Angst macht starr

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Nur 43% der Stimmberechtigten gingen am letzten Wochenende an die Urnen, obwohl es landesweit wichtige Abstimmungen gab auf Gemeinde-, kantonaler und nationaler Ebene. Ich führe dies auf ein Element zurück: Gerade ältere Menschen und eher ungebildete junge Menschen haben Angst davor, in Sachen Radio und Fernsehen oder Präimplantations-Technik (ein Wort, das sogar unsere TV-Ansager kaum aussprechen konnten) ihr Votum abzugeben. Es war ihnen zu kompliziert. Das gilt natürlich auch für die Vermögenssteuer, die nun glücklicherweise massiv abgelehnt wurde. Die Schweiz bleibt bürgerlich, das ist mein Résumée, aber die Deutschschweizer wollen ein besseres Radio- und Fernsehprogramm unseres Staatssenders, ehe sie mehr für die Programme bezahlen wollen.

Wenn Menschen längere Zeit alleine leben und wenig Kontakt mit anderen Menschen haben, werden sie unsicher und haben Angst. Die Welt ist derart kompliziert geworden, dass diese wertvollen Menschen oft still werden. Sie trauen sich kein eigenes Urteil mehr zu und schweigen. Einzig zu bewegen sind sie noch für die Verteidigung der Heimat, des Althergebrachten. Gleichzeitig stimmen sie gegen alles Neue, vor allem gegen Ausländer, denn gerade diese gelten als Veränderer der schweizerischen Umwelt hin zum schlechteren.

Angst ist ein schrecklicher Zustand, weil er verheimlicht werden muss, um nicht unangenehm aufzufallen. Wer sagt schon gerne „Ich habe Angst vor der Zukunft?“

Solche Menschen fallen häufig auf andere herein, die den Eindruck vermitteln, sie würden sich um sie sorgen. Ob Enkelbetrüger oder Taschendieb, derlei Menschen beobachten ihre Opfer ganz genau und treten dann passgenau auf, um einen guten Eindruck zu erwecken, wo nur die rasche Flucht angemessen wäre.

Angstfreie Menschen haben gute, keine falschen Freunde. Sie orientieren sich, sie sind in Bewegung. Sie suchen auch einmal Orte auf, die sie bisher noch nicht kannten.

Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung hat Angst. Die Welt von heute ist nicht mehr jene von gestern; morgen kann es nur schlimmer werden.

Natürlich stimmt das nicht, denn wer laufend dazu lernt, wird verstehen, wohin sich unser Land wirklich verändert. Dann sind nicht Tröstungen wichtig, wie unsere christlichen Landeskirchen sie vor den Kanzeln verkünden. Es geht nicht darum, die Menschen zu trösten, sondern ihnen Sicherheit und Selbstvertrauen zu vermitteln.

Ich wünsche Ihnen, meine Leserinnen und Leser, eine angstfreie Woche. Versuchen Sie es, denn Ihr Leben erhält wieder frische Farben.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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