Warum werden überall Retter gesucht?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn ich auf unserer Terrasse sitze, vergehen keine zwanzig Minuten bis ich die Sirenen von Rettungswagen höre, welche die Forchstrasse hinauf und hinab rasen. Es sind Retter für ältere Menschen, die einen Zusammenbruch erlitten haben und kurz vor dem Exitus stehen.
Die Sirenen der Schweizer Innenpolitik wurden im Spätsommer angeheizt von zwei Berner Unternehmern, Hansjörg Wyss und Jobst Wagner, beides Multi-Milliardäre, welche die Schweiz vor Dr. Christoph Blocher retten wollten. Angefeuert von einer cleveren Berner PR-Agentur, die den „Vorteil Schweiz“ in mehr Offenheit gegenüber der EU sah, spendeten sie Millionen. Weil dies wenig brachte, vor allem angesichts des klaren Wahlsiegs der SVP, zogen sich beide nun zurück „ins zweite Glied“, weniger Zeit für derlei vorgebend, etwas Geld für den Übergang hinterlassend.
Derlei politische Laienkunst verblasst angesichts des Einsatzes, den die „Manne und Fraue“ rund um Christoph Blocher seit über 30 Jahren geleistet haben. Ich stehe Blochers Politik nicht nahe, aber seine Leistung als Politiker kann nicht bestritten werden. „Retter“ haben bei ihm kaum eine Chance.
Nicht weniger absurd sind die Aufsätze des Siemens-Erben Carl von Siemens, der Name wie Titel seinem Ururgrossvater Werner von Siemens verdankt. Als Schriftsteller und Journalist (von dem sonst kaum etwas zu vernehmen ist), beklagt er nun den Bau eines Siemens-Staudamms inmitten des Amazonas. Der sich edel gebende Ururenkel, immer noch vom Werk seines Ururgrossvaters lebend, tritt diesem krachend in den Hintern.
Die Dekadenz der Erben wird nur übertroffen von der Dekadenz der Politiker. Als Bundesrätin Doris Leuthard unlängst zu aller Erstaunen einen Anstieg der Energiepreise forderte, applaudierte ihr kein geringerer als Jean-Michael Cina, Staatsrat im Wallis, als Präsident der Organisation der Kantonspräsidenten. Beide sind alte CVP, damit ist die Sachlage geklärt.
Cina steht einem zusammenbrechenden Markt für Ferienwohnungen gegenüber. In Crans-Montana und Verbier haben die Walliser Immobilienfürsten übertrieben. Sie spekulierten auf steigende Preise und haben nun die Malaise. Im Val d’Isère, in Méribel und Chamonix geht weiterhin die Post ab, nicht aber im Wallis, wo man nicht auf „action“ setzte, sondern das Wallis „ins Herz gemeisselt“ sehen will. Kein Trost, dass auch die Bündner Geissböcke ihren Reiz verloren haben und St. Moritz mit über sieben Prozent sinkenden Immobilienpreisen Rekordhalter ist. Hanspeter Danuser wurde von den eigenen Hoteliers entthront und durch eine Skiläuferin ersetzt. Selber schuld.
Wir werden künftig noch mehr Retter brauchen, denn die bescheidene Denkweise der Standardweisen bringt keine Rettung. Die Schweiz ist reich, aber auf dem Abstiegsweg. Alter Reichtums täuscht noch ein wenig darüber hinweg.
*Klaus J.Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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