Unsere Jungen sind herzig wie Schäfchen

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Tatsächlich, wie die Polizeirapporte zeigen und die Universitäten mit Studien belegen, unsere heutigen Teenager sind ruhiger und herziger als jemals zuvor. Sie lernen fleissig und gehen früher zu Bett als ihre Vorgänger vor gut zehn Jahren. „Unsere Jungen sind herzig wie Schäfchen“, sagen welsche Soziologen.

Wenn ich mich umsehe, kann ich dies nur bestätigen. Diese jungen Menschen schauen um sich, meist mit einem Stöpsel im Ohr, als seien sie nicht von dieser Welt. Sie sitzen vor und neben mir, befinden sich aber geistig irgendwo auf dem Globus in einem Nirwana, das in diesem Augenblick nur ihnen gehört.

Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahren einem frechen oder aggressiven Jugendlichen begegnet zu sein. Sie rauchen weniger, nehmen weniger Cannabis und sind weniger rauflustig, bestätigen mir die Fachleute.

Es ist eine neue Romantik, welche die Seelen unserer Enkel besetzt hat. Soweit ihre Eltern Geld haben, leben sie ein seliges Leben in einem Konsumtraum, wo knappe oder wenig Kleidung, schicke Handtaschen und viel Unterhaltungstechnik eine grosse Rolle spielen. Manchmal beobachte ich, dass sie keinerlei Ehrgeiz haben. Sie tun, was man ihnen sagt, sie lächeln sogar ein wenig, aber sie machen keinen Schritt mehr, als man sie zu tun hiess.

Besteht man auf eine rasche Umsetzung, wird man erstaunt angeblickt: Wirklich? Jetzt?

Wir, die Generation ihrer Eltern und Grosseltern, waren viel aggressiver. Im Schulhof gingen wir aufeinander los, kämpften um unsere Stellung im Rudel. Wer besser war, wurde automatisch zum Gegner. Es gab Freundschaften, aber auch viele Feindschaften.

Wir wussten noch, was Armut und Krieg bedeuteten. Später vergassen die meisten, dass die Welt kein Friedenslager am lauschigen Flussufer ist. Wir lernten noch, uns zu holen, was wir brauchten oder wollten. Heute haben fast alle eine Kreditkarte und nutzen sie am Kiosk für Kleineinkäufe. Viele der heute Jungen sind schon pleite, ehe sie etwas gelernt haben. Wir haben für das Velo gespart und es abbezahlt mit zehn Franken im Monat.

Wir waren nicht nur nett; wir konnten auch böse werden.

Herzig wie ein Schäfchen wollte in unserer Generation niemand sein. Es gab auch damals sicher Böcke und Schafe, aber „‘s Schäfli“, nein, das war niemandes Ziel.

Ich mache mir ein wenig Sorgen um unsere heutige Jugend. Sie lernt fleissiger als früher, berichten mir die Leiter der Privatschulen, wo die eher besser Gestellten ihre Kinder unterbringen. Sie lassen sich an ihren Leistungen messen.

Ist die Zeit der Anarchie vorbei? Haben wir nur noch Alte und wohl Angepasste? Vor unseren Türen stehen die radikalen und aggressiven Zuwanderer. Es geht ihnen heute schlechter als uns vor fünfzig Jahren. Ob unsere Schäfchen diesem Druck gewachsen sind?

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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