Immer und überall verfügbar?

Prof. Dr. Stephan Wirz

Prof. Dr. Stephan Wirz

Die Arbeitsmarktzahlen verschlechtern sich. Die Roboter sind auf dem Vormarsch. Die gerade den Dienstleistungssektor erfassende Automatisierungswelle wird jeden zweiten Arbeitsplatz vernichten. Das sind einige der Schlagzeilen, die uns die letzten Tage erreichen. Seit geraumer Zeit gewöhnen wir uns bereits daran, dass nicht nur Produktionsstätten, sondern auch interne Dienstleistungen international tätiger Unternehmen ausgelagert werden. Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie plötzlich das „Angebot“ erhalten, Ihren Beruf nicht mehr in Oerlikon, Zug oder Baden, sondern in Krakau, Wroclaw oder Delhi auszuüben. Sie sind doch flexibel?

Keine Frage, unser Berufsleben ändert sich – und die Ansprüche, die an unsere Flexibilität und Mobilität gestellt werden. Durch die modernen Kommunikationstechnologien sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch ausserhalb der Arbeitszeiten, am Wochenende oder in den Ferien erreichbar. Auch hier gilt: Was technisch möglich ist, wird auch umgesetzt. Zunächst wird es zur ein- oder zweimaligen Ausnahme („es tut uns leid, Sie in den Ferien stören zu müssen“), schliesslich zur Norm und allgemeinen Erwartung. Der tägliche Check der beruflichen E-Mails in den Ferien ist vielerorts bereits Routine.

Für Schlagzeilen sorgte im vergangenen Herbst das Ansinnen amerikanischer Firmen wie Apple und Facebook, dass Mitarbeiterinnen gegen Geld ihre Eizellen einfrieren lassen und den Kinderwunsch aufschieben sollen. Dadurch könne das Unternehmen einen Know-how-Verlust vermeiden und die Frauen ihre Karriereplanung ungestört fortsetzen. Ob der richtige Zeitpunkt fürs Kinderkriegen erst mit der Pensionierung einsetzt, das haben uns die Firmen nicht verraten. Ob diese Unternehmen, die sicher für sich den Anspruch der Nachhaltigkeit einfordern, auch an ihre Kunden der nächsten Generation denken? Die gibt es dann vielleicht aber gar nicht mehr …

Überfordert die mobil-flexible Arbeit den Menschen? Oder aber ermöglichen die modernen Technologien ganz neue Arbeits- und Lebensmodelle? Home Office kann dazu beitragen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestärkt wird. Wachsen uns nicht die Pendlerströme ressourcenmässig über den Kopf? Verbringen wir nicht allzu viel Zeit in S-Bahnen, Intercity-Zügen oder im Auto? Hier könnten moderne Technologien ebenfalls Abhilfe verschaffen. „Work smart!“ lautet deshalb das Motto der Stunde.

Die Paulus-Akademie in Zürich greift diese Thematik an der Abendveranstaltung vom 30. November 2015 auf, mit interessanten Referenten wie Prof. Daniel Hell von der Privatklinik Hohenegg und Dr. Johann Weichbrodt von der Fachhochschule Nordwestschweiz.

 

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Über Stephan Wirz

Fragen der Wirtschafts-, Unternehmens- und Konsumethik sind das Spezialgebiet von Stephan Wirz. Es gibt zwar eine ganze Reihe von philosophischen und theologischen Ethikern, aber nur wenige von ihnen kennen die Unternehmenswelt von innen. Stephan Wirz ist einer davon. Er arbeitete nach seinen Studien der Theologie, Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Völkerrecht fast 10 Jahre in der Privatwirtschaft, bei einem Finanzdienstleistungs- und einem Industrieunternehmen. Seit 2007 leitet er den Bereich Wirtschaft und Arbeit der Paulus-Akademie in Zürich und lehrt als Titularprofessor für Ethik an der Universität Luzern. Die Paulus-Akademie bietet Tagungen, Abendveranstaltungen und Seminare zu gesellschaftspolitischen, ethischen und religiösen Themenbereichen an. Namhafte Referenten aus Wissenschaft und Praxis bieten den Teilnehmenden verschiedene Sichtweisen und Informationen zu Fragen unserer Zeit.

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