Die erschöpfte Ritalin-Schweiz

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Nun hat auch eine UNO-Kommission die Schweiz verwarnt: Wir geben unseren Kindern im weltweiten Vergleich zu viel Ritalin. Das bekannte Beruhigungsmittel soll aus kindlichen Störenfrieden sanfte Mitbürger und Mitbürgerinnen machen, die weder ihre Eltern noch die Lehrer stören. Sind die Kinder das Problem? Auf keinen Fall!

Unsere Lehrer sind überlastet, zu zwei Dritteln kaum motiviert für ihre Aufgabe und zu einem Drittel vom „burn out“ bedroht. Sie können es sich als weltweit bestverdienende Lehrer nicht leisten, von kleinen Raufbolden von der nächsten Ferienplanung abgelenkt zu werden. Es muss Ruhe herrschen in den Bänken. Ärzte, darunter speziell die Hausärzte, jammern trotz Berset’scher Unterstützung, mit Jahreseinkommen von Fr. 170 000.—könne man nicht auskommen. Sie verschreiben Lieblingsmedikamente, darunter Ritalin und Concerta, wie wild, um ihren Umsatz zu steigern. Gibt es eigentlich auch Kickbacks von Apotheken?

Die Eltern, soweit man unsere zeitgenössischen Familien noch so einordnen darf, sind völlig überlastet, weil Mann wie Frau dem Ruf von économiesuisse und Arbeitgeberverband gefolgt sind, um mit Zweit- und Drittjobs, meist mässig bezahlt, ihren Beitrag zur nationalen Wertschöpfung zu leisten. Sie schleppen ihre Kinder morgens um halb acht in die Kita, Eltern wie Kinder noch halb schlafend, um keinen Termin zu verpassen. Bleiben die Grosseltern, sofern sie noch in leicht erreichbarer Nähe wohnen. Diese sind stolz auf ihre Enkel und können sich nur wundern, wie lieb sie sind, den ganzen Tag mit dem Smartphone beschäftigt sind, und kaum gestört werden wollen.

Vorerst hat die UNO nur erkannt, dass wir aus unseren Kindern chemisch gesteuerte Automaten machen. Bald wird die UNO auch erkennen, dass unsere Mütter und Väter, Ärzte und Lehrer nur noch Zwei-Drittel-Menschen sind. Sie haben keine Energie, keinen Willen, keine Kraft mehr und geniessen den kuscheligen Wohlstand, wo Menschen, die Fragen stellen, als leicht gestört gelten.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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