Archiv für den Autor: Klaus J. S.

Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

Wollen wir wirklich die Moslems bei uns?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Ein fast 90jähriger Schweizer Unternehmer, der viele Jahre in Ägypten und den Ländern des Nahen Ostens verbrachte, wohin er Schweizer Maschinen verkaufte, schrieb mir: „Nur mein hohes Alter rechtfertigt mein Schweigen in der Öffentlichkeit. Erst nach meinem Tod wird es die geballte Macht moslemischer Protagonisten zu spüren bekommen.“

Am letzten Sonntag hörte ich in der Zürcher Liebfrauenkirche, der ältesten katholischen Kirche Zürichs, sie wurde von einem Mönch des Klosters Einsiedeln herrlich gestaltet, einem 79jährigen Jesuiten zu, ursprünglich Ägypter, der in fliessendem Deutsch zur Lage im Nahen Osten vortrug: „Unsere Christen in Syrien werden verjagt, für den Islam missioniert oder getötet. Die US-Amerikaner sind so dumm, den Alewiten Assad zu bekämpfen.“

Mein Glaube an die klugen Moslems beginnt zu wanken. Hatten sie wirklich zwei Renaissancen, jene im 8.-11. Jahrhundert in Andalusien und im 19. Jahrhundert in Europa? Waren sie es wirklich, die uns das Wissen der alten Griechen übermittelten oder waren es syrische Christen, welche die alten Schriften aus dem Griechischen in das Arabische übersetzten? Sagte nicht einmal Tayyib Erdogan als junger Politiker zu den Europäern: „Wir werden Euch mit der Zahl unserer Kinder besiegen.“

Mit Moslems kann man noch weniger frei sprechen als mit konservativen Juden. Beide leben in sehr engen geistigen Gefängnissen. Während die liberalen Juden in Wirtschaft, Finanzen und Politik eine Weltmacht geworden sind, würden die Moslems in arabischen Staaten ohne Öl wieder in Hütten leben müssen.

Wir Schweizer, Mitbürger Europas und der Aufklärung, stehen dem fassungslos gegenüber. Unsere liberale Tradition und unser Staatsverständnis verpflichten uns zu helfender Mitwirkung. Wie wenig dies allerdings bringt, zeigt das Beispiel des Kosovo, ein völlig zerstörter Staat („failed country“, wie die Amerikaner gerne sagen), ein Abenteuer, in welches uns alt Bundesrätin Ruth Dreifuss geritten hat. Gut, die Rohstoffe des Kosovo werden in Israel dringend benötigt; das erklärt viel.

Angesichts der externen Wirren sollten wir wenigstens unser Land in Ordnung halten; aber wir sind weit davon entfernt. Bundesrat Didier Burkhalter will uns zusammen mit Staatssekretär Yves Rossier dem Europäischen Gerichtshof unterstellen lassen, womit die Freiheit der Schweiz am Ende wäre. Fremde Richter. Gottseidank war es ein anderer Schweizer, Prof. Dr. Carl Baudenbacher, Präsident des EFTA-Gerichtshofes, ein weltweit renommierter Starjurist, der diesem Plan Widerstand leistete. Der demnächst zu wählende neue Bundesrat wird das Dossier unter Leitung von Staatssekretär de Watteville bereinigen müssen.

Die Zahl der Arbeitslosen in unserem Land nimmt rasch zu, vor allem auch bei der Jugend. Von Wirtschaftsminister Johannes Schneider-Ammann, FDP, der sein Gesicht schon lange verloren hat, ist keine Hilfe zu erwarten. Wenn wir uns damit trösten, dass es auch den tüchtigen Deutschen schlechter als uns geht, sollten wir nicht übersehen, dass deren Lebensstandard bei den uns benachbarten Schwaben und Bayern ebenso hoch ist wie bei uns.

Wir sind im Begriff, in der Schweiz ein Prekariat heranzuziehen, das vom Mittelstand der B-Schweiz bezahlt wird. Wenn ein mit einer Schweizerin verheirateter Afrikaner während mehr als zehn Jahren Sozialleistungen von über 500 000 Franken beziehen kann, ohne je gearbeitet zu haben, läuft etwas falsch bei uns. Es ist an der Zeit, das „laissez faire“ in unserer Politik und den Verwaltungen zu beenden.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Die grosse Atemlosigkeit

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Noch sind wir inmitten der Wahlen. Der Nationalrat ist leicht nach rechts gerutscht, daran sind die Grünen und Grünliberalen, ein wenig auch die BDP von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf selber schuld. Sie haben die letzten vier Jahre kaum genutzt, um stabile Strukturen aufzubauen. Dies wird zur Folge haben, dass soziale Verbesserungen (AHV, IV) aus den Traktanden fallen und der Weg nach Brüssel zügig unter die Beine genommen wird. Die Flugspesen der Chefbeamten nach Brüssel werden steigen.

CVP-Präsident Christophe Darbellay darf ebenso als gescheitert gelten wie Bundesrätin Doris Leuthard, deren grüne Energievision zu einer politischen Halluzination geworden ist. Der Energiepolitikerin kommt das politische Fundament abhanden. Mehr denn je wird es notwendig werden, die SRG oder Teile davon zu privatisieren. Der Medienministerin Doris Leuthard wird dies nicht gefallen, aber die Zeichen der Zeit gehen in diese Richtung.

