Archiv für den Monat: März 2015

Wer ist noch völlig loyal?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Schon als ich vor dreissig Jahren für Dr. Gustav Däniker arbeitete, den letzten grossen Generalstäbler der Schweizer Armee im Range eines Generals, verlangte er von seinen Vertrauten vor allem eines: „Völlige Loyalität.“
Als ich später mit den Chefs vieler grosser Schweizer Firmen Kontakt hatte, war die erste Frage: „Sind Sie loyal?“

Dieser Tage konnte ich die Geschichte der Familie Safra studieren, die in Basel die Bank Sarasin übernommen hat. Weil ich schon Edmond Safra kannte, der seine Bank in Genf der American Express Bank verkaufte, war mit sofort klar, was der überlebende Joseph Safra, ein Brasilianer, verlangte: „Totale Loyalität“.

In nahöstlichen Kreisen, seien sie jüdisch oder arabisch, gilt die Familie noch mehr als bei uns. Anders als bei Bundesrätin Simonetta Sommaruga, gibt es dort keine „family light“, sondern es gilt nur die strengste Disziplin. Ich gestehe, dass mir dies ganz gut gefällt, denn unsere zusammen brechenden Familienverhältnisse, wie sie von sozialdemokratisch-liberalen Politikern gefördert werden, schaffen ein Chaos, das mehr Aufwand als Ertrag mit sich bringt.

Loyalität ist ein grosses Wort, das bekanntlich bei unseren nördlichen Nachbarn bis zur Nibelungentreue gedehnt wird, wo der Tod dem Verrat vorzuziehen ist. Wem soll man heute in der Schweiz gegenüber noch loyal sein? Die Armee ist ein einbrechendes Gebäude mit einem schwachen Bundesrat und nicht besseren Armeechef. Ich glaube nicht, dass diese höchsten Vertreter der Schweizer Armee jenen Respekt verdienen, den ein Soldat haben muss.

Soll man seinem Arbeitgeber gegenüber loyal sein? Das ist auch nicht einfach angesichts einer Situation, wo man schneller gefeuert, zu längeren Arbeitszeiten ohne Salärausgleich und sogar Salärsenkungen verdonnert wird. Zudem, ob Nestlè, Unilever, UBS, Clariant oder CS-Group: Man arbeitet für ausländische Aktionäre oder Kreditgeber, die finanziell glänzend bedient werden, während der einfache Schweizer um sein Einkommen und den Klassenerhalt kämpfen muss.

Soll man der Kirche gegenüber loyal sein? Dio mio, ob reformiert oder römisch-katholisch, die Spitzenvertreter der christlichen Kirchen wollen alle nur eines: Ihre Pfründen erhalten und, sofern jünger, eine Karriere in der Kirche machen. Damit sind Ansehen und Einkommen verbunden. Soll ich als Schweizer Christ einem afrikanischen, indischen oder polnischen Pfarrer gegenüber loyal sein? Wohl kaum. Da die Schweizer Christen sich abwenden, fördern
vor allem die reformierten Geistlichen jetzt den interreligiösen Dialog. Sie müssen ihre gewaltigen Saläre rechtfertigen, indem sie den Muslimen und Hindus predigen. Predigen und beten dürfen sie dort allerdings nicht, um nicht deren religiösen Gefühle zu verletzten.

Die Loyalität zerbricht mit der Autorität. Wer in der Schweiz noch standfeste Autoritäten zu erkennen vermag, ist höchstens ungebildet. Unser Land treibt wie das Floss der Medusa in eine ungewisse Zukunft. Noch sind viele von uns reich bis sehr wohlhabend, aber ohne Familien, ohne Erben, macht das auf Dauer keinen Sinn.

Die Safras kämen nie auf den Gedanken, ihren Familiennamen zu ändern. Bei uns darf sich jeder Hund oder Katz‘ nennen – und die liberalen Geister im Land nennen das Fortschritt.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Adieu Max Bill, Adieu Hans Erni

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Vielleicht ist die Schweiz wirklich ein Holzboden für die eigenen Künstler. Im letzten Jahrhundert dominierten bei uns die Bankiers, die Händler und die Kalten Krieger. Wer sich grosse Kunst leisten wollte, kaufte im Ausland ein.

Über Max Bills Quadersteine an der Zürcher Bahnhofstrasse ärgere ich mich noch heute. Sie sind zum Pausen- und Abfallplatz für die Stadtwanderer geworden, bequeme Sitzplätze unter Quadern, deren sich die alten Griechen schämen würden: Ohne Eleganz, einfach so. In Wirklichkeit war es eine Grossbank, welche das Objekt kaufte und mit Bewilligung der Stadt Zürich im Stadtzentrum aufstellen liess, um ihren Sitz („…gleich neben dem Bill.“) besser kenntlich zu machen. Max Bill war Architekt und konstruktiver Künstler. Wer in architektonischen Massen vor den Aufbrüchen der Neuzeit mit Frank Gehry und Santiago Calatrava dachte, war mit ihm und seinen Werken zufrieden.

Hans Erni, ein Jahr später als Bill geboren, war dagegen ein verträumter Handwerker, ein jugendlicher Kommunist. Der intellektuelle Sozialismus eines Max Bill war nicht seine Sache.

Einen frühen Erni habe ich vor Jahren einmal gekauft. Die Mutter mit Kind erfreut mich heute noch ob der Sanftheit der Linie, der Intimität, mit welcher der geniale innerschweizer Handwerker seine Werke schuf. Erni, in seiner Jugend ein romantischer Idealist, geriet denn zum ewigen Wiederholungstäter, der auf Migros-Kulturtragtaschen gut aufgehoben war. Seine verquollenen Arme, Beine, Hände und Füsse wirkten auf mich nie stark, sondern gichtig. Die geneigten, sich darbietenden Frauenkörper und die Männer desgleichen, wollten griechisch sein, wurden aber nur zu deren fernsten Ausläufern.

Adieu Ihr beiden. Uns alten Menschen, die wir die Ruhe mehr als die Aufregung mögen, bekommt ihr gut. Max Bill in seiner kargen Strenge gibt allem Bedeutung, was er nicht zeigt. Hans Erni zeigt viel, hat aber die Bedeutung dessen, was er malt, längst vergessen. Das kommt vor.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Wo liegt die Hölle auf Erden?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn wir davon ausgehen, dass die Schweiz ein Paradies auf Erden ist, müssen wir uns auch Gedanken darüber machen, wo dann die Hölle auf Erden liegt.

Tibet ist keine Konkurrenz für die Schweiz, weil die hoch gelegene Landschaft zwar schön, aber wenig menschenfreundlich ist. Kolumbien, wo die Spanier das Land El Dorado vermuteten, könnte ein Paradies sein, aber noch immer bringt man sich dort gegenseitig um, was den Aufenthalt nicht immer empfehlenswert macht. Gleiches gilt für viele Länder: Südafrika, Israel, Libyen. Es bleibt dabei: Wir sind das irdische Paradies.

Und die Hölle auf Erden? Ich habe sie gefunden. Es ist die Stadt Goma im östlichen Kongo. Sie liegt am Kivusee, in dessen Tiefen Methan und Kohlenstoffdioxyd schlummern. Treten diese Gase aus, was immer wieder geschieht, können sie, unsichtbar und lautlos, Tausende von Menschen töten. Nicht genug, der benachbarte Vulkan Nyiragongo droht nach 1977 (500 Tote) und 2002 (200 Tote) wieder einmal auszubrechen. Der Stratovulkan ähnelt dem Vesuv und kann seine Lava mit bis zu 100 km/h Richtung Tal senden.

Die Stadt Goma liegt eingesperrt zwischen tödlichem See und tödlichem Vulkan. Damit dort die Menschen nicht übermütig werden, kommen immer wieder kämpfende Milizen vorbei und plündern alles, was übrig geblieben ist. Die sieben biblischen Plagen sind dagegen ein Kinderspiel. Nicht zu vergessen: Wenn der Nyiragongo, was sehr häufig vorkommt, seine heissen Fasern ausstösst, „Haar der Pele“ genannt, müssen die in der Umgebung wohnenden 1,5 Mio. Menschen sofort verschwinden. Die glasähnlichen Fasern der Feuergöttin zerstören Magen und Darm.

Vielleicht ziehen Sie dem eine Wanderung im Alpenvorland oder hinauf auf die Collina d’Oro von Lugano vor. Es ist jetzt Frühling; es riecht nach frischen Pflanzen, die Luft ist sanft und die Sonne brennt angenehm. Atmen Sie ein wenig am offenen Fenster durch. Goma ist die Hölle auf Erden; hier lässt sich leben.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Wir Alten leben von Legenden

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es sind vor allem wir Alten, die nachmittags und abends vor dem Fernseher sitzen und uns von Krimis und Komödien berieseln lassen. Urs Aeschbacher ist bewundernswert beruhigend, Beatrice Egli hat einen jungmütterlichen Sex, der uns sanft wiegt. Die Walliserin Sina sucht uns wieder aufzuwecken; vergebens, denn sie ist auch nicht mehr die Jüngste.

Wir Alten wiegen uns in Legenden. Was den Tag über in Zürich, Basel, Lausanne oder Genf geschieht, von Bern ganz zu schweigen, summt in unseren Ohren. Das Geschwätz der Politiker wirkt als Dauerton eher wenig animierend, Doris Fiala, Gregor Rutz und viele andere mögen mir verzeihen.

Aufregend sind alleine die Sozialdemokraten: Susanne Leutenegger-Oberholzer kauft in Valbella eine Zweitwohnung, während sie gleichzeitig gegen Zweitwohnungen kämpft. SP-Nationalrätin Margret Kiener-Nellen verstösst als Vermieterin gegen das Mietrecht und tritt aus dem Vorstand des Mieterinnen- und Mieterverbandes zurück. SP alt Nationalrat Peter Vollmer wohnt mit seiner Ehefrau Gisela, einer SP-Stadträtin in Bern, in einer besonders günstigen Wohnung. Beide, obwohl als intelligent geltend, wissen nicht, wie viele Quadratmeter sie bewohnen und weshalb sie so wenig bezahlen.

Die Legende, die SP diene den Arbeitern, tut uns allen gut. In Wirklichkeit dient sie Staatsangestellten, Berufspolitikern und allerlei Privilegierten, die einen SP-Parteiausweis in der Tasche haben, zur stillen Bereicherung. Ach, vergessen wir das Thema. Es tut ein wenig weh.

Eine der schönsten Legenden ist es, die einstige SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey habe dem 1,8 Mio.-Menschen-Staat Kosovo zur Selbständigkeit verholfen und damit der Demokratie gedient. „Der Westen hat einen Pakt mit kriminellen Politikern geschlossen“, sagt der Politologe Shkelzen Gashi. Er hofft auf Dick Marty und Carla del Ponte, um dort der Wahrheit ans Licht zu verhelfen. Sollen wir uns wirklich um derlei kümmern? Eigentlich ja, denn die Schweiz zahlt seit Jahren Millionen zur Erhaltung dieses Scheinstaates.

Wir glauben auch, unsere Verwaltungen in Bund, Kantonen und Gemeinden seien die fleissigsten der Welt. Wie sich heraus stellt, sitzen unsere Angestellten und Beamten im Kanton Luzern, vielleicht auch andernorts, vor ihren Bildschirmen und betrachten sich auf YouTube Sex-Filme und –fotos. Da sie dann Überstunden machen müssen, um die reguläre Arbeit zu erledigen, verlangen sie mehr Ferientage.

Die IT-Skandale in den Verwaltungen von Bund und Kantonen, welche Millionen von Steuergeldern kosten, sind nicht Legende, sondern Wirklichkeit. Die Verantwortlichen schütteln den Kopf und sagen, dies komme halt vor. Geht es unseren Spitzenbeamten zu gut?

Legenden umgeben uns, schläfern uns ein und stellen uns ruhig. Das Schweizer Fernsehen sagt uns jeden Abend, dass unser Land in Ordnung ist. Manchmal sagt es auch, so in der „Rundschau“, es gebe Bösewichte, welche unsere Freiheit missbrauchen.

Gehen wir doch lieber mit unserem Hund spazieren. Er liebt uns, blickt uns treu an, widerspricht uns nicht und wedelt mit dem Schwanz. Es darf auch eine Katze sein.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Wider die Jammerei in der Schweizer Wirtschaft

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank waren die Klagen der Export- und Tourismus-wirtschaft und der Gewerkschaften nicht zu überhören. Unterstützt wurden sie durch Konjunkturforschungs- und Prognoseinstitute, die auf wissenschaftlicher Grundlage – und damit wohl sakrosankt – erklärten, dass die Schweiz nun unweigerlich in die Rezession schlittern wird mit höchst negativen Folgen für die Beschäftigung und die Lohnentwicklung. Für verschiedene Branchen schien angesichts dieser bedrohlichen volkswirtschaftlichen Situation der richtige Zeitpunkt gekommen, um ihre Interessen mit Nachdruck zu vertreten: „Jetzt müssen die Rahmenbedingungen branchenfreundlich angepasst werden, sonst droht der Wegzug oder die Auslagerung von Arbeitsplätzen aus der Schweiz.“ Einige Unternehmen konnten nun ihre schon länger geplante Verschiebung von Arbeitsplätzen mit dem „hohen Frankenkurs“ rechtfertigen und damit die Verantwortung der Nationalbank zuschanzen. Diese geriet auch von Politikern und Parteien unter Druck, die die Chance für gekommen sahen, die Unabhängigkeit der Nationalbank „ein wenig“ einzuschränken. Kann sich denn die Schweiz den Sonderfall einer unabhängigen Nationalbank leisten, in einer Zeit, wo wichtige andere Zentralbanken in den Sog politischer Entscheidungen geraten sind?

„Yes, we can“, sollten wir diesen Politikern sagen. Die Stabilität unserer Währung und unserer Wirtschaft verdanken wir zu einem erheblichen Teil dieser Unabhängigkeit. Die Geldpolitik ist damit kurzfristigen Überlegungen der Politiker entzogen, die dem Stimmvolk allzu gerne Wahlgeschenke angedeihen lassen wollen.

Die letzten Tage zeigten, dass das Jammern der Unternehmen und Gewerkschaften zwar Methode hat, aber die wirtschaftliche Realität nicht gar so trist aussieht, wie sie interessehalber gemalt wird. Die Konjunktur- und Prognoseinstitute stellen nun – auch wiederum wissenschaftlich – fest, dass die Schweiz 2015 sogar wachsen wird, trotz hohem Frankenkurs. Die Arbeitslosenquote wird sich kaum verändern. Die Unternehmen haben in der Regel volle Auftragsbücher. Sie profitieren aufgrund des hohen Frankenkurses von tieferen Preisen bei der Beschaffung von Vorprodukten und Dienstleistungen im Euro-Raum – ein Vorteil, den die Unternehmen nur verschämt andeuten. International tätige Firmen wickeln schon seit längerer Zeit Einkauf und Verkauf von Produkten möglichst in annähernd gleicher Höhe im jeweiligen Währungsraum ab, um die Transaktionskosten möglichst gering zu halten.

Und die Moral bzw. Philosophie an der Geschichte? Die Zukunft ist für uns Menschen eben nicht vorhersehbar, wissenschaftliche Forschungsinstitute hin oder her. Wir Bürger sollten uns deshalb von denen, die das Geschäft mit der Angst betreiben, nicht ins Bockshorn jagen und zu politisch unüberlegten Entscheidungen verleiten lassen.

Ist das noch unsere Schweiz?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es war einmal ein Land, wo die Menschen in der Stadt und auf ihren Feldern fleissig arbeiteten, jeden Rappen umdrehten und erfolgreich waren. Ihre Gemeinden waren sauber, übersichtlich und klar voneinander abgegrenzt. Am Sonntag ging man gemeinsam in die Kirche, hin und wieder zu Fuss zu Abstimmungen.

Ich bewundere die heute über 70jährigen, welche die Schweiz gegen die Deutschen verteidigt und auch sonst sehr selbständig waren. Wenn einige Waffenhersteller und andere Unternehmer, die Nationalbank und andere Institute mit den Nazi-Deutschen zusammen arbeiteten, fiel dies dem Volk nicht auf. NZZ, Weltwoche, das Schweizer Radio Beromünster und viele andere verteidigten die Idee der unabhängigen Wilhelm Tell-Schweiz.

Heute ist dies anders: Die beiden letzten Grossbanken, UBS und CS, gehören Ausländern und werden von Ausländern geführt. Die hundert grössten Schweizer Firmen sind unter ausländischer Kontrolle, Nestlé wie Novartis, ABB wie Oerlikon und Sulzer. Sogar die schönsten Hotels im Tessin, Graubünden oder in Andermatt gehören reichen Deutschen, Ägyptern, Russen und anderen fremden Herren. Was bleibt den Schweizern?

Was die heute über 70jährigen aufgebaut haben, wurde von den Jüngeren verkauft. Ob Geberit, Sika oder Hublot – was sich schweizerisch nennt, ist meistens ein ausländisches Unternehmen oder wird es bald sein. Die einen nennen es Ausverkauf, die anderen Globalisierung.
Der Bundesverwaltung und den Kantonen ist es gleich, woher das Geld kommt. Im Zweifel ziehen sie den Ausländer, der zehn Millionen Steuern und mehr bezahlt, dem Schweizer „Büezer“ vor. Ganz still, um die Zahlen zu verbessern, wurden zuletzt auch die Einnahmen aus dem Drogenhandel und der Prostitution mit 4,5 Milliarden Franken jährlich in das Bruttoinlandprodukt aufgenommen. Der Drogenkonsum bringt uns 0,2%, die Prostitution stattliche 0,5% der Einnahmen unserer Wirtschaft. Diebstahl und Erpressung werden noch nicht mit gezählt, wohl aber der (Zigaretten-)Schmuggel ab unseren Fabriken im Jura.

Entweder ist der Staat unmoralisch geworden oder er hat seine Moral verändert, wobei Staaten keine Moral haben, wohl aber die „classe politique“, die derlei Entscheide trifft. Es gibt noch einen anderen Grund für deren Verhalten: Wer mehr Einnahmen ausweist, kann auch mehr Schulden machen. Wir sind also reicher und gleichzeitig unmoralischer, legen wir die Messlatten der über 70jährigen an.

Was soll man tun? Am besten nichts. Die Belgier haben sich längst ruiniert, die Holländer sind nicht mehr weit davon entfernt. Das „Lateinische Europa“, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, und das benachbarte Griechenland sind pleite oder auf dem Weg dahin.
Ob wir unsere Alpenfestung schützen können, schützen wollen vor derlei? Mit kunstvollen Rechnungen alleine wird es nicht zu schaffen sein. Besser, wir arbeiten jetzt und bleiben sparsam. Die Kreditwirtschaft wird das Volk eines Tages ruinieren.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Haben Sie auch Angst vor der Zukunft?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Es ist unglaublich: Viele Schweizer haben Angst vor der Zukunft. Sie haben Angst, das auf der Bank liegende Geld, welches sie während Jahrzehnten gespart haben, könne sie nicht mehr ernähren, weil die Banken keine Zinsen mehr bezahlen. Sie haben Angst, nur noch eine reduzierte AHV zu erhalten, wie es jetzt bei den Griechen der Fall ist. Sie haben Angst, ihren Job zu verlieren, weil die Produktion ins Ausland verlagert wird. Sie haben Angst, mit fünfzig Jahren keinen neuen Job mehr zu finden. Sie haben noch mehr Angst um die Zukunft ihrer Kinder und Grosskinder. Die grosse Angst geht um. Machen wir etwas falsch?

Es war nicht der Bundesrat, es waren auch nicht die Parteien und Parlamentarier, die unser Leben mehr denn je in einen Zustand der Angst versetzt haben. Es war die Schweizerische Nationalbank, die keine Euro mehr kaufen wollte und den Schweizer Franken wie einen Luftballon nach oben sausen liess. Gemessen an unseren EU-Nachbarn, sind wir alle viel reicher geworden.

Gleichzeitig aber wurden, verteilt über das ganze Land, tausende von Entlassungen bekannt gegeben, die jetzt erfolgen sollen. In vielen Firmen wurde die wöchentliche Arbeitszeit, ohne Salärzuschlag, um 3-4 Stunden verlängert. Früher hätte dies Proteststürme ausgelöst. Heute verschliesst die Angst den Menschen den Mund.

Sind wir bald so arm wie die Griechen? Wir machen tatsächlich einiges falsch, das an Griechenland erinnert. Bundesrat Johannes Schneider-Ammann ist als Wirtschaftspolitiker, der gute Arbeitsplätze schaffen soll, ein Versager. Nach dem Nationalbankentscheid sagte er zuerst: „Jetzt müssen die Saläre runter.“

Zweitens gibt es bei uns im Land eine feine Form der Beziehungskorruption, wo in Bern und den Kantonen eine Hand die andere wäscht und jedermann Angst hat vor guten Ideen, die von aussen kommen. Man verteilt den Steuerkuchen im erweiterten Freundeskreis und will neue Mitspieler nur insofern, dass der Glaube an das System erhalten bleibt. Postenschacher, zwischen den Parteien ausgehandelt, ist eine Selbstverständlichkeit. Wo nicht die Besten wirken, wird unser System faul wie ein Apfel.

Drittens: Die sich führend nennenden Medien, darunter vor allem auch die Sender der SRG, decken derlei in einem falsch verstandenen Patriotismus. Wie soll das Volk verstehen, was im Land vorgeht, wenn die Medien diejenigen decken, die sich zur Elite zählen – und keine Elite sind?

Zuletzt ist die politische Abhängigkeit der Justiz ein Ärgernis grössten Ausmasses. Die Parteien ernennen die Richter aller Ebenen oder schlagen sie mindestens zur Ernennung vor. Deshalb müssen die Richter den Partei jedes Jahr eine Abzahlung auf ihr Richtersalär leisten, eigentlich ein Skandal.

Diese vier Mechanismen sind es, die unseren Wohlstand gefährden. Das Volk, etwas spürend, aber nicht verstehend, hat deshalb Angst um die Zukunft. Politiker, Wirtschaftsführer, Medien und Kirchenvertreter predigen ihm: Werdet bescheidener, denn Glück bedeutet mehr als Geld. Natürlich stimmt dies nicht, denn eigenes Geld beruhigt enorm, aber die Lüge hat Konjunktur. Wer Angst hat, wird still oder aggressiv, je nach Anlage. Wer Angst hat, schweigt gerne. Wer Angst hat, wird schneller krank.

Wir leben nicht in der Krise, sondern im Vorfeld einer Krise, die bereits ihre Schatten wirft.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH