Unsere besten Tage kommen erst noch

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

In diesen Tagen der Unsicherheit und oft auch des Jammers, den wir von jenseits unserer Landesgrenzen vernehmen, kann der Glaube an die Zukunft der Schweiz leicht verloren gehen. Eric Gujer, der bedeutende Chefredaktor der „Neue Zürcher Zeitung“, hat uns soeben aufgerufen, mehr Mut zu zeigen. Constantin Seibt, einst Vordenker der Schweizer Kulturlinken, heute beim „Tagesanzeiger“, haut schreibend in die gleiche Kerbe.
Sind wir wirklich alle mutlos geworden? Ich denke nicht. Wer sich den neuen Entwicklungen anpasst, die den Trends der Globalisierung folgen, wird zu den Gewinnern gehören. Wer meint, er könne auf alle Zeit und ewig vom Erbe seiner Vorfahren leben, ist mit Sicherheit ein Verlierer.
Unsere besten Tage kommen erst noch. Das gilt in erster Linie für Menschen, die einen Blick für Vorgänge haben, die sich im Ausland abspielen: Die Krise der EU ist eine Chance für die Schweiz, die Krise der Deutschen Bank ist eine Chance für unsere Grossbanken. Die Krise von Volkswagen ist eine Chance für unsere Automobilzulieferer. Die Krise der „Neue Zürcher Zeitung“ ist eine Chance für die ausländische Konkurrenz. Das ist die andere Seite des Wettbewerbs.
Dreissig Prozent der Schweizer Bevölkerung zahlen keine oder nur wenig Steuern. Jeder fünfte Bezüger von Gesundheitsdienstleistungen zahlt seine Krankenkasse nicht. Das gilt auch für Steuerzahler, die auch die dritte Mahnung nicht beachten. Sie bleiben stimmberechtigt; warum eigentlich?
Wer pleite ist, hat kein Lebensrecht mehr, sagen die Profis. Bern an der Spitze, sind unsere Bergkantone alle pleite. Warum sollen teure Politiker mit teuren Pensionen dort so tun, als seien sie verantwortungsbewusste Staatslenker? Das Oberwallis kann vom Kanton Bern übernommen werden, was den Bernern sicher gut tun wird. Die Mittel- und Unterwalliser werden dem Waadtland zugeschlagen, wo sie heute schon zuhause sind.
Auch für einen St. Galler oder Solothurner Hochmut gibt es keinen Grund mehr. Beide Kantone sind ausgeblutet und sollten, damit der Aufwand sinkt, einem Kanton Ostschweiz oder Nordschweiz zugeschlagen werden.
Unsere besten Tage kommen erst noch, aber nur unter der Voraussetzung, dass wir unser Schweizer Innenleben vereinfachen. Mit barocken mittelalterlichen Strukturen kommen wir kaum weiter, zumal die Steuervergünstigungen laufend abgebaut werden, womit die Innerschweizer Steuerschlupflöcher, sei es Teufen oder Schwyz, ein Ende finden.
In Zukunft wird die Schweiz mehr aussehen wie die Metropolitanregionen Zürich und Lausanne. Dort wird sich ein buntes Volk aus aller Welt bewegen, das unserer Jugend Tempo, Kraft und Eleganz vermittelt. Dann werden die Tessiner, die Bündner, die Berner und die Walliser auch wieder Lachen lernen, freundlich sein und Freude vermitteln, wie es ein Schweizer der neuen Art, Adolf Ogi, längst zu vermitteln suchte.
Wen brauchen wir dann nicht mehr? Auch dieser Frage wollen wir uns stellen. Die sauertöpfischen Verteidiger alten Wohlstands, die nichts mehr wagen, weil sie zu viel haben, sollen ihre Renten und Vermögen langsam verzehren. Aus dem Volk kommen junge Unternehmer, Schweizer, Halb-Schweizer, Viertel- und Achtelschweizer, dazu Juden, Moslems und Hindus. Unsere Medien, ohnehin halb im Verwesungszustand, leisten dieser intellektuellen und materiellen Vielfalt noch Widerstand. Sie werden lernen oder verschwinden.
Acht Millionen Schweizer sind nicht das Ende der Fahnenstange. Jetzt kommt die Neun-Millionen-Schweiz. Da wir Älteren langsam verschwinden, aber zwanzig Jahre sind eine kurze Zeit, werden Junge an unsere Stelle treten. Wahrlich, heitere Zeiten stehen an.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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