Der Aufbruch findet nicht statt.

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es sind sublime Entscheidungsfaktoren, die Karrieren begünstigen oder hemmen können. Im jetzt seinen Höhepunkt erreichenden Wahlkampf vor dem Entscheidungstag vom 18. Oktober sind die Wählerinnen und Wähler auf viele sachlich-neutrale Informationen angewiesen. Wer glaubt, diese würden angeboten, der irrt.

1. Die Prominenz der Parteien darf in der „Arena“ des Schweizer Fernsehens auftreten und in anderen öffentlichkeitswirksamen Sendungen. Wer als Politiker dort angelangt ist, dem ist die Wahl fast sicher. Die gleiche Rolle spielt der „SonnTalk“ im Peter Wanner’schen Medienverbund, wo Markus Gilli die politischen Karrieren bestimmt. Wer ausgeschlossen wird, weil er zu wenig medienwirksam ist, braucht die starke Hilfe seiner Partei oder befreundeter Organisationen.

2. Wie die „Schweizer Illustrierte“ sich die Namen tüchtiger Jungpolitiker von den Parteien nennen lässt, ohne sich selbst ein Urteil zu bilden, beschränken sich die meisten Regionalredaktionen darauf, nur die bereits im Amt befindlichen Spitzenkandidaten ausführlich vorzustellen. Mit Sicherheit befinden sich unter den hundert weiteren Kandidaten in einem Kanton ebenso begabte Nachwuchstalente. Sie haben nur selten eine Chance, von den Medien „entdeckt“ zu werden. Auch damit werden die Platzhalter begünstigt. Die Redaktionen erklären dieses Verhalten mit eigener Überforderung, da sie weder Zeit noch Personal haben, derlei zu leisten.

Kein Wunder, dass der immer wieder verlangte oder erhoffte Aufbruch damit nicht stattfinden kann. Weil politische Erfolge viel mit Macht zu tun haben, sind politische Neueinsteiger immer ein Risiko, das zu mindern oder mindestens berechenbar zu machen die Aufgabe der Parteizentralen ist.

Die politisch erfahrenen Kandidaten wissen dies und benutzen jeden Wahlkampf dazu, den nächsten vorzubereiten. Wer den Fuss einmal auf die rotierende Karriereleiter gesetzt hat, wird sie, je nach Talent, rascher oder langsamer hinauf klettern. Das Ziel, in seinem Kanton oder auf nationaler Ebene in Bern, etwas durchsetzen zu dürfen, ist zu verlockend.

Weil diese Selektion mühsam ist, dazu viel Zeit und Geld verschlingt, ist ein echter Aufbruch in Bern eher unwahrscheinlich. Die Fraktionsdisziplin ist strenger geworden; wer sich dieser entzieht, gilt bald einmal als bunter Vogel.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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