Nostalgie, nicht unähnlich der SP Schweiz, die unter Christian Lévrat in eine merkwürdige Starre verfallen ist.

Christoph Blocher, Anarchist, der ausser seiner Herrschaft nie eine andere geduldet hat, ist einer der bedeutendsten Unternehmer unseres Landes geworden. Mit grosszügigen Stiftungen hat er etwas von dem Geld zurück erstattet, das er als durchaus raffinierter Investor mit gewagten Manövern gewonnen hat. Wie er die Emser Werke übernommen hat, ist legendär. Schon jung hat er damals seinen Instinkt für den kühnen Zugriff bewiesen.

War Christoph Blocher gut für unser Land? Ich denke ja, denn gerade der Abstand zur Europäischen Union (EU) hat unser Land attraktiv gemacht für viele. Wenn unser jetziger Bundesrat vieles von dem verschenkt, was die Eigenart der Schweiz ausmacht, ist dies eine Tragödie für alle. Blocher marschiert immer in die gleiche Richtung, während gleichzeitig der Boden unter ihm wegrutscht.

Ist für den jetzt 75jährigen ein gutes Ende vorstellbar? Wirtschaftlich müssen wir uns keine Sorge um ihn machen. Innenpolitisch hat er eine neue Mannschaft aufgebaut; die alte SVP-Garde hat, teilweise unter sanftem Zwang, die Ränge verlassen. Albert Rösti in Bern, der Wahlkampfleiter der schweizerischen SVP, der einen ausgezeichneten Job macht, darf mit Aufstieg rechnen. Der intellektuelle Roger Köppel, seit zwanzig Jahren in einem Steigerungslauf, wird am 18. Oktober beweisen müssen, ob er auch „das Volk“ überzeugen konnte.

Wohin aber geht die Schweiz wirklich? Längst haben die grossen Banken und Konzerne im Land das Sagen, ausgedrückt durch den Machtanspruch der économiesuisse. Wer an ihnen vorbei politisieren will, hat kaum eine Chance. Das gilt auch für den Schweizerischen Gewerbeverband mit Hans-Ulrich Bigler, der in der politischen Kampagnenführung zu den Talenten zählt und koordiniert mit der économiesuisse vorgeht.

Christoph Blocher, zur Elite der Schweiz zählend, ist immer ein wenig Aussenseiter geblieben. Sein harter Schwabenschädel duldet keine Unterwerfung, war es doch das Volk seines Urgrossvaters, das in den USA, in Russland und in Siebenbürgen grosse Kulturen aufgebaut hat.

Er ist bereits in eine spielende Phase eingetreten, wo man das Leben nicht mehr ganz so ernst nimmt, wie zu Beginn. Wenn die Freisinnigen mit linker Unterstützung den Weg nach Brüssel antreten, um dort die Freiheit der Schweiz stückweise zu verkaufen, wird er als „Alter vom Berge“ in seiner Burg in Bünden sitzen und jene Schweiz suchen, die seinen Vorfahren so teuer gewesen ist.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Sind Unternehmer wirklich „Dienende“?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Gestern fiel mir ein Foto von Dr. Christoph Blocher in die Hände, wie er, den breiten Rücken dem Fotografen zugekehrt, auf der Terrasse seines Herrliberger Hauses stehend, die Hände auf eine eiserne Terrassenbrüstung stützt, die auch Versailles Ehre machen würde. Er blickt sinnend auf den Zürichsee hinab.

Christoph Blocher sieht sich als Dienender an seiner Familie, seiner Firma, die nun den Kindern gehört, und seinem Land, das wir bewohnen dürfen. Als Dienender hat man die Aufträge seiner Herrschaften zu erfüllen, aber nicht so Christoph Blocher. Er dient der Sache.

Dürfen wir also die Worte grosser Unternehmer ernst nehmen, wenn sie solche Sprüche von sich geben? In unserem nördlichen Nachbarland spielt sich gerade ein Drama ab. Dort ist Ferdinand Piech, der aus Österreich stammende deutsche Autokönig, in dessen VW-Reich über 550 000 Menschen aus aller Welt arbeiten, ebenfalls ein Dienender. Weil der operative Firmenchef Martin Winterkorn nicht so konsequent handelt, wie der „Diener“ und Grossaktionär Piech sich dies vorstellt, gab er ihm ein Warnzeichen: Winterkorn, der mehr verdient als unsere teuersten Bankiers, müsse wieder mehr Diener werden. Auf Deutsch: Genau das und so schnell wie möglich tun, was der Oberdiener Ferdinand Piech von ihm verlangt.

Beide, Dr. Christoph Blocher wie Ferdinand Piech, dienen der Sache, einer Sache, die sie selbst bestimmt haben. Wer dieser Sache nicht dienen will, muss umgehend aus der Firma, der Partei, dem sozialen Umfeld, das sie umgibt, verschwinden.

Noch schlimmer finde ich es, wenn Politiker oder Unternehmer „mit Herzblut“ an eine Sache herangehen. Die Zahl der blutenden Herzen hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen, denn derartige Floskeln verbreiten sich rasch; denken Sie nur an die Karriere des Begriffs „Narrativ“ Wer nicht einem neuen Narrativ mit Herzblut zu folgen bereit ist, um als Diener einer (gerechten) Sache zu höchsten Ehren zu kommen, hat nicht begriffen, wie bei uns die „chose“ heute läuft.

Ich sage dies, leicht irritiert, weil mir offensichtlich der Mut fehlt, mein Herzblut für derlei Unfug zu opfern.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH