Abschied von der alten Schweiz

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Nun hat es auch Kuoni erwischt. Wir alle wussten, dass der Niedergang dieser Firma unausweichlich ist, kam doch nach Jack Bolli, das ist lange her, kein Topmanager