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Altersarmut ist eine echte Gefahr

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

„Ab 55 Jahren sollen die Löhne nicht mehr steigen“, sagt Hans Hess, der Präsident von Swissmem, der Arbeitgebervereinigung der Schweizer Maschinenbauer. Das ist eine schlechte Nachricht für 90% der Mitarbeiter von ABB, Rieter, Sulzer oder Schindler. Hans Hess, sonst ein „gmögiger“ Typ, meint, dann seien keine Kinder mehr im Haus und viele bräuchten dann nicht mehr so viel Geld.

Alleine schon die Haltung, die hinter einer solchen Aussage steckt, ist aufschlussreich: Menschen sollen künftig mehr nach Massgabe der Notwendigkeit Geld erhalten als aufgrund von individueller Leistung und korporativer Möglichkeit. Auf die Landwirtschaft übersetzt: Nur Hochleistungskühe erhalten besseres Futter.

Für die Generation 50+, soweit es sich nicht um Staatsangestellte, Pfarrer oder Politiker handelt, ist dies eine schlechte Nachricht. Als Staatsangestellter profitiert man von sehr hohen Einkommen und noch besseren Renten und Pensionen, als Pfarrer wird man wie ein hoher Beamter behandelt, und für Bundes- wie Regierungsräte, Chefbeamte und Spitzenparlamentarier gibt es nach dem Rücktritt Tausende bestens bezahlter „Jöbli“, die das Taschengeld verbessern.

Nicht so bei normalen Schweizern, denen es nicht gelungen ist, sich aus der Abhängigkeit privater und staatlich geschützter Regulierungen zu befreien. Wer mit 65 Jahren, dem heutigen Rentenalter, noch weiter arbeiten will, darf nach Massgabe seiner körperlichen und geistigen Kräfte dann ein eher bescheidenes Zubrot verdienen, das sich dann seit mehr als zehn Jahren nicht mehr verbessert hat. Manche werden es nicht einmal freiwillig tun, denn die Belastungen durch Preisaufschläge nehmen ohnehin rascher zu als es die Inflationsrate verrät. Mit ihren Steuern, Abgaben und sonstigen Gebühren finanzieren diese „Normal“-Schweizer den Wohlstand ihrer Eliten.

Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie hat goldene Jahrzehnte hinter sich. Es sind jene bis 55jährigen, deren Fleiss und Innovationskraft dieses Wunder bewirkt hat. Der Schweizer Ingenieur und Facharbeiter hat mit einem bewundernswerten Einsatz sein Bestes gegeben; das gilt auch für die sehr vielen Ausländer, die unter schlechteren Bedingungen nicht weniger gegeben haben.

Als neue Regel soll gelten: Wer jung ist, erhält weniger Geld, wer weiblich ist, soll sich bescheiden, wer über 55 Jahre alt ist, darf mit dem unfreiwilligen Sparen beginnen. Kein Wunder, dass Motivationsseminare blühen – man muss einer solchen Haltung auch einen Sinn abgewinnen können.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH