Adieu Max Bill, Adieu Hans Erni

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Vielleicht ist die Schweiz wirklich ein Holzboden für die eigenen Künstler. Im letzten Jahrhundert dominierten bei uns die Bankiers, die Händler und die Kalten Krieger. Wer sich grosse Kunst leisten wollte, kaufte im Ausland ein.

Über Max Bills Quadersteine an der Zürcher Bahnhofstrasse ärgere ich mich noch heute. Sie sind zum Pausen- und Abfallplatz für die Stadtwanderer geworden, bequeme Sitzplätze unter Quadern, deren sich die alten Griechen schämen würden: Ohne Eleganz, einfach so. In Wirklichkeit war es eine Grossbank, welche das Objekt kaufte und mit Bewilligung der Stadt Zürich im Stadtzentrum aufstellen liess, um ihren Sitz („…gleich neben dem Bill.“) besser kenntlich zu machen. Max Bill war Architekt und konstruktiver Künstler. Wer in architektonischen Massen vor den Aufbrüchen der Neuzeit mit Frank Gehry und Santiago Calatrava dachte, war mit ihm und seinen Werken zufrieden.

Hans Erni, ein Jahr später als Bill geboren, war dagegen ein verträumter Handwerker, ein jugendlicher Kommunist. Der intellektuelle Sozialismus eines Max Bill war nicht seine Sache.

Einen frühen Erni habe ich vor Jahren einmal gekauft. Die Mutter mit Kind erfreut mich heute noch ob der Sanftheit der Linie, der Intimität, mit welcher der geniale innerschweizer Handwerker seine Werke schuf. Erni, in seiner Jugend ein romantischer Idealist, geriet denn zum ewigen Wiederholungstäter, der auf Migros-Kulturtragtaschen gut aufgehoben war. Seine verquollenen Arme, Beine, Hände und Füsse wirkten auf mich nie stark, sondern gichtig. Die geneigten, sich darbietenden Frauenkörper und die Männer desgleichen, wollten griechisch sein, wurden aber nur zu deren fernsten Ausläufern.

Adieu Ihr beiden. Uns alten Menschen, die wir die Ruhe mehr als die Aufregung mögen, bekommt ihr gut. Max Bill in seiner kargen Strenge gibt allem Bedeutung, was er nicht zeigt. Hans Erni zeigt viel, hat aber die Bedeutung dessen, was er malt, längst vergessen. Das kommt vor.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

Ein Gedanke zu „Adieu Max Bill, Adieu Hans Erni

  1. Patrik-Philipp Huber

    Es gehört zum Leben, dass bestehendes sterben muss, damit neues wachsen kann. Ich halte beide Künstler für nationale Persönlichkeiten, die herausragendes geschaffen haben. Neben solchen Grössen haben neue Kunstschaffende es schwer. Nun hat es wieder „Platz“ für „Neues“…

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