Mein Entsetzen hält sich in Grenzen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn viele Zeitungen jetzt schreiben „Die Welt blickt mit Entsetzen…..“, dann sehe ich stets meine Nachbarn an und horche in mich selber hinein: Niemand ist entsetzt. Viele sind traurig, ganz wie ich auch, wenn Kinder im Mittelmeer ertrinken, Väter sich auf Eisen-bahnschienen werfen, um nicht samt Familie in ein ungarisches Lager eingeliefert zu werden oder schreiende Mädchen von ihren Familien getrennt und wieder ins Ausland abgeschoben werden. Das sind keine guten Zeiten.

Anderseits finde ich, die Ertrinkenden im Mittelmeer sind oft Opfer ihrer eigenen Familien, die nach Europa eindringen wollen, um dort Geld zu verdienen, das sie dann wieder in eigene Häuser in einem afrikanischen Land investieren. Wer zuhause bleibt, hat diese Chance nur selten.

Wenn die Syrer oder Afghanen aus ihren Ländern nach Europa fliehen, sind sie späte Opfer europäischer Anmassung und Unfähigkeit. Das jetzt zusammen brechende Syrien wurde von Frankreich und England gemeinsam geschaffen. Die Afghanen hatten nie eine Chance: Erst wurden sie von den Engländern überfallen, dann von den Russen, zwischendurch von den Taliban, die von den US-Amerikanern gegen die Russen aufgerüstet wurden, schliesslich fielen sie ganz den NATO-Truppen zum Opfer. Generationen voller Schmerz und Unglück waren das Ergebnis westlicher Aggressionen.

In meiner Jugend hatten wir in Deutschland einen Satz: „Es wird nicht ausgewandert.“ Wir ärgerten uns schrecklich über die konservativen Parteien, aber nur wenige flüchteten nach Australien oder Kanada. Es wurde der Versuch gemacht, das eigene Land zum Besseren zu verändern.

Den Afrikanern wie den Asiaten wird es nicht erspart bleiben, selber ihre Staaten zum Besseren hin zu verändern. Vom den reichen Staaten des Westens sollten sie nicht zu viel Unterstützung erhoffen. Unsere Eliten, wie wir selber es auch tun, sorgen zuerst einmal für die eigene Tasche. Was wir während nunmehr drei Generationen an Entwicklungshilfe geliefert haben, war zumeist Wirtschaftsförderung und Kampf um politischen Einfluss. Das ist auch heute noch so.

Nein, entsetzt sind wir nicht wirklich. Wir haben die Schrecken der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki erlebt, die Konzentrationslager der Deutschen, die Morde der französischen Armee in Nordafrika und Indochina, den Vietnamkrieg, die blutigen Aufstände in Indonesien, die Völkermorde in Afrika. Vulkane haben Zehntausende vernichtet, tropische Stürme und Erdbeben Hunderttausende. Wieso sollten wir entsetzt sein?

Der Mensch, überschätzen wir ihn nicht, sichert zuerst einmal sein eigenes Leben und das seiner Familie. Auch die Zuwanderung der Flüchtlinge wird nach dieser Regel beurteilt. Wenn UBS-Präsident Axel Weber uns sagt, wir würden künftig länger arbeiten müssen, denn eine Rente allein werde nicht mehr genügen, um das Leben zu finanzieren, dann werden sich viele fragen, warum die Sozialkosten dennoch steigen.

Nein, wir sind nicht entsetzt, aber wir sehen mit Entsetzen, wie sich unsere einst ordentlich-saubere Umwelt zunehmend chaotisch verändert. Viele unserer Kinder müssen künftig in Hochhäusern leben, wo sie verdichtet gestapelt werden ganz wie in New York City, HongKong oder Frankfurt schon heute. Unser altes Europa, unsere bürgerliche Welt zerfallen; kein Politiker hat den Mut, uns dies zu sagen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

4 Gedanken zu „Mein Entsetzen hält sich in Grenzen

  1. Frey Rita

    Richtig, die Kinder werden nicht gefrag ob sie flüchten wollen oder nicht. Sie werden einfach eingepackt und mitgenommen, ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn Angela Merkel signalisiert “ es können alle kommen, wir schaffen das“ ist es kein Wunder wenn Europa überschwemmt wird mit Flüchtlingen die, früher oder später, bitter enttäuscht werden weil sich ihre Illusionen nicht erfüllen. Auch uns fliegen die gebratenen Tauben nicht in den Mund. Wir müssen lange und, zum Teil, sehr hart arbeiten für unsern Wohlstand. Nur die wenigsten Schweizer verdienen so viel dass sie sich ruhig zurücklehnen können im Alter. Wir müssen unsere Renten sehr gut einteilen um über die Runden zu kommen. Jammern müssen wir bestimmt nicht aber sorgfältig mit der Umwelt, den Mitmenschen und den Finanzen umgehen. Auch bei uns gilt „Blut ist dicker als Wasser“. Zuerst soll es meinen Kindern und Enkel gut gehen dann kommt der Rest.
    Rita H. Frey

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    1. Henggeler

      Bin vollkommen einverstanden auch was H. St. sagt, was sollen all die Flüchtlinge hier? Für was braucht Frau Merkel 260000 neue Arbeitskräfte? Hat sie nicht genug Hatz4 die man beschäftigen könnte? Wieviele der Tschechen, Slowacken und Ungarnflüchtlinge wurden hier glücklich? Wie alle und jeder sollte erst im eigenen Haus Ordnung gemacht werden und die Aussenstehenden sollten ihre Macht-und Einflussgelüste in Grenzen halten. Was haben Amerikaner, Russen, Europäuer in andern Ländern denn eigentlich verloren?? All diese Machtgelüste sind doch das Problem und das beginnt bei jedem selber. Jeder möchte noch mehr haben, und noch mehr, und noch mehr…! Sind die die das eigene Flugzeug angeschafft haben um mal schnell im andern Kontinent zum Nachtessen zu fliegen glücklich und ist es jetzt genug? Wohl kaum. Das nächstgrössere ist schön im Kopf. Nun muss man seinen Angestellten die Saläre nochmal drücken und nochmal einige entlassen damit man einige Flüchtlinge zum kleinstmöglichen Gehalt einstellen kann. Der Staat richtets dann schon.

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  2. Remigi

    Langsam kann ich es nicht mehr Hören, wie alte konservative Herren, die ihre Millionen meist auf Kosten anderer erworben haben ihre Angst um ihren Wohlstand in den Vorwurf verpacken, die Flüchtlinge seien selber schuld verpacken.
    Dabei währe es so einfach zu einer gerechteren Welt zu kommen: Hören wir doch einfach mit der Ausbeutung der dritten Welt auf!
    Übrigens, wie viele der nun im nahen Osten eingesetzten Waffen haben wir Schweizer geliefert?

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  3. Ilse Oehler

    Empfehlenswert, sich in den Link unten hineinzuhören:
    @Heggeler @Remigi und interessierte Leserschaft
    „Der US-Waffenexport ist unter Obama massiv gestiegen Die Waffenverkäufe der USA haben unter der Präsidentschaft von Barack Obama stark zugenommen: Die USA exportierten mehr als doppelt soviel Rüstungsgüter wie zu Zeiten von Obamas Vorgänger George W. Bush. Das zeigt die jährliche Statistik des Pentagons.“
    Priscilla Imboden (USA Korrespondentin at Radio SRF), SRF1.ch;
    12:30h , Freitag, 18. September 2015 ==> https://lnkd.in/bt78Q28

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