Christoph Mörgeli, wohl von Panik befallen, hat sich selber gestürzt. Das Zürcher SVP-Volk verweigerte ihm die Gefolgschaft und entschied sich, wie andere Bürgerliche auch, für den SVP-Jungstar Roger Köppel. Dieser, von messianischer Begeisterung angetrieben, die Schweiz vor allem Bösen zu retten, ein Savonarola aus der Zürcher Goldküstengemeinde Küsnacht, ist zum Schrecken aller Linken und Halblinken geworden. Sein Kampfblatt, „Die Weltwoche“, hat nun die Chance, mehr denn je beachtet zu werden.

Tim Guldimann, ein älterer Salonlöwe mit SP-Innenfutter, als Schweizer Botschafter in Berlin residierend, mit mehreren Wohnungen und Häusern in Deutschland wie in der Schweiz, wird künftig auf Steuerzahlers Kosten zu den Sitzungen im Nationalrat anfliegen und den Fluglärm rund um Kloten noch vermehren, dies als sozialen Fortschritt deklarierend.

Magdalena Martullo-Blocher, die politisch begabte Tochter von Dr. Christoph Blocher, wird es als SVP-Nationalrätin in Bern schwer haben. Sie, die nie Widerspruch duldet, muss nun anderen zuhören; ich sehe sie schon als Fraktionschefin die Peitsche schwingen.

…und Marcel Dobler, der 35jährige IT-Wunderknabe aus Rapperswil-Jona, der im Sturmlauf das St. Galler Polit-Establishment in Angst und Schrecken versetzte, als er sich vom St. Galler Stimmvolk für die FDP in den Nationalrat wählen liess. Die St. Galler Politiker, sonst eher der Trägheit verfallen, glaubten sich sicher, auch ohne grossen geistigen wie materiellen Aufwand wieder gewählt zu werden. Gerade am Beispiel dieses seit langem stagnierenden Kantons wird deutlich wie dünn die Säulen sind, auf denen unser politisches System ruht.

Gleichzeitig werden Arbeitsplätze wie nie abgebaut; sogar Peter Spuhler, der Züge und Trams herstellt, muss nun mit Teilen der Produktion ins Ausland ausweichen. Die Schweiz ist definitiv zu teuer geworden, weshalb der Export, auch bei den Uhren, unter die Räder kommt.

Die Einkommen und Renten vieler schmelzen dahin, denn die Lebenshaltungskosten steigen überdurchschnittlich. Schweizer Politiker sind deshalb nicht unglücklich, wenn Familien im nahen Ausland einkaufen; gerade Bezüger von niedrigen Salären können ihren Lebensstandard damit einigermassen erhalten. In Kantonen und Gemeinden steigen die Zuschüsse für Krankenkassen, Mieten und andere Sozialleistungen rascher als früher. Der fleissige Mittelstand zahlt.

Die daraus resultierende grosse Atemlosigkeit wird angeheizt durch die Angst vor Flüchtlingen aus aller Welt, die in grossen Menschenströmen nach Europa ziehen. Wer die Schweiz durchqueren will, zahlt pro Kopf über 8 000.— Franken. Die Schlepper, nicht nur aus der Türkei, Libyen oder dem Kosovo, werden zu Millionären.

Wer seine Ruhe haben will und die meditative Stille vorzieht, muss auf technische Hilfsmittel, wie sie heute üblich sind, mindestens auf Zeit verzichten. Radio und Fernsehen vermitteln häufig tiefere Einblicke, aber es ist schwierig, immer die besten Sendungen zu finden.

So taumeln wir, von Medien beschossen, durch die Gegenwart. Was stimmt, was nicht? Der Eindruck verstärkt sich: Viele kommen nicht mehr mit. Es entstehen grosse Tabuzonen, Themen, die man nur noch einseitig behandeln darf. Dazu melde ich mich demnächst.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum reagieren alte Menschen so wenig?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Junge Menschen bis zu einem Alter von vierzig Jahren regen sich gerne auf, geben Stellungnahmen ab, schreiben Leserbriefe. Für sie ist dies eine Form der Aktivität, wo sie sich zu erkennen geben. Sie meinen, sie hätten etwas zu sagen. Ganz anders Menschen über 50 Jahre: Sie reagieren wenig, z.B. auf diesen Blog, sie machen vielleicht die Faust im Sack, aber dann vergessen sie es wieder.

Es gilt, was der einst berühmte Schweizer Politiker Ulrich Bremi einmal sagte: „Jedes Wort ist eine Fehlerquelle.“ Die meisten Menschen wagen es nicht mehr, eine eigene Meinung zu formulieren; sie blicken angstvoll nach links und rechts, um erst einmal festzustellen, wohin die Herde rennt. Dann rennen sie fröhlich hinterher, andere mit sich reissend.

Viele haben auch keine Hoffnung mehr, sie könnten mit ihrem Beitrag etwas verändern. Warum soll ich etwas sagen, wenn ohnehin niemand zuhört? So ist es zu vernehmen, sitzt man in einer Kaffeerunde. Wer es nicht gelernt hat, wie man im Internet seine Meinung einbringt oder seiner Lokalzeitung in zehn Zeilen mitteilen kann, dass ein bestimmter Beitrag einfach falsch sei, der gibt den Gedanken an eine eigene Stellungnahme sofort wieder auf.

Alte Menschen haben zu viel gesehen und gehört, um noch den Glauben zu haben, sie könnten die Welt verändern, geschweige denn die Politik in ihrer Gemeinde. Ihr Leben ist von vielerlei kleinen Demütigungen gekennzeichnet, die sie müde werden liessen. Es genügen ihnen das kleine Glück, die Enkel, die Katze, der Hund, die alte Freundin aus der Primar- oder der Handelsschule.

Natürlich gibt es Ausnahmen, jene maximal zehn Prozent von Menschen, die sich gerne zu Wort melden, in Versammlungen eine Meinung äussern, öffentlich auftreten und auch die TV-Bildschirme nicht meiden. Sie haben eine Stufe erreicht, wo man sie, oben angelangt, oft Meinungsführer nennt. Diesen zu widersprechen, wagt schon gar niemand mehr, ist damit doch die Angst verbunden, mit seiner Wortmeldung nicht ernstgenommen  zu werden.

Die schweigenden Alten sind ein wachsender Faktor unserer alternden Gesellschaft. Blicken wir in die Schweizer Medien, sehen wir dort jeden Tag ausländische Fachleute, welche die nicht selten abstrusesten Thesen veröffentlichen dürfen. Das ist globaler Meinungsabfall, der von unseren Verlagshäusern schon aus Kostengründen gerne vermarktet wird.

Noch viel schlimmer und für unsere gesellschaftliche Entwicklung gefährlicher ist die zunehmende Schreibunfähigkeit unserer jungen Generationen. Mir begegnen laufend 30-40jährige, die keinen geraden Satz mehr formulieren können. Sie sind mit Computer und Internet aufgewachsen, drücken sich mit Twitter und anderen Schnelldiensten aus. Ihnen fehlt die Grammatik, eine elegante Ausdrucksweise, die vor einer Generation noch die Regel war. Man ist geneigt anzunehmen, es fehle ihnen nicht nur an Ausdrucks-, sondern sogar an Denkvermögen.

Wer den halben Tag am Tisch sitzt und Kreuzworträtsel löst, um die dann verbleibende Tageshälfte am TV-Gerät Krimis und heillos dumme TV-Serien zu sehen, sollte lieber 30-60 Minuten ein kluges Buch lesen, was für Ungeübte eine Anstrengung sein kann, oder einen Brief schreiben, vielleicht sogar gegen den Inhalt dieses Meinungsblogs protestieren.

Ich warte.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Gratuliere zum Geburtstag, Dr. Christoph Blocher

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Am kommenden Sonntag, dem 11. Oktober, wird Dr. Christoph Blocher 75 Jahre alt. Keiner hat so wie er seit über einer Generation die Schweizer Politik geprägt, keiner hat so viel verändert. Jetzt liefert er, wieder einmal, den Wahlkampf seines Lebens, denn mit 79 Jahren, in vier Jahren, lebt er in der gleichen biologischen Gefahrenzone wie derzeit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Hat Christoph Blocher, den man nicht Jubilar nennen mag, sein politisches Lebensziel erreicht? Ist das Schweizer Volk seinen Rufen gefolgt, die Unabhängigkeit des Landes zu bewahren? Man ist geneigt zu sagen, dies ist nicht ausreichend der Fall. Erst der 18. Oktober, das kommende Wahlwochenende, wird zeigen, ob der Schweizerischen Volkspartei der lange ersehnte Durchbruch und damit auch der zweite Bundesrat gelingt.

Es ist nur die Flüchtlings- oder die Zuwanderungsfrage, die Christoph Blocher wieder auf den Thron bringen kann, den er als Bundesrat schon einmal bestiegen hatte. Jene 27% der Wählerinnen und Wähler, die er sicher in der Tasche hat, werden überlagert von weiteren mindestens 30% der Bevölkerung, die Angst vor zu viel Ausländern haben, weil sie – nicht ganz zu Unrecht – befürchten, ihre Traumschweiz des 20. Jahrhunderts werde im neuen 21. Jahrhundert zu Trümmern.

Blocher kommt an seinem Geburtstag zugute, dass Konkurrent Philippe Müller, Präsident der FDP Schweiz und Erbe vieler Niederlagen seiner Partei, nicht wirklich einen durchgreifenden Wahlkampf führte. Der Wind des Wandels treibt ihm offensichtlich enttäuschte Wähler der grünen Mittelinks-Parteien zu. Ob dies für einen dauerhaften Aufschwung der Freisinnigen genug ist, wird sich bald zeigen. Christoph Darbellays schmelzender Gletscher, der sich CVP nennt, lebt wohl nur noch von der Nostalgie, nicht unähnlich der SP Schweiz, die unter Christian Lévrat in eine merkwürdige Starre verfallen ist.

Christoph Blocher, Anarchist, der ausser seiner Herrschaft nie eine andere geduldet hat, ist einer der bedeutendsten Unternehmer unseres Landes geworden. Mit grosszügigen Stiftungen hat er etwas von dem Geld zurück erstattet, das er als durchaus raffinierter Investor mit gewagten Manövern gewonnen hat. Wie er die Emser Werke übernommen hat, ist legendär. Schon jung hat er damals seinen Instinkt für den kühnen Zugriff bewiesen.

War Christoph Blocher gut für unser Land? Ich denke ja, denn gerade der Abstand zur Europäischen Union (EU) hat unser Land attraktiv gemacht für viele. Wenn unser jetziger Bundesrat vieles von dem verschenkt, was die Eigenart der Schweiz ausmacht, ist dies eine Tragödie für alle. Blocher marschiert immer in die gleiche Richtung, während gleichzeitig der Boden unter ihm wegrutscht.

Ist für den jetzt 75jährigen ein gutes Ende vorstellbar? Wirtschaftlich müssen wir uns keine Sorge um ihn machen. Innenpolitisch hat er eine neue Mannschaft aufgebaut; die alte SVP-Garde hat, teilweise unter sanftem Zwang, die Ränge verlassen. Albert Rösti in Bern, der Wahlkampfleiter der schweizerischen SVP, der einen ausgezeichneten Job macht, darf mit Aufstieg rechnen. Der intellektuelle Roger Köppel, seit zwanzig Jahren in einem Steigerungslauf, wird am 18. Oktober beweisen müssen, ob er auch „das Volk“ überzeugen konnte.

Wohin aber geht die Schweiz wirklich? Längst haben die grossen Banken und Konzerne im Land das Sagen, ausgedrückt durch den Machtanspruch der économiesuisse. Wer an ihnen vorbei politisieren will, hat kaum eine Chance. Das gilt auch für den Schweizerischen Gewerbeverband mit Hans-Ulrich Bigler, der in der politischen Kampagnenführung zu den Talenten zählt und koordiniert mit der économiesuisse vorgeht.

Christoph Blocher, zur Elite der Schweiz zählend, ist immer ein wenig Aussenseiter geblieben. Sein harter Schwabenschädel duldet keine Unterwerfung, war es doch das Volk seines Urgrossvaters, das in den USA, in Russland und in Siebenbürgen grosse Kulturen aufgebaut hat.

Er ist bereits in eine spielende Phase eingetreten, wo man das Leben nicht mehr ganz so ernst nimmt, wie zu Beginn. Wenn die Freisinnigen mit linker Unterstützung den Weg nach Brüssel antreten, um dort die Freiheit der Schweiz stückweise zu verkaufen, wird er als „Alter vom Berge“ in seiner Burg in Bünden sitzen und jene Schweiz suchen, die seinen Vorfahren so teuer gewesen ist.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum ist die Schweiz ein Verlierer?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wir sind das teuerste Land der Erde und auch das Land mit den besten Voraussetzungen für die freie Entfaltung der Unternehmen. Unsere Bundesbeamten verdienen, einschl. Putzfrauen, im Jahr durchschnittlich 127 000.— Franken. Der Präsident einer mittelgrossen Stadt, wie Baden oder Romanshorn es sind, verdient rasch einmal über 200 000 Franken im Jahr. Kann es sein, dass etwas nicht stimmt bei uns?

Wir haben in Sachen Bankgeheimnis nach knapp hundert Jahren die Schlacht gegen amerikanische und deutsche Justizbehörden verloren. Die besten eigenen und US-amerikanischen Anwälte konnten diese Jahrhundertniederlage nicht verhindern. „We are doing our best“, war nach Millionenhonoraren die wenig befriedigende Antwort der Anwälte für den Finanzplatz.

EDA-Chef Didier Burkhalter wollte die Schweiz dem Europäischen Gerichtshof unterstellen lassen, was in Bern wenig Beifall fand. Fremde Richter im eigenen Haus? Staatssekretär Yves Rossier, aus dessen Stall dieser Vorschlag stammte, wurde zurückgebunden. Seine Karriere hat seither einen deutlichen Rückschlag erlitten. Indirekter Sieger war ein anderer Schweizer: Prof. Dr. Carl Baudenbacher, Präsident des EFTA-Gerichtshofes in Luxemburg, der vor einer solchen Lösung stets gewarnt hat. Der politisch-juristische Ausverkauf der Schweiz konnte im letzten Augenblick noch gestoppt werden.

In Verkehrsfragen verhandelt die Schweiz gegen deutsche und italienische Interessen wie ein Primarschüler gegen Hochschulprofessoren. Nicht nur nehmen wir es hin, dass der Flughafen Zürich-Kloten vor allem von deutschen Fluggesellschaften benutzt wird, sondern wir tragen es auch mit Fassung, dass Kloten zu einem Heimatflughafen der Süddeutschen Bevölkerung geworden ist. Fracht aus Württemberg und Bayern fliegt über Kloten in alle Welt. Während die Deutschen die Ruhe über ihren Schwarzwaldtannen für maximal 5000 Einwohner eisern verteidigen, leiden bei uns 300 000 Menschen unter Fluglärm und giftigen Kerosin-Abfällen, die unsere Wohngebiete wie Erholungslandschaften verdrecken.

Weil wir in der Luft schlecht verhandeln, muss dies auch für die Schiene gelten. Wir finanzieren den Deutschen im Norden der Schweiz an der Grenze auf Schweizer Boden eine Bahnlinie Ost-West und weil die Italiener kein Geld haben, finanzieren wir im Süden deren Bahnstrecke, die den Anschluss in die Schweiz sicherstellen soll. Wieso sind wir nie die Gewinner in solchen bilateralen Verhandlungen?

Schuld ist der Kompromiss. Von früher Kindheit an wird jeder Schweizer im Sinne einer liberalen Kompromiss-Haltung erzogen. Später, in den Gemeinden, Kantonen und im Bund heisst es immer: „Nicht streiten, wir suchen den Kompromiss.“ Damit kommt man im Ausland nicht weit. Wer gegen ausländische Spitzendiplomaten in Verhandlungen gewinnen will, braucht eine grosse Hutnummer. Dort will man nicht den Kompromiss, sondern den Sieg.

Wie die Mitte dort ist, wo nichts ist, wie bald auch der Wahltag am 18. Oktober zeigen wird, ist der Kompromiss nach Meinung von Margret Thatcher, die von älteren Schweizern immer noch hoch verehrt wird, wie folgt zu verstehen: „To me, consensus seems to be the process if abandoning all beliefs, principles, values and policies. It is something in which no one believes and to which no one objects.“ So ist es, der Kompromiss ist für uns oft die schlechteste Lösung, vor allem bei internationalen Verhandlungen.

Der Kompromiss hält unser Land zusammen und hat viele wohlhabend und reich gemacht. Unsere Politiker, seien sie von links oder rechts, sind Kompromisspolitiker auf Lebenszeit. Macht einer nicht mit, wie Peter Bodenmann und Christoph Blocher dies tun, gelten sie sofort als bunte Vögel.

Erstmals habe ich im Vorfeld der Herbstwahlen, die vor der Tür stehen, neue Kandidaten erlebt, die nicht den Kompromiss wollen. Einer von ihnen ist der 35jährige Marcel Dobler aus Rapperswil-Kemprathen, der für die St. Galler FDP in die Hosen gestiegen ist. Dobler, Gründer der Digitec AG, will in Bern etwas erreichen, den Beamtenapparat abbauen, die Lasten für KMU- und Gewerbebetriebe verringern und weniger Ausländer hereinlassen.

Die junge Generation wird ungeduldig. Sie sieht sich im Alter gefährdet und lehnt daher unnötige Kompromisse ab.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Vom Wandel zur Apotheose?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Weil sich in unserem Land vor den Herbstwahlen ohnehin alles überschlägt und viele nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, tut es gut, sich den untergründigen Strömungen hinzuwenden, die mehr bestimmen, als es die öffentlichen Medien wahrnehmen wollen.

Womit niemand gerechnet hat: Das „Magazin“ des „Tagesanzeiger“, geführt vom sensiblen Bündner Finn Canonica, hat in der Ausgabe 35/2015 einen längeren Artikel des Berner Schriftstellers E.Y. Meyer publiziert, worin er ein Gemälde Albert Ankers und ein Foto von Friedrich Dürrenmatt analysiert. E.Y. Meyer ist der volle Kontrast zu den vier Kandidatinnen für den Schweizer Buchpreis 2015, der in Kürze wieder vergeben wird; am ehesten nähert sich die Langsam-Schreiberin Ruth Schweikert sprachlich dem 2011 für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagenen Schweizer Grossschriftsteller.

Noch erstaunlicher: Meyers „Magazin“-Artikel löst eine Fülle positiver Reaktionen im ganzen Land aus. Es melden sich aus allen Landesteilen sonst schweigsame Menschen zu Wort, die sich in ihm besser erkennen als in der Neu-Literatur des 21. Jahrhunderts.

Was bietet E.Y. Meyer? Seine beiden letzten Bücher sind bei Stämpfli in Bern erschienen. Sie heissen „Wandlung“ und „Apotheose“ und müssen, um verständlich zu werden, hintereinander gelesen werden. Meyer zeigt, wie die Schweiz sich wandelt und die Menschen den Aufstieg zur Apotheose suchen. Damit ist der Autor hoch aktuell.

Die Schweiz erlebt einen von vielen als dramatisch empfundenen Wandel, aber gelingt auch die Apotheose, die uneinholbare Vergöttlichung von Menschen, die alles erreicht haben?

Soeben wurde im Nationalrat die Initiative für ein Grundeinkommen für jeden Schweizer abgeschmettert. Für die Antrag stellenden Basler wäre es die perfekte Apotheose, wenn jeder Schweizer, ohne zu arbeiten, gut 2000 Franken netto im Monat vom Staat und Steuerzahler beziehen könnte. Reizvoll ist es, dass hinter der Initiative eine Basler Milliardärin steht, Beatrice Oeri, deren Urgrossvater den Weltkonzern Hoffmann-LaRoche gegründet hat. Sie unterstützt auch die in Dornach bei Basel ansässigen Anthroposophen der Rudolf Steiner-Bewegung, die eine Apotheose eigener Art betreiben.

Der Traum der Schweiz, dem Himmel nahe zu sein, wird von Eindringlingen jäh gestört. Nahe beim Volk sind es die Zuwanderer aus dem Nahen Osten und Afrika, welche die Schweizer Apotheose miterleben möchten. „Sie klopfen nicht an, sondern schlagen die Tür ein“, sagt Victor Orban, der sich belagert fühlende Präsident Ungarns. Weiter oben ist es US-Justizministerin Loretta Lynch, die ein Jahr vor ihrer sicheren Abwahl den in Zürich ansässigen Weltfussballverband FIFA in die Knie zwingen will, wo als Präsident der Walliser Joseph („Sepp“) Blatter die Festung verteidigt. Lynch, ob der knochentrockenen Schweizer Verteidigung leicht unzufrieden, hat sich nun auf den deutschen Volkswagen-Konzern gestürzt.

Vom Wandel zur Apotheose – ob unserem Land das Kunststück gelingt? Wer sich nicht festlegen will, kann mindestens bestätigen: „Wir sind unterwegs.“

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Der Aufbruch findet nicht statt.

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es sind sublime Entscheidungsfaktoren, die Karrieren begünstigen oder hemmen können. Im jetzt seinen Höhepunkt erreichenden Wahlkampf vor dem Entscheidungstag vom 18. Oktober sind die Wählerinnen und Wähler auf viele sachlich-neutrale Informationen angewiesen. Wer glaubt, diese würden angeboten, der irrt.

1. Die Prominenz der Parteien darf in der „Arena“ des Schweizer Fernsehens auftreten und in anderen öffentlichkeitswirksamen Sendungen. Wer als Politiker dort angelangt ist, dem ist die Wahl fast sicher. Die gleiche Rolle spielt der „SonnTalk“ im Peter Wanner’schen Medienverbund, wo Markus Gilli die politischen Karrieren bestimmt. Wer ausgeschlossen wird, weil er zu wenig medienwirksam ist, braucht die starke Hilfe seiner Partei oder befreundeter Organisationen.

2. Wie die „Schweizer Illustrierte“ sich die Namen tüchtiger Jungpolitiker von den Parteien nennen lässt, ohne sich selbst ein Urteil zu bilden, beschränken sich die meisten Regionalredaktionen darauf, nur die bereits im Amt befindlichen Spitzenkandidaten ausführlich vorzustellen. Mit Sicherheit befinden sich unter den hundert weiteren Kandidaten in einem Kanton ebenso begabte Nachwuchstalente. Sie haben nur selten eine Chance, von den Medien „entdeckt“ zu werden. Auch damit werden die Platzhalter begünstigt. Die Redaktionen erklären dieses Verhalten mit eigener Überforderung, da sie weder Zeit noch Personal haben, derlei zu leisten.

Kein Wunder, dass der immer wieder verlangte oder erhoffte Aufbruch damit nicht stattfinden kann. Weil politische Erfolge viel mit Macht zu tun haben, sind politische Neueinsteiger immer ein Risiko, das zu mindern oder mindestens berechenbar zu machen die Aufgabe der Parteizentralen ist.

Die politisch erfahrenen Kandidaten wissen dies und benutzen jeden Wahlkampf dazu, den nächsten vorzubereiten. Wer den Fuss einmal auf die rotierende Karriereleiter gesetzt hat, wird sie, je nach Talent, rascher oder langsamer hinauf klettern. Das Ziel, in seinem Kanton oder auf nationaler Ebene in Bern, etwas durchsetzen zu dürfen, ist zu verlockend.

Weil diese Selektion mühsam ist, dazu viel Zeit und Geld verschlingt, ist ein echter Aufbruch in Bern eher unwahrscheinlich. Die Fraktionsdisziplin ist strenger geworden; wer sich dieser entzieht, gilt bald einmal als bunter Vogel.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Wer stellt die Welt auf den Kopf?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Als Schweizer haben wir es gerne senkrecht, sehr gerade, immer aufrecht und, bitte, ohne Unklarheiten, ohne Wischiwaschi. Wer eine eigene Meinung hat, was ohnehin als Luxus gelten darf, möge diese auch be- und festhalten. Abweichler gelten als unzuverlässig, ja fast als Landesverräter.

Weil die Zeiten unruhig sind und des öfteren Ereignisse eintreten, die mit unserem Wissenstand wenig vereinbar sind, halten sich die grossen Verlage der Schweiz luxuriöse Vordenker. Sie haben in ihren Kommentaren des Recht, die Welt auf den Kopf zu stellen. Ich meine, diese Herren sollten wir kennen:

Da wäre einmal Frank A. Meyer, Freund des Verlegers Michael Ringier und graue Eminenz der Ringier-Gruppe. Meyer, der schon beim misslungenen EWR-Beitritt und Zusammenbruch der Swissair eine nicht sehr rühmliche Rolle spielte, sieht sich als späten „bourgeois“ europäischen Kalibers. Als nach Berlin ausgelagerter Dauerkritiker hochkapitalistischen Fehlverhaltens sieht er sich nunmehr gezwungen, den mehrheitlich bildungsfernen Lesern des „SonntagsBlick“ die Idee nahe zu bringen, „es könnte doch sein, dass das ….kapitalistische System das einzige ist, das Freiheit garantiert.“ Tusch, die Gedanken sind frei….

Was linkspolitische Kurventechnik angeht, ist Daniel Binswanger, der für den „Tagesanzeiger“ und dessen “Magazin“ die Welt vom Standort Paris aus beleuchtet, eine Autorität. Von dort gewinnt er jene Klarheit des Geistes, die er bei den Schweizer Eliten des Öfteren vermisst. Die Winde des liberalen Weltgeistes lassen ihn wie einen Albatros über die Untiefen Schweizer Befindlichkeiten segeln. Mit Tief- und Weitblick ausgestattet, ist er zum Antipoden von Frank A. Meyer geworden.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ hat mit Urs Schoettli einen freien Mitarbeiter, der uns wie kein anderer gekonnt die Welt Chinas und Asiens interpretiert. Mit festen Sitzen in Tokio, Hongkong und Mumbai ausgestattet, lebt er seit Jahrzehnten in einer fernen Welt, die immer noch voller Geheimnisse für uns geblieben ist. Schoettli ist ein grossbürgerlicher Liberaler, der sein heimisches Solothurn häufig besucht. Sein Selbstbewusstsein war nicht immer NZZ-kompatibel, aber journalistische Qualität, wie sie heute dort versprochen wird, verlangt seine Präsenz.

Drei grosse Journalisten, jeder in seiner Art, dürfen die Welt auf den Kopf stellen. Marcel Ospel hat dies als Chef des alten UBS-Konzerns getan und ist auf die Nase gefallen. Matthäus Schiner wollte für die Schweiz Norditalien erobern und bescherte uns Marignano. Sepp Blatter baute den Weltkonzern FIFA auf und kämpft nun gegen die Verleumder aus dem eigenen Lager.

Es wird immer Männer (und vielleicht auch Frauen) geben, die unser Weltbild verändern können. Wir sollten aber auch den Mut haben, sich ihrem Urteil zu stellen. Das bleibt unbequem.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Mein Entsetzen hält sich in Grenzen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn viele Zeitungen jetzt schreiben „Die Welt blickt mit Entsetzen…..“, dann sehe ich stets meine Nachbarn an und horche in mich selber hinein: Niemand ist entsetzt. Viele sind traurig, ganz wie ich auch, wenn Kinder im Mittelmeer ertrinken, Väter sich auf Eisen-bahnschienen werfen, um nicht samt Familie in ein ungarisches Lager eingeliefert zu werden oder schreiende Mädchen von ihren Familien getrennt und wieder ins Ausland abgeschoben werden. Das sind keine guten Zeiten.

Anderseits finde ich, die Ertrinkenden im Mittelmeer sind oft Opfer ihrer eigenen Familien, die nach Europa eindringen wollen, um dort Geld zu verdienen, das sie dann wieder in eigene Häuser in einem afrikanischen Land investieren. Wer zuhause bleibt, hat diese Chance nur selten.

Wenn die Syrer oder Afghanen aus ihren Ländern nach Europa fliehen, sind sie späte Opfer europäischer Anmassung und Unfähigkeit. Das jetzt zusammen brechende Syrien wurde von Frankreich und England gemeinsam geschaffen. Die Afghanen hatten nie eine Chance: Erst wurden sie von den Engländern überfallen, dann von den Russen, zwischendurch von den Taliban, die von den US-Amerikanern gegen die Russen aufgerüstet wurden, schliesslich fielen sie ganz den NATO-Truppen zum Opfer. Generationen voller Schmerz und Unglück waren das Ergebnis westlicher Aggressionen.

In meiner Jugend hatten wir in Deutschland einen Satz: „Es wird nicht ausgewandert.“ Wir ärgerten uns schrecklich über die konservativen Parteien, aber nur wenige flüchteten nach Australien oder Kanada. Es wurde der Versuch gemacht, das eigene Land zum Besseren zu verändern.

Den Afrikanern wie den Asiaten wird es nicht erspart bleiben, selber ihre Staaten zum Besseren hin zu verändern. Vom den reichen Staaten des Westens sollten sie nicht zu viel Unterstützung erhoffen. Unsere Eliten, wie wir selber es auch tun, sorgen zuerst einmal für die eigene Tasche. Was wir während nunmehr drei Generationen an Entwicklungshilfe geliefert haben, war zumeist Wirtschaftsförderung und Kampf um politischen Einfluss. Das ist auch heute noch so.

Nein, entsetzt sind wir nicht wirklich. Wir haben die Schrecken der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki erlebt, die Konzentrationslager der Deutschen, die Morde der französischen Armee in Nordafrika und Indochina, den Vietnamkrieg, die blutigen Aufstände in Indonesien, die Völkermorde in Afrika. Vulkane haben Zehntausende vernichtet, tropische Stürme und Erdbeben Hunderttausende. Wieso sollten wir entsetzt sein?

Der Mensch, überschätzen wir ihn nicht, sichert zuerst einmal sein eigenes Leben und das seiner Familie. Auch die Zuwanderung der Flüchtlinge wird nach dieser Regel beurteilt. Wenn UBS-Präsident Axel Weber uns sagt, wir würden künftig länger arbeiten müssen, denn eine Rente allein werde nicht mehr genügen, um das Leben zu finanzieren, dann werden sich viele fragen, warum die Sozialkosten dennoch steigen.

Nein, wir sind nicht entsetzt, aber wir sehen mit Entsetzen, wie sich unsere einst ordentlich-saubere Umwelt zunehmend chaotisch verändert. Viele unserer Kinder müssen künftig in Hochhäusern leben, wo sie verdichtet gestapelt werden ganz wie in New York City, HongKong oder Frankfurt schon heute. Unser altes Europa, unsere bürgerliche Welt zerfallen; kein Politiker hat den Mut, uns dies zu sagen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Ein Sommer zum geniessen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es war unglaublich heiss in diesem Sommer, aber alte Knochen haben diese Wärme ganz gerne. Unangenehm sind nur zwei Dinge: Die brennende Sonne im Gesicht und auf der Glatze und die Schwierigkeit, richtig tief einatmen zu wollen. Mit Hut, Kappe, Sonnenschirm und Fächer lässt sich der heisse Sommer erträglicher machen. Missen möchte ich ihn nicht.

Viel ärgerlicher ist die Entwicklung unseres Landes. Während wir den Bergkantonen das Bauen von Zweitwohnungen verboten haben, haben sich bei uns im industriellen Flachland die Baukräne vervielfältigt und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Kanton Zürich als eine der wachstumsstärksten Schweizer Regionen, soll von 1,4 Millionen Einwohnern auf 1,56 Millionen ausgebaut werden. Niemand verbürgt sich, dass es auch mehr werden können.

Warum dieser Wahnsinn? Economiesuisse, die Dachorganisation der Schweizer Wirtschaft unter Leitung des Misserfolgsmanagers (Kuoni, Axpo) Heinz Karrer, hat die Weichen auf Wachstum gestellt. Das gilt natürlich nur für Konzerne und grosse Dienstleistungsfirmen. Metzger, Coiffeure und Hoteliers müssen selber sehen, wie sie zurechtkommen. Dafür ist der Schweizerische Gewerbeverband zuständig, der von Hans-Ulrich Bigler geführt wird. Wenn Economiesuisse und Bundesrat zusammen spielen, hat er einen schweren Stand.

Was noch zunehmen wird, ist der sehr lärmige Strassenverkehr. Autobahnen werden vom Bund vor allem im Jura und im Oberwallis gebaut; die Ausbauten im Mittelland gehen sträflich langsam voran, worüber sich vor allem die SBB freuen, die ihre Passagiere zu Spitzenzeiten auf dem Fussboden sitzen lässt. Das gilt jetzt als lässig.

Ausgebaut wird auch der Flughafen Zürich-Kloten, wo heute 25 Millionen Passagiere abgefertigt werden, davon ein grosser Teil Transitpassagiere, die unserem Land wenig, der Deutschen Lufthansa, die bei uns unter dem Decknamen Swiss arbeitet, aber viel bringen. Zürich ist ein offizieller Heimatflughafen der Deutschen Lufthansa; es war einmal der Heimatflughafen der Swissair. Dass wir sie nicht mehr haben, ist eher unsere Schuld resp. solcher Persönlichkeiten wie Marcel Ospel, Moritz Suter und Kaspar Villiger, die keine zwei Milliarden Franken mehr einschiessen wollten. Später haben wir die UBS mit sechzig Milliarden gerettet.

Das Wachstum der Schweiz spielt sich im internationalen Handel ab:

– Deshalb subventionieren wir mit unserem Steuergeld den Landesflughafen Zürich-Kloten, der aber zu einem Drittel von Süddeutschen benutzt wird, die uns dafür den Fluglärm und die Abgase hinterlassen.

– Deshalb subventionieren wir das Tram zwischen Basel und der deutschen Stadt Weil, damit die Basler lernen, günstig in Deutschland einzukaufen. Der Basler Detailhandel ist nicht erfreut.

– Deshalb subventionieren wir mit 780 000 Franken pro Jahr ab dem 13. Dezember fünfmal täglich die SBB-Verbindung St. Gallen-Konstanz, damit die St. Galler günstig in Deutschland einkaufen können. Die Konstanzer zahlen nur 14% der Kosten für den Schweizer Zug.

Ich finde, unsere Chefbeamten sind verrückt geworden. Sie freuen sich über „die gute Gesprächskultur“ mit den Deutschen und lassen sich über den Tisch ziehen, als hätten sie nie jassen gelernt. Die Deutschen aber pokern mit uns.
Diesen Sommer wollen wir geniessen; was kommt, wird fürchterlich.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH