Warum Sepp Blatter unser Vorbild ist

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Die Deutschen, Engländer und Amerikaner haben den Versuch gemacht, die Schweizer Fussball-Festung FIFA, den Weltfussball-verband, aufzusprengen. Es ist ihnen nicht gelungen.

Gleichzeitig hat die amerikanische Justizministerin Loretta Young mit Hilfe ihrer Schweizer Kollegin Simonetta Sommaruga im Zürcher Baur au Lac zu frühmorgendlicher Stunde einen „raid“ durchführen lassen, um sieben Lateinamerikaner zu verhaften.

Das grosse Wild, der Walliser Sepp Blatter, der aus dem kleinen Verein FIFA innert vierzig Jahren einen Zürcher Weltkonzern gemacht hat, sass gleichzeitig in aller Ruhe in seinem Hauptsitz über dem Zürichberg. Zum Kummer der Deutschen und Engländer, die sich als Erfinder des modernen Fussballs sehen, hat er über Jahre die Mannschaften in Afrika und Asien gefördert. Für sie, wie die Spieler in Lateinamerika, ist er ein Held, ein Europäer der Extraklasse.

Sepp Blatter ist so wenig bestechlich wie Kardinal Kurt Koch, der heute im Vatikan sitzt. Blatter kann, so wenig wie Kurt Koch, jede Pfarrei in der Welt beaufsichtigen. Was im jüngsten Zürcher Fall eine amerikanische Marketingagentur mit lateinamerikanischen Fussballbossen treibt, findet unabhängig von den Entscheiden in Zürich statt. Nun wird es von der US-Justizministerin Loretta King so dargestellt, als habe wieder die Schweiz ein Problem. Diese Behauptung könnte falscher nicht sein. Es sind die USA, die ein Problem haben.

Wenn der Gesamtbundesrat seinem Mitglied Ueli Maurer verboten hat, auf dem 65. FIFA-Kongress im Zürcher Hallenstadion zu sprechen, ist dies ein Kniefall vor den Amerikanern. Wenn Simonetta Sommaruga die amerikanischen Forderungen einfach durchlaufen lässt und nicht auf eine eigene Prüfung besteht, macht sie die Schweiz zu einer Bananenrepublik. So weit sind wir gekommen.

Sepp Blatter ist ein blitzgescheiter, einfach gebliebener Mann aus dem Wallis, der sich nicht bestechen lassen muss, um eine Flasche Fendant zu kaufen. Genau das ist vielen Menschen unheimlich: Wie ist dies möglich in einer Welt, wo nur die Gier das Sein bestimmt? Für die Deutschen ist er „der kleine Walliser“, der dem Deutschen Fussballbund im Wege steht. Der Präsident des französischen Fussballverbandes hat in Zürich für Sepp Blatter gestimmt. Michel Platini, der einmal ein guter Fussballer war, hat als Chef der UEFA, des europäischen Fussballverbandes, völlig versagt.

Deshalb sollten wir stolz sein auf „unseren Sepp“, der beim 65. FIFA-Kongress mit seiner Wiederwahl als Präsident einen glänzenden Sieg davon getragen hat. Er verkörpert echtes, bestes Schweizertum, weil er aus wenig viel machen kann.

Eine kleine Nebenbemerkung: Die Schweizer Medien, mit Ausnahme von Roger Köppel, dem Verleger der „Weltwoche“, der Blatter auch in Deutschland verteidigte, haben in Sachen FIFA grässlich versagt. An der Spitze die Sender der SRG, die national ein „Blatter Bashing“ betrieben, das überhaupt keinen Sinn machte. Die Ringier-Medien, der „Blick“ allen voran, prügelte tapfer mit, ist nun aber eingeschwenkt, weil die Redaktion ihren Irrtum in Sachen Blatter eingesehen hat. „Tagesanzeiger“ und „Neue Zürcher Zeitung“ waren keine Spur intelligenter.

Nach dem Untergang der Schweizer Banken, wo heute über 80% des Schweizer Marktes in ausländischen Händen ist, sollen wir nun auch unter dem Druck der US-Regierung die grossen Sportverbände verlieren. An der FIFA, dem grössten Sportverband der Welt mit Sitz in der Schweiz, will man ein Exempel statuieren.

Ich zweifle daran, dass diese Einsicht bis nach Bern oder zu unseren Politikern und Parteien gedrungen ist.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

3 Gedanken zu „Warum Sepp Blatter unser Vorbild ist

  1. Ernst Holzmann

    Dieser Argumentation kann ich weder aus Compliance-Gesichtspunkten noch aus (moralischen) Ansprüchen folgen, die jemand an sich selber in so einer Funktion zu stellen hat. Auch der zwischenzeitlich erfolgte Rücktritt ändert nichts an seinem (J. Blatter) Fehlverhalten, auch aus folgenden Gründen: Entweder ich habe als Mann an der Spitze einer Organisation komplett versagt, meine Aufsichtspflichten (siehe auch Code of Conduct der FIFA) wahrzunehmen und entsprechende Prozesse und Regularien zur Verhinderung von Missbrauch einzuführen und zu kontrollieren. Oder ich habe bewusst „meine Hände in Unschuld gewaschen“ („ich kann ja nicht jeden kontrollieren…“), weggesehen, oder Missbrauch sogar geduldet und von entsprechenden „Handlangern“ vornehmen lassen. In beiden Fällen wäre ein Rücktritt nicht nur konsequent, sondern schon viel früher notwendig gewesen. Dies statt Machtstreben, im Rampenlicht stehen und natürlich auch entsprechende Privilegien zu geniessen. Und apropos Privilegien: Ich bin jetzt mal gespannt, ob das Einkommen (als „Aufwandsentschädigung“ oder „Spesenregelung“ in den Statuten der FIFA bisher versteckt) jetzt auch tatsächlich mal veröffentlicht wird. Ach so, beinahe hätte ich es vergessen. Dass ein Wirtschaftsunternehmen wie die FIFA mit gut 5 Mrd. USD Einnahmen in den letzten 5 Jahren und gut 300 Millionen Gewinn bzw. 1,5 Mrd. Rücklagen noch als gemeinütziger Verein (d.h. ohne Steuerpflicht) bezeichnet und geführt werden darf, dass verstehen bestimmt auch in der Schweiz nicht alle.
    Zusammengefasst: An eine Person an der Spitze eines „Groß-Unternehmen“ werden andere Anforderungen gestellt um als Vorbild bezeichnet zu werden. Nämlich Integrität, Redlichkeit, Offenheit, Transparenz und auch Bescheidenheit. Oder anders ausgedrückt: Charakter.

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  2. S Tobler

    Blatter Sepp versus Joseph Razinger, einst Papst Benedict XVI
    Zweiter wollte unbedingt Gott möglichst ganz nahe sein. Erster wolte hingegen allem Anschein nach lieber Gott selbst sein. Der grossen Konkurrenz auf dem religiösen Arbeitsmarkt wegen, Fussballgott.
    Ratzinger merkte noch, wann er sich zurückziehen konnte um in unbeschadeter Erinnerung zu bleiben.
    Der alte Fussballfuchs, als hochintelligent, weitsichtig, Charismatiker und wdTw gepriesene und hochverehrte Mister Fifa hat genau das verpasst.
    Nun darf endlich Jeder der gerne möchte, über Blatter herziehen, ihn verunglimpfen und beleidigen wie es ihm beliebt. David Beckham machte es heute der Welt bereits vor.
    Ob zu Recht oder zu Unrecht, allem Anschein nach endet der Fussball-Seppli als tragische Figur. Möge er sich an seine guten Zeiten erinnern und fleissig Fussball vor seinem Fernseher geniessen.

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  3. M. Hubatka

    Schönschreiben.
    Klaus Stöhlker stand Joseph Blatter in Sachen Wiederwahl als persönlicher Berater zur Seite…

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