Haben Sie auch Angst vor der Zukunft?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es ist unglaublich: Viele Schweizer haben Angst vor der Zukunft. Sie haben Angst, das auf der Bank liegende Geld, welches sie während Jahrzehnten gespart haben, könne sie nicht mehr ernähren, weil die Banken keine Zinsen mehr bezahlen. Sie haben Angst, nur noch eine reduzierte AHV zu erhalten, wie es jetzt bei den Griechen der Fall ist. Sie haben Angst, ihren Job zu verlieren, weil die Produktion ins Ausland verlagert wird. Sie haben Angst, mit fünfzig Jahren keinen neuen Job mehr zu finden. Sie haben noch mehr Angst um die Zukunft ihrer Kinder und Grosskinder. Die grosse Angst geht um. Machen wir etwas falsch?

Es war nicht der Bundesrat, es waren auch nicht die Parteien und Parlamentarier, die unser Leben mehr denn je in einen Zustand der Angst versetzt haben. Es war die Schweizerische Nationalbank, die keine Euro mehr kaufen wollte und den Schweizer Franken wie einen Luftballon nach oben sausen liess. Gemessen an unseren EU-Nachbarn, sind wir alle viel reicher geworden.

Gleichzeitig aber wurden, verteilt über das ganze Land, tausende von Entlassungen bekannt gegeben, die jetzt erfolgen sollen. In vielen Firmen wurde die wöchentliche Arbeitszeit, ohne Salärzuschlag, um 3-4 Stunden verlängert. Früher hätte dies Proteststürme ausgelöst. Heute verschliesst die Angst den Menschen den Mund.

Sind wir bald so arm wie die Griechen? Wir machen tatsächlich einiges falsch, das an Griechenland erinnert. Bundesrat Johannes Schneider-Ammann ist als Wirtschaftspolitiker, der gute Arbeitsplätze schaffen soll, ein Versager. Nach dem Nationalbankentscheid sagte er zuerst: „Jetzt müssen die Saläre runter.“

Zweitens gibt es bei uns im Land eine feine Form der Beziehungskorruption, wo in Bern und den Kantonen eine Hand die andere wäscht und jedermann Angst hat vor guten Ideen, die von aussen kommen. Man verteilt den Steuerkuchen im erweiterten Freundeskreis und will neue Mitspieler nur insofern, dass der Glaube an das System erhalten bleibt. Postenschacher, zwischen den Parteien ausgehandelt, ist eine Selbstverständlichkeit. Wo nicht die Besten wirken, wird unser System faul wie ein Apfel.

Drittens: Die sich führend nennenden Medien, darunter vor allem auch die Sender der SRG, decken derlei in einem falsch verstandenen Patriotismus. Wie soll das Volk verstehen, was im Land vorgeht, wenn die Medien diejenigen decken, die sich zur Elite zählen – und keine Elite sind?

Zuletzt ist die politische Abhängigkeit der Justiz ein Ärgernis grössten Ausmasses. Die Parteien ernennen die Richter aller Ebenen oder schlagen sie mindestens zur Ernennung vor. Deshalb müssen die Richter den Partei jedes Jahr eine Abzahlung auf ihr Richtersalär leisten, eigentlich ein Skandal.

Diese vier Mechanismen sind es, die unseren Wohlstand gefährden. Das Volk, etwas spürend, aber nicht verstehend, hat deshalb Angst um die Zukunft. Politiker, Wirtschaftsführer, Medien und Kirchenvertreter predigen ihm: Werdet bescheidener, denn Glück bedeutet mehr als Geld. Natürlich stimmt dies nicht, denn eigenes Geld beruhigt enorm, aber die Lüge hat Konjunktur. Wer Angst hat, wird still oder aggressiv, je nach Anlage. Wer Angst hat, schweigt gerne. Wer Angst hat, wird schneller krank.

Wir leben nicht in der Krise, sondern im Vorfeld einer Krise, die bereits ihre Schatten wirft.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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