Archiv für den Monat: Juni 2015

Die Schweiz unter sprachlichem Auslanddruck

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es hat ein unglaublicher Prozess eingesetzt, der das echte Schweizertum mehr bedroht als ein EU-Beitritt: Es handelt sich um die sprachliche Überfremdung unseres Landes. Sie beraubt uns eines entscheidenden Vorteils, können wir doch aufgrund der Deutschschweizer Dialekte einen Ausländer sofort erkennen und distanzieren. Geht dieser Vorteil verloren, sind wir nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell auf dem Rückzug in die europäische Provinz.

Der Angriff gegen unsere Sprachhoheit erfolgt gleichzeitig auf drei Ebenen: die Amerikaner und Engländer beherrschen mit ihren angelsächsischen Sprachen die Führungsebenen der meisten Schweizer Konzerne. Auch Schweizer Unternehmen sind gezwungen, englisch zu sprechen, weil der Weltmarkt es verlangt.

Bekannt ist das Eindringen der deutschen Hochsprache in unser Land. Nicht nur deutsche Topmanager und andere Führungskräfte des „grossen Kantons“ zwingen aufrechte Schweizer ob ihrer brutal schnellen Sprache in die Defensive, auch das deutsche Dienstleistungspersonal im Detailhandel, in Restaurants und Hotels wie im Gesundheits- und Unterrichtswesen dominiert den einfachen Schweizer Kunden, Gast oder Patienten in einem Masse, wie wir es bei unseren eigenen Leuten aus dem Thurgau oder der Zentralschweiz nicht gewohnt waren. Sogar wenn wir unsere eigenen Zeitungen lesen, finden wir immer mehr deutsche Lehnwörter, weil die ausländischen Journalisten nicht mehr wissen, wie man richtig „Schwizerdytsch“ formuliert.

Der Angriff der Engländer, Amerikaner und der Deutschen ist nicht unbekannt. Jetzt aber beklagen sich die Welschen, sie würden von französischen Führungskräften kujoniert. Die Franzosen wüssten im Beruf nicht mehr als die Schweizer, könnten dies aber besser formulieren. Plötzlich entdecken die Welschen, dass sie den Deutschschweizern ähnlicher sind als den Parisern, Toulousern und Lyonesen, die in grosser Zahl in die Westschweiz eindringen. Auslöser sind Schweizer Unternehmer, die ihre Firmen an Franzosen verkaufen und ihre Mitarbeiter damit französischen Ansprüchen ausliefern.

Während den Deutschen noch unterstellt wird, sie könnten wenigstens gut arbeiten, trifft dies nach Ansicht der meisten Welschen für die Franzosen weniger zu. Man diskutiere dort einfach zu gerne („parler sans rien dire“) und sei letztlich von der Pariser Zentrale abhängig.

Gleich dreimal wird unsere sprachliche Autonomie infrage gestellt. Nur im Tessin geht es ein wenig anders zu. Locarno und Ascona sind fest in Deutschschweizer Händen, das Luganese wird von den alten Familien mit Hilfe der Lega Ticinesi regiert. Die Arbeit machen zwar die Italiener, aber diese erheben wenigstens keinen Herrschaftsanspruch.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Die Welt verstehen – unmöglich.

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wir alle sind Menschen, haben unsere Erfahrungen, unsere Meinungen, verteidigen Positionen. Als Schweizer sind wir standfest, orientieren uns und lassen uns nichts vormachen.

Aber die Welt um uns ist grauenhaft. Sie ist verwirrend. Der Nationalrat bodigt die Schweizer Armee. Die Nationalbank bodigt die Schweizer Wirtschaft. Der Bundesrat bodigt alle. Die Sparer, die KMU, die ehrlichen Schweizer.

Wer soll dies verstehen?

– Die CVP können wir vergessen.
– Die Grünen und Grünliberalen sind Folklore.
– Die SP ist die gemässigte FDP.
– Die FDP ist die gemässigte SVP.
– Die SVP ist die ratlose Volkspartei: Alle raus, die nicht reinrassige Schwaben sind, wie Christoph Blocher es ist.

Demografisch schrumpfen wir Schweizer; jeder Jugo und Afrikaner vermehrt unseren Gen-Pool.

Die Nicht-Zinsen machen uns kaputt, der Ölpreis hilft allen ein wenig. Ob die Araber über die Amerikaner gewinnen, müssen wir sehen. Unsere Arbeiter sind teuer, werden aber, dank Zuwanderung, immer günstiger. Unsere Wasserkraftwerke sind Folklore. Die Schweizer Armee ist auch Folklore, aber als Davoser-Economic-Forum-Schutzarmee ist sie nützlich. Firmengründungen haben wir immer weniger. Bildung ist nur für die Elite. Soziale Mobilität zwischen Bern, Basel und Zürich ist beschränkt, Lausanne und Genf sind fremde Sterne.

Gibt es ausserhalb der Schweiz auch eine Welt? Oh non, nicht das auch noch.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Angst macht starr

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Nur 43% der Stimmberechtigten gingen am letzten Wochenende an die Urnen, obwohl es landesweit wichtige Abstimmungen gab auf Gemeinde-, kantonaler und nationaler Ebene. Ich führe dies auf ein Element zurück: Gerade ältere Menschen und eher ungebildete junge Menschen haben Angst davor, in Sachen Radio und Fernsehen oder Präimplantations-Technik (ein Wort, das sogar unsere TV-Ansager kaum aussprechen konnten) ihr Votum abzugeben. Es war ihnen zu kompliziert. Das gilt natürlich auch für die Vermögenssteuer, die nun glücklicherweise massiv abgelehnt wurde. Die Schweiz bleibt bürgerlich, das ist mein Résumée, aber die Deutschschweizer wollen ein besseres Radio- und Fernsehprogramm unseres Staatssenders, ehe sie mehr für die Programme bezahlen wollen.

Wenn Menschen längere Zeit alleine leben und wenig Kontakt mit anderen Menschen haben, werden sie unsicher und haben Angst. Die Welt ist derart kompliziert geworden, dass diese wertvollen Menschen oft still werden. Sie trauen sich kein eigenes Urteil mehr zu und schweigen. Einzig zu bewegen sind sie noch für die Verteidigung der Heimat, des Althergebrachten. Gleichzeitig stimmen sie gegen alles Neue, vor allem gegen Ausländer, denn gerade diese gelten als Veränderer der schweizerischen Umwelt hin zum schlechteren.

Angst ist ein schrecklicher Zustand, weil er verheimlicht werden muss, um nicht unangenehm aufzufallen. Wer sagt schon gerne „Ich habe Angst vor der Zukunft?“

Solche Menschen fallen häufig auf andere herein, die den Eindruck vermitteln, sie würden sich um sie sorgen. Ob Enkelbetrüger oder Taschendieb, derlei Menschen beobachten ihre Opfer ganz genau und treten dann passgenau auf, um einen guten Eindruck zu erwecken, wo nur die rasche Flucht angemessen wäre.

Angstfreie Menschen haben gute, keine falschen Freunde. Sie orientieren sich, sie sind in Bewegung. Sie suchen auch einmal Orte auf, die sie bisher noch nicht kannten.

Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung hat Angst. Die Welt von heute ist nicht mehr jene von gestern; morgen kann es nur schlimmer werden.

Natürlich stimmt das nicht, denn wer laufend dazu lernt, wird verstehen, wohin sich unser Land wirklich verändert. Dann sind nicht Tröstungen wichtig, wie unsere christlichen Landeskirchen sie vor den Kanzeln verkünden. Es geht nicht darum, die Menschen zu trösten, sondern ihnen Sicherheit und Selbstvertrauen zu vermitteln.

Ich wünsche Ihnen, meine Leserinnen und Leser, eine angstfreie Woche. Versuchen Sie es, denn Ihr Leben erhält wieder frische Farben.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Dienstleistungen ohne Menschen

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie

Self-Check-out bei Migros und Coop, Web-Check-in bei den Fluggesellschaften, Banken ohne Schalter, Pflegeroboter in Japan – und in Zukunft selbststeuernde LKWs ohne Chauffeure auf unseren Autobahnen? Schleichend, aber mit ungeheurer Wucht verändert sich unsere Dienstleistungs-gesellschaft. Wer es noch nicht bemerkt hat: Immer öfter erbringen wir Kunden selbst die Dienstleistung: Wir scannen beim Einkaufen die Preise unserer Waren ein und erledigen beim Ausgang gleich selbst die Abrechnung. Beim Abfluggate am Flughafen stehen wir, wenn wir Economy Class fliegen, vor dem „Gatter“ und öffnen durch das Einscannen der Boarding Card uns selbst die Türen.

Als Sohn eines Swissair-Mitarbeiters durfte ich schon in Kindheitstagen relativ viel fliegen. Beim Check-in wünschte die Dame am Schalter jedem einen guten Flug, beim Boarding vor dem Verlassen des Flughafengebäudes genauso. Sie werden nun sagen, das hat die Fluggesellschaft ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so antrainiert, ob der Wunsch deshalb aus dem Herzen kam? Die paar Worte mögen durchaus etwas Mechanisches an sich gehabt haben, aber es war für beide, für den Kunden und den Angestellten, doch ein kurzer persönlicher Augenblick. Und einen guten Wunsch zu vernehmen, ist allemal ein Lächeln wert.

Kürzlich flog ich von Wien nach Zürich. Für einmal hatte ich ein Gepäckstück aufzugeben. Ich probierte den automatischen Check-in, bei dem man gleich selbst den Koffer auf das Transportband stellt und ihn eincheckt. Irgendwie funktionierte das Einscannen des Strichcodes nicht. Ich schaute mich hilfesuchend um und erblickte eine Mitarbeiterin, die für solche Fälle beim automatischen Check-in ihre Dienste anbietet. Leider war sie eine Ausnahme von der Regel österreichischer Gastfreundschaft. Zögernd und mit finsterer Mine kam sie meiner Bitte um Unterstützung nach. Später dachte ich mir, vielleicht war sie so wenig hilfsbereit, weil sie erkannte, dass mit diesen technischen Neuerungen in kurzer Zeit eine ganze Berufsgruppe verschwinden wird.

Kommen nach der Landwirtschaft und der Industrie nun auch die Dienstleistungen unter Rationalisierungsdruck? So ist es. In unserer Hochlohn-Gesellschaft sind persönliche Dienstleistungen ein Luxus geworden. Geht dann unserer Gesellschaft die Arbeit aus? Ich habe diese Frage schon öfters in meinem Leben gehört, deshalb male ich kein Schreckensszenario an die Wand. Ich denke, dass durch Innovationen wieder neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden.

Ob aber das Persönliche durch diese Rationalisierungen nicht auf der Strecke bleibt, da bin ich weniger optimistisch. Erkennen wir überhaupt noch den Wert einer persönlichen Begegnung? Welche Einstellung haben wir zum Kernwort der Dienstleistungsgesellschaft, nämlich anderen Menschen einen Dienst erweisen?

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie Zürich

Stirbt die katholische Kirche in der Schweiz?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Einverstanden, die Reformierte Kirche in der Schweiz ist längst in die letzte Phase ihres Überlebenskampfes eingetreten. Sie schliesst ihre Kirchen, widmet sich der Sozialarbeit und sichert die Pensionen ihrer überalterten Geistlichkeit. Sie ist reich, aber ohne Geist. Die Schweiz mit Genf und Lausanne, Basel und Zürich, ist längst kein Staat der Reformierten mehr, sondern eine Konsumgemeinschaft, die der Globalisierung ausgeliefert wurde.

Die römisch-katholische Kirche, der ich angehöre, bietet nur deshalb ein weniger trauriges Bild, weil die Zuwanderer aus katholischen Ländern, Italien, ex-Jugoslawien, Portugal, derart zahlreich sind, dass sie die Abgänge übertreffen. Von einer glaubensstarken Kirche kann aber nicht mehr die Rede sein. Nur noch in einigen Zentralkirchen predigen überzeugungsstarke Geistliche. Was sonst an geistlicher Führung angeboten wird, ist angesichts der Herausforderungen, welchen sich die Gläubigen gegenübersehen, selten mehr als Schrott. Es gibt intelligente Katholiken, sei es der volksnahe Mönch Martin, vormals Abt des Klosters Einsiedeln, oder Monsignore Martin Grichting aus der Bistumsleitung in Chur, der die römische Orthodoxie mit einer Intelligenz vorträgt und verteidigt, die man der Kirche in ihrer Ganzheit wünscht.

Die Regel ist aber die Sprachlosigkeit, das langsame Absterben, der Tod ohne Aussicht auf Erneuerung. Ein gutes Beispiel dafür ist Peter von Sury, der Benediktinerabt des Wallfahrtortes Mariastein, wo ich vor 47 Jahren getraut wurde. Von Jahr zu Jahr sieht der einst sportliche Mann schmaler und kränker aus. Der Mönchsnachwuchs will sich nicht einstellen.

Jetzt sagt er: „Gott wird das schon regeln.“ Das bedeutet nicht weniger als die Aufgabe des irdischen Wirkens. Er legt seine Verantwortung als Vorsteher des Klosters in die Hände Gottes; besser wäre es, er würde sie selber gebrauchen. Was hat er geleistet, um die Kloster- und Kirchenkrise zu bekämpfen? Seine Antwort: „Man kann nicht sagen, wir haben zu wenig gebetet für den Nachwuchs.“

Wo lebt dieser Mann? In welcher Welt? Abt Peter ist, gemessen am Durchschnitt anderer Schweizer Geistlicher, stets überdurchschnittlich präsent gewesen. Doch nun sieht man, wie die Kraft ihn verlassen hat. Offensichtlich sind die bösen Mächte Sieger geblieben, nicht über ihn und seine Gemeinschaft, wohl aber über unsere Gesellschaft.

Wie jetzt die Kirchen und Klöster absterben oder nur deshalb am Leben bleiben, weil europäische und aussereuropäische Christen sie noch beleben, ist auch die Schweizerische Bischofskonferenz dem Niedergang geweiht. Was hat sie in den letzten 20 Jahren getan, ausser die eigenen Posten zu sichern? Es ist dünnes Holz, das nachgewachsen ist.

Was tut der gläubige Christ? Hans-Ulrich Bigler, der tatkräftige Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, ein aufrechter Mann, ist zu den Freikirchen übergelaufen. Ich verstehe ihn, dass ihm die sonntäglichen Rituale ohne wirkliches Leben zur Qual geworden sind. Und die anderen? Sie ziehen sich in ein Christentum zurück, das einen direkten Weg zu Gott sucht. Ganz wie Sepp Blatter, der aus dem Oberwallis stammende, sehr gläubige Präsident des Weltfussballverbandes.

Die meisten Christen, denen ich begegne, sitzen versunken in ihren Kirchenbänken, singen mit zittriger Stimme die alten heiligen Lieder, die neueren nicht mehr kennend. Christliche Aktivisten, ja, die gibt es, sind entweder jüngere Menschen, welche die Kirchengeschichte und Kirchengegenwart nicht wirklich kennen, oder Kirchenfunktionäre, die angesichts der weiterhin hohen Einnahmen gut von Spesen und anderen Entschädigungen leben.

Stirbt die Kirche in der Schweiz? Ja, wenn wir die Kirche der „weissen Altschweizer Christen“ meinen, nein, angesichts der Zuwanderung aus aller Welt. Es entsteht ein neues Amalgam, vielleicht sogar eine neue Christenheit. Unten wird die Kirche immer jünger und anspruchsvoller, oben, in der Hierarchie, verteidigt man seine Paläste.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Warum Sepp Blatter unser Vorbild ist

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Die Deutschen, Engländer und Amerikaner haben den Versuch gemacht, die Schweizer Fussball-Festung FIFA, den Weltfussball-verband, aufzusprengen. Es ist ihnen nicht gelungen.

Gleichzeitig hat die amerikanische Justizministerin Loretta Young mit Hilfe ihrer Schweizer Kollegin Simonetta Sommaruga im Zürcher Baur au Lac zu frühmorgendlicher Stunde einen „raid“ durchführen lassen, um sieben Lateinamerikaner zu verhaften.

Das grosse Wild, der Walliser Sepp Blatter, der aus dem kleinen Verein FIFA innert vierzig Jahren einen Zürcher Weltkonzern gemacht hat, sass gleichzeitig in aller Ruhe in seinem Hauptsitz über dem Zürichberg. Zum Kummer der Deutschen und Engländer, die sich als Erfinder des modernen Fussballs sehen, hat er über Jahre die Mannschaften in Afrika und Asien gefördert. Für sie, wie die Spieler in Lateinamerika, ist er ein Held, ein Europäer der Extraklasse.

Sepp Blatter ist so wenig bestechlich wie Kardinal Kurt Koch, der heute im Vatikan sitzt. Blatter kann, so wenig wie Kurt Koch, jede Pfarrei in der Welt beaufsichtigen. Was im jüngsten Zürcher Fall eine amerikanische Marketingagentur mit lateinamerikanischen Fussballbossen treibt, findet unabhängig von den Entscheiden in Zürich statt. Nun wird es von der US-Justizministerin Loretta King so dargestellt, als habe wieder die Schweiz ein Problem. Diese Behauptung könnte falscher nicht sein. Es sind die USA, die ein Problem haben.

Wenn der Gesamtbundesrat seinem Mitglied Ueli Maurer verboten hat, auf dem 65. FIFA-Kongress im Zürcher Hallenstadion zu sprechen, ist dies ein Kniefall vor den Amerikanern. Wenn Simonetta Sommaruga die amerikanischen Forderungen einfach durchlaufen lässt und nicht auf eine eigene Prüfung besteht, macht sie die Schweiz zu einer Bananenrepublik. So weit sind wir gekommen.

Sepp Blatter ist ein blitzgescheiter, einfach gebliebener Mann aus dem Wallis, der sich nicht bestechen lassen muss, um eine Flasche Fendant zu kaufen. Genau das ist vielen Menschen unheimlich: Wie ist dies möglich in einer Welt, wo nur die Gier das Sein bestimmt? Für die Deutschen ist er „der kleine Walliser“, der dem Deutschen Fussballbund im Wege steht. Der Präsident des französischen Fussballverbandes hat in Zürich für Sepp Blatter gestimmt. Michel Platini, der einmal ein guter Fussballer war, hat als Chef der UEFA, des europäischen Fussballverbandes, völlig versagt.

Deshalb sollten wir stolz sein auf „unseren Sepp“, der beim 65. FIFA-Kongress mit seiner Wiederwahl als Präsident einen glänzenden Sieg davon getragen hat. Er verkörpert echtes, bestes Schweizertum, weil er aus wenig viel machen kann.

Eine kleine Nebenbemerkung: Die Schweizer Medien, mit Ausnahme von Roger Köppel, dem Verleger der „Weltwoche“, der Blatter auch in Deutschland verteidigte, haben in Sachen FIFA grässlich versagt. An der Spitze die Sender der SRG, die national ein „Blatter Bashing“ betrieben, das überhaupt keinen Sinn machte. Die Ringier-Medien, der „Blick“ allen voran, prügelte tapfer mit, ist nun aber eingeschwenkt, weil die Redaktion ihren Irrtum in Sachen Blatter eingesehen hat. „Tagesanzeiger“ und „Neue Zürcher Zeitung“ waren keine Spur intelligenter.

Nach dem Untergang der Schweizer Banken, wo heute über 80% des Schweizer Marktes in ausländischen Händen ist, sollen wir nun auch unter dem Druck der US-Regierung die grossen Sportverbände verlieren. An der FIFA, dem grössten Sportverband der Welt mit Sitz in der Schweiz, will man ein Exempel statuieren.

Ich zweifle daran, dass diese Einsicht bis nach Bern oder zu unseren Politikern und Parteien gedrungen ist.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH