Archiv für den Monat: August 2015

Warum handelt der Bundesrat nicht?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Nie werde ich vergessen, wie ich von der FDP Schweiz und dem damaligen FDP-Nationalrat Niklaus Schneider-Ammann in die Arbeitsgruppe KMU eingeladen wurde. Die Sitzungen fanden, wie üblich, im Zürcher Hauptbahnhof statt, damit die Teilnehmer aus der ganzen Schweiz einen leicht erreichbaren Treffpunkt hatten. Wir waren hoch kreativ, lasen Papiere, gaben Stellungnahmen ab, begleitet von Spitzenbeamten aus Bern. Was ist daraus geworden? Niklaus Schneider-Ammann wurde Bundesrat; den KMU geht es nicht besser, eher schlechter.

Unsere FDP-, SVP- und CVP-Politiker überschlagen sich seit Jahren mit Vorschlägen zum Abbau der Bürokratie, damit Unternehmer wieder besser atmen und arbeiten können. Kaum sind sie Regierungs-, Staats- oder Bundesräte geworden, haben sie alles vergessen. Warum handelt der Bundesrat nicht. Warum handeln die kantonalen Regierungen nicht?

Es gibt nur eine Antwort: Die Spitzenvertreter der Verwaltung, die Staatssekretäre und Chefbeamten, wollen dies nicht. Ganz im Gegenteil, sie machen Karriere und verdienen grossartig, wenn ihr Apparat immer grösser wird. Er verlangt mehr Arbeitssicherheit, mehr Lehrlingsausbildung, mehr Produktedeklarationen, mehr Produktesicherheit, mehr statistische Erhebungen (damit die Beamten etwas zu tun haben) und mehr Auskünfte, die ein Konzern widerwillig, aber leicht leistet, für einen 10 Personen-Betrieb aber untragbar, weil eine Belastung sind.

Das normierte Denken in der Verwaltung siegt über das kreative Denken in den Firmen. Seit die Schweizerische Nationalbank der Schweizer Wirtschaft einen Tiefschlag versetzt hat, indem sie den Franken teurer machte, appellieren Bundes-, National- und Ständeräte an die Kreativität der Schweizer Firmen. Gleichzeitig tun sie alles, um den Berner wie den kantonalen Politik- und Verwaltungsbetrieb zu fördern, der die Kosten steigert und die Kraft zu Neuem verringert.
„Die Überregulierung durch staatliche Amtsstellen wird immer grösser“, sagt mein Freund Ruedi Lustenberger, der Zentralpräsident des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten. Er beklagt, dass der Staatsdienst den Staatsangestellten mehr dient, als den freien Bürgern. Sollen wir davon überrascht sein? Seit Cicero wissen wir: Eine schwache Regierung braucht immer eine starke Verwaltung. Was heisst das für unser Land?

Es bedeutet, dass jeder vernünftige National- und Ständerat in aller Heimlichkeit den Marschallstab in seiner Tasche mit sich führt, der ihn zum Bundesrat führen soll. Ist er einmal Bundesrat, wie Johann Schneider-Ammann es geschafft hat, wird er zur Fingerpuppe der Verwaltung, die nur darauf wartet, ihn zu integrieren. Jeder kluge Bundesrat wird mehr auf die Verwaltung hören als auf seine Parteiwähler, denn Bundesräte sind nicht abwählbar.
Die KMU und das Gewerbe haben auch kaum eine Chance gegen die grossen Banken, Konzerne und Dienstleistungsfirmen, welche die erfolgreiche Exportschweiz repräsentieren. Diese haben genug personelle und intellektuelle Ressourcen, um Firmen der B-Schweiz an den Rand zu spielen. Ohne den Schweizerischen Gewerbeverband mit seinem Direktor Hans-Ulrich Bigler, der einen hinhaltenden Widerstand leistet, wäre die Lage noch weitaus schlimmer.

Kurzum, die Parteien und Parlamentarier, im Konflikt zwischen Konzern- und Gewerbeinteressen, haben sich längst auf die Seite der Grossfirmen geschlagen. Die kommenden Steuersenkungen werden den Grossfirmen mehr nützen als den kleinen. Während die FDP-Parlamentarier mehr den Konzernen dienen werden, sind die SVP-Politiker dem Gewerbe und den KMU näher. Die CVP-Politiker machen es allen schwer; die sogenannten kleinen Mitteparteien wie BDP und GLP haben keinen grossen Spielraum mehr.
Dem stehen die Sozialdemokraten gegenüber, die eine Partei von Mitgliedern aus der Verwaltung, den Gesundheitsbehörden und der Schulen wie Hochschulen sind. Diese verlangen, ganz natürlich, mehr Staat. Das Gewerbe hat kein Interesse daran, deren Forderungen zu unterstützen.

Was heisst das für den 18. Oktober? Den Versprechungen der Bundesräte ist kein Wort zu glauben. Was die Parteien uns wissen lassen, ist nicht mehr als eine Täuschung. Die Kandidaten werden uns im besten Fall gut unterhalten. Was auf den Stimmbürger zukommt, sind höhere Kosten. Die Fäuste im Sack werden dicker werden.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Prüdes Amerika zeigt Drang.

Ilse Oehler

Ilse Oehler

Dort ist soeben die erste Lustpille für Frauen zugelassen, in blasser Farbe Pink. Das sind tollmachende NEWS von Machern erneuerbarer und ertragreicher Lust.

Pink hier, Pink dort. Ein grosser Schluck tief schwarzen Morgenkaffees sei gestattet, dabei turnt die Neugierde an. Auf dem Zmorgeteller liegt eine blassrosa pinkfarbene Pille aus einer amerikanischen Wunderdose Women50+. In allen Regenbogenfarben wird multimässig das tägliche Schlucken angepriesen: Heart-, Brain-, Eye- und Bone-Healths. Bombastisch? Ein gut gemeinter, geschenkter Antreiber. Zudem spiegeln sich die Farben in meinem Kaffeesatz. Der eine Vitaminstoss ist geschluckt.

Abgelenkt hat zeitgleich eine Schlagzeile. Es gäre hinter den parlamentarischen Kulissen der AHV-Revision. Das ist nicht lustig. Trost: Lustvolleres gibt es bald auch für die AHV-Bezüger +++.
Diese Lustpille auf der weiblichen Schiene unserer heutigen Kids aufzugleisen ein schlauer Schachzug. Rosa/Pink lieben sie und verlangen selbstbewusst darnach, vom Unterhöschen, über Pyjama, Haarreifen bis zum Velo. Die Farbe Rosa ist weiblich, zart und empfindsam, charmant und romantisch, lieblich und zärtlich. Pink dagegen hie und da auch naiv, jung und weich, wie es heisst.

Überfliegt man den Kommentar im Untertitel des Zeitungsbeitrages „Die Pille… sorgt für Frust statt Lust.“ Ob uns die Probandinnen „ES“ uns rasch wissen lassen, still und leise, spontan aus erster Hand?

Der Tagesgruss auf dem Kalender heisst „Kein Einatmen ohne Ausatmen – keine Spannung ohne Entspannung. Tu heute etwas, was dir und deiner Seele guttut, und du sammelst wichtige Kräfte für all deine Vorhaben.“

Also, nichts wie los. „Alles, was gut tut Udo Jürgens … „Okay ich werd‘ älter – doch klug werd‘ ich nie. Ich brauch‘ keine Regeln – Ich hab‘ Phantasie!“

Video: „Alles was gut tut“ von Udo Jürgens

Italien setzt die Schweiz unter Wasser

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Viele von uns Älteren haben eine Wohnung oder ein Haus im Tessin. Jetzt müssen wir damit rechnen, dass die Italiener unsere Spaziergänge entlang des Lago Maggiore weniger attraktiv machen, denn sie verlangen einen stark erhöhten Pegelstand. Dies wird zur Folge haben, dass die Strände im Tessin noch kleiner werden, als sie es heute schon sind. Kommen die gefürchteten Herbst-, Winter- und Frühlingsstürme, die das Seewasser auf die Piazza treiben, ist mit noch mehr Hochwasser zu rechnen.

Niemand kann die Italiener daran hindern, diesen Plan zu verwirklichen. Sie kontrollieren das Stauwehr am südlichen Ende des Sees in Sesto Calende. Dahinter liegen tausende von Bauernbetrieben und Reisfarmern, die aufgrund der Seewasser-Reserve mehr Anbausicherheit wollen. Die mehr berühmten als schönen Kanäle von Milano, die vor wenigen Wochen wegen Wassermangels unpassierbar waren, werden auch mit Schweizer Wasser versorgt.

