Archiv für den Monat: April 2015

Noch eine Schweizer Legende: Sepp Renggli

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

In einer Zeit, die Wilhelm Tell nicht mehr kennt und Napoléon den Grossen zu jenen Menschen zählt, welche die heutige Schweiz begründet haben, gibt es noch Schweizer Legenden, denen der Anspruch nicht genommen werden kann, sie hätten tatsächlich gelebt. Einer von ihnen ist der am 9. Januar im Alter von 90 Jahren verstorbene Sepp Renggli gewesen. Er war die Stimme von Radio Beromünster, ein Meinungsmacher der Schweizer Sportjournalisten und mit vielen Sonderaufgaben, wie der Vorbereitung der Olympiawerbung von Zürich und Hochybrig, die dann vom Zürcher Stimmvolk abgelehnt wurde, ein Mittelpunkt der Schweizer Gesellschaft. Der ZSC Lions verdankt ihm seinen Namen.

Der kreative und erfolgreiche Weber Verlag in Thun, geführt von Annette Weber, hat soeben das letzte von Sepp Rengglis über zwanzig Büchern publiziert: „Unser schönster Sieg“, Erinnerungen an epochale Schweizer Sporttriumphe und bittere Niederlagen, wie es im Titel heisst. Auf 144 Seiten mit einer DVD werden Schweizer Sport- und Gesellschaftsgeschichte in Erinnerung gerufen, die für viele so wichtig sind wie die militärische Dienstzeit es einmal war.
Das Vorwort, „Anstoss“ genannt“, schrieb FIFA-Präsident Sepp Blatter, den über Jahrzehnte eine herzliche Freundschaft mit dem im Entlebuch geborenen Luzerner verband. Er sagt: „Renggli prägte die Medienlandschaft wie kaum ein Zweiter. Es waren die Leichtigkeit und Souplesse seiner Berichterstattung, die mich faszinierten.“ Und er gibt ihm den Ehrentitel: „Nun ist er eine unsterbliche Legende.“

Sepp Renggli gab im Radio Beromünster, das heute nicht mehr existiert, einer Schweiz den Ausdruck, die nach den Spannungen des Zweiten Weltkriegs selbst zu einem Welterfolg wurde. Seine beiden Söhne sind der Kommunikation treu geblieben. Thomas erlebt im Präsidialbüro von FIFA-Präsident Sepp Blatter, dass Sport auch Krieg ohne Waffen sein kann, wie es ein spanischer Philosoph ausdrückte. Bruder Felix hat einen festen Platz in der Sportredaktion des Schweizer Radio und Fernsehens gefunden. Beide ergänzen in „Unser schönster Sieg“ die väterliche Sicht aus dem 20. mit ihren Einblicken aus dem 21. Jahrhundert.

Die Schweiz ist keine Sportgrossmacht mehr, auch wenn sie noch zu jenen Staaten gehört, deren Athleten immer wieder für „goldene Überraschungen“ gut sind. Sie ist dafür das Land geworden, aus welchem der Weltfussball hervor gegangen ist. Von Sepp Renggli zu Sepp Blatter führt ein ganz natürlicher Weg. Wer sich für Hintergründe im Schweizer Sport interessiert, findet in diesem Buch eine spannende Lektüre.

Sepp Renggli, „Unser schönster Sieg“, Erinnerungen an Schweizer Sporttriumphe und bittere Niederlagen, Weber Verlag Thun. ISBN 978-3-03818-055-5

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Die Weissagung des Afrikaners

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Mein Freund, der alte Afrikaner, welcher mich als zuverlässiger Taxichauffeur einige Male durch Zürich gefahren hatte, verlässt nun die Schweiz. Er, der als junger Musiker in unser Land kam, eine Schweizerin heiratete (oder sie ihn) und mit ihr zwei heute erwachsene Kinder grossgezogen hat, wird nun pensioniert. Mit seiner AHV von tausend Franken kann er in seiner afrikanischen Heimat wie ein reicher Mann leben, einer, der bei uns 10 000.—Franken im Monat verdient. Seine Ehe ist längst geschieden, „kulturell unverträglich, die Schwiegereltern haben mich nie akzeptiert“, sagt er in gutem Züridütsch.

Als ich ihn zum Abschied fragte: „Was halten Sie von der Invasion über das Mittelmeer?“, teilte er mir etwas mit, das man früher als Weissagung bezeichnet hat. Ich gebe diese Weissagung hier weiter:

„Die Afrikaner und Vorderasiaten, die jetzt nach Europa flüchten“, sagt er, „werden Europa überfluten und die europäische Kultur vernichten. Es sind überwiegend Moslems, die nur auf den Koran und ihre islamischen Führer vertrauen. Sie lieben Europa nicht, auch wenn sie viele Jahre hier gelebt haben.“ Nicht anders seien die Iraker, Syrer oder die Iraner: freundlich bei jeder Begegnung, aber unter sich ganz anders.

„Die Schweizer“, sagt er setzen auf Vertrauen, „dieses Wort gibt es in Afrika und im Islam nicht.“ Als Afrikaner arbeitet man, sofern man muss, nur für den Tag, denkt nicht an morgen oder die Zukunft. Deshalb verlangen Afrikaner immer etwas, geben aber nichts zurück. Zürich, meint er, sei extrem gefährdet. Es würden zwei kleine Gruppen von Moslems genügen, um die Stadt zu zerstören. Wir Schweizer seien auf solche Situationen nicht vorbereitet.

Der alte Mann, noch immer jugendlich, freundlich lächelnd, wird nun heimkehren nach Afrika. Immer hat er Geld zu seiner Familie nach Hause gesandt, weil man dies dort von ihm erwartete. „Jetzt“, sagt er, „werde ich allen sagen, ich bin pensioniert und kann nichts mehr geben.“

Der afro-europäische Bootsverkehr über das Mittelmeer, immer nur von Süden nach Norden, wird heute im Stil von Reisebüros betrieben, die feste Tarife anbieten. Die Europäer haben ein schlechtes Gewissen, die Afrikaner so wenig wie die Menschen Vorderasiens. In einer Generation wird die Zahl der Christen weltweit, wie heute, bei gut 30% der Menschheit bleiben; auch die Hindu und Juden werden an Zahl stagnieren. Aber die Zahl der Moslems wird von gut von gut 20% auf 30% ansteigen. Weil sie viele Kinder haben, wird diese Religion am raschesten von allen wachsen. Und unsere Atheisten werden ohnehin keinen Beitrag leisten.

Mein alter, freundlicher Taxifahrer weiss mehr als viele unserer Politiker. Er kennt das Schweizer Volk besser als dies bei der „élite politique“ in Bern der Fall ist, denn er kennt nicht nur uns Schweizer, sondern auch viele der zwei Millionen Ausländer. Ich glaube seiner Weissagung.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Geld spenden für Mittelmeer-Flüchtlinge?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es sind vor allem ältere Menschen, die immer wieder grosszügig ihr „Kässeli“ öffnen, wenn es darum geht, anderen zu helfen. Die älteren Schweizer gehören zu den weltbesten Spendern, denn sie wissen noch, was Armut heisst.

Die Hilferufe aus dem Mittelmeer, wo immer mehr Menschen umkommen, bedeuten für jeden Menschen einen ernsthaften Konflikt. Wir Europäer, darunter auch wir Schweizer, werden als Unholde dargestellt, die den armen Afrikanern, die in den Norden flüchten, zu wenig helfen. Ist dies die Wahrheit?

Zuerst muss man festhalten, dass die Araber, Moslems und anderen Afrikaner nichts tun für die Flüchtlinge. Im Gegenteil: Sie benutzen sie als Beutegut, das man auf dem Weg nach Norden ausplündern kann. Die muslimischen Schlepperbanden zwischen dem Libanon und Libyen, welche die Flüchtlinge aus Afrika und dem Mittleren Osten auf alte und überladene Schiffe zwingen, die man früher „Seelenverkäufer“ nannte, sind die eigentlichen Mörder, denn sie wissen, welchem Risiko sie ihre Fluchtgäste aussetzen.

Bei vielen Flüchtlingen aus Afrika handelt es sich um jugendliche Abenteurer, die sich von ihren Familien die letzten US-Dollars geben lassen, damit sie in Europa Geld verdienen und nach Hause senden können. Es sind nicht die Schwächsten, welche nach Norden „abhauen“, sondern die Stärksten, die Mutigsten, denen man zutraut, über die NATO-Zäune zu klettern oder schwimmend Sizilien zu erreichen (auch wenn dabei vergessen wird, dass die meisten Afrikaner nicht schwimmen können).

Papst Franziskus sagt: „Die Flüchtlinge sind Menschen wie wir, sie sind unsere hungernden und verfolgten Brüder.“ Einmal abgesehen davon, dass er nicht von „Schwestern“ spricht, muss auch dieser Satz vorsichtig aufgenommen werden. Wer von seiner Familie mit 2-3000 Dollars ausgestattet wurde, um Europa zu erreichen, gehört nicht zu den Hungernden. Aus Afrika flüchten nicht die Armen, die zur Flucht ohnehin zu schwach sind; es flüchtet der Mittelstand. Auch aus Syrien kommt der Mittelstand zu uns; es sind Familien, die zuhause rechtzeitig alles verkauft haben, um bei uns ein neues Leben zu beginnen.

Wenn morgen Ihr Nachbar in Ihr Haus oder Ihre Wohnung einbricht, dies unter dem Vorwand, zuhause geht es mir schlecht, dann werden Sie ihn sicher wieder hinauswerfen. Ganz so dringen Moslems und Afrikaner in unser „Europäisches Haus“ ein; eingeladen hat sie niemand. Natürlich haben wir ein christliches Herz und der Jammer unserer Wohlfahrtindustrie lärmt in unseren Ohren. Die Fotos der weinenden Mütter, die ihre Kinder auf die grosse Reise geschickt haben, werden von unseren Medien gerne abgedruckt.

Was tun? Wenn ich daran denke, wie viel Chaos Europa in den letzten 6oo Jahren erlebt hat, wie viele Kriege, wie viel Hunger und Leiden, dann meine ich, auch die Syrer und die Iraker müssen ihre Länder selbst aufräumen und ihre Völker beschützen. Der Irak wurde mit Lug und Trug von den US-Amerikanern und den Blair-Engländern zerstört. Libyen wurde von Nicolas Sarkozy unter Beizug der NATO zertrümmert, sodass „wir“ an der dort herrschenden Unordnung nicht unschuldig sind.

Die Flüchtlinge, welche unterwegs sterben, tun mir leid. Aber sie tun mir nicht mehr leid als die Armutsflüchtlinge aus der Schweiz, Italien und Osteuropa, die im 19. Jahrhundert nach Amerika flüchteten. Sie tun mir nicht mehr leid als die Araber, die aus Palästina vertrieben wurden und sie tun nicht mehr Leid als die Moslems, die aus Indien vertrieben wurden, als es dort zur Staatsbildung kam. Die Amerikaner haben für solche Opfer der Gewalt einen Ausdruck formuliert: Kollateralschäden. Unvermeidliche Opfer zwischenstaatlicher oder sozialer Auseinandersetzungen.

Wer flüchtet, ist immer der Schwächere. Wer standhält, ist entweder ein ehrenvoller Verlierer oder ein kommender Sieger. Darum geht es.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Der bevormundete Konsument

Prof. Dr. Stephan Wirz

Prof. Dr. Stephan Wirz

Sie kaufen noch ein, was Ihnen gefällt und schmeckt? Fürchten Sie nicht, mit einem solchen Verhalten in eine gesellschaftliche Minderheitsposition zu geraten? Was sagen dazu Ihre Freunde?

Heute ist es doch so, dass es beim Kauf eines Kleidungsstücks oder eines Lebensmittels gar nicht mehr um Sie selbst und um Ihr persönliches Glück geht. Die „kritische Öffentlichkeit“ erwartet von Ihnen, dass Sie sich vor dem Kauf darüber informieren, wie das Kleidungsstück produziert oder das Lebensmittel erzeugt wurde. Haben alle Produzenten in der Wertschöpfungskette sozial- und umweltverträglich gehandelt? Sie wissen es nicht? Sie kümmern sich um keine Gütesiegel und Labels, die Ihnen das Nachforschen abnehmen und die Sozial- und Ökologieverträglichkeit „garantieren“? Die Gemeinschaft der Steuer- und Krankenkassenprämienzahler erwartet zudem von Ihnen, dass Sie sich gesund ernähren und auch genügend Sport betreiben. Sie rauchen? Sie sind übergewichtig? Das geht keinesfalls mehr, solche Verhaltensweisen geraten heutzutage in den Geruch, asozial zu sein. Veganer bzw. zumindest Vegetarier zu sein, gilt hingegen als chic.

Diese Auflistung liesse sich beliebig lang fortsetzen. Ich bin auch für ein überlegtes und verantwortungsbewusstes Konsumieren. Was mich aber an dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Konsumdiskurs stört, ist der Trend zur Übermoral und zur Bevormundung.

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren warnten die Konsumkritiker noch vor den Manipulationsversuchen der Hersteller und des Handels. Haben Sie auch Vance Packards „Geheime Verführer“ oder John Kenneth Galbraith’ „Überflussgesellschaft“ gelesen? Sie waren davon überzeugt, dass die Konsumentensouveränität von der Produzentensouveränität abgelöst worden sei und skizzierten eine Wirtschaft als „Perpetuum mobile“ von künstlich geschaffenen Bedürfnissen und Gütern zu deren Befriedigung. Sättigung komme in dieser Gesellschaft nicht mehr vor.

Wir haben in der Zwischenzeit gelernt, mit Marketing und Werbung umzugehen. Heute zeichnen die Konsumkritiker von uns Konsumenten nicht das Bild von einfältigen manipulierten Wesen, sondern sie fordern von uns, dass wir die Moral der Welt retten. Wir treten in der konsumethischen Literatur als Konsumbürger („consumer citizen“) auf, die ökonomisch, ethisch, sozial und ökologisch informiert und aufgeklärt sind. Wir werden als Akteure gesehen, die die Unternehmen zu mehr Moral zwingen können. Durch die neuen Medien können gezielte Kauf- oder Nichtkauf-Entscheidungen kollektiv verstärkt werden: als Aufrufe zum gezielten Kaufen („buycott“) bzw. zum gezielten Nichtkaufen („boycott“). Unternehmen sollen also für ihr moralisches Handeln belohnt bzw. für ihr unmoralisches Verhalten bestraft werden.

Der Charme dieses Ansatzes liegt zweifellos darin, dieses Ziel nicht über staatliche Interventionen, sondern zivilgesellschaftlich, über marktwirtschaftlich konforme Massnahmen, erreichen zu wollen. Aber überfordert uns dieses Konzept nicht? Haben wir für ein solches Handeln ausreichende und verlässliche Informationen? Geraten wir nicht in die Gefahr, dass bestimmte Interessensgruppen uns das „gute Leben“ vorschreiben und uns die Lebensfreude vergällen?

Hat die Bank Ihren Hypo-Kredit verlängert?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Die Schweizerische Nationalbank und die Finma tun alles, um unsere Banken davon abzuhalten, zu viele Hypothekarkredite zu geben. Sie befürchten eine Kreditblase, weil dann Milliarden Franken verloren gehen können, ganz wie schon einmal vor gut zwanzig Jahren.

Die ersten Opfer sind ältere Menschen, die pensioniert werden. Die Banken, allen voran die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, schränken die Zahl und den Umfang der von ihnen vergebenen Hypothekarkredite ein. Sie rechnen aus, ob frisch Pensionierte noch in der Lage sind, ihre Hypothek zu bedienen. Kommen die Bankcomputer aufgrund der Einkommenslage der Bankkunden zu einer falschen Kennziffer, wird der Kredit gekündigt.

Damit verlieren alte Menschen ihr Heim, das sie während Jahrzehnten abbezahlt haben. Es sind die berühmten „ehrlichen Schweizer“, welcher dieser neuen Praxis zum Opfer fallen.

Besonders stossend ist es, dass sich die Chefs der beiden Grossbanken, wie www.insideparadeplatz.ch berichtet, selbst Hypothekar- und Spekulationskredite in Millionenhöhe geben. Das ist erlaubt. Sie tun es aber auch, was schon seit Jahrzehnten geübte Praxis ist, zu Vorzugszinsen. „Geschenktes Geld“, schreibt www.insideparadeplatz.ch.

Das heisst, während viele alte Bankkunden jetzt enteignet werden, greifen die Bankenchefs in die eigenen Honigtöpfe. Ansgar Gmür, der Direktor des Schweizerischen Hauseigentümerverbandes, hat dies als erster bemerkt und darauf hingewiesen, dass die Banken während Jahrzehnten viel Geld mit den sparsamen Schweizern verdient haben, die ihre Zinsen pünktlich bedienten.

Wir wollen hier nicht das Wort jenen reden, die sich zu grosse „Hütten“ gebaut haben, welche sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Das ist vielfach bei jungen wie bei alten Menschen der Fall. Wir sehen aber auch die Tragödie jener Menschen, die sich Zinsen und Tilgung der Hypothekarschuld vom Mund abgespart haben und nun vielleicht ausziehen müssen.

Was aus grosser Sicht, die man in Fachkreisen „makro“ nennt, richtig sein mag, ist aus persönlicher Sicht, die man „mikro“ nennt, oft eine Tragödie. Eines ist klar: Wer reich ist, wird reicher; wer arm ist, ärmer. Das steht schon in der Bibel.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Sind Unternehmer wirklich „Dienende“?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Gestern fiel mir ein Foto von Dr. Christoph Blocher in die Hände, wie er, den breiten Rücken dem Fotografen zugekehrt, auf der Terrasse seines Herrliberger Hauses stehend, die Hände auf eine eiserne Terrassenbrüstung stützt, die auch Versailles Ehre machen würde. Er blickt sinnend auf den Zürichsee hinab.

Christoph Blocher sieht sich als Dienender an seiner Familie, seiner Firma, die nun den Kindern gehört, und seinem Land, das wir bewohnen dürfen. Als Dienender hat man die Aufträge seiner Herrschaften zu erfüllen, aber nicht so Christoph Blocher. Er dient der Sache.

Dürfen wir also die Worte grosser Unternehmer ernst nehmen, wenn sie solche Sprüche von sich geben? In unserem nördlichen Nachbarland spielt sich gerade ein Drama ab. Dort ist Ferdinand Piech, der aus Österreich stammende deutsche Autokönig, in dessen VW-Reich über 550 000 Menschen aus aller Welt arbeiten, ebenfalls ein Dienender. Weil der operative Firmenchef Martin Winterkorn nicht so konsequent handelt, wie der „Diener“ und Grossaktionär Piech sich dies vorstellt, gab er ihm ein Warnzeichen: Winterkorn, der mehr verdient als unsere teuersten Bankiers, müsse wieder mehr Diener werden. Auf Deutsch: Genau das und so schnell wie möglich tun, was der Oberdiener Ferdinand Piech von ihm verlangt.

Beide, Dr. Christoph Blocher wie Ferdinand Piech, dienen der Sache, einer Sache, die sie selbst bestimmt haben. Wer dieser Sache nicht dienen will, muss umgehend aus der Firma, der Partei, dem sozialen Umfeld, das sie umgibt, verschwinden.

Noch schlimmer finde ich es, wenn Politiker oder Unternehmer „mit Herzblut“ an eine Sache herangehen. Die Zahl der blutenden Herzen hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen, denn derartige Floskeln verbreiten sich rasch; denken Sie nur an die Karriere des Begriffs „Narrativ“ Wer nicht einem neuen Narrativ mit Herzblut zu folgen bereit ist, um als Diener einer (gerechten) Sache zu höchsten Ehren zu kommen, hat nicht begriffen, wie bei uns die „chose“ heute läuft.

Ich sage dies, leicht irritiert, weil mir offensichtlich der Mut fehlt, mein Herzblut für derlei Unfug zu opfern.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Erinnern Sie sich noch?

 

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Erinnern Sie sich noch, wie es früher war, als Sie noch arbeiteten? In vielen Unternehmen herrschte eine nahezu familiäre Atmosphäre. Man arbeitete motiviert und „faule Äpfel“ unter den Mitarbeitern wurden von ihren Kollegen bald erkannt und aussortiert. Der soziale Druck war vorhanden, aber selten unangenehm. Wer fleissig war, erhielt seinen Lohn und – bis heute – seine Rente.

Heute geht es in der Welt ganz anders zu und man darf sich fragen: Wollten wir das? Gerade in den grössten Schweizer Unternehmen ist Neugier über den Arbeitsplatz hinaus gar nicht gefragt. Jedermann ist aufgerufen, seinen Job mit grossem Fleiss zu erledigen; über das berufliche Umfeld und die Karriere entscheiden andere.

Wenn Sie heute in einem grossen Finanzinstitut intern Angaben über die „eigene“ Bank suchen, die nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehören, leuchtet es auf dem Bildschirm auf: „Ihr Interesse an diesen Daten wird registriert und eine E-Mail an die Compliance-Abteilung geschickt.“ Was werden Sie dann tun? Sie werden nicht mehr neugierig sein; das ist besser so.

Dabei geht in Vergessenheit, dass es die neugierigen Menschen sind, die dem Unternehmen und der Welt den Fortschritt bringen. Wenn Sie aber, wie heute vielerorts der Fall, mit allen ihren persönlichen Daten und denjenigen ihres privaten Umfelds gescannt werden, sollten sie sich nicht einmal fragen, ob ihnen dies gefällt. Es ist einfach so.

Desto mehr spielt es eine Rolle, ob die Firma, in welcher sie arbeiten, wirklich eine schweizerische ist oder nur ein Ableger einer ausländischen. Ausländer in der Schweiz kontrollieren ihre Mitarbeiter meist noch intensiver als es die Einheimischen tun.

Oft aber weiss man gar nicht, ob man wirklich in einer Schweizer Firma arbeitet. Ist Nestlé eine Schweizer Firma? Nein. Sind UBS und CS Schweizer Unternehmen? Auch nein. Die beiden Grossbanken nennen sich heute „….mit Schweizer Wurzeln“. Das ist alles. Was wir oberhalb der Wurzeln sehen, gehört Engländern, Amerikanern, Ägyptern, Kataris, Chinesen, Deutschen oder dem Stadtstaat Singapur, Russen und Kasachen natürlich auch.
Wenn die einstige Firma Holderbank, die von der Ostschweizer Familie Schmidheiny gegründet wurde, die seit langem Holcim genannt wird, um sie nicht mit einer Bank zu verwechseln, nun mit dem französischen Lafarge-Konzern zusammen spannt, ist dies keine Schweizer Firma mehr. „Blick“-Chefredaktor René Lüchinger meint: „Im Fall von Lafarge und Holcim entstünde eine internationale Grossfirma mit Zentrum in der Schweiz.“ Der Präsident des Verwaltungsrates wäre ein Deutscher, der CEO ein amerikanisch-französisches Mischwesen. Schweizer spielen dann an der Spitze keine Rolle mehr, es sei denn als Aktionäre, wo auch ein Russe und Ägypter namens Sawiris (Bruder des Andermatter Sawiris) mit hohen Einsätzen dabei sind.

Berichten die Schweizer Medien eigentlich umfassend und korrekt über diese Vorgänge? Haben wir noch Journalisten, die ihren Beruf unabhängig und mit jenem Herzblut ausüben, welche die Schweizer Medienlandschaft einst gross gemacht haben? Nun, Peter Röthlisberger, der ebenso tüchtige wie erfolgreiche Chefredaktor des „Blick am Abend“, verteilte mit seinen Kollegen in der letzten Woche eine von Samsung finanzierte Ausgabe „Blick am Morgen“. Früher hätten wir uns nicht vorstellen können, dass Chefredaktoren und andere Journalisten für derlei Kreativmarketing sich Zeit nehmen würden.

War es früher besser? Es war anders. Andere Zeiten bringen andere Menschen hervor. Ich meine, lasst uns das Alter geniessen – und auf keinen Fall vorzeitig abbrechen, aber das ist ein anderes Thema.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Sind Langzeit-Ferien im Ausland besser?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wer die Fotos von älteren Menschen sieht, die an den Küsten des Mittelmeers oder des Indischen Ozeans fröhlich am Strand leben, muss sich fragen: Will ich mir diese sechsmonatige Kaltzeit in der Schweiz auch in Zukunft noch antun? Noch heute früh lag der Reif auf den Wiesen auf über 600 Metern Höhe; es war mit drei Grad Lufttemperatur empfindlich kühl.

Die Insel Mallorca war vor sechzig Jahren die erste Altersdestination Europas. Gleich neben der Hauptstadt Palma füllten sich die Hotels mit Gästen, die mit 300 Franken oder D-Mark im Monat dort bis zu einem halben Jahr überwintern konnten. Wer damals schon die Strände überfüllt fand, wundert sich, wie eng gepackt die Menschen dort heute leben. Sogar im Käfig gehaltene Chüngel haben heute mehr Bewegungsspielraum als das Ferienvolk Mallorcas am Strand oder im Nachtclub.

Auffallend ist es, dass seit zwanzig Jahren auch die Superreichen Europas auf die Insel, in die heute reichste Provinz Spaniens gezogen sind. Man lebt dort im Prinzip wie zuhause, zieht oft auch die gleichen Freunde mit sich und hat dazu Palmen, sanften Wind und viel Sonne. Mallorca, das Florida Europas? Stimmt.

Anderseits gab es die grosse Altenauswanderung nach Thailand. Dort lebt man noch viel billiger und hat allerlei Personal zur Verfügung, das nur darauf wartet, einem Schweizer die Füsse zu massieren. Das ist, in Massen konsumiert, höchst angenehm. Doch dürfen wir die Augen nicht vor zweierlei verschliessen: Der soziale und sexuelle Missbrauch macht die Destination für viele „dégoutant“. Jeder Mann, der sich dort ansiedelt, steht im Verdacht, ein halber Kinderschänder zu sein. TV-Reportagen haben gezeigt, dass manche Männer ihre Frauen wie Haustiere halten. Es ist das Geld der Reichen, das die Armen domestiziert.

Die Alternative für Frauen ist Ostafrika, speziell Kenia. Dort hat sich die Symbiose zwischen alternder Vorstadt-Diva und hoffnungsvollem dunkelhäutigem Strandathleten wohl am weitesten entwickelt. Eine deutsche Filmregisseurin aus der Hitlerzeit hat sich grosse Verdienste damit erworben, dies früh zu einem Thema zu machen: Kuhhirt liebt hinter dem Baum breithüftige Sekretärin, Verkäuferin oder was immer….Dies läuft nach dem gleichen Modell wie in Thailand.

Dieser Tage war ich auf der griechischen Insel Rhodos, die gleich gegenüber der südtürkischen Küste liegt. Sie ist kleiner als Mallorca und hat einen erfreulichen Entwicklungsrückstand von einer Generation. Das heisst, die Menschen dort sind überaus freundlich (so, wie man sich Schweizer an den heimischen Touristenorten wünscht) und von einer Geduld, wie man sie bei uns im Norden schon lange nicht mehr findet. Händler und Wirte seit Generationen, wo die Geschäfte und kleinen Bauernhöfe noch vererbt werden, hat sich dort eine Kultur der griechischen Gastfreundschaft erhalten, wie sie nicht schöner vorstellbar ist.

Wer den Flug nach Thailand oder Kenia scheut, wem in Mallorca zu viele Deutsche sind, der möge Rhodos ins Auge fassen. Es liegt auf der Höhe von Gibraltar und bietet zu vernünftigen Preisen viel Lebensqualität. Einzig Wanderwege wird man dort nur selten finden. Die dort wohnhaften Griechen ziehen Auto, Roller und Motorrad als Fortbewegungsmittel vor. Nur im südlichen Inland, wo die Berge bis auf 1200 Meter ansteigen, sind Geissenwege zu finden. Ab September, wenn die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr am Horizont auftauchen, wird es richtig gemütlich. Erst nach Ostern, das man dort eine Woche später als bei uns feiert, beginnt wieder der Rummel.

Da ich selber schon seit dreissig Jahren in der Algarve wohne, dem südlichsten Teil Portugals, wäre es unfein, diese nicht zu erwähnen. Seit über hundert Jahren ist dies eine erfahrene Tourismus-Destination, wo von Strand bis zum Golfplatz sehr viel geboten wird. Für einfache Bedürfnisse ist die Algarve weniger geeignet, denn die westliche Zivilisation hat dort ihre Spuren hinterlassen.

Bald beginnt der Sommer in der Schweiz. Wer die Ballungszentren scheut, kann hier wunderbare Ferien machen. Ist es in den Tälern zu heiss, können überall die „Schattenberge“ aufgesucht werden, wo die Sonne nicht in die Südhänge knallt.

Ich wünsche Ihnen frohe Ferien.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Was zählt beim Geldanlegen?

Prof. Dr. Stephan Wirz

Prof. Dr. Stephan Wirz

Bei den heutigen niedrigen Zinsen überlegt sich mancher, ob sich das Sparen überhaupt noch lohnt. Vor dem Komma steht schon seit längerer Zeit eine Null, hinter dem Komma sieht es auch nicht viel besser aus. Mehr Zins- bzw. Dividendenertrag bringen riskantere Anlageformen. Beispielsweise Aktien.

Will man dieses Risiko eingehen? Wem gibt man da seinen Sparbatzen? Neben Abklärungen über die finanzielle Solidität des Unternehmens zerbrechen sich immer mehr Anleger auch den Kopf darüber, ob das Unternehmen „ethisch“ wirtschaftet. Das Schlagwort des „ethischen Investierens“ ist seit einigen Jahren in Mode. Es geht darum, dass Gelder von privaten und juristischen Personen in jene Branchen und Firmen fliessen, die sozial- und ökologieverträglich handeln. Doch was heisst „sozial- und ökologieverträglich“?

„Ist doch klar“, werden einige sagen, „das sind jene Unternehmen, die keine Kinderarbeit zulassen, nicht im Rüstungssektor tätig sind und Wasser und Luft nicht verschmutzen“. Aber kann man Unternehmen wirklich so klar in „gute“ und „schlechte“ Unternehmen trennen? Wie erkennt man, ob Unternehmen in der Praxis das einhalten, was sie nach aussen kommunizieren? Wer stellt das fest aufgrund welchen Wertekanons?

In den letzten Jahren sind eine Reihe von Finanzdienstleistern entstanden, die im Bereich des „ethischen Investments“ ihre Expertise und Beratung sowie entsprechende Anlagevehikel anbieten. Sie greifen dabei auf unterschiedliche ethische Bewertungsmassstäbe und Anlage-Strategien zurück. Für den potentiellen Anleger ist nicht immer ganz leicht zu erkennen, welche Vor- und Nachteile diese verschiedenen Ansätze bieten.

Hier möchte die Paulus-Akademie Orientierungshilfe bieten: Mit der Veranstaltung vom 19. Mai sollen den Teilnehmenden zusätzliche Informationen über die verschiedenen Konzepte des ethischen Anlegens gegeben werden. Und wie es sich für die Paulus-Akademie gehört, setzt sie die Frage nach dem ethischen Investment noch eine Ebene früher an: Führt das ethische Investment wirklich zu einer sozial- und ökologieverträglicheren Wirtschaft? Was ist daran bloss eine Modeerscheinung, ein kluger Marketing-Schachzug von Teilen der Finanzdienstleistungsindustrie? Es geht an dieser Veranstaltung letztlich über Sinn und Unsinn des ethischen Investments.