Erinnern Sie sich noch?

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Erinnern Sie sich noch, wie es früher war, als Sie noch arbeiteten? In vielen Unternehmen herrschte eine nahezu familiäre Atmosphäre. Man arbeitete motiviert und „faule Äpfel“ unter den Mitarbeitern wurden von ihren Kollegen bald erkannt und aussortiert. Der soziale Druck war vorhanden, aber selten unangenehm. Wer fleissig war, erhielt seinen Lohn und – bis heute – seine Rente.

Heute geht es in der Welt ganz anders zu und man darf sich fragen: Wollten wir das? Gerade in den grössten Schweizer Unternehmen ist Neugier über den Arbeitsplatz hinaus gar nicht gefragt. Jedermann ist aufgerufen, seinen Job mit grossem Fleiss zu erledigen; über das berufliche Umfeld und die Karriere entscheiden andere.

Wenn Sie heute in einem grossen Finanzinstitut intern Angaben über die „eigene“ Bank suchen, die nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehören, leuchtet es auf dem Bildschirm auf: „Ihr Interesse an diesen Daten wird registriert und eine E-Mail an die Compliance-Abteilung geschickt.“ Was werden Sie dann tun? Sie werden nicht mehr neugierig sein; das ist besser so.

Dabei geht in Vergessenheit, dass es die neugierigen Menschen sind, die dem Unternehmen und der Welt den Fortschritt bringen. Wenn Sie aber, wie heute vielerorts der Fall, mit allen ihren persönlichen Daten und denjenigen ihres privaten Umfelds gescannt werden, sollten sie sich nicht einmal fragen, ob ihnen dies gefällt. Es ist einfach so.

Desto mehr spielt es eine Rolle, ob die Firma, in welcher sie arbeiten, wirklich eine schweizerische ist oder nur ein Ableger einer ausländischen. Ausländer in der Schweiz kontrollieren ihre Mitarbeiter meist noch intensiver als es die Einheimischen tun.

Oft aber weiss man gar nicht, ob man wirklich in einer Schweizer Firma arbeitet. Ist Nestlé eine Schweizer Firma? Nein. Sind UBS und CS Schweizer Unternehmen? Auch nein. Die beiden Grossbanken nennen sich heute „….mit Schweizer Wurzeln“. Das ist alles. Was wir oberhalb der Wurzeln sehen, gehört Engländern, Amerikanern, Ägyptern, Kataris, Chinesen, Deutschen oder dem Stadtstaat Singapur, Russen und Kasachen natürlich auch.
Wenn die einstige Firma Holderbank, die von der Ostschweizer Familie Schmidheiny gegründet wurde, die seit langem Holcim genannt wird, um sie nicht mit einer Bank zu verwechseln, nun mit dem französischen Lafarge-Konzern zusammen spannt, ist dies keine Schweizer Firma mehr. „Blick“-Chefredaktor René Lüchinger meint: „Im Fall von Lafarge und Holcim entstünde eine internationale Grossfirma mit Zentrum in der Schweiz.“ Der Präsident des Verwaltungsrates wäre ein Deutscher, der CEO ein amerikanisch-französisches Mischwesen. Schweizer spielen dann an der Spitze keine Rolle mehr, es sei denn als Aktionäre, wo auch ein Russe und Ägypter namens Sawiris (Bruder des Andermatter Sawiris) mit hohen Einsätzen dabei sind.

Berichten die Schweizer Medien eigentlich umfassend und korrekt über diese Vorgänge? Haben wir noch Journalisten, die ihren Beruf unabhängig und mit jenem Herzblut ausüben, welche die Schweizer Medienlandschaft einst gross gemacht haben? Nun, Peter Röthlisberger, der ebenso tüchtige wie erfolgreiche Chefredaktor des „Blick am Abend“, verteilte mit seinen Kollegen in der letzten Woche eine von Samsung finanzierte Ausgabe „Blick am Morgen“. Früher hätten wir uns nicht vorstellen können, dass Chefredaktoren und andere Journalisten für derlei Kreativmarketing sich Zeit nehmen würden.

War es früher besser? Es war anders. Andere Zeiten bringen andere Menschen hervor. Ich meine, lasst uns das Alter geniessen – und auf keinen Fall vorzeitig abbrechen, aber das ist ein anderes Thema.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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