Kategorie-Archiv: Ilse Oehler

Prüdes Amerika zeigt Drang.

Ilse Oehler

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Dort ist soeben die erste Lustpille für Frauen zugelassen, in blasser Farbe Pink. Das sind tollmachende NEWS von Machern erneuerbarer und ertragreicher Lust.

Pink hier, Pink dort. Ein grosser Schluck tief schwarzen Morgenkaffees sei gestattet, dabei turnt die Neugierde an. Auf dem Zmorgeteller liegt eine blassrosa pinkfarbene Pille aus einer amerikanischen Wunderdose Women50+. In allen Regenbogenfarben wird multimässig das tägliche Schlucken angepriesen: Heart-, Brain-, Eye- und Bone-Healths. Bombastisch? Ein gut gemeinter, geschenkter Antreiber. Zudem spiegeln sich die Farben in meinem Kaffeesatz. Der eine Vitaminstoss ist geschluckt.

Abgelenkt hat zeitgleich eine Schlagzeile. Es gäre hinter den parlamentarischen Kulissen der AHV-Revision. Das ist nicht lustig. Trost: Lustvolleres gibt es bald auch für die AHV-Bezüger +++.
Diese Lustpille auf der weiblichen Schiene unserer heutigen Kids aufzugleisen ein schlauer Schachzug. Rosa/Pink lieben sie und verlangen selbstbewusst darnach, vom Unterhöschen, über Pyjama, Haarreifen bis zum Velo. Die Farbe Rosa ist weiblich, zart und empfindsam, charmant und romantisch, lieblich und zärtlich. Pink dagegen hie und da auch naiv, jung und weich, wie es heisst.

Überfliegt man den Kommentar im Untertitel des Zeitungsbeitrages „Die Pille… sorgt für Frust statt Lust.“ Ob uns die Probandinnen „ES“ uns rasch wissen lassen, still und leise, spontan aus erster Hand?

Der Tagesgruss auf dem Kalender heisst „Kein Einatmen ohne Ausatmen – keine Spannung ohne Entspannung. Tu heute etwas, was dir und deiner Seele guttut, und du sammelst wichtige Kräfte für all deine Vorhaben.“

Also, nichts wie los. „Alles, was gut tut Udo Jürgens … „Okay ich werd‘ älter – doch klug werd‘ ich nie. Ich brauch‘ keine Regeln – Ich hab‘ Phantasie!“

Video: „Alles was gut tut“ von Udo Jürgens

Ein paar Wassertropfen gegen den Griesgram

Ilse Oehler

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Nach zermürbenden Tagen in stickig heissen Räumen, in denen gegen den Nachmittag hin das Denken immer langsamer wurde, genehmigte ich mir einen kühleren Ort. Ich wollte entspannen, suchte Abkühlung und ein laues Lüftchen. Das hab ich auch gefunden. Allerdings, das mit dem Denken, das kam wohl nicht so recht auf Touren.

Als um mich herum Kinder johlten und mich mit ihren Wasserpistolen vollspritzten, ärgerte ich mich einige Sekunden lang über dieses Verhalten. Etwas Recht auf Ruhe? Verschiedene Gedanken über Anstand und anderes mehr gehen blitzartig durch den Kopf. Doch dann wurde mir bewusst, dass ich gerade dabei war, meinen Stress, meine grossen und kleinen Sorgen, den Druck zumindest geistig auf die Kleinen abzuladen. Wer den Kanal voll hat, der verträgt nicht mehr viel, und die eigentlich wenigen Tropfen Wasser brachten wohl mein geistiges Fass zum Überlaufen. Also besann ich mich: Gerade für Kinder ist Freiraum das Richtige, um ihrem Tatendrang zu folgen. Auch sie dürften in der Schule einiges an Druck erfahren haben, und es ist wohl nicht mehr als recht, sich zu vergnügen. Denn da war ja gar nichts passiert.

Meinen Gedanken nachhängend: Unbeschwertes Kinderlachen ist ein Geschenk. Man kommt in seinen Genuss, wenn man mit Kindern arbeitet, wenn man mit ihnen ihre Freizeit verbringt und – sie vor allem Kind sein lässt. Die eigene Stimmung wirkt, nicht unsere Moralansprüche ohne Abstriche, die wir durchsetzen wollen, wir oftmals Vergrämten, Mainstream Nachäffenden, gehetzten Bürger, Politiker? Zeit ist, uns mehr mit Glücksgefühlen zu beschäftigen, …. bevor wir im Wartezimmer sitzen, um uns gegebenenfalls Runzeln, Frustspeck durch Schönheitschirurgen wegmanipulieren zu lassen.

Finden wir vermehrt zurück in den Ursprung eigener Leichtigkeit und lassen uns auf angestaute Schwächen ein. Unbequem? Möglich, dass eine gesunde Balance uns dann langsam wieder im Griff hat, um den alltäglichen Ernst der Lage in hysterischer Zeitgeschichte besser zu ertragen. Oberflächliches Kritisieren ist nur eine billige Variante, zu vieles nur Geschwätz; aufbauende Kritik dagegen anspruchsvoll. Wir bestimmen den Befreiungsschlag gegen aufgepfropfte, weltweit miesmachende Stimmung, und wir besorgen uns das eigene positive Handlungsmuster. Da nicht ansteckend, braucht es nicht einmal einen Mundschutz.

Dabei vermittelt mehr Harmonie in jedem Alltag, weltweit, gegenseitig ein gutes Gefühl. Wer mag, höre in dieses Lied hinein: Es basiert auf der unvergesslichen Melodie von Beethovens «Ode an die Freude».

Oder anders gesagt: Auf zum erfrischenden Ich unter dem Motto: «Denke, bevor Du denkst.»
Ilse Oehler

Tierischer 5-Tagesabriss in beinahe lautloser Manier

Ilse Oehler

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Mitten in der Stadt lebt es sich in den Ferien in diesen Monaten in sich selber ruhend. Nur drei Meter entfernt von meinem Fenster sichte ich einen der drei oft genüsslich an der Sonne liegenden Fuchsmitbewohner in unserem Park. Diesem einen kann ich sogar durch das geschlossene Fenster zu pfeifen. Direkt schaut er mir seelenruhig in die Augen, ohne Angst, spitzt die grossen Ohren, dann diese kratzend. Wegen ungewohnter Tonlage? Im Wechsel über das festgetretene Weglein nutzten auch Katzen diesen Pfad. Seit die jungen Füchse flügge geworden sind, haben jene das Sagen. Nur noch eine mutige Katze ist scheinbar tagsüber da unterwegs.

Am 2. Tag auf dem Balkon. Über meinem Kopf, hautnah, es sah aus, als wirft jemand eine Mütze in die Höhe, in Sekundenschnelle, gleichzeitig ein harter Knall. Es versuchte die Kurve zu kriegen und am Zwischenpfeiler fand es seinen Tod. Traurig, da lag es am Boden und rang noch zweimal nach Luft. Eigenartig, dass dieser Platz dem Amselweibchen mit schwarzem Schnabel sein Todesurteil wurde, da nie in all den Jahren sowas passierte.

Anderntags entdecke ich in einem Zwischengang an der kühlen Decke einen eigenartigen runden Bollen. Sanft stupfe ich nach oben. Ein knalliger Widerhall wie von einer runterfallenden Nussschale. Am Boden lag ein Marienkäferchen. Ihm konnte ich das Grün auf meinem Balkon anbieten.

Wie überraschten mich am 4. Tag kleinste Ameisen im Duschraum. Tonlos krochen sie im Wechsel. Schnell war die Ursache entdeckt. Ein Handwerker war im Haus und konnte die Ursache unmittelbar beheben. Wie sagte er, mit einer Fugenspritze. Ein Löchlein hat er zugekittet, die winzigen Ameisen irritiert und in die Flucht getrieben. Ob er weiss, dass Fuge, die Musikform, in lateinisch „Flucht“ bedeutet.

Am 5. Tag wird es nicht bunt, sondern schwarz-weiss. Ein aus dem Revier von Amtswegen fachmännisch vertriebener Frechdachs hat sich wieder auf den Weg begeben. Es grüsst das Raubtier in seinem dicken rauen Dachshaar am helllichten Vormittag auf diesem Trampelpfad. Eine Erinnerung? Vaters Rasierpinsel aus Dachshaaren, auch mitten in der Nacht das Erlebnis mit einem Stinktier.

Und wenn wir gerade bei erlebter Tiervielfalt sind. Stammen wir vom Affen ab? Dabei sei in der Hitze des Gefechts ein Schwenker erlaubt, zurück zu meinem natürlichen Urstamm. Meine Mutter musste meinen Bruder in seiner pubertierenden Zeitphase des Öftern zähmen. Denn er rief uns Schwestern eines Tages übermütig zu: „Du Aff Du!“ So nahm unsere Mamma ihn in die Pflicht. Ab diesem Moment bündelte er still und leise all seine jungen Hirnzellen, wagte erneut einen Angriff, indem er uns zurief: „166, 166, 166“. Spitzbübisch gefiel er sich in seiner Rolle. Ich aber wollte nicht sein Alphabet Affe sein. Eine unzumutbare Gugelfuhr für unsere Eltern.

Ein Kontrapunkt dagegen sehr?
Diese Sommerhitze 2015 macht Tier und Mensch Unternehmens-/Reiselustig. Komplexe Sachverhalte durchdringen die Welt und unsere Wahrnehmung. Ferienzeit, frei verfügbare Zeit für Gedankensprünge/ Einschnitte wie Fugen zur Fuge: «Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565)», von Bach.

https://de.wikipedia.org/wiki/Toccata_und_Fuge_d-Moll_BWV_565
https://www.youtube.com/watch?v=ipzR9bhei_o

Ilse Oehler