Sind Langzeit-Ferien im Ausland besser?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wer die Fotos von älteren Menschen sieht, die an den Küsten des Mittelmeers oder des Indischen Ozeans fröhlich am Strand leben, muss sich fragen: Will ich mir diese sechsmonatige Kaltzeit in der Schweiz auch in Zukunft noch antun? Noch heute früh lag der Reif auf den Wiesen auf über 600 Metern Höhe; es war mit drei Grad Lufttemperatur empfindlich kühl.

Die Insel Mallorca war vor sechzig Jahren die erste Altersdestination Europas. Gleich neben der Hauptstadt Palma füllten sich die Hotels mit Gästen, die mit 300 Franken oder D-Mark im Monat dort bis zu einem halben Jahr überwintern konnten. Wer damals schon die Strände überfüllt fand, wundert sich, wie eng gepackt die Menschen dort heute leben. Sogar im Käfig gehaltene Chüngel haben heute mehr Bewegungsspielraum als das Ferienvolk Mallorcas am Strand oder im Nachtclub.

Auffallend ist es, dass seit zwanzig Jahren auch die Superreichen Europas auf die Insel, in die heute reichste Provinz Spaniens gezogen sind. Man lebt dort im Prinzip wie zuhause, zieht oft auch die gleichen Freunde mit sich und hat dazu Palmen, sanften Wind und viel Sonne. Mallorca, das Florida Europas? Stimmt.

Anderseits gab es die grosse Altenauswanderung nach Thailand. Dort lebt man noch viel billiger und hat allerlei Personal zur Verfügung, das nur darauf wartet, einem Schweizer die Füsse zu massieren. Das ist, in Massen konsumiert, höchst angenehm. Doch dürfen wir die Augen nicht vor zweierlei verschliessen: Der soziale und sexuelle Missbrauch macht die Destination für viele „dégoutant“. Jeder Mann, der sich dort ansiedelt, steht im Verdacht, ein halber Kinderschänder zu sein. TV-Reportagen haben gezeigt, dass manche Männer ihre Frauen wie Haustiere halten. Es ist das Geld der Reichen, das die Armen domestiziert.

Die Alternative für Frauen ist Ostafrika, speziell Kenia. Dort hat sich die Symbiose zwischen alternder Vorstadt-Diva und hoffnungsvollem dunkelhäutigem Strandathleten wohl am weitesten entwickelt. Eine deutsche Filmregisseurin aus der Hitlerzeit hat sich grosse Verdienste damit erworben, dies früh zu einem Thema zu machen: Kuhhirt liebt hinter dem Baum breithüftige Sekretärin, Verkäuferin oder was immer….Dies läuft nach dem gleichen Modell wie in Thailand.

Dieser Tage war ich auf der griechischen Insel Rhodos, die gleich gegenüber der südtürkischen Küste liegt. Sie ist kleiner als Mallorca und hat einen erfreulichen Entwicklungsrückstand von einer Generation. Das heisst, die Menschen dort sind überaus freundlich (so, wie man sich Schweizer an den heimischen Touristenorten wünscht) und von einer Geduld, wie man sie bei uns im Norden schon lange nicht mehr findet. Händler und Wirte seit Generationen, wo die Geschäfte und kleinen Bauernhöfe noch vererbt werden, hat sich dort eine Kultur der griechischen Gastfreundschaft erhalten, wie sie nicht schöner vorstellbar ist.

Wer den Flug nach Thailand oder Kenia scheut, wem in Mallorca zu viele Deutsche sind, der möge Rhodos ins Auge fassen. Es liegt auf der Höhe von Gibraltar und bietet zu vernünftigen Preisen viel Lebensqualität. Einzig Wanderwege wird man dort nur selten finden. Die dort wohnhaften Griechen ziehen Auto, Roller und Motorrad als Fortbewegungsmittel vor. Nur im südlichen Inland, wo die Berge bis auf 1200 Meter ansteigen, sind Geissenwege zu finden. Ab September, wenn die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr am Horizont auftauchen, wird es richtig gemütlich. Erst nach Ostern, das man dort eine Woche später als bei uns feiert, beginnt wieder der Rummel.

Da ich selber schon seit dreissig Jahren in der Algarve wohne, dem südlichsten Teil Portugals, wäre es unfein, diese nicht zu erwähnen. Seit über hundert Jahren ist dies eine erfahrene Tourismus-Destination, wo von Strand bis zum Golfplatz sehr viel geboten wird. Für einfache Bedürfnisse ist die Algarve weniger geeignet, denn die westliche Zivilisation hat dort ihre Spuren hinterlassen.

Bald beginnt der Sommer in der Schweiz. Wer die Ballungszentren scheut, kann hier wunderbare Ferien machen. Ist es in den Tälern zu heiss, können überall die „Schattenberge“ aufgesucht werden, wo die Sonne nicht in die Südhänge knallt.

Ich wünsche Ihnen frohe Ferien.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Dieser Beitrag wurde am von in Allgemein, K. J. Stöhlker veröffentlicht. Schlagworte: , , , , , .

Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *