Vom Wandel zur Apotheose?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Weil sich in unserem Land vor den Herbstwahlen ohnehin alles überschlägt und viele nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, tut es gut, sich den untergründigen Strömungen hinzuwenden, die mehr bestimmen, als es die öffentlichen Medien wahrnehmen wollen.

Womit niemand gerechnet hat: Das „Magazin“ des „Tagesanzeiger“, geführt vom sensiblen Bündner Finn Canonica, hat in der Ausgabe 35/2015 einen längeren Artikel des Berner Schriftstellers E.Y. Meyer publiziert, worin er ein Gemälde Albert Ankers und ein Foto von Friedrich Dürrenmatt analysiert. E.Y. Meyer ist der volle Kontrast zu den vier Kandidatinnen für den Schweizer Buchpreis 2015, der in Kürze wieder vergeben wird; am ehesten nähert sich die Langsam-Schreiberin Ruth Schweikert sprachlich dem 2011 für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagenen Schweizer Grossschriftsteller.

Noch erstaunlicher: Meyers „Magazin“-Artikel löst eine Fülle positiver Reaktionen im ganzen Land aus. Es melden sich aus allen Landesteilen sonst schweigsame Menschen zu Wort, die sich in ihm besser erkennen als in der Neu-Literatur des 21. Jahrhunderts.

Was bietet E.Y. Meyer? Seine beiden letzten Bücher sind bei Stämpfli in Bern erschienen. Sie heissen „Wandlung“ und „Apotheose“ und müssen, um verständlich zu werden, hintereinander gelesen werden. Meyer zeigt, wie die Schweiz sich wandelt und die Menschen den Aufstieg zur Apotheose suchen. Damit ist der Autor hoch aktuell.

Die Schweiz erlebt einen von vielen als dramatisch empfundenen Wandel, aber gelingt auch die Apotheose, die uneinholbare Vergöttlichung von Menschen, die alles erreicht haben?

Soeben wurde im Nationalrat die Initiative für ein Grundeinkommen für jeden Schweizer abgeschmettert. Für die Antrag stellenden Basler wäre es die perfekte Apotheose, wenn jeder Schweizer, ohne zu arbeiten, gut 2000 Franken netto im Monat vom Staat und Steuerzahler beziehen könnte. Reizvoll ist es, dass hinter der Initiative eine Basler Milliardärin steht, Beatrice Oeri, deren Urgrossvater den Weltkonzern Hoffmann-LaRoche gegründet hat. Sie unterstützt auch die in Dornach bei Basel ansässigen Anthroposophen der Rudolf Steiner-Bewegung, die eine Apotheose eigener Art betreiben.

Der Traum der Schweiz, dem Himmel nahe zu sein, wird von Eindringlingen jäh gestört. Nahe beim Volk sind es die Zuwanderer aus dem Nahen Osten und Afrika, welche die Schweizer Apotheose miterleben möchten. „Sie klopfen nicht an, sondern schlagen die Tür ein“, sagt Victor Orban, der sich belagert fühlende Präsident Ungarns. Weiter oben ist es US-Justizministerin Loretta Lynch, die ein Jahr vor ihrer sicheren Abwahl den in Zürich ansässigen Weltfussballverband FIFA in die Knie zwingen will, wo als Präsident der Walliser Joseph („Sepp“) Blatter die Festung verteidigt. Lynch, ob der knochentrockenen Schweizer Verteidigung leicht unzufrieden, hat sich nun auf den deutschen Volkswagen-Konzern gestürzt.

Vom Wandel zur Apotheose – ob unserem Land das Kunststück gelingt? Wer sich nicht festlegen will, kann mindestens bestätigen: „Wir sind unterwegs.“

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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