Die Schweiz unter sprachlichem Auslanddruck

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es hat ein unglaublicher Prozess eingesetzt, der das echte Schweizertum mehr bedroht als ein EU-Beitritt: Es handelt sich um die sprachliche Überfremdung unseres Landes. Sie beraubt uns eines entscheidenden Vorteils, können wir doch aufgrund der Deutschschweizer Dialekte einen Ausländer sofort erkennen und distanzieren. Geht dieser Vorteil verloren, sind wir nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell auf dem Rückzug in die europäische Provinz.

Der Angriff gegen unsere Sprachhoheit erfolgt gleichzeitig auf drei Ebenen: die Amerikaner und Engländer beherrschen mit ihren angelsächsischen Sprachen die Führungsebenen der meisten Schweizer Konzerne. Auch Schweizer Unternehmen sind gezwungen, englisch zu sprechen, weil der Weltmarkt es verlangt.

Bekannt ist das Eindringen der deutschen Hochsprache in unser Land. Nicht nur deutsche Topmanager und andere Führungskräfte des „grossen Kantons“ zwingen aufrechte Schweizer ob ihrer brutal schnellen Sprache in die Defensive, auch das deutsche Dienstleistungspersonal im Detailhandel, in Restaurants und Hotels wie im Gesundheits- und Unterrichtswesen dominiert den einfachen Schweizer Kunden, Gast oder Patienten in einem Masse, wie wir es bei unseren eigenen Leuten aus dem Thurgau oder der Zentralschweiz nicht gewohnt waren. Sogar wenn wir unsere eigenen Zeitungen lesen, finden wir immer mehr deutsche Lehnwörter, weil die ausländischen Journalisten nicht mehr wissen, wie man richtig „Schwizerdytsch“ formuliert.

Der Angriff der Engländer, Amerikaner und der Deutschen ist nicht unbekannt. Jetzt aber beklagen sich die Welschen, sie würden von französischen Führungskräften kujoniert. Die Franzosen wüssten im Beruf nicht mehr als die Schweizer, könnten dies aber besser formulieren. Plötzlich entdecken die Welschen, dass sie den Deutschschweizern ähnlicher sind als den Parisern, Toulousern und Lyonesen, die in grosser Zahl in die Westschweiz eindringen. Auslöser sind Schweizer Unternehmer, die ihre Firmen an Franzosen verkaufen und ihre Mitarbeiter damit französischen Ansprüchen ausliefern.

Während den Deutschen noch unterstellt wird, sie könnten wenigstens gut arbeiten, trifft dies nach Ansicht der meisten Welschen für die Franzosen weniger zu. Man diskutiere dort einfach zu gerne („parler sans rien dire“) und sei letztlich von der Pariser Zentrale abhängig.

Gleich dreimal wird unsere sprachliche Autonomie infrage gestellt. Nur im Tessin geht es ein wenig anders zu. Locarno und Ascona sind fest in Deutschschweizer Händen, das Luganese wird von den alten Familien mit Hilfe der Lega Ticinesi regiert. Die Arbeit machen zwar die Italiener, aber diese erheben wenigstens keinen Herrschaftsanspruch.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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