Kategorie-Archiv: Ilse Oehler

Prüdes Amerika zeigt Drang.

Ilse Oehler

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Dort ist soeben die erste Lustpille für Frauen zugelassen, in blasser Farbe Pink. Das sind tollmachende NEWS von Machern erneuerbarer und ertragreicher Lust.

Pink hier, Pink dort. Ein grosser Schluck tief schwarzen Morgenkaffees sei gestattet, dabei turnt die Neugierde an. Auf dem Zmorgeteller liegt eine blassrosa pinkfarbene Pille aus einer amerikanischen Wunderdose Women50+. In allen Regenbogenfarben wird multimässig das tägliche Schlucken angepriesen: Heart-, Brain-, Eye- und Bone-Healths. Bombastisch? Ein gut gemeinter, geschenkter Antreiber. Zudem spiegeln sich die Farben in meinem Kaffeesatz. Der eine Vitaminstoss ist geschluckt.

Abgelenkt hat zeitgleich eine Schlagzeile. Es gäre hinter den parlamentarischen Kulissen der AHV-Revision. Das ist nicht lustig. Trost: Lustvolleres gibt es bald auch für die AHV-Bezüger +++.
Diese Lustpille auf der weiblichen Schiene unserer heutigen Kids aufzugleisen ein schlauer Schachzug. Rosa/Pink lieben sie und verlangen selbstbewusst darnach, vom Unterhöschen, über Pyjama, Haarreifen bis zum Velo. Die Farbe Rosa ist weiblich, zart und empfindsam, charmant und romantisch, lieblich und zärtlich. Pink dagegen hie und da auch naiv, jung und weich, wie es heisst.

Überfliegt man den Kommentar im Untertitel des Zeitungsbeitrages „Die Pille… sorgt für Frust statt Lust.“ Ob uns die Probandinnen „ES“ uns rasch wissen lassen, still und leise, spontan aus erster Hand?

Der Tagesgruss auf dem Kalender heisst „Kein Einatmen ohne Ausatmen – keine Spannung ohne Entspannung. Tu heute etwas, was dir und deiner Seele guttut, und du sammelst wichtige Kräfte für all deine Vorhaben.“

Also, nichts wie los. „Alles, was gut tut Udo Jürgens … „Okay ich werd‘ älter – doch klug werd‘ ich nie. Ich brauch‘ keine Regeln – Ich hab‘ Phantasie!“

Video: „Alles was gut tut“ von Udo Jürgens

Ein paar Wassertropfen gegen den Griesgram

Ilse Oehler

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Nach zermürbenden Tagen in stickig heissen Räumen, in denen gegen den Nachmittag hin das Denken immer langsamer wurde, genehmigte ich mir einen kühleren Ort. Ich wollte entspannen, suchte Abkühlung und ein laues Lüftchen. Das hab ich auch gefunden. Allerdings, das mit dem Denken, das kam wohl nicht so recht auf Touren.

Als um mich herum Kinder johlten und mich mit ihren Wasserpistolen vollspritzten, ärgerte ich mich einige Sekunden lang über dieses Verhalten. Etwas Recht auf Ruhe? Verschiedene Gedanken über Anstand und anderes mehr gehen blitzartig durch den Kopf. Doch dann wurde mir bewusst, dass ich gerade dabei war, meinen Stress, meine grossen und kleinen Sorgen, den Druck zumindest geistig auf die Kleinen abzuladen. Wer den Kanal voll hat, der verträgt nicht mehr viel, und die eigentlich wenigen Tropfen Wasser brachten wohl mein geistiges Fass zum Überlaufen. Also besann ich mich: Gerade für Kinder ist Freiraum das Richtige, um ihrem Tatendrang zu folgen. Auch sie dürften in der Schule einiges an Druck erfahren haben, und es ist wohl nicht mehr als recht, sich zu vergnügen. Denn da war ja gar nichts passiert.

Meinen Gedanken nachhängend: Unbeschwertes Kinderlachen ist ein Geschenk. Man kommt in seinen Genuss, wenn man mit Kindern arbeitet, wenn man mit ihnen ihre Freizeit verbringt und – sie vor allem Kind sein lässt. Die eigene Stimmung wirkt, nicht unsere Moralansprüche ohne Abstriche, die wir durchsetzen wollen, wir oftmals Vergrämten, Mainstream Nachäffenden, gehetzten Bürger, Politiker? Zeit ist, uns mehr mit Glücksgefühlen zu beschäftigen, …. bevor wir im Wartezimmer sitzen, um uns gegebenenfalls Runzeln, Frustspeck durch Schönheitschirurgen wegmanipulieren zu lassen.

Finden wir vermehrt zurück in den Ursprung eigener Leichtigkeit und lassen uns auf angestaute Schwächen ein. Unbequem? Möglich, dass eine gesunde Balance uns dann langsam wieder im Griff hat, um den alltäglichen Ernst der Lage in hysterischer Zeitgeschichte besser zu ertragen. Oberflächliches Kritisieren ist nur eine billige Variante, zu vieles nur Geschwätz; aufbauende Kritik dagegen anspruchsvoll. Wir bestimmen den Befreiungsschlag gegen aufgepfropfte, weltweit miesmachende Stimmung, und wir besorgen uns das eigene positive Handlungsmuster. Da nicht ansteckend, braucht es nicht einmal einen Mundschutz.

Dabei vermittelt mehr Harmonie in jedem Alltag, weltweit, gegenseitig ein gutes Gefühl. Wer mag, höre in dieses Lied hinein: Es basiert auf der unvergesslichen Melodie von Beethovens «Ode an die Freude».

Oder anders gesagt: Auf zum erfrischenden Ich unter dem Motto: «Denke, bevor Du denkst.»
Ilse Oehler

Tierischer 5-Tagesabriss in beinahe lautloser Manier

Ilse Oehler

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Mitten in der Stadt lebt es sich in den Ferien in diesen Monaten in sich selber ruhend. Nur drei Meter entfernt von meinem Fenster sichte ich einen der drei oft genüsslich an der Sonne liegenden Fuchsmitbewohner in unserem Park. Diesem einen kann ich sogar durch das geschlossene Fenster zu pfeifen. Direkt schaut er mir seelenruhig in die Augen, ohne Angst, spitzt die grossen Ohren, dann diese kratzend. Wegen ungewohnter Tonlage? Im Wechsel über das festgetretene Weglein nutzten auch Katzen diesen Pfad. Seit die jungen Füchse flügge geworden sind, haben jene das Sagen. Nur noch eine mutige Katze ist scheinbar tagsüber da unterwegs.

Am 2. Tag auf dem Balkon. Über meinem Kopf, hautnah, es sah aus, als wirft jemand eine Mütze in die Höhe, in Sekundenschnelle, gleichzeitig ein harter Knall. Es versuchte die Kurve zu kriegen und am Zwischenpfeiler fand es seinen Tod. Traurig, da lag es am Boden und rang noch zweimal nach Luft. Eigenartig, dass dieser Platz dem Amselweibchen mit schwarzem Schnabel sein Todesurteil wurde, da nie in all den Jahren sowas passierte.

Anderntags entdecke ich in einem Zwischengang an der kühlen Decke einen eigenartigen runden Bollen. Sanft stupfe ich nach oben. Ein knalliger Widerhall wie von einer runterfallenden Nussschale. Am Boden lag ein Marienkäferchen. Ihm konnte ich das Grün auf meinem Balkon anbieten.

Wie überraschten mich am 4. Tag kleinste Ameisen im Duschraum. Tonlos krochen sie im Wechsel. Schnell war die Ursache entdeckt. Ein Handwerker war im Haus und konnte die Ursache unmittelbar beheben. Wie sagte er, mit einer Fugenspritze. Ein Löchlein hat er zugekittet, die winzigen Ameisen irritiert und in die Flucht getrieben. Ob er weiss, dass Fuge, die Musikform, in lateinisch „Flucht“ bedeutet.

Am 5. Tag wird es nicht bunt, sondern schwarz-weiss. Ein aus dem Revier von Amtswegen fachmännisch vertriebener Frechdachs hat sich wieder auf den Weg begeben. Es grüsst das Raubtier in seinem dicken rauen Dachshaar am helllichten Vormittag auf diesem Trampelpfad. Eine Erinnerung? Vaters Rasierpinsel aus Dachshaaren, auch mitten in der Nacht das Erlebnis mit einem Stinktier.

Und wenn wir gerade bei erlebter Tiervielfalt sind. Stammen wir vom Affen ab? Dabei sei in der Hitze des Gefechts ein Schwenker erlaubt, zurück zu meinem natürlichen Urstamm. Meine Mutter musste meinen Bruder in seiner pubertierenden Zeitphase des Öftern zähmen. Denn er rief uns Schwestern eines Tages übermütig zu: „Du Aff Du!“ So nahm unsere Mamma ihn in die Pflicht. Ab diesem Moment bündelte er still und leise all seine jungen Hirnzellen, wagte erneut einen Angriff, indem er uns zurief: „166, 166, 166“. Spitzbübisch gefiel er sich in seiner Rolle. Ich aber wollte nicht sein Alphabet Affe sein. Eine unzumutbare Gugelfuhr für unsere Eltern.

Ein Kontrapunkt dagegen sehr?
Diese Sommerhitze 2015 macht Tier und Mensch Unternehmens-/Reiselustig. Komplexe Sachverhalte durchdringen die Welt und unsere Wahrnehmung. Ferienzeit, frei verfügbare Zeit für Gedankensprünge/ Einschnitte wie Fugen zur Fuge: «Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565)», von Bach.

https://de.wikipedia.org/wiki/Toccata_und_Fuge_d-Moll_BWV_565
https://www.youtube.com/watch?v=ipzR9bhei_o

Ilse Oehler

Eine fröhlichere Welt?

Ilse Oehler

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«Die Sprache der Freiheit in unserer Zeit ist der Humor, und sei es auch nur der Galgenhumor, denn diese Sprache setzt eine Überlegenheit voraus auch da, wo der Mensch, der sie spricht, unterlegen ist.»
Friedrich Dürrenmatt

«Du kommst daher wie die alte Fasnacht!» Auch schon gehört, den schnippischen Hinweis, es wäre besser, mit der Zeit zu gehen. In welche Richtung auch immer, nur mit der Zeit in dieser Zeit? «Mut zum Wandel» heisst es in der fünften Jahreszeit. Mut, sich zu Besserem zu wandeln? … Bereits offiziell galt in Zürcher Kindergärten für die Kleinsten im letzten Jahr, auf den «Dresscode» zu achten, Pirat ohne Säbel, Ritter ohne Schwert.

Es ist soweit, auch in unserer Gegend sich in der trüberen Jahreszeit belebenden Bräuchen, Traditionen hinzugeben. Die Stunde der Schnitzelbänggler schlägt, sie begeistern Ältere und Jüngere. Dort erhoffen sich die klugen Sprücheklopfer, dass sich beim Zuhörer etwas im Kopf bewege.

Es zeigt sich diese ganz besondere Welt der «fünften Jahreszeit» seit dem Altertum über das Mittelalter hin bis in unser Dasein. Die Geschichte lebt sich weiter. Nicht hinter den Fassaden, sondern in aller Öffentlichkeit deutet Vieles darauf hin: «Sich frei zu fühlen», in dieser Form tolerierbar aber nur eine begrenzte Zeit. Denn Karneval, Fasnacht, Fastnacht oder Fasching – sie haben einen historisch angesetzten Beginn, einen Höhepunkt und ein bestimmtes Ende. Bewusst begrenzt. Eine vorgegebene Ermunterung zum inneren Wandel sei auch nachpubertierenden Erwachsenen gegönnt. Allerdings, zu viel Übermut bringt jedes Fass zum Überlaufen, das kennen wir aus unserem Alltag.

Klug haben unsere Vorahnen gedacht, gehandelt. Es lebe die Tradition. «Heute wissen wir, dass Geschichte das wichtigste Fach im Schulpensum sein sollte», so Urs Schoettli in «Pause bitte». Und dann ein Neuanfang. «Barbaren oder Bildung. Wo stehen wir in der Geschichte?».
Aus berufenem Munde, direkt aus der Praxis, heisst das: In jedem einzelnen Schulfach und bei jeder einzelnen Lehrperson sollte das Bewusstsein für die Geschichtlichkeit ihres eigenen Faches und ihrer eigenen Person lebendig sein, dann bekommen die Schülerinnen und Schüler viel mehr „Geschichte“ mit als mit noch soviel Fach-Lektionen in „Geschichte“.

Die vorgegebenen Gesetze in föderalistischem Staatsgebilde zeigen, jetzt, da die Welt sich zusehends ins Negative wandelt, ist lebendige Kultur unsere Geschichte, ausschlaggebend sind die moralischen Werte. Willkommen sei diese gesellschaftliche Abwechslung nicht nur für die Fäsnächtler und die Zaungäste. Sie nimmt, jung und älter, etwas vom äusseren Druck, schafft Fröhlichkeit, Frohsinn, Lustigkeit, Übermut, Unbekümmertheit und Vergnügtheit. Im richtigen Mass tut’s „saumässig guet“. Die Vorahnen haben es geahnt.

33 Anlässe zeigen sich auf einen Schlag in einer Übersicht von Fasnachtsumzügen in der ganzen Schweiz, auch von den «Drey scheenschte Dääg» bis zur «überschaubaren Zürcher Fasnacht».

Ilse Oehler

Pause bitte! Ein Weckruf zur Ruhe

Ilse Oehler

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Die bis an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit uns auferlegte Alltagshektik führt zunehmend zu individuellen und gesellschaftlichen Denkfehlern nach dem Muster: Immer fit, unterwegs zu Wohlstand und Reichtum, alles ist machbar in der Wachstums- und Ich-Gesellschaft… Als Folge dieses Denkens bleiben Teile unserer Gesellschaft in erschreckender Oberflächlichkeit gefangen, ihre Lebensfreude scheint wie betäubt, ihre persönliche und berufliche Entwicklung weist schon heute ins morgige Abseits. Es darf doch nicht wahr sein, dass selbst in meinem unmittelbaren Umfeld zehn von zwanzig Menschen sagen: «I mag nümme no», ich komme nicht mehr mit!

Viele fürchten aber eine Aufforderung zur Pause wie der Teufel das Weihwasser, wie den Verlust von Macht. Weckrufe zur Besonnenheit schallen in der von überkommenen Dogmen beherrschten Zeit wie ein hohles Echo zurück. Demgegenüber sollte es uns gelingen, eine positive Entdeckungsreise in die Welt der Pause zu unternehmen, um auf den Boden einer lebendigen und lebenswerten Wirklichkeit zurückzukehren. Es sind die grundlegenden menschlichen Werte, über die wir in Ruhe nachdenken wollen. Ich frage mich: Fehlt der Welt das weibliche Gesicht? Immerhin führt der Verdrängungswettbewerb gegen Frauen, nicht nur in Führungspositionen, in vielen Ländern langsam auf Nebengleise. In Ansätzen und mit zunehmender Dynamik wird Platz frei für die längst erforderliche Umsetzung der Gleichstellung.

Pause als Kraftquelle
In Ruhe sich einen Moment lang in der eigenen Ursprünglichkeit zu finden, könnte zu einer veränderten Art und Weise führen, aufeinander zuzugehen und sich darüber bewusst zu werden, welch grossartiges «Humankapital» im Gegenüber vorhanden ist. Werden wir aber auch zu Ich-Entdeckern, getragen von unserem Bauchgefühl, und tragen wir besonders Sorge zum persönlichen Umfeld. Das Einfügen von Pausen baut uns auf und stärkt uns nach innen ebenso wie nach aussen. Optimismus – die philosophische Auffassung, wonach die bestehende Welt die beste aller möglichen sei – ist in uns gratis abrufbar. Wir finden den Optimismus in der Pause, in der Stille, an Orten der Ruhe, wo wir richtig Atem holen. Henry Dunant hat für diese Momente mit der «strategischen Windstille im operativen Sturm» ein wunderbares Bild gefunden. Vor dem Hintergrund dieses Bildes mag die Skulptur dieses Buches stehen. Geschnitzt, geformt, gemeisselt, das ist der Mensch. Und doch beweglich!

Vorwort aus dem Buch „Pause bitte“ Und dann ein Neuanfang
Herausgegeben von Ilse Oehler

Mit freundlicher Genehmigung des Somedia Buchverlags

Welcher „Freedom of Space“ ?

Ilse Oehler

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Ist das Summen der Bienen diesen Sommer bereits am Verstummen? Das wirft alarmierende Fragen auf, sollte dieser uns seit Lebensbeginn begleitende natürliche Ton tatsächlich ausfallen. In völligem Widerspruch dazu frei gewählte, auffällige Gegensätze mit dem Gezwitscher der Spatzen, Meisen, einer ganzen Vogelschar. Sie zwitschern ungeniert, beinahe um die Wette, oder eher über die Freude, dass unüberlegt Futter franko Vogelhäuschen serviert wird, unten im Nachbarsgarten. Die Vogelfreundin meint dazu, inklusive ihr schlechtes Gewissen, sie wisse darum, dass ganzjährige Futterzufuhr unpassend sei. Heute ist, was gefällt. Mit der Zeit gewöhne ich mich sogar an die Lebhaftigkeit dieses Flugbetriebs, die Problematik aber begleitet meine Gedankensprünge. Zu alldem schauen dir der Fuchs und das junge Füchschen schelmisch-unverfroren aus nächster Distanz mitten ins Gesicht. Sie springen ihre Runden suchend und naschend nach moderner Kost. Genüsslich nach dem Spurt wärmen sie sich im leichten Schatten, dies in unserem Park, mitten in der Stadt mit einem Baumbestand, der seinesgleichen sucht.

Gelassenheit breitet sich während der Sommerzeit bis in hinterste Ecken der Stadt aus. Vieles erlebt sich anders. Ruhe, sie bietet Raum für vertiefte Gespräche auch innerhalb der Familie. Das gefällt auch dem Sohn, der für einen Kurzaufenthalt hier in seiner Heimat weilt. Ja, richtig angenehme Ruhe, wenn da nicht das tragische Unglück in der Ukraine uns begleiten würde. Sein Beruf: Privatpilot. Tief berühren die Umstände, die Schrecklichkeit, die zur Tat führten. Mehr als einen Monat vorher habe er entschieden, lieber eine halbe Stunde mehr Flugzeit in Kauf zu nehmen und das Kriegsgebiet zu umfliegen sowie verursachende Mehrkosten zu akzeptieren. Gleichzeitig erfahre ich, dass diese Unglücksmaschine mit der Immatrikulation 9M-MRD ihn als Passagier Jahre zuvor auf der gleichen Route transportierte, in tragischer Weise dazumal mit einer Spezialbemalung unter dem Label «Freedom of Space» – Freiheit im Raum – (Flugzeuge werden oftmals nach Jahren umbemalt).

Details über den Beschuss zeigen aufgrund detaillierter, bebilderter Berichterstattung aus einem Pilotenforum in einer Deutlichkeit auf, die nicht in den üblichen Medien zu finden sind. Diese unmittelbare Wahrnehmung vom Schicksal der Getöteten, unschuldige Kinder, Mütter, Väter, Erwachsene, der Besatzung, das macht sprachlos, stumm und tief, tief traurig beim Zuhören. Die Erklärungen zu diesem Wissen basieren auf der langjährigen weltweiten fliegerischen Erfahrung meines Sohnes. Kein Erahnen für uns, was hier mit diesen Menschen passiert sein muss. Unsere eigenen, schweren Gedanken der linken und rechten Hirnhälfte wollen mit all diesen Details auf einen Nenner gebracht werden, um damit der situativen depressiven Stimmung zu entkommen.

«Ablenkung» wird zum Zauberwort, Sensibilität zur Richtungsänderung. Ich suche mir ungeniert einen Freiraum in Richtung Gelassenheit. Mit der Zeit kann es gelingen. Beinahe skurril, sich nach solchen schweren Eindrücken unsensibel mit Clips auf Youtube mit Lachen abzulenken. Dabei ertappe ich mich und erschrecke zugleich, dass wir dies zu zweit ungeniert und laut tun konnten. Die Frage sei erlaubt: Zog hier das Magnetfeld Internet hin zur Gelassenheit. Muss wohl so sein, mit etwas mehr Lebenserfahrung gelingen viele Schwenker. Dabei mag das aktuelle Buch des Philosophen Wilhelm Schmid hilfreich sein:
«Lebenskunst. Was wir gewinnen, wenn wir älter werden», 2014, Insel Verlag

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Schmid_%28Philosoph%29
http:/www.lebenskunstphilosophie.de

Weichen führen auch lange Gleise zusammen

Ilse Oehler

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Da laufen zwei Schienenstränge durch die Welt. Sie verlaufen nebeneinander, und doch streng voreinander getrennt.

Ich erinnere mich an Aussagen im Elternhaus. In unserer politischen Gemeinde gab es konfessionell getrennte Schulen vom Kindergarten bis zur Oberstufe (damals Abschlussklasse). Hier westlich die katholische, dort östlich die evangelische Schule. Konsterniert darüber, weil meine Jugendfreundin nicht die gleiche Schulbank mit mir teilen durfte. Hinterfragt habe ich die Welt und lag Vater und Mutter in den Ohren. Die Antwort blieb für ein Schulkind unverständlich kompliziert. So funktionierte nicht nur mein Elternhaus, das ganze Dorf, alle. Früh wurde man unbemerkt auf eine Schiene gestellt, politisiert.
Etwas später spitzte ich Grünschnabel die Ohren besser. «Ja, die Evangelischen, sie schauen nur auf Bildung, Ausbildung ihrer Eigenen, und die Katholischen kommen zu kurz.» Aufgefallen ist, dass immer von Evangelischen gesprochen wurde, jene aber sprachen von «reformiert». Als Primarschülerin blieb ich beim Nachdenken, gab es doch in der ganzen Breite keine Aufklärung. Kommt reformiert von reformieren, etwas verbessern, erneuern? Warum gibt es keine Verbesserung, eine Erklärung? Auch keine darüber, dass nur innerhalb der gleichen Konfession geheiratet wurde. Nichts wurde ausgesprochen, nichts diskutiert mit einem neugierigen Schulkind. Die Kinderschar war gross, das Problem scheinbar grösser. Ist das die Diplomatie der Erwachsenen? Das Positive daran: Ich wurde neugierig nach Wissen.
Der einflussreichste Steuerzahler war ein Reformierter, der grosse Wirtschaftskapitän, Wohltäter, für viele ein Übermensch. Er brachte Arbeit ins arme Rheintal: der Industrielle Max Schmidheiny.
Wo Gleise über wichtige Weichen zusammengeführt werden wollen, wirkt Wissen um Kulturentwicklungen bei Ortsgeschichten schöpferisch.
Ein Sohn des reformierten, jenem gesegneten Primarlehrer, dem späteren Gemeindammann und Sozialdemokrat, erzählte kürzlich dies. Die Gemeinde sei leider die letzte im Kanton gewesen, die die Hürden um einiges verzögert nahm, beide Schulgemeinden zu fusionieren. Der eine Part wollte unter keinen Umständen eine Steuererhöhung. Den nicht über den eigenen Horizont hinaus denkenden Bürgern war das eigene Portemonnaie viel näher als gemeinsame Bildung der Schulkinder durch Modernisierung des Schulsystems.
Ist das gelebte Zeitgeschichte von vorgestern? Die heutige schreiben wir laufend, sie ist komplex wie die vergangene. Die Meinungsbildung ist offener und kompromissbereiter. Ist dem so?
«Was ist in Ihren Augen das höchste Ziel der Bildung?» fragt Mathias Morgenthaler. Ken Robinson: «Dass die jungen Menschen nicht nur mit Wissen abgefüllt werden, sondern auch eine Ahnung davon erhalten, was in ihnen steckt und was durch sie in die Welt kommen könnte».
http://www.beruf-berufung.ch/inspiration/interviews/ken-robinson

 

«Grenzen des Machbaren»

Ilse Oehler

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«Die Welt von oben zu sehen, das hat Bertrand Piccard schon als kleinen Jungen fasziniert. In bester Familientradition setzte er nicht nur seinen Traum vom Fliegen in die Tat um, sondern ging einen Schritt weiter als alle anderen. Ein Gespräch mit dem Mann, der Grenzen des Machbaren verschieben will.»

Das gewagte Abheben von Piccard in himmlische Höhen, wie er diese benennt, ging von SRF1 bewusst am „Auffahrtstag“ 2014 über den Äther. Aufflammten dabei bei mir auch Erinnerungen in den Sommer 1968, ein Jahr vor der ersten Mondlandung. Zwei Kinder. Zur Tochter/1966 gesellte sich Sohn/1968 soeben als frischer Weltbürger zu uns auf den Planeten, Hier die Sendung hören…

Es war üblich, das Auto, einen VW Käfer, vor der Garage zu waschen. Aufmerksam wurde ich als DRS-Autoradiozuhörerin bezüglich einer zukünftigen zivileren Gesellschaft im Bereich Ökologie- und Umweltschutz. Die verschiedenen weltweiten Strömungen spürte man auch in einer Schlafgemeinde vor den Toren einer Stadt. Die junge Generation stand im Umbruch. Was ist dann, wenn Kinder einen Beruf auswählen müssen, dann 17, 20 Jahre später? Was wird, wenn die Nahrung weltweit knapp werden sollte und die Strassen total überfüllt?
Der Mensch lebt nicht nur von Brot allein, auch von den Hoffnungsträgern, den Müttern und Vätern, von verantwortungsbewussten Menschen. Sehr nachdenklich ging ich zurück ins Haus, schaute aus dem Fenster in die Weite, ins Grüne, auf ein noch nicht besiedeltes Feld. «Ich würde Bauer werden, dann Helikopter fliegen. Als Bauer bin ich am Ball, mein eigener Herr und Meister, habe Respekt vor der Natur. Als Helikopterpilot bin ich dann flexibel.» Keinen allzu grossen Gedanken, wenn überhaupt, verschwendete ich wegen einer möglichen CO2-Verschmutzung. Verdrängt von jener in die Hochkonjunktur Hineingeborenen? Die N1 (heutige A1) wurde ja gerade geplant in unmittelbarer Nähe. Erst 19 Jahre später sollte sie dort dem Verkehr übergeben werden.

Diesen Gedanken, «was wenn, ich…», behielt ich im Schliessfach meines Herzens. Kinder im Umfeld gingen respektvoll und achtsam bei einer Bauernfamilie ein und aus. Die Frau des Bauern nahm die Kids oft mit dem Traktor auf das Feld mit. Wie muss die Welt in Ordnung gewesen sein. Die frische, noch warme und fein duftende warme Milch holten sie abends direkt ab Stall. Dann – der Schicksalsschlag. Der Bauer verunfallte tödlich bei einem Autounfall. Ein Ruhmesblatt gehört noch heute der Schulbehörde. Sie gewährte dem 3. Sekundarschüler unbürokratisch ein Timeout. Den noch in der landwirtschaftlichen Ausbildung stehende Bauernsohn, gerade Bauernknecht geworden, wurde dadurch tatkräftig unterstützt auf Hof, Feld und im Stall bis zur Regelung der Nachfolge. Eine Lebensschule für die beiden Jugendlichen.

Es gibt die offenen Grenzen des Machbaren in himmlischen Höhen und auf erdigem Grund.
Meine damaligen Gedanken hielt ich weiterhin tief verschlossen, heute würde ich sagen Vision. Sie hat sich erfüllt, Bauer, Helikopterpilot, Swissairpilot, anderweitig über den Wolken weltweit unterwegs. Bertrand Piccard setzt sich «mit Herz, Kopf und Hand» verantwortungsbewusst und vorbildlich für eine gerechtere Welt, eine bessere Zukunft ein. Lassen wir uns alle beflügeln. Der Pionier muss es wissen, dass es sich lohnt, wenn er aus diesen himmlischen Höhen auf uns herunter schaut. Vieles ist machbar.

«Schlafen. Fressen. Stressen.»

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Der Alpstein bietet in aller Stille ein Szenario das Staunen hinterlässt.
Aktuell: Dokumentarfilm von Jost Schneider.

Zu beneiden sind sie, die Murmeltiere wegen ihrem ausgeklügelten System. Sensationell sind diese natürlichen Mechanismen. Eine Überlebensstrategie wird im Ober- und Unterbau vorgelebt. Einzigartig ist das Abtauchen, der totale Rückzug, ein Verschwinden in jene Auszeit von sechs, sieben Monaten bis zur vollen Wachheit, unmittelbar darnach. Kein Tageslicht, ohne Wecker, Uhr, weder von Hublot, Swatch, IWC noch anderer Marken. Störungsfrei ist der Tiefschlaf.

Hygiene ist einkalkuliert mit eins, zwei Kurzunterbrüchen für Toilettengang, um sich mulmig ins gemachte Nest zu verkriechen. «Hinter mir die Sintflut». Eine beneidenswerte Unbeschwertheit. Nicht einmal schwadronierende Einheiten über dem Säntis Revier wirken störend, vermutlich. Ein eigenes Heizsystem mit Qualitätslabel ist Komfort pur vom Feinsten für den verordneten Tiefschlaf. Enorm, diese Stille bis in den hintersten Winkel der feudalen, wohlig eingerichteten Behausung. Und es funktioniert mit der zentralen Steuerung und koordinierter innerer Uhr. Sensationell das Aufwachen, manierlich eins nach dem andern. Rasch sind sie fit allesamt nach Minuten parat: zum Fressen.

Ja, unsere Tierwelt und die Murmeli geniessen die besten Naturprodukte. Kräuter setzen enorm gesundes Fett an. Davon zehren sie sage und schreibe in der totalen Ruhephase. Hier sei uns der Futterneid erlaubt. Führungspotential ist ersichtlich. PFIFF! Schrill ist er, der uns bekannte Ruf – und er gilt. Auf dieses Kommando ist Verlass und das ganze Rudel «tout de suite» zusammen, dann, wenn Gefahr droht, Chefsache.

Der wahrnehmbare Blick eines Murmeltiers wirkt starr, voller Konzentration auf das Tagesgeschäft. Die konstruktive Zusammenarbeit beim Nestbau verläuft harmonisch, alle finden zur Aufgabe. Ein Aha-Erlebnis hinterlässt die Struktur der Eingangsverbauung. Nicht nur in unseren Wohnquartieren sind die schlauen, dreisten Diebe unterwegs. Eingeheimster Machtanspruch hinterlässt nicht nur bei den Murmeltieren tödliche Blutspuren. Die Kameraführung schwenkt den gestressten Zuschauer subtil auf unberührte, friedvolle Landschaften.

Die Evolution von Lebewesen: Charles Darwin (1809 / † 19. April 1882) http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin

SRF Dok «Netz Natur»: Donnerstag, 22. Mai 2014, 20.05 Uhr
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Mehr zur Sendung hier…

Lauf Rädli, Rädli lauf.

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Hauptbahnhöfe, Sammelplätze sind Vorzeigebeispiele kultureller Vielfalt. Heute die auffällige Tatsache: Kaum ein Ort von Ruhe, kaum der Ort für Pausen.

Ein statuierendes Exempel, ein Momentum? Über dem HB-Hauptdach, der elektrifizierenden menschlichen Drehscheibe ein schützendes Gitter analog einem Faradayschen Käfig. Erstrebenswert, regulierend ein Zauberstab mit dem Aufruf ins überreizte Getümmel, das Ding mit dem Befreiungsschlag gegen ausufernde Alltagshektik, dortiger Hast. Umgepolt werden ÖV-Nutzer vor der Fahrt liebevoll zu «lahmgelegten Fliegen». Adaptierbar das Beispiel, um nachpubertierende Jungs und Fussballfans im Zaun zu halten. Zwei Fliegen auf einen Schlag, sinnlose Kosten entfallen, überfroh darüber die SBB-Kunden sowie die Öffentlichkeit.

Die gläserne Evolution ist vielfarbig. Sie findet in vorauseilender Schnelle zu uns. Das ist im Heute die gelebte Zukunft. Während der Hauptverkehrszeit gehört das «Vaterunser» und die Elektronik zu uns wie das Amen in der Kirche. Richtig toll sind unsere Gemeinsamkeiten mit all den vielen Kids, kaum auf den Beinen stehend, werden wir miteinander durch den Elektronikdschungel gelotst. Kleinere «Bremsspuren» sind versteckt in Pampers, im eigenen Geldsäckel fehlen uns die «Mäuse». Und Säckelmeisters Jahresberichte/Budgets erzeugen Staunen ob der Beliebigkeit. Toleranz über derart voluminöse Datenkommunikations-investitionen im Vergleich zum Investitionsstau auf anderer Ebene.

Schweizweit in Stadtquartieren Baugruben, wo das Auge hinreicht, als kurvte «Speedy Gonzales» glaubhaft durch die Lande. Dabei verschluckt die Erde effektiv nur Glasfasernetze und Manpower. Nicht geortet wurden bis jetzt professionelle Goldsucher, jene sind beim «Gold-Gusti», oben am Rhein bei Disentis in Graubünden. Dort wird man ruhig reich trotz gieriger Gedanken.

Hier wie dort werden die Gedanken ruhelose ins Archiv, ins Gedächtnis spediert,  individuell sortiert, klassifiziert, wunderbar gespeichert. Sie sind bis auf weiteres vor unlauterem Wettbewerb durch persönliche Duftmarke versiegelt und geschützt. Ja, vorläufig unser Eigentum mit Mehrwert. Der Mensch aber bleibt sein ewiges Forschungsobjekt. Denn geforscht wird «auf Teufel komm raus».

Unausgeruht werden wir zur einfachen Manipuliermasse. Ruhig sein, trotz Umzingelung innovativster IT Geister? Bedeutendes und Bedeutungsloses wird rundum kräftig abgesogen. Es bleibt niemand verschont, nicht beim Sesseltanz, nicht in den Geschäftsetagen, kein Entscheidungsträger, keine politische Szene, keine «uf em Land und bi de Lüt», alle, inkl. Einflüsterer und Plagiatgeier sind im Visier. Das gesamte Geschehen steht im öffentlichen Raum. «Es wird uns an nichts mangeln.»

Lachen ist gesund. Stoppe das Rädli. Mega cool die «Generation Teleboy». Geniesse, wer geniessen kann, spitzbübisch jene Momente der Spassigkeit und Freude. Nehme dir seelenruhig diese Zeit. http://www.srf.ch/player/tv/glanz–gloria/video/unvergessliche-tv-momente-soell-emol-cho?id=908bdcf3-e5fd-4dde-bf34-3528a9055aaf

Ilse Oehler / 28. April 2014