Archiv für den Monat: Juli 2015

Leben wir nicht sorglos?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Das jüngste Sorgenbarometer der Schweiz sagt eigentlich nur eines aus: Wir haben keine ernsthaften Sorgen. Natürlich sind wir besorgt, haben diffuse Ängste und manchmal sogar echten Ärger, aber Sorgen, echte Sorgen, haben nur die wenigsten.

Vor zehn Tagen war ich drei Tage im Goetheanum in Dornach, um mir dort den neuen „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe anzusehen. Dieser „faustische Wille“, alles, aber auch alles in seinen tiefsten Gründen zu erfahren, hat uns seit 250 Jahren weit gebracht. Die Welt ist zusammen gerückt, die Europäer sind sich näher gekommen, die Atombombe hat einen Weltkrieg verhindert und dem genetisch optimierten Menschen kommen steht vor der Tür. Die naturnahe Menschenproduktion wird zunehmend abgelöst von der kulturell gesteuerten Menschenproduktion. Wer im Uterus ungenügende Leistungen zeigt, wird früh abgetrieben. Wer vorzeitig aus dem Leben aussteigen möchte, kann dies in der Schweiz ohne Schwierigkeiten verwirklichen.

Die Walpurgisnacht, wo Frauen sich als Hexen selbst verwirklichen, erleben wir an jedem freundlichen Wochenende in Lausanne, wenn dort die Jugend sich trifft. Es gilt aber auch für jedes öffentliche und private Fest, „wo jeder sich selbst spüren will“ und sein Da-Sein sucht.

Was den Frauen recht ist, gilt auch für die Männer. Wer einst in „Auerbachs Keller“ tobte, sucht heute die Disco auf. „Niedrige Astralität“ wird dies in Dornach genannt; dem kann kaum widersprochen werden.

Plutus, der Gott des Reichtums, herrscht in der Schweiz. „Tatendurst und Schöpferdrang“ stellen wir allerdings kaum noch fest; vielmehr ist Ausverkauf angesagt: Holcim an Lafarge, Sika an Saint-Gobain, die Hotels an die Chinesen. Viele werden diesen Weg noch gehen.

„Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen“, hätte auch mancher Schweizer Bankier des 20. Jahrhunderts gerne gesagt. Schon nach einer Generation sind sie abgelöst worden durch Deutsche (UBS), Afrikaner (CS Group) oder Amerikaner und Holländer.

Gerade deshalb empfehle ich den Besuch in Dornach. Dort sind mir nur Menschen, jeglichen Alters und aus aller Welt begegnet, die lächeln. Kein falsches Lächeln auf den Stockzähnen, sondern jene warme Herzlichkeit, die sonst in unseren Theatern und Opernhäusern fast ausgestorben ist.

Das Ziel der Schüler Rudolf Steiners ist es, durch Selbsterkenntnis zur Welterkenntnis durchzustossen. Die Begegnung mit dem „luziferischen“ Sein ist ein möglicher Weg hinauf auf den „mons philosophicus“, dessen Ersteigung im 21. Jahrhundert noch vor uns liegt.

Die grösste Gefahr, welcher wir ausgesetzt sind, wird von vielen nicht erkannt: Sind wir doch eingeschlossen wie Homunculus in der Phiole, glauben viel zu wissen und frei zu atmen, während wir isoliert sind im „containment“, das unseren Horizont beschränkt.

Ausbrüche sind nur dann möglich, durchbrechen und erweitern wir das landesübliche Medienangebot. Ganz offensichtlich kommt das Wissen von weit aussen, nicht von innen. Damit sind wir zurück in der Schweizer Wirklichkeit, wie sie sich seit 700 Jahren präsentiert: Es sind die fremden Geister, welche unser Land fortwährend erneuern.

Das ist die gute Botschaft.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Tierischer 5-Tagesabriss in beinahe lautloser Manier

Ilse Oehler

Ilse Oehler

Mitten in der Stadt lebt es sich in den Ferien in diesen Monaten in sich selber ruhend. Nur drei Meter entfernt von meinem Fenster sichte ich einen der drei oft genüsslich an der Sonne liegenden Fuchsmitbewohner in unserem Park. Diesem einen kann ich sogar durch das geschlossene Fenster zu pfeifen. Direkt schaut er mir seelenruhig in die Augen, ohne Angst, spitzt die grossen Ohren, dann diese kratzend. Wegen ungewohnter Tonlage? Im Wechsel über das festgetretene Weglein nutzten auch Katzen diesen Pfad. Seit die jungen Füchse flügge geworden sind, haben jene das Sagen. Nur noch eine mutige Katze ist scheinbar tagsüber da unterwegs.

Am 2. Tag auf dem Balkon. Über meinem Kopf, hautnah, es sah aus, als wirft jemand eine Mütze in die Höhe, in Sekundenschnelle, gleichzeitig ein harter Knall. Es versuchte die Kurve zu kriegen und am Zwischenpfeiler fand es seinen Tod. Traurig, da lag es am Boden und rang noch zweimal nach Luft. Eigenartig, dass dieser Platz dem Amselweibchen mit schwarzem Schnabel sein Todesurteil wurde, da nie in all den Jahren sowas passierte.

Anderntags entdecke ich in einem Zwischengang an der kühlen Decke einen eigenartigen runden Bollen. Sanft stupfe ich nach oben. Ein knalliger Widerhall wie von einer runterfallenden Nussschale. Am Boden lag ein Marienkäferchen. Ihm konnte ich das Grün auf meinem Balkon anbieten.

Wie überraschten mich am 4. Tag kleinste Ameisen im Duschraum. Tonlos krochen sie im Wechsel. Schnell war die Ursache entdeckt. Ein Handwerker war im Haus und konnte die Ursache unmittelbar beheben. Wie sagte er, mit einer Fugenspritze. Ein Löchlein hat er zugekittet, die winzigen Ameisen irritiert und in die Flucht getrieben. Ob er weiss, dass Fuge, die Musikform, in lateinisch „Flucht“ bedeutet.

Am 5. Tag wird es nicht bunt, sondern schwarz-weiss. Ein aus dem Revier von Amtswegen fachmännisch vertriebener Frechdachs hat sich wieder auf den Weg begeben. Es grüsst das Raubtier in seinem dicken rauen Dachshaar am helllichten Vormittag auf diesem Trampelpfad. Eine Erinnerung? Vaters Rasierpinsel aus Dachshaaren, auch mitten in der Nacht das Erlebnis mit einem Stinktier.

Und wenn wir gerade bei erlebter Tiervielfalt sind. Stammen wir vom Affen ab? Dabei sei in der Hitze des Gefechts ein Schwenker erlaubt, zurück zu meinem natürlichen Urstamm. Meine Mutter musste meinen Bruder in seiner pubertierenden Zeitphase des Öftern zähmen. Denn er rief uns Schwestern eines Tages übermütig zu: „Du Aff Du!“ So nahm unsere Mamma ihn in die Pflicht. Ab diesem Moment bündelte er still und leise all seine jungen Hirnzellen, wagte erneut einen Angriff, indem er uns zurief: „166, 166, 166“. Spitzbübisch gefiel er sich in seiner Rolle. Ich aber wollte nicht sein Alphabet Affe sein. Eine unzumutbare Gugelfuhr für unsere Eltern.

Ein Kontrapunkt dagegen sehr?
Diese Sommerhitze 2015 macht Tier und Mensch Unternehmens-/Reiselustig. Komplexe Sachverhalte durchdringen die Welt und unsere Wahrnehmung. Ferienzeit, frei verfügbare Zeit für Gedankensprünge/ Einschnitte wie Fugen zur Fuge: «Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565)», von Bach.

https://de.wikipedia.org/wiki/Toccata_und_Fuge_d-Moll_BWV_565
https://www.youtube.com/watch?v=ipzR9bhei_o

Ilse Oehler

Kirchen im Warenhaus, Asylanten in die Klöster

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Demnächst kann der Churer Bischof Vitus Huonder im Ornat in Ebikon durch das grösste Warenhaus der Schweiz mit angeschlossenem Freizeitzentrum wandern. In der neuen „Mall“ amerikanischen Zuschnitts, die von Kuwaitis gebaut wird, weil der Schweizer Industrielle Alfred Schindler keine besseren Käufer für sein Grundstück fand, kann Bischof Vitus dann in einem interreligiösen Raum, wo auch Moslems, Juden, Hindus, Reformierte und andere Ungläubige Zutritt haben, die Heilige Messe lesen. Halleluja!

Früher kamen die Menschen zur Kirche; heute kommt die Kirche zu den Menschen. Die Ergebnisse sind wenig überzeugend. Während die christlichen Kirchen in die Warenhäuser ziehen, wollen die Landeskirchen die meist islamischen Asylanten in den Klöstern unterbringen.

Der Gebetsraum für die Shopping-Mall ist die Idee des dortigen Diakons und Gemeindeleiters Daniel Unternährer. Für den regionalen Gemeindeverband, wo das Grosswarenhaus zu stehen kommt, sagt die Managerin: „Ein interreligöser Andachtsraum könnte noch einmal ganz andere Leute nach Ebikon locken, auch ein Publikum, das der Mall kritisch gegenüber steht.“ Und die Betreiberfirma bestätigt: „Unser Ziel ist die Realisierung von maximalem Mehrwert für nationale und internationale Investoren.“

Bischof Gmür aus Basel, in dessen Bistum das Shopping Center zu stehen kommt, wird dort wohl kaum die Einsegnung vornehmen. Als treuer Anhänger von Papst Franziskus, Verkünder von weniger Konsum und mehr Respekt vor den 71% der Armen in der Welt, wird Bischof Vitus die Gläubigen wohl eher auffordern, regelmässig zu den Gottesdiensten in die Kirchen zu kommen.

Obwohl mehr Reformierte als römische Katholiken ihre Kirche aufgeben, stellt sich die Frage: Sind solche Gebetsräume mitten im Rummel wirklich der richtige Ort für die Verkündung des Glaubens? Die bisherigen Beispiele der Zürcher „Shopping Kirche“ im Sihlcenter, an Bahnhöfen oder Flughäfen sind nicht sehr ermutigend.

Jene Menschen, die am Wochenende wirklich keine Zeit haben, einen Gottesdienst zu besuchen, werden auch in den Schmalspur-„Kirchen“ nicht ihr Glück finden. Ich kann mir dort höchstens Stossgebete vorstellen: „Herr, lass‘ mich meine Kreditkarte wieder finden, weil mein Mann sonst ausrastet.“

Diese glattgesichtigen Diakone, deren penetrante Dauerfreundlichkeit und verständnisvolle Hingabe an jeden Unsinn leider zur Regel geworden sind, können nur eine Schwachstrom-Kirche zur Folge haben.

Die Kuwaitis wollen in Ebikon ihr Geld mit einem „maximalen Mehrwert“ verdienen. Wer dann in diesem Andachtsraum betet, ist den Arabern recht egal. Allah ist für alle Rechtgläubigen da, Gott bleibt verhüllt jenseits der Wolkenobergrenze und JAHWE kümmert sich nur um seine kleine Gemeinde, die es seit Jahrtausenden immer neu zu retten gilt.

Ist es nicht ein Jammer, wie mit solchen Vorschlägen die Kirche dem Mammon zu dienen beginnt? Jesus Christus hat den Tempel einmal ausgefegt und die Tische der Händler umgestürzt. Heute soll die Kirche den Händlern die Kunden bringen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Wie gefährlich ist eine Völkerwanderung?

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Kein Zweifel, die Zahl der Zuwanderer nach Europa hat in den letzten zwanzig Jahren dramatisch zugenommen. Wir stehen am Beginn einer neuen Völkerwanderung, die vom Süden nach Norden führt. Am Beispiel unserer germanischen Vorfahren, die vor 1 600 Jahren aus dem Norden nach Süden zogen, wird deutlich, welche Gefahren Europa und den Europäern drohen.

Meine Frau ist kimbrischer Herkunft. Aus dem heutigen nördlichen Dänemark zogen die Kimbern vor gut 2000 Jahren bis nach Südfrankreich, wo sie erstmals die Römer vernichtend schlugen. Ihre blauäugigen, rothaarigen und sommersprossigen Nachfahren leben noch heute in den Alpen; sie werden Walser genannt. Meine Walliser Schwiegermutter hatte noch die Walser-Merkmale. Sie wurden bei ihren Kindern genetisch überdeckt vom Luzerner Vater, einem Alemannen.

Die germanische Völkerwanderung führte über 500 Jahre zu grausamen Kriegen, Raubzügen und Überfällen, worunter die damaligen Völker, auch die Römer, sehr litten. Die Germanen wurden von den Römern Barbaren genannt, „Fremde“, und mit hohen Erdwällen abgehalten, ganz wie wir heute in Nordafrika, Spanien und Ungarn elektrisch geladene Zäune bauen, um die Barbaren aus Afrika, dem Mittleren Osten und Afghanistan abzuhalten.

Das half nichts, Rom brach zusammen. Germanenführer wurden zu römischen Kriegsherren ernannt, sogar zu Cäsaren. Die Macht ging, langsam und mit Rückfällen, auf sie über. Es dauerte tausend Jahre bis daraus das neue Europa entstand, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das von Napoléon I. vernichtet wurde.

Wenn Völker wandern, bilden sie, früher wie heute, in den Gastländern kleine Kolonien. Dies ist in Südfrankreich, Südschweden. London und Paris, aber auch in Kreuzberg in Berlin gut zu beobachten. Die Besten von ihnen werden Unternehmer und bald auch Chefs grosser Unternehmen. Der FC Wil wird von einer türkischen Familie geführt, das neue Andermatt von einem begabten Ägypter, die Crédit Suisse Group von einem talentierten Afrikaner von der Elfenbeinküste. Sie ziehen andere Verbündete nach, oft der gleichen Herkunft.

Die finanzielle Belastung, welche durch die von den eigenen Eliten geförderte Zuwanderung entsteht, trägt das Volk, soweit es über nennenswerte Mittel verfügt. Die Eliten, so war es schon im alten Rom, gingen Verträge mit den Zuwanderern ein, um ihre eigene Macht zu sichern.

Europa und die Schweiz werden deshalb nicht verschwinden, sondern in variablen Formen erhalten bleiben. Die Zuwanderer übernehmen einen Teil unserer Sitten, z.Bsp. den technischen Fortschritt (Handys, Autos, moderne Wohnungen), werden aber auf Bestandteile ihrer eigenen Kultur nicht leichtfertig verzichten.

„Old Europe“ sagen die Amerikaner über uns. Ja, wir sind alt und kinderlos geworden, ganz wie die Römer in ihrer Schlussphase, die 400 Jahre währte, auch.

Ich wünsche Ihnen einen frohen 1. August.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Schmetterling oder tote Raupe?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn Sie diese Zeilen lesen, packe ich gerade die Koffer, um ins Wallis zu reisen. Nein, nicht nach Zermatt, auch wenn ich dort auf der Riffelalp das Volkstheater besuchen werde. Unten im Dorf wimmelt es von Asiaten; sie mögen nett sein, aber eigentlich haben wir kein gemeinsames Interesse. Wir gehen uns aus dem Weg.

Aus dem gleichen Grund meide ich Luzern, Interlaken und die Jungfrau-Bahnen.
Was sollen diese Billigtouristen, die für eine Übernachtung mit Frühstück nur sechzig Franken zahlen wollen, uns an Mehrwert bringen? Gut, sie kaufen Uhren, Schuhe und Schmuck. Das ist das mindeste, was sie tun können.

Im Kanton St. Gallen wehren sich die Hoteliers, Wirte und Detailhändler gegen die Asien-Strategie ihres Walliser Tourismuschefs. Ich teile ihre Meinung, denn der Kanton ist wunderschön, aber in erster Linie geeignet für Deutsche, Österreicher, Holländer und Osteuropäer. Um sie zu gewinnen, muss man sich allerdings etwas einfallen lassen. Daran fehlt es wohl.

Jetzt ist mein Freund Hermann Suter gestorben, Intellektueller, Historiker, Kommandant und Rektor in Luzern. Er war einer der letzten grossen Schweizer, die für ihr Land zu kämpfen gewohnt waren. Asiatische Touristen waren so wenig sein Fall wie Schweizer Banken unter ausländischer Kontrolle. Suter hat gelitten unter der jetzigen Entwicklung unseres Landes. Von unseren Medien, die das Bild der Heimat zeichnen, hielt er gleich gar nichts: „Viele Journalisten warten nur auf Pfründen in der Verwaltung“, sagte er häufig und die Medien „als vierte Gewalt“ lösten bei ihm nur ein heftiges Gelächter aus.

Die Milizarmee, der er fleissig diente, sah er zu einem Anhängsel der NATO werden und es war niemand da, der ihm dies ernsthaft widerlegen wollte. Der in Bern geplante Untergang der Kantone in Metropolitanregionen fand in ihm einen misstrauischen Beobachter. Wie sich jetzt zeigt, haben die Kantone noch viel Widerstandskraft. Wie die Bundesverwaltung jetzt allerdings nicht nur Aufsicht, sondern auch die Entscheide über unsere Flughäfen an sich reissen will, würde Hermann Suters Beobachtungen bestätigen.

Was sind wir nun? Eine langsam absterbende Schweizer Raupe, wo die Bergtäler sich leeren und das Volk sich zwischen Zürich und Zug wie zwischen Lausanne und Genf drängt? Überall erlebe ich junge Menschen, wie Marcel Dobler aus Rapperswil,
35, Gründer von digitec, der jetzt in den Nationalrat will, um jungen Schweizer Unternehmern besser helfen zu können. Sie wollen nicht Kader in Konzernen werden, die zum Schluss ins Ausland verkauft werden, sondern die Schweiz aufbauen.

Oder wird die Schweiz von morgen jener strahlende Schmetterling, wo Menschen
aus aller Welt miteinander arbeiten und beieinander sitzen, wie Google in Zürich oder an der grossartigen ETH Lausanne? Viele junge Schweizer haben es geschafft, in diese schwer arbeitenden Zirkel einzudringen, aber noch mehr stehen einigermassen ratlos vor Türen, die sich nicht öffnen wollen.
Wir älteren Menschen, so wir klug waren, haben vorgesorgt; die erste bis dritte Säule ist intakt. Wir betrachten staunend, wie überfüllt die untere Bahnhofstrasse in Zürich ist und meiden sie. Unser Land ist laut und lärmig geworden.

Deshalb ziehe ich mich jetzt einige Tage in unser stilles Chalet auf 1300 Metern zurück. Dort brennt zwar auch die Sonne, aber der Wind bleibt kühl. Die Seele erwacht aus der städtischen Betäubung. Ich denke, das sollten Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, auch tun.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Solidarität mit Griechenland?

Prof. Dr. S. Wirz, Paulus Akademie

Prof. Dr. S. Wirz, Paulus Akademie

Vor einer Woche hat in der Schweiz eine Gruppe linker Politiker um Josef Lang und Cédric Wermuth einen Verein „Solidarität mit Griechenland“ gegründet. Ähnlich tönt es aus der SED-Nachfolgepartei „Die Linke“ in Deutschland. Sie steht nach eigenem Bekunden solidarisch an der Seite der griechischen Regierungspartei Syriza.

„Solidarität“, „solidarisch sein“, diese Ausdrücke werden heute in unserer Gesellschaft gerne verwendet. Sie sind positiv besetzt, sie drücken das Mitgefühl der Bürgerinnen und Bürger gegenüber den Schwachen aus. Mir scheint aber, sie werden politisch auch dazu missbraucht, eine Diskussion nicht zu Ende führen zu müssen. Denn wer nicht der gleichen Ansicht ist wie diejenigen, die Solidarität einfordern, gilt dann eben als unsolidarisch. So wird aus dem Begriff der „Solidarität“ ein Totschlagargument.

Solidarität ist ein schillernder Begriff. Er ist seit den Anfängen der Gewerkschaftsbewegung ein Kampfbegriff, sich für die Sache der Arbeiter („ausgebeutete Klasse“) auch mit Mitteln des Konflikts (z. B. Streik) einzusetzen. Weniger martialisch und klassenorientiert finden wir den Gedanken der Solidarität im Inneren der Bundeshauskuppel niedergeschrieben: „Einer für alle, alle für einen.“ Dieser Satz zeigt sehr schön, dass Solidarität keine Einbahnstrasse ist. Die Gemeinschaft hat für diejenigen Personen oder Personengruppen zu sorgen, die das aus eigener Kraft zur Zeit oder dauerhaft nicht mehr vermögen. Aber es gehört auch zur Solidarität, dass der einzelne alles in seinen Kräften Stehende unternimmt, um die Gemeinschaft zu stärken, der er angehört.

Was heisst das nun für Griechenland? Die Euro-Gruppe bzw. die EU als politische Gemeinschaft, der Griechenland angehört, hat eine moralische Verpflichtung mitzuhelfen, dass Griechenland ein Neustart gelingt. D’accord. Aber die andere Seite der Solidaritäts-Medaille gilt genauso: Griechenland hat seinerseits eine moralische Verpflichtung, Schaden für die Euro-Gruppe bzw. EU abzuwenden bzw. zu minimieren. Dieser Aspekt der Solidarität scheint mir weder in den Köpfen der griechischen Regierung noch der Sympathisanten hier und in Deutschland angekommen zu sein. Sollte es dereinst einen Schuldenschnitt geben, braucht es dennoch – nebst vielem anderen – eine Änderung der Mentalität und der politischen Kultur Griechenlands. Nicht zuletzt eine Solidarität mit den Geberstaaten und mit der EU, um nicht von Neuem über die Verhältnisse zu leben und damit die politische Gemeinschaft Europas zu destabilisieren.

Prof. Dr. S. Wirz, Paulus Akademie

Warum strahlt die Schweiz?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Eigentlich jammern wir gar nicht; warum sollten wir? Wer über die Zustände im Land jammert, das sind die SVP-Schweizer, die Angst haben, ihr Land würde an einreisende Ausländer verschenkt. Ganz Unrecht haben sie nicht. Wer auch jammert, das sind die jungen Linken. Sie haben alle Abstimmungen verloren und würden den Reichen im Land so gerne das hart verdiente Geld abnehmen. Aber das zu den Abstimmungen gehende Schweizer Volk will seinen Wohlstand behalten. Was die Hoffmanns in Basel, die Schmidheinys in Hurden und die Schindlers in Ebikon verdienen, ist den meisten von uns egal. Sollen sie ihren Reichtum geniessen. Wir sind auch nicht arm und geniessen unser Land.

Seit vierzig Jahren leide ich unter dem Bauboom. Der Flughafen Zürich-Kloten wächst wie ein Krebsgeschwür, denn Menschen aus aller Welt landen dort und fliegen gleich wieder weiter. Rund um den Flughafen wohnen 300 000 Menschen, die sich morgens ab sechs Uhr die Ohren mit Ohropax verschliessen müssen. Aber die Araber und Inder kommen dann aus dem Osten und donnern uns aus den Betten.

Die Schweiz wächst. Jetzt hat der Bundesrat bestätigt, man plane eine Schweiz für neun Millionen Menschen. Da wir selber zu wenige Kinder und Enkel haben, werden es wohl Ausländer sein. Der Bundesrat sagt, es könnten auch zehn Millionen werden. Warum nicht? Überall im Land gibt es weite Flächen, die es zu überbauen gilt. Dort geht ohnehin kaum jemand spazieren, denn alle drängen sich in den Einkaufszentren und an den Seeufern.

Mehr als alle Nachbarstaaten investieren wir in Bahnschienen: pro Kopf 351 Franken im Jahr. Das ist Europarekord. Die Franzosen geben dafür nur 45 Franken aus, die Deutschen, die sonst tüchtig sind, nur 44 Franken pro Jahr und Kopf. Wir werden weiterhin die besten Bahnen der Welt haben. Sie machen das Urner Land zu einem Vorort von Zürich und Milano zu einem Lunchausflug.

Wir investieren in die Zukunft. Doris Leuthard gibt unglaublich viel Geld für „Neue Energien“ aus, ganz wie Angelika Merkel im „Nördlichen Kanton“. Beide werden scheitern, aber längst nach ihrem Abschied. Die Schweizer können die Welt so wenig retten wie die Deutschen. Die Amerikaner, Chinesen und Inder verpesten die Welt; wir tun so, als könnten wir dies ändern.

Wir lieben die Schweiz, weil wir sie pflegen. Niemand hat, wie der Fotograf Armin Grässl, die Zentralschweiz so schön gezeigt. Er fuhr während Jahren über den Vierwaldstätter See und hielt die Seele der Landschaft fest. In welchem Zauberland wir leben, hat er (www.bestoflakelucerne.com) festgehalten. Es sind poetische und hoch präzise Bilder einer Landschaft, die niemand sonst auf der Welt hat.

Am Zürichsee wohnt der Autor Werner Halter. Er hat das Buch „Die Zürcher Glückspille“ geschrieben: zwei Pärchen, die sich lieben und vernichten, ganz so, wie die wahren Zürcher heute leben. Die Verlage lassen sich Zeit, derlei zu publizieren, denn sie sind arm und glauben mehr an die Welt als an die eigene Heimstatt. Das ändert nichts daran, dass unsere Schweizer Heimat lebt – und wie

Die Schweiz ist ein Traumland, wo Ferien jeden Tag stattfinden. Was sollen wir in Kreta, wo die Griechen jammern? Was sollen wir in Tunesien oder Ägypten, wo jeden Augenblick ein Terrorist uns das Dessert verdirbt. Ich lobe mir Amden über dem Walensee oder Vrin in Graubünden. Mein heimisches Unterbäch im Oberwallis gibt mir mehr Kraft als Lhasa und Machu Picchu. Ich liebe Cali in Kolumbien, aber Lugano bietet nicht weniger.

Unser Land, die Schweiz, ist eine Schönheit in den besten Jahren. Die Schönheitschirurgen der Bauwirtschaft setzen laufend neue Glanzlichter auf. Wir müssen ein wenig Geduld haben, auch im Stau, denn werden wir sehen, dass unser Land immer besser wird. Ich wünsche schöne Sommerferien zwischen dem Léman und dem Bodensee.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

 

Unsere Jungen sind herzig wie Schäfchen

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Tatsächlich, wie die Polizeirapporte zeigen und die Universitäten mit Studien belegen, unsere heutigen Teenager sind ruhiger und herziger als jemals zuvor. Sie lernen fleissig und gehen früher zu Bett als ihre Vorgänger vor gut zehn Jahren. „Unsere Jungen sind herzig wie Schäfchen“, sagen welsche Soziologen.

Wenn ich mich umsehe, kann ich dies nur bestätigen. Diese jungen Menschen schauen um sich, meist mit einem Stöpsel im Ohr, als seien sie nicht von dieser Welt. Sie sitzen vor und neben mir, befinden sich aber geistig irgendwo auf dem Globus in einem Nirwana, das in diesem Augenblick nur ihnen gehört.

Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahren einem frechen oder aggressiven Jugendlichen begegnet zu sein. Sie rauchen weniger, nehmen weniger Cannabis und sind weniger rauflustig, bestätigen mir die Fachleute.

Es ist eine neue Romantik, welche die Seelen unserer Enkel besetzt hat. Soweit ihre Eltern Geld haben, leben sie ein seliges Leben in einem Konsumtraum, wo knappe oder wenig Kleidung, schicke Handtaschen und viel Unterhaltungstechnik eine grosse Rolle spielen. Manchmal beobachte ich, dass sie keinerlei Ehrgeiz haben. Sie tun, was man ihnen sagt, sie lächeln sogar ein wenig, aber sie machen keinen Schritt mehr, als man sie zu tun hiess.

Besteht man auf eine rasche Umsetzung, wird man erstaunt angeblickt: Wirklich? Jetzt?

Wir, die Generation ihrer Eltern und Grosseltern, waren viel aggressiver. Im Schulhof gingen wir aufeinander los, kämpften um unsere Stellung im Rudel. Wer besser war, wurde automatisch zum Gegner. Es gab Freundschaften, aber auch viele Feindschaften.

Wir wussten noch, was Armut und Krieg bedeuteten. Später vergassen die meisten, dass die Welt kein Friedenslager am lauschigen Flussufer ist. Wir lernten noch, uns zu holen, was wir brauchten oder wollten. Heute haben fast alle eine Kreditkarte und nutzen sie am Kiosk für Kleineinkäufe. Viele der heute Jungen sind schon pleite, ehe sie etwas gelernt haben. Wir haben für das Velo gespart und es abbezahlt mit zehn Franken im Monat.

Wir waren nicht nur nett; wir konnten auch böse werden.

Herzig wie ein Schäfchen wollte in unserer Generation niemand sein. Es gab auch damals sicher Böcke und Schafe, aber „‘s Schäfli“, nein, das war niemandes Ziel.

Ich mache mir ein wenig Sorgen um unsere heutige Jugend. Sie lernt fleissiger als früher, berichten mir die Leiter der Privatschulen, wo die eher besser Gestellten ihre Kinder unterbringen. Sie lassen sich an ihren Leistungen messen.

Ist die Zeit der Anarchie vorbei? Haben wir nur noch Alte und wohl Angepasste? Vor unseren Türen stehen die radikalen und aggressiven Zuwanderer. Es geht ihnen heute schlechter als uns vor fünfzig Jahren. Ob unsere Schäfchen diesem Druck gewachsen sind?

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH