Kategorie-Archiv: Ilse Oehler

Absteller, Aufsteller, Quersteller?

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Ilse Oehler

Auffällig. In einer Woche zwei spezielle Erlebnisse im Telefonverkehr. Die erste Dame, sie hatte am helllichten Tage nur eine schläfrige Stimme, beinahe mundfaul beim Abheben des Telefonhörers, zum Erschrecken. Boing. Meine frohe Botschaft galt ihrer äusserst kreativen erwachsenen Tochter, die gerade ferienabwesend im Ausland weilt. Die Mutter, Verkäuferin im eigenen exklusiven Modegeschäft tätig. Dort muss Stilkunde wohlgemeint integrierender Bestandteil ihres Markenzeichens sein. Spontan das Empfinden:
«Oh Läck Du mir am Tschöppli». Sie hat auch Jacken im Sortiment.

Nächstes Ereignis auch ein «Absteller». Eine Assistentin eines wohlbekannten Chefarztes. Es war der zweite Anruf, bewusst auf das Anliegen Bezug nehmend, zudem nicht als Patientin, in anderer Sache. Es war wieder dieselbe, beinahe nicht hörbare, desinteressierte Dame am Draht: «Oh sole mio».

Und genau hier wird Telefontest vermisst. Bereits als Lehrtochter anno dazumal, heute heisst es Lernende im 2. Lehrjahr, wurden wir im Büroalltag frühzeitig geschult, das Telefon korrekt und stilvoll entgegen zu nehmen. Sogar der urchige Dialekt wurde etwas neutralisiert durch den Lehrmeister, ihn in Ehren.

Wir waren stolz, neugierig, weil sensibilisiert gut und kundenfreundlich zu arbeiten. Korrekt, dabei sachlich bleiben, vor allem mit natürlicher nicht aufgesetzter Freundlichkeit voll unsere Leistung erbringen, auf dem Sprung, den Duft der grossen weiten Welt zu entdecken. Wollen wir sagen, wir lernten einfach ad hoc am Telefon Ware bestellen. Dazu kam es, weil die Schulfreundin hörte, sie war im 3. Lehrjahr, der Chef, Inhaber des Unternehmens, ausser Haus war. Entdeckt hat sie, dass dieser vornehme Herr hie und da stille Abhöraktion bei Mitarbeitenden durchführte. Das verleitete uns dazu diese Chefstation mit all den tollen technischen Funktionen vollständig auszutesten. Wir beschulten uns selber. Nur eigene Testphasen unerlaubter Einkäufe sprich anonyme Rückkäufe brachten uns weiter. Ja, das waren in der Tat spitze geile Aktionen. Der Gegentest lautete: Wie gekonnt verkauft dieser unser Kunde nun als Kaufmann seine von uns erhaltene neue Ware an seine Kundin (an uns zurück). Noch einmal möchte ich so unbeschwert beschwert sein. Der selbst gewählte Stress, die Sache mit der Bestellung mit grossem Herzklopfen durchzuziehen, unter keinen Umständen zu lachen. Ebenso im Bewusstsein, die Schulfreundin verfolgt akribisch genau still und leise das Gespräch. Dieser Schabernack würde heute vor dem Jugendrichter landen. Ihre mir zuerkannte Note für meine Mutprobe, sie war 1A.

Überwachungspraktiken analog Edward Snowden kannte die Telefongesellschaft nicht, sie lässt rückblickend grüssen. Nur wenn «es» ausgekommen wäre, die Schwere des Delikts wäre uns bewusst geworden. Ohne Angabe der Lieferadresse wurde der Telefonhörer vorher leise aufgehängt, jener im Chefbüro und jener der Besteller. Besteller? Wir beide haben die Positionen auch getauscht. Am Telefon es besser machen?

Der verlängerte Arm eines Unternehmens, so klein das Business auch  sein mag, bleibt die Stimme am Telefon. Türen öffnet diese wahrnehmbare Stimme. Wie im Service das Personal der verlängerte Arm des Gastgebers ist. Jene Menschen sind und bleiben stets im Fokus des Geschehens und sind Goldwert.

Die Welt im Kreiselverkehr

 

ILSE_OEHLER_PORTRAIT_04_QUERZum Blog von Klaus J. Stöhlker „Kümmert Euch um die Enkel!“
Ja, wir Grosseltern und die Unternehmen haben vieles in der Hand wollen wir grossartig sein. 

Der pure Stress fängt für das ganze Umfeld von Mutter und Kind zu frühster Stunde beinahe ab Stillphase an. Eine Momentaufnahme tausendfach gelebt. Ein Dauerzustand?

Babies Rushhour? Zu dieser Zeit wird das Tram mit Kindwagen aufgefüllt. Blicke werden nicht ausgetauscht. Beschwerlich das Werken, erst recht, wenn es dazu noch nass ist. Nichts wie rein in die bereits stehende Menge zwischen Tramtüre und Angel, durchdrängeln bei Berufs- und anderen Leuten. Es horten sich anstehende Kinderwagen. Das Ein- und Aussteigen mit Querverkehr wird zur täglichen Tortur. „Reissverschlussverfahren“ analog Strassenverkehr wird angewendet: Einordnen! Vollständig konzentriert. Sie müssen spuren, die vier jungen Mütter, ohne andere zu touchieren. Einmal fährt jene, dann die andere Mama in ihre Position. Ist die Schwierigkeit gemeistert, bleibt die volle Konzentration bis zu nächsten Stationen. Das zusammengesetzte Konglomerat auf der Tramplattform löst sich dann gekonnt. Verursacher? Der Schlussgong in den Krippen und Horten in der Grossstadt?

Blickkontakte haben hier null Platz. Diese sind auf das Wesentlichste beschränkt mit Blick auf den Kinderwagen: „Augen zu und durch – und ja nicht unangenehm auffallen.“

In der Stehphase gilt:
• Stand im Tram ausbalancieren
• Durchatmen bis zum Verlassen des ÖV
• 3. Kurzabruf der ToDo Liste (evtl. ab Mobile)
gemixt mit Pflichtübungen im Departement „Haushalt + Kids et cetera.“

Wohin strampelt die Welt
Sind die mitfahrenden Fahrgäste in analoger Denke. Verspüren sie Mitgefühl mit den aus welchen Gründen auch immer Geforderten, mit den Ernährerinnen? Gibt es eine Zauberformel für bessere Lebensqualität für die am Handlauf ihres Gefährts tagein, tagaus sich im ÖV in dieser Form Vorwärtsbewegenden?

Wir sind gemeinsam unterwegs. Kritisch über Vorgefallenes nachdenkend, sitze ich bequem eine wunderbare Szene diskret beobachtend. Sie spielt leise vor meinen Augen. Stehend, angelehnt im Tram ein junger bodenständiger Mann in leisem Dialog und mit sich im Einklang. Er korrespondiert mit Blick hin zum Kinderwagen vor mir, fühlt sich unbeobachtet. Jenes mitfahrende Baby ist mir nicht zugedreht. Erst als die junge Mutter sich zum Tram rückwärts hinausmanipuliert sehe ich ein strahlendes Kind. Es verabschiedet sich von seinem weiterfahrenden Gegenüber mit anhaltendem Lächeln bis die Aussenwelt es wieder hat. Stille. Welch ein beherzter Moment für beide Beteiligten. Ein unbekanntes Kleinkind im Kinderwagen im Zürcher Tram, ein unbekannter junger Mann. Nun hat der Alltag alle wieder, auch jene Mama und ihr Baby. Wo es uns glückt, ist ein liebevoller Umgang mit dem Nächsten höchst willkommen.

Der Kreis schliesst sich mit einer Empfehlung. Eintrag in die Agenda der Personalverantwortlichen: „Persönlicher Augenschein vor Ort an Tramstation zu „Babies Rushhour“. Drandenken: Jene Tramstation, dort, wo junge Mitarbeitende mit Kinderwagen einsteigen.

Merke: Beruhigung tritt dann ein, wenn jene Unternehmen durch eigene Wahrnehmung greifende, ganzheitliche Wohltaten erbringen. Kostengünstige und froh machende Alternativen sind gefragt. Jede einzelne davon wird rundum zum Top Gewinn.

Ilse Oehler

Lieber Haare auf den Zähnen …… als Rückstände auf den Lockenwicklern?

Nur schon meine Arbeit, Haarrückstände aus den Wicklern zu entfernen, gibt Anlass, sich wellenförmig in Erinnerung zu rufen wie der Tag abgelaufen und Gedankenmomente spielen sich ein. Und – es kann lustig und froh machen.

Was bewegte mich, bereits als junge Frau Zähne zu zeigen? Möglich, dass mich unmittelbar mein Spiegelbild mich in die Welt zurück versetzt, zu jenem Professor, frisch am Aufbau des Instituts an der Universität als seine persönliche Assistentin tätig. Der Arbeitgeber junger, wissenschaftlicher Assistenten, neben seiner Lehrtätigkeit auch aktiver Oberst im Generalstab der Schweizer Armee mit wirkungsvollen Forschungsprojekten im militärischen Umfeld. Entsprechend fanden Meetings im Bereich der Lehr- und Institutstätigkeit auf hohem Niveau in illustrer Gesellschaft an diesem grossen Tisch statt.

Anlässlich einer internen Besprechung mit Assistenten meinte der Professor zu mir: „Sie haben Haare auf den Zähnen“. Da stutzte ich. Er, der beinahe den Knigge 1:1 vorlebte, dazu augenfällig sparsam sich der kleinsten Bleistiftstümpel bediente, sagt dies völlig unverblümt. Mein Blick schweift in die Runde, stummes Verhalten im Raum. Provoziert mein Vorgesetzter oder was will er damit sagen? Nein, meinte er sofort lachend und entspannt: „Das ist ein grosses Kompliment an Sie“. Ja, damit ist umzugehen und biss mich von da an all die Jahre sorgfältig durch die Welt.
In einer Grossfamilie aufgewachsen gab die Mutter dort vornehm den Ton und den Takt an. Der Vater war nicht nur gross in Figura. Er unterstützte die anerkannte Führungsrolle seiner Frau, unserer Mutter. Was will ich andeuten, dass in einer 7-köpfigen Familie das Sichdurchbeissen – ohne bewusstes Zähnezeigen – früh ein Thema war, untergehen oder bestehen. Eine allgemeine Gleichschaltung junger Menschen, auch wie im Internat darnach, hat nie gefallen. Jedoch was dort beeindruckte, war die Disziplin im Alltag und, dass erst gelebte Individualität und Vertrauen einem jungen Menschen eine gesunde Basis beim Aufbau seiner Zukunft nützen kann.

FACTS:
Ja, heute sammelt Social Media gewinnorientiert weltweit Millionen Unentwegter ein. Sie bewegen sich wellen- und gleichstromförmig. Die Welt verlangt aber nach mehr differenziert handelnder, verantwortungsbewusster, grossartiger Menschen.
Individualität und Mainstream, beisst sich das? (http://de.wikipedia.org/wiki/Mainstream.) Dort liest sich von „Kulturdominanz“, spannenderweise auch von „Massengeschmack“.

Gesellschaft:
Früh beginnt deshalb was im Vaterland zum Wohle leuchten soll. Die Generation junger Erwachsener, Väter/Mütter, Grosseltern wollen immer wieder erinnert werden, wie wesentlich die ersten 5 Lebensjahre eines Kindes und die Schule für die Zukunft des einzelnen Menschen ist.
Unser Bildungswesen, Schulbehörden sind landesweit bis in die Gemeinden gefordert: Not ist am Mann. Denn gelingen muss der Balanceakt in Primar- und Oberstufen hin zum Doppelpaket: Wertvolle Lehrer und Lehrerinnen, unverwechselbare pädagogische Persönlichkeiten mit kommunikativer Handlungsstärke werden gefragt sein. Jedoch, ein Riegel muss heute geschoben werden, um auch die aufkommende Plage in den Griff zu bekommen, sprich: Jene vom Egotrip getriebenen Eltern, Väter und Mütter. Unverhältnismässig wird im Chor die Grenze des Mitspracherechts in den Schulen zum Teil respektlos überschritten. Dabei werden nicht nur die eigenen Kinder verunsichert, die Unruhe überträgt sich erweitert in die Schulzimmer. Ein Ansinnen, das rasant zunimmt und dem Bildungswesen sowie den betroffenen Lehrer und Lehrerinnen nicht weiter zugemutet werden kann.
Wirtschaft und Politik:
Rundum wird nach Menschen mit vernünftigem Einfluss gerufen. Bleiben wir am Ball. Stärken wir unser Bauchgefühl, unsere gesunde Wahrnehmung: Die zukünftigen Meinungsbildner, Entscheidungsträger, Männer und Frauen, sie sind unter uns. Werden wir diesbezüglich aufmerksamer.

Soziales:
Mein Zeugnis der Primarschule in den Händen sagte mein Vater vor meinen Geschwistern: „Im Rechnen hast du eine 1, im Singen eine 4, drum sing ich eins mit dir.“ War dies ein Wink mit dem Zaunpfahl: „Beiss dich durch, sonst bleibst du dumm und wirst nie erfolgreich?“ Oder möglicherweise? „Lass die Gier nach Geld, es gibt in deinem Leben auch andere Wertvorstellungen!“

Und das Ende meiner Tagesgeschicht‘: Dies alles nur wegen Lockenwicklern.

Zur Person:
Ilse Oehler, aufgewachsen im St. Galler Rheintal, pflegt als Vertrauensperson ein bewährtes, weitverzweigtes Beziehungsnetz aus ihrem beruflichen und persönlichen Umfeld. Ihr Hintergrund ist die langjährige Tätigkeit an der Universität St. Gallen, an der ETH Zürich, als Verwaltungsrätin in Unternehmen sowie in verschiedensten politischen und sozialen Organisationen.
Ilse Oehler wird von Organisationen und Unternehmen als Coach und Mentorin beigezogen wenn es darum geht, tragfähige Lösungen zu entwickeln und diese durch Erfahrung, Kompetenz, Kreativität und Kontakte zu fördern.

http://www.ilseoehler.ch