Schmetterling oder tote Raupe?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn Sie diese Zeilen lesen, packe ich gerade die Koffer, um ins Wallis zu reisen. Nein, nicht nach Zermatt, auch wenn ich dort auf der Riffelalp das Volkstheater besuchen werde. Unten im Dorf wimmelt es von Asiaten; sie mögen nett sein, aber eigentlich haben wir kein gemeinsames Interesse. Wir gehen uns aus dem Weg.

Aus dem gleichen Grund meide ich Luzern, Interlaken und die Jungfrau-Bahnen.
Was sollen diese Billigtouristen, die für eine Übernachtung mit Frühstück nur sechzig Franken zahlen wollen, uns an Mehrwert bringen? Gut, sie kaufen Uhren, Schuhe und Schmuck. Das ist das mindeste, was sie tun können.

Im Kanton St. Gallen wehren sich die Hoteliers, Wirte und Detailhändler gegen die Asien-Strategie ihres Walliser Tourismuschefs. Ich teile ihre Meinung, denn der Kanton ist wunderschön, aber in erster Linie geeignet für Deutsche, Österreicher, Holländer und Osteuropäer. Um sie zu gewinnen, muss man sich allerdings etwas einfallen lassen. Daran fehlt es wohl.

Jetzt ist mein Freund Hermann Suter gestorben, Intellektueller, Historiker, Kommandant und Rektor in Luzern. Er war einer der letzten grossen Schweizer, die für ihr Land zu kämpfen gewohnt waren. Asiatische Touristen waren so wenig sein Fall wie Schweizer Banken unter ausländischer Kontrolle. Suter hat gelitten unter der jetzigen Entwicklung unseres Landes. Von unseren Medien, die das Bild der Heimat zeichnen, hielt er gleich gar nichts: „Viele Journalisten warten nur auf Pfründen in der Verwaltung“, sagte er häufig und die Medien „als vierte Gewalt“ lösten bei ihm nur ein heftiges Gelächter aus.

Die Milizarmee, der er fleissig diente, sah er zu einem Anhängsel der NATO werden und es war niemand da, der ihm dies ernsthaft widerlegen wollte. Der in Bern geplante Untergang der Kantone in Metropolitanregionen fand in ihm einen misstrauischen Beobachter. Wie sich jetzt zeigt, haben die Kantone noch viel Widerstandskraft. Wie die Bundesverwaltung jetzt allerdings nicht nur Aufsicht, sondern auch die Entscheide über unsere Flughäfen an sich reissen will, würde Hermann Suters Beobachtungen bestätigen.

Was sind wir nun? Eine langsam absterbende Schweizer Raupe, wo die Bergtäler sich leeren und das Volk sich zwischen Zürich und Zug wie zwischen Lausanne und Genf drängt? Überall erlebe ich junge Menschen, wie Marcel Dobler aus Rapperswil,
35, Gründer von digitec, der jetzt in den Nationalrat will, um jungen Schweizer Unternehmern besser helfen zu können. Sie wollen nicht Kader in Konzernen werden, die zum Schluss ins Ausland verkauft werden, sondern die Schweiz aufbauen.

Oder wird die Schweiz von morgen jener strahlende Schmetterling, wo Menschen
aus aller Welt miteinander arbeiten und beieinander sitzen, wie Google in Zürich oder an der grossartigen ETH Lausanne? Viele junge Schweizer haben es geschafft, in diese schwer arbeitenden Zirkel einzudringen, aber noch mehr stehen einigermassen ratlos vor Türen, die sich nicht öffnen wollen.
Wir älteren Menschen, so wir klug waren, haben vorgesorgt; die erste bis dritte Säule ist intakt. Wir betrachten staunend, wie überfüllt die untere Bahnhofstrasse in Zürich ist und meiden sie. Unser Land ist laut und lärmig geworden.

Deshalb ziehe ich mich jetzt einige Tage in unser stilles Chalet auf 1300 Metern zurück. Dort brennt zwar auch die Sonne, aber der Wind bleibt kühl. Die Seele erwacht aus der städtischen Betäubung. Ich denke, das sollten Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, auch tun.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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