Sind Unternehmer wirklich „Dienende“?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Gestern fiel mir ein Foto von Dr. Christoph Blocher in die Hände, wie er, den breiten Rücken dem Fotografen zugekehrt, auf der Terrasse seines Herrliberger Hauses stehend, die Hände auf eine eiserne Terrassenbrüstung stützt, die auch Versailles Ehre machen würde. Er blickt sinnend auf den Zürichsee hinab.

Christoph Blocher sieht sich als Dienender an seiner Familie, seiner Firma, die nun den Kindern gehört, und seinem Land, das wir bewohnen dürfen. Als Dienender hat man die Aufträge seiner Herrschaften zu erfüllen, aber nicht so Christoph Blocher. Er dient der Sache.

Dürfen wir also die Worte grosser Unternehmer ernst nehmen, wenn sie solche Sprüche von sich geben? In unserem nördlichen Nachbarland spielt sich gerade ein Drama ab. Dort ist Ferdinand Piech, der aus Österreich stammende deutsche Autokönig, in dessen VW-Reich über 550 000 Menschen aus aller Welt arbeiten, ebenfalls ein Dienender. Weil der operative Firmenchef Martin Winterkorn nicht so konsequent handelt, wie der „Diener“ und Grossaktionär Piech sich dies vorstellt, gab er ihm ein Warnzeichen: Winterkorn, der mehr verdient als unsere teuersten Bankiers, müsse wieder mehr Diener werden. Auf Deutsch: Genau das und so schnell wie möglich tun, was der Oberdiener Ferdinand Piech von ihm verlangt.

Beide, Dr. Christoph Blocher wie Ferdinand Piech, dienen der Sache, einer Sache, die sie selbst bestimmt haben. Wer dieser Sache nicht dienen will, muss umgehend aus der Firma, der Partei, dem sozialen Umfeld, das sie umgibt, verschwinden.

Noch schlimmer finde ich es, wenn Politiker oder Unternehmer „mit Herzblut“ an eine Sache herangehen. Die Zahl der blutenden Herzen hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen, denn derartige Floskeln verbreiten sich rasch; denken Sie nur an die Karriere des Begriffs „Narrativ“ Wer nicht einem neuen Narrativ mit Herzblut zu folgen bereit ist, um als Diener einer (gerechten) Sache zu höchsten Ehren zu kommen, hat nicht begriffen, wie bei uns die „chose“ heute läuft.

Ich sage dies, leicht irritiert, weil mir offensichtlich der Mut fehlt, mein Herzblut für derlei Unfug zu opfern.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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