Ist der islamische Staat ein Sonderfall?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Die radikalen Muslime sind mir so wenig lieb wie die unterprivilegierten Verrückten, die aus Europa in die arme und staubtrockene syrische Wüste ziehen, um dort ein neues Weltreich aufzubauen. Doch ist dieser Vorgang kein Sonderfall. Viele solcher revolutionären Reiche haben einige Jahrzehnte überlebt, zuletzt die kommunistische Deutsche Demokratische Republik (DDR), die an der Unfähigkeit ihrer herrschenden Klasse scheiterte.
Als die Deutschen im 19. Jahrhundert, ganz wie viele Schweizer auch, in das junge Amerika flohen, wollten die Deutschen keine „White Anglosaxon Protestants“ werden, sondern ein neues, besseres Deutschland in den USA gründen. Ein gewisser Karl Heinzen schrieb damals: „Lieber ein Indianer als ein Deutsch-Amerikaner.“
Die deutschen Flüchtlinge wollten sich damals so wenig integrieren, wie wir dies heute von den zuwandernden Muslimen erwarten dürfen. Was heisst denn Integration? Moslems als Kindergärtner oder Krankenhelfer müssen sich täglich fünfmal auf die Erde werfen, um auf einem Teppich Richtung Mekka zu beten. Sie feiern einen Monat lang Ramadan, womit tagsüber ausdauernde anspruchsvolle Tätigkeiten erschwert sind. Wie dies in den hektischen Arbeitsprozess zu integrieren ist, lässt sich heute kaum sagen. Kürzlich habe ich das konkrete Beispiel im Fall einer jungen Bernerin erlebt, die ihren Eltern in der Hotelküche aushalf. Die Teller rollten auf einem Fliessband hin zum Spülautomaten, als ein Afrikaner mit schmutzigem Nachschub langsam herankam und auf dem Fliessband eine Lücke zu entstehen drohte. Sie, die Bernerin, rief: „Schneller.“ Es kam die kulturell, aber nicht industriell zu verstehende Antwort: „In der Wüste rennen wir auch nicht.“
Der Islamische Staat, aufgebaut von hohen Offizieren Saddam Husseins, finanziert von arabischen Scheichs aus Saudi Arabien und Kuwait, mit US- und europäischen Waffen ausgerüstet, die sie von ihren Freunden erhielten oder selbst erobert haben, ist nun ein Rumpfstaat. Die Gerüchte sind nicht abwegig, dass auch US-Geheimdienste mitgespielt haben, um die syrische Herrscherfamilie zu stürzen.
Eigentlich ist dies ein Fall für die Europäer, denn es waren Frankreich und England, welche vor knapp hundert Jahren den „Vorderen Orient“ nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches neu aufgebaut haben. Dies erfolgte nach dem Modell. Ich gebe Dir einen arabischen Herrscher, wenn Du meinen in Ruhe lässt. Mit der arabischen Wirklichkeit hatte dies wenig zu tun.
Schwieriger noch, es handelt sich um Vielvölkerstaaten, die von ihren Gewaltherrschern über Jahrzehnte angemessen vernünftig geführt wurden. Den US- wie französischen Präsidenten gelang die Zerstörung dieser im Kern stabilen Strukturen, nicht aber deren Wiederaufbau.

In diese Lücke sind nun fanatische Moslems, geführt von enttäuschten aber nicht unfähigen Offizieren, vorgestossen. Wie mit dem Ruf „Deus volt“ (Gott will es) die europäischen Kreuzfahrer vor 900 Jahren zur Befreiung Jerusalems aufbrachen, angestachelt von der Römisch-Katholischen Kurie, wird Allah, was auch wieder Gott heisst, aufgeboten, nun nach Westen zu stürmen.
Die NATO soll nicht einmarschieren, die UNO kann nicht einmarschieren. Im Augenblick sind es die US-Amerikaner, die Franzosen und die Russen, welche den Versuch machen, die IS zuhause zu bekämpfen. Da die einheimische Bevölkerung sich klugerweise zurück hält oder gleich ins Ausland flüchtet, gibt es keine Bodentruppen, die sich dem stürmischen arabischen Jungvolk entgegen stellen.
Die Schweiz kann als Ort für Verhandlungen gute Dienste leisten, wenn die Grossmächte dies wollen. Wir haben allerdings keine Politiker, die von globaler Glaubwürdigkeit sind, unter deren Mantel ein Erfolg gesichert werden könnte. Bundesrat Didier Burkhalter, der bisher als Innen- wie Aussenminister keine Erfolge aufzuweisen hat, wird dieser Aufgabe so wenig gewachsen sein wie die ehrgeizigen „old ladies“ der Schweizer Diplomatie, Dreyfuss und Calmy-Rey.
Es sieht deshalb aus, als würde uns der IS einige Jahre erhalten bleiben. Daran kann niemand seine Freude haben, aber unschuldig sind wir nicht daran, dass er derart erfolgreich ist.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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