Ein Vergleich: Während Israel das Wasser des Jordan kontrolliert und es seinen Nachbarn, vor allem den Palästinensern, einfach zuteilt, haben bei uns die Italiener die Kontrolle über das Seewasser. Theoretisch können sie grosse Teile des Tessins unter Wasser setzen, werden dies aber schon deshalb nicht tun, weil sie selber gerne in Lugano und Locarno spazieren gehen und einkaufen.

Dieser Vorgang zeigt wieder einmal die Schwäche unserer Aussenpolitik: Im Süden bedrohen uns die Italiener, im Norden die Deutschen, im Westen die Franzosen, letztere aber weniger als die anderen. Nur die Österreicher im Osten unseres Landes sind friedlich, ganz wie die Liechtensteiner auch, die wir an dieser Stelle nicht vergessen wollen.

Haben Sie in den letzten Jahren, seit FDP-Bundesrat Didier Burkhalter das Aussendepartement führt, aussenpolitische Erfolge in Erinnerung? Nein, wir sind ständig in der Defensive und verkünden dies als grosse Erfolge.

Der Tessin spielt in der Schweizer Politik ohnehin kaum noch eine Rolle. Einzig Massimo Lombardi, Ständerat, Eishockey-Präsident und Freund Russlands, darf als gewichtige Persönlichkeit gelten. Mit seinen Vorstössen trägt er dazu bei, die Darbellay’sche CVP ganz zu zertrümmern, will er doch einen zweiten SVP-Bundesrat unterstützen. Mancher muss hier tief durchatmen.

Der Tessin ist ein wunderbarer Lebensraum, der uns manche Reise nach Afrika oder in den Nahen Osten ersetzt. Wenn wir älteren Menschen uns dort wohl fühlen, weil einfach alles stimmt, muss dies nicht heissen, dass dies nicht für unsere Enkel gilt. Hier ist die Einschränkung zu akzeptieren, dass das Locarnese sprachlich offener und das Schwiizerdütsch weit verbreitet ist, während die Luganeser Jugend, soweit es sich noch um Schweizer handelt, das Italienische vorzieht.

Derlei Mühen sind es, welche unsere Schweiz spannend und attraktiv machen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Ein paar Wassertropfen gegen den Griesgram

Ilse Oehler

Ilse Oehler

Nach zermürbenden Tagen in stickig heissen Räumen, in denen gegen den Nachmittag hin das Denken immer langsamer wurde, genehmigte ich mir einen kühleren Ort. Ich wollte entspannen, suchte Abkühlung und ein laues Lüftchen. Das hab ich auch gefunden. Allerdings, das mit dem Denken, das kam wohl nicht so recht auf Touren.

Als um mich herum Kinder johlten und mich mit ihren Wasserpistolen vollspritzten, ärgerte ich mich einige Sekunden lang über dieses Verhalten. Etwas Recht auf Ruhe? Verschiedene Gedanken über Anstand und anderes mehr gehen blitzartig durch den Kopf. Doch dann wurde mir bewusst, dass ich gerade dabei war, meinen Stress, meine grossen und kleinen Sorgen, den Druck zumindest geistig auf die Kleinen abzuladen. Wer den Kanal voll hat, der verträgt nicht mehr viel, und die eigentlich wenigen Tropfen Wasser brachten wohl mein geistiges Fass zum Überlaufen. Also besann ich mich: Gerade für Kinder ist Freiraum das Richtige, um ihrem Tatendrang zu folgen. Auch sie dürften in der Schule einiges an Druck erfahren haben, und es ist wohl nicht mehr als recht, sich zu vergnügen. Denn da war ja gar nichts passiert.

Meinen Gedanken nachhängend: Unbeschwertes Kinderlachen ist ein Geschenk. Man kommt in seinen Genuss, wenn man mit Kindern arbeitet, wenn man mit ihnen ihre Freizeit verbringt und – sie vor allem Kind sein lässt. Die eigene Stimmung wirkt, nicht unsere Moralansprüche ohne Abstriche, die wir durchsetzen wollen, wir oftmals Vergrämten, Mainstream Nachäffenden, gehetzten Bürger, Politiker? Zeit ist, uns mehr mit Glücksgefühlen zu beschäftigen, …. bevor wir im Wartezimmer sitzen, um uns gegebenenfalls Runzeln, Frustspeck durch Schönheitschirurgen wegmanipulieren zu lassen.

Finden wir vermehrt zurück in den Ursprung eigener Leichtigkeit und lassen uns auf angestaute Schwächen ein. Unbequem? Möglich, dass eine gesunde Balance uns dann langsam wieder im Griff hat, um den alltäglichen Ernst der Lage in hysterischer Zeitgeschichte besser zu ertragen. Oberflächliches Kritisieren ist nur eine billige Variante, zu vieles nur Geschwätz; aufbauende Kritik dagegen anspruchsvoll. Wir bestimmen den Befreiungsschlag gegen aufgepfropfte, weltweit miesmachende Stimmung, und wir besorgen uns das eigene positive Handlungsmuster. Da nicht ansteckend, braucht es nicht einmal einen Mundschutz.

Dabei vermittelt mehr Harmonie in jedem Alltag, weltweit, gegenseitig ein gutes Gefühl. Wer mag, höre in dieses Lied hinein: Es basiert auf der unvergesslichen Melodie von Beethovens «Ode an die Freude».

Oder anders gesagt: Auf zum erfrischenden Ich unter dem Motto: «Denke, bevor Du denkst.»
Ilse Oehler

Wir leben auf Kosten unserer Kinder

Prof. Dr. Stephan Wirz

Prof. Dr. Stephan Wirz

Der Beginn des Schuljahres lädt uns ein, darüber nachzudenken, was uns unsere Kinder wert sind. Finden Sie das eine seltsame Aufforderung? Sagen uns politische Parteien nicht dauernd, die Kinder seien das höchste Gut einer Gesellschaft? Und doch: Bei unserer Altersversorgung ist es offensichtlich, dass die gegenwärtige Generation auf Kosten der Jungen lebt. Mindestzins und Umwandlungssatz der Pensionskassen sind nicht nachhaltig. Die Jungen subventionieren die Alten.

Weniger offensichtlich ist das Auf-Kosten-unserer-Kinder-leben beim Lebensstil der Erwachsenen. Es gibt Gesellschaftskritiker, die argumentieren, Kinder würden in unserer Gesellschaft immer mehr zu Accessoires werden. Man holt sie wie Schmuck zur passenden Gelegenheit hervor. Es gibt Lebensphasen, da passen sie einem nicht; da werden sie gezeugt, aber nicht geboren. Im Berufsalltag sind sie eher hinderlich. Die Arbeitsverhältnisse, so wird geklagt, ermöglichen noch immer zu wenig Teilzeitarbeit für Mann und Frau. Und wer Emanzipation an der Partizipation am Berufsleben misst, kann einem Kind zuliebe auch beruflich nicht kürzer treten. Zum Glück gibt es ja die Kinderkrippen und Kitas. Früher hat man sie eher als „sozialistische Errungenschaften“ des Ostens gesehen, heute rühmt man die Professionalität der Betreuung und das kindgerechte Umfeld, das viel besser sei als in den Ein-Kind-Familien.

Da wir zur Zeit in einer Phase leben, wo es ein starkes Bestreben gibt, politische, wirtschaftliche, soziale und anthropologische Unterschiede nach Möglichkeiten einzuebnen, kann es nicht überraschen, dass Betreuung und Erziehung inhaltlich gleichgesetzt werden. Erziehung ist jedoch mehr als Windeln zu wechseln, das Kind zu waschen, ihm Essen zu geben, mit ihm Spaziergänge zu unternehmen. Erziehung ist eigentlich für Kinder ein Grundkurs in Philosophie:

  • sie aufmerksam zu machen für das Wahre, Schöne und Gute;
  • sie einzuführen und zu begleiten in ein Wertesystem, das einem selbst wichtig ist;
  • Nächstenliebe und Empathie vorzuleben gegenüber den Mitmenschen, vor allem auch gegenüber den kranken, alten und schwachen Menschen;
  • Auskunft zu geben über Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach dem Woher und Wohin.

Können diese Aufgaben noch so professionell ausgebildete Betreuerinnen und Betreuer leisten? Dürfen sie das überhaupt in einem weltanschaulich neutralen Staat? Wollen Sie als Eltern und Grosseltern die Beantwortung solch entscheidender Lebensfragen an Ihnen relativ unbekannte Personen delegieren?

Kinder wollen nicht nur ausgebildet, sondern gebildet werden. Ersteres hängt mit der heute so wichtigen Arbeitsmarktfähigkeit zusammen. Bildung aber ist mehr: Aus ihr gewinnen wir Menschen eine Einstellung, wie wir zum Leben stehen: zu unserem eigenen Leben, zum Leben unserer Mitmenschen und Gesellschaft, zur Natur. Durch Bildung gewinnen wir ein tieferes Verständnis für unser Leben. Es genügt uns nicht mehr, einfach nur so dahin zu leben.

Unsere Kinder (und die zukünftige Gesellschaft) sollten es uns wert sein, uns Zeit zu nehmen für ihre Bildung.

Stephan Wirz, Paulus Akademie Zürich

Warum gehen Sie nicht wählen?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wahrscheinlich werden am 18. Oktober wieder nur 45% aller Stimmberechtigten an die Urne gehen, um die alten und neuen National- und Ständeräte zu wählen. Niemand sollte aber sagen, das Schweizer Volk interessiere sich nicht für Politik, treten doch über 2800 Bewerberinnen und Bewerber national an, um einen der 246 Sitze im Parlament in Bern zu gewinnen.

Die bürgerlichen Parteien, einschl. der Sozialdemokraten, die in ihrer Mehrheit längst verbürgerlicht sind, haben nicht das geringste Interesse an einem wirklichen Wahlkampf. Dies kostet nur viel Geld, welches niemand hat, und bringt mit den Neuwählern nur Risiken, dass etwas falsch läuft. Wenn CVP und SP mit exotisch wirkenden Neuschweizern antreten, löst dies im Volk meist Kopfschütteln aus; die ehrgeizigen Kinder aus Schweizer Mischehen haben keinen leichten Stand.

Einzige Ausnahme ist die SVP, die mit einem von Dr. Christoph Blocher gesteuerten Dauerwahlkampf endlich auf 28% der Stimmen oder etwas mehr kommen möchte. Die Kleinparteien, einschl. der CVP, laufen Gefahr, weiter an Einfluss zu verlieren. Warum eigentlich?

Der seit acht Jahren erkennbare Trend zum Dauerwahlkampf während des ganzen Jahres fordert die Parteispitzen wie die Parteikassen. Unangefochten liegt seit gut 20 Jahren die SVP an der Spitze, angetrieben vom Ausnahmepolitiker Christoph Blocher. Doch ist die mangelnde Führung der Partei unübersehbar: In Basel-Stadt, der Waadt und Zug sind die kantonalen SVP-Präsidenten unter Druck gekommen. Der Zürcher Kantonalpräsident Alfred Heer distanziert sich vom Wahlkampf seiner Mutterpartei. Parteipräsident Toni Brunner („Das Sünneli“) startet politische Vorstösse, die sich innert 48 Stunden in Nichts auflösen.

Noch ungewisser ist die Situation bei der FDP, die zwischenzeitlich als sicherer Wahlsieger im Herbst gilt. Die einst abgewanderten Rechtsliberalen strömen offensichtlich wieder zum liberalen Original zurück. Dies ist weniger begründet durch eine besondere Leistung der FDP, sondern gleicht eher dem schwappenden Wasser in einem Kessel: einmal hin, einmal zurück.

Parteipräsident Philipp Müller hält sich erkennbar zurück, um keine Verwirrung zu stiften. Fraktionschefin Gabi Huber hat ihren Rücktritt aus Rat und Politik angekündigt; ihren Leistungsnachweis kann sie nur wolkig beschreiben, was mindestens im Urnerland als Leistungsnachweis gilt.

Bei der CVP muss am 18. Oktober insofern ein Wunder geschehen, als nur die Stammwähler der einst christlichen Partei das einstige Flaggschiff des Schweizer Katholizismus vor dem Niedergang retten können. Dem Walliser Christophe Darbellay ist es nicht gelungen, seiner Partei neue Motorik zu vermitteln. Die echten Altkatholiken sterben aus, politisch begabte Jungkatholiken müssten unter Schutz gestellt werden, so selten sind sie geworden. Das Potential für eine christlich-sozialliberale Politik ist unter dem Druck der Verteilungskämpfe im Binnenmarkt eingebrochen und hat keine Erholungschancen. Der Untergang des Landesrings und der Liberalen Partei, die sich der FDP anschliessen musste, sollten als Fanal gewertet werden.

Die Sozialdemokraten zu wählen, ist für ältere bürgerliche Menschen ausgeschlossen, gibt sich die Partei unter Führung von Christian Lévrat doch vorwiegend als Enteignungs- und Umverteilungspartei, welche die Zukunft unseres Landes in der EU oder mindestens dieser angenähert sieht. Angehörige staatlicher Verwaltungen, der Gesundheits-, Sozial- und Schulindustrie, werden diese Auffassung nicht teilen, sind sie doch Gewinner der Umverteilung. Wir haben längst nicht mehr eine Politik von „Mehr Freiheit, weniger Staat“, die zuletzt auch dem Freisinn peinlich war, sondern eine Politik von „Mehr Staat, weniger Freiheit“.

Die grosse Zahl neuer Kandidaten beweist: Ein wichtiger Teil aktiver Mitbürger ist unzufrieden, wie die Parteien jetzt in Bern den Kuchen unter sich aufteilen und die Zukunft des Landes gestalten wollen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Rapperswiler Unternehmer Marcel Dobler. Erst 35jährig, hat er die Firma digitec AG mit über 500 Mitarbeitern aus dem Start zum Erfolg geführt. Jetzt will er etwas für das Land tun und kandidiert im Kanton St. Gallen als FDP-Nationalrat. Dobler will eine solide Wachstumspolitik nicht nur für seinen wirtschaftlich gefährdeten Kanton St. Gallen, sondern die ganze Schweiz.

Wie wichtig diese Bewegung ist, die bei uns vom Volk ausgeht, zeigt das Beispiel der USA: Dort hat bei den konservativen Republikanern ein proletarischer Milliardär das Kommando übernommen. Donald Trump zeigt die Schwäche der einstigen Elitepartei überdeutlich an seiner Person auf. Wenn mit ihm die „weissen Amerikaner“ nach Obama wieder an die Macht kommen wollen, erinnert dies stark an das späte Rom.

Also, gehen Sie wählen, stimmen Sie ab. Ehe auch unsere noch recht stabile Demokratie degeneriert, wie dies auch andernorts in Europa unübersehbar geworden ist, sollten wir sie mit unserem persönlichen Einsatz wieder verjüngen und aktivieren.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Amden: Gequälter Umgang mit Flüchtlingen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wie verfahren die Flüchtlingssituation in der Schweiz ist, macht das Beispiel von Amden im Kt. St. Gallen deutlich. Was sich in dem einst idyllischen Bergdorf abspielt, ist typisch für die Schweiz.

Erster Schritt: Der Schwesterorden vermietet  sein Alters- und Pflegeheim, das Kurhaus „Bergruh“, an den Kanton St. Gallen. Dieser sieht darin eine Chance, in der aus St. Galler Sicht abgelegenen Gemeinde, die mehr auf Zürich als die Stadt St. Gallen ausgerichtet ist, ein Auffanglager für bis zu 100 Afrikaner einzurichten. In fünf Monaten soll deren Einzug erfolgen.

Zweiter Schritt: Der Gemeinderat von Amden empfiehlt seinen Mitbürgern, den wahrscheinlich eriträischen Ansiedlern „mit Respekt“ zu begegnen, aber auch „eine gewisse Distanz“ zu wahren. Es bestehe sonst die Gefahr, sie fühlten sich als Wirtschaftsflüchtlinge in Amden zu wohl und würden ihre Familien nachholen. Im benachbarten Weesen liess der Gemeindepräsident Informationen über die Fremden und Notfallnummern verteilen.

Es gibt keinen Grund, das Schicksal der meist jungen Eriträer als besonders grausam zu betrachten. Sie mögen einen langen Militär- und Landdienst haben, aber wir opfern auch 30-40% unseres Lebens dem Staat in Form von Steuern, die dann, oft merkwürdig, verteilt werden. Wer bei uns gegen den Staat revoltierte, das gilt auch heute noch, landet rasch einmal in einer psychiatrischen Behandlung oder bei der Kesb.

Wir dürfen es als gegeben betrachten, dass Bund und Kantone ausländische Zuwanderer gerne in schwache Gemeinden abschieben, die sich nicht gross wehren können. Wie im Falle von Amden, werden die Bewohner vor vollendete Tatsachen gestellt, denn die Vollzugsbehörden wissen sehr wohl, dass das Volk damit nicht einverstanden ist.

Die Gutmenschen selber wohnen meist, wie Bundesrätin Simonetta Sommaruga auch, in ruhiger Villenlage. Sie treffen, wie ich auch, kaum direkt mit Flüchtlingen zusammen, da ich den öffentlichen Verkehr nur dann benutze, wenn es unbedingt zwingend ist. Bundesräte, Chefbeamte und Wirtschaftsführer haben genügend eigene Flugzeuge, Helikopter und Luxusautos mit Fahrer zur Verfügung, um die langsame Verwandlung des Schweizer Volks mit Distanz zu erleben, ganz wie es nun dem Ureinwohnern Amdens empfohlen wird.

Es ist in hohem Masse der untere Schweizer Mittelstand und auch das bei uns zunehmend vorhandene Prekariat, die dem direkten Kontakt mit Menschen aus Afrika und Asien ausgesetzt sind. Diese sprechen unsere Sprachen nicht, haben oft einen anderen Glauben und benehmen sich auf eine Art und Weise, die vielen fremd und daher wenig verständlich ist.

Wenn in Amden nun verlangt wird, man solle „auf Distanz“ bleiben, ist dies so wenig glücklich wie unsere ganze Flüchtlingspolitik. Wer „auf Distanz“ bleibt, lernt seinen Nachbar nie kennen. Wer „auf Distanz“ urteilt, unterliegt Fehlurteilen. Damit steigt die Aggression bei „Sommarugas Staatsgästen“, denn diese wollen in den reichen Städten leben und nicht auf einer Alp herum irren.

Wie ich meine Steuern seit Jahrzehnten brav zahle, hätten die Eriträer zuhause bleiben sollen. Sie können nicht verglichen werden mit Schweizer Armuts-Auswanderern in die USA im 18. und 19. Jahrhundert, denn diese lernten rasch und halfen sofort mit, die USA aufzubauen. Daraus ergibt sich für uns: Sofort voll integrieren oder wieder nach Hause senden. Die Amdener Lösung ist keine gute.

*Klaus J. Stöhlker, Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Brauchen wir den Kanton Glarus noch?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wer mit politischen Schwergewichten zusammen sitzt, hört immer häufiger den Satz „In einer Generation werden wir nur noch 5-7 selbständige Kantone haben.“ Der Abfluss von Steuerkraft, der Auszug der talentierten jungen Menschen und der steigende Verwaltungsaufwand sind die Damoklesschwerter, welche den Untergang vieler Kantone zur Folge haben werden.

Wer sich dagegen wehrt, sind kantonale Parteien und Politiker, die auf Kosten ihrer mittelständischen Steuerzahler sehr attraktive und bequeme Jobs haben. Ich kenne Staats- und Regierungsräte, die schon seit zehn Jahren und mehr im Amt sind und nie etwas Nennenswertes geleistet haben. Andere haben das Schul- und Sozialwesen mehr ruiniert als optimiert. Weil sie die Deckung ihrer Parteifreunde und der Verwaltung haben, fällt das nicht weiter auf.

Die kantonalen Medien, an Qualität laufend verlierend, haben auch keinen Grund, ihre politische Scheinautonomie leichtfertig infrage zu stellen. Sie werden vom Bund und der SRG immer höher subventioniert, was den Verlegern kein sorgenfreies, aber ein erträgliches Leben gestattet.

Es stellt sich, stellvertretend für andere, die Frage: Brauchen wir den Kanton Glarus noch? Er hat ohnehin nur zwei Gemeinden, dazu einen Tourismus, der sich auf wenige Standorte (Braunwald) beschränkt, und eine Industrie, die langsam abwandert. Der einst progressive Kanton hat die Moderne weitgehend verschlafen. Es fehlt ihm das Geld, um eine nennenswerte Modernisierung zu verwirklichen; es fehlen ihm auch die Menschen, welche die Globalisierung und deren Konsequenzen verstehen.

Ergo, wir brauchen den Kanton Glarus als selbständigen Kanton eigentlich nicht mehr. Der „Zigerschlitz“, schon sein alter Name drückt dies aus, ist zum zugewandten Ort für das aufstrebende Rapperswil-Jona und die finanzstarken Innerschweizer Kantone geworden. Sie werden getragen vom expandierenden Grossraum Zürich, der in den kommenden zehn Jahren mit mindestens 200 000 Zuwanderern rechnet. Das ist es, was zählt.

Dem ebenso einwohnerschwachen Kanton Uri geht es nicht besser. Wenn die zweite Gotthard-Röhre kommt, woran nicht gezweifelt werden kann, bleibt von Uri nur ein Schlauch übrig, durch den Europas PKW und LKW von Nord nach Süd und zurück fahren werden. Ob die wenigen industriellen Säulen dann wirklich vor Ort überleben werden, wird sich erst in einer Generation zeigen. Wie die Burkhalter die Sika und Thomas Schmidheiny die Holcim aufgegeben hat, die Kaba sich einem deutschen Konzern angeschlossen hat, werden weitere Schweizer Firmen ähnliche Wege suchen, sei es für den Erhalt der Firma in einer Scheinselbständigkeit oder zur Sicherung des Familienkapitals. Der Urner Talboden wird dann europäisiert; aus Urner Tradition wird dann Folklore.

Im Westen nicht anders: Viele Oberwalliser, die in diesen Tagen im französischsprachigen Sion das 200jährige Jubiläum des Beitritts des Kantons Wallis zur Schweiz feiern müssen, nennen sich heute schon „Bernwalliser“. Von der Berner Regierung wird dies mit Wohlwollen aufgenommen. Die deutschsprachigen Oberwalliser, die sich selber nur „Walliser“ nennen, gelten als fleissig und zuverlässig. Da es nur noch 67 000 von ihnen gibt und das Französisch sprechende Unterwallis stärker wächst, fühlen sich die Vor-napoléonischen einstigen Herren des Wallis heute unterdrückt. Wie üblich, sind es die Besten, die den Fluchtweg über Bern, Basel und Zürich in die Deutsche Schweiz suchen.

Ein Kanton, der sich nicht selber finanzieren kann, hat, dauert dies an, seine Selbständigkeit verspielt. Wie das Unterwallis zu Recht als lémanischer Landesteil gilt, kann man den Kanton Fribourg der Waadt zuschlagen. Der Kanton Jura, eine politische Fehlgeburt, wird den gleichen Weg Richtung Genf gehen wollen, nachdem die Berner Regierung nie das Vertrauen der Béliers gefunden hat.

Sind dies nur Gedankenspiele oder ist dies baldige Realität? Die Schweiz tritt jetzt in eine wirtschaftliche Periode ein, wo nur hoch spezialisierte KMU- und Gewerbebetriebe und global tätige Unternehmen der A-Schweiz eine dauerhafte Überlebenschance haben. Die wirtschaftlich sich öffnenden Landesgrenzen werden, wie dies jetzt schon der Fall ist, zum Niedergang aller Betriebe führen, die Standardprodukte, und diese oft zu teuer, auf den Markt bringen.

Die Steuerleistungen werden eher rückläufig sein. Bund, Kantone und Gemeinden haben dann die Wahl, sich erneut tief zu verschulden oder Sozial- wie Transferleistungen abzubauen.
Wie der Kanton Glarus eine historische Reminiszenz ist, ein Bote aus der Schweizer Vorzeit der Pässe und der Industrialisierung, wo man derlei noch brauchte, sind heute die grossen Schweizer Städte die bestimmenden Faktoren. Der Widerstand der Kantone gegen diese Entwicklung kommt den Steuerzahler immer teurer zu stehen.

Es muss gelten: Wer sich nicht selbst finanzieren kann und seine überzogenen Ansprüche durch Dritte finanzieren lassen muss, hat die volle Autonomie bereits verloren.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH