Wer ist noch völlig loyal?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Schon als ich vor dreissig Jahren für Dr. Gustav Däniker arbeitete, den letzten grossen Generalstäbler der Schweizer Armee im Range eines Generals, verlangte er von seinen Vertrauten vor allem eines: „Völlige Loyalität.“
Als ich später mit den Chefs vieler grosser Schweizer Firmen Kontakt hatte, war die erste Frage: „Sind Sie loyal?“

Dieser Tage konnte ich die Geschichte der Familie Safra studieren, die in Basel die Bank Sarasin übernommen hat. Weil ich schon Edmond Safra kannte, der seine Bank in Genf der American Express Bank verkaufte, war mit sofort klar, was der überlebende Joseph Safra, ein Brasilianer, verlangte: „Totale Loyalität“.

In nahöstlichen Kreisen, seien sie jüdisch oder arabisch, gilt die Familie noch mehr als bei uns. Anders als bei Bundesrätin Simonetta Sommaruga, gibt es dort keine „family light“, sondern es gilt nur die strengste Disziplin. Ich gestehe, dass mir dies ganz gut gefällt, denn unsere zusammen brechenden Familienverhältnisse, wie sie von sozialdemokratisch-liberalen Politikern gefördert werden, schaffen ein Chaos, das mehr Aufwand als Ertrag mit sich bringt.

Loyalität ist ein grosses Wort, das bekanntlich bei unseren nördlichen Nachbarn bis zur Nibelungentreue gedehnt wird, wo der Tod dem Verrat vorzuziehen ist. Wem soll man heute in der Schweiz gegenüber noch loyal sein? Die Armee ist ein einbrechendes Gebäude mit einem schwachen Bundesrat und nicht besseren Armeechef. Ich glaube nicht, dass diese höchsten Vertreter der Schweizer Armee jenen Respekt verdienen, den ein Soldat haben muss.

Soll man seinem Arbeitgeber gegenüber loyal sein? Das ist auch nicht einfach angesichts einer Situation, wo man schneller gefeuert, zu längeren Arbeitszeiten ohne Salärausgleich und sogar Salärsenkungen verdonnert wird. Zudem, ob Nestlè, Unilever, UBS, Clariant oder CS-Group: Man arbeitet für ausländische Aktionäre oder Kreditgeber, die finanziell glänzend bedient werden, während der einfache Schweizer um sein Einkommen und den Klassenerhalt kämpfen muss.

Soll man der Kirche gegenüber loyal sein? Dio mio, ob reformiert oder römisch-katholisch, die Spitzenvertreter der christlichen Kirchen wollen alle nur eines: Ihre Pfründen erhalten und, sofern jünger, eine Karriere in der Kirche machen. Damit sind Ansehen und Einkommen verbunden. Soll ich als Schweizer Christ einem afrikanischen, indischen oder polnischen Pfarrer gegenüber loyal sein? Wohl kaum. Da die Schweizer Christen sich abwenden, fördern
vor allem die reformierten Geistlichen jetzt den interreligiösen Dialog. Sie müssen ihre gewaltigen Saläre rechtfertigen, indem sie den Muslimen und Hindus predigen. Predigen und beten dürfen sie dort allerdings nicht, um nicht deren religiösen Gefühle zu verletzten.

Die Loyalität zerbricht mit der Autorität. Wer in der Schweiz noch standfeste Autoritäten zu erkennen vermag, ist höchstens ungebildet. Unser Land treibt wie das Floss der Medusa in eine ungewisse Zukunft. Noch sind viele von uns reich bis sehr wohlhabend, aber ohne Familien, ohne Erben, macht das auf Dauer keinen Sinn.

Die Safras kämen nie auf den Gedanken, ihren Familiennamen zu ändern. Bei uns darf sich jeder Hund oder Katz‘ nennen – und die liberalen Geister im Land nennen das Fortschritt.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

Ein Gedanke zu „Wer ist noch völlig loyal?

  1. Ruth

    Hallo Herr Stöhlker,
    Loyalität; Ethik, Mythos oder Fluch?
    Bin mittlerweile 68, in der Schweiz geboren, geschult, gearbeitet, geheiratet, gelebt. Viele ge-in meinem früheren Leben. Nun lebe ich seit 20 Jahren in Florida und betreibe seit dem Tod meines Mannes ein erfolgreiches Geschäft. Ihr Artikel über Loyalität bewirkt, dass ich mir bewusst werde, dass dieses mir eingetrichterte ver#@$%^ Loyalitäts-Bewusstsein wie ein Damoklesschwert über einen Grossteil meines Leben bestimmte. Schön, wenn es diese überlieferte ethische Gesinnung noch gäbe. Doch es gibt’s nicht mehr so. Schon lange nicht mehr. Ich hab’s nur nicht rechtzeitig bemerkt und dadurch wahrscheinlich sehr, sehr viel in meinem Leben verpasst und einstecken müssen. Heute weiss ich, dass Loyalität nicht nur rein geldabhängig geworden ist, sondern auch konstant überwacht werden muss.
    Zu Ihrer Erwähnung von Gustav Däniker: Vor ca einem Jahr erklärte mir meine alte Tante aus Deutschland in Zusammenhang mit den damaligen Griechenland „Unruhen“, dass jetzt dann gleich der 3. Weltkrieg ausbrechen würde. Also google ich Griechenland und fand diesen brilliant geschriebenen Artikel im Spiegel vor 30 Jahren über Gustav Däniker, sen. Ich glaube es wird auch Ihnen Spass machen diesen zu lesen:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13512116.html
    Freundliche Grüsse,
    Ruth Steiner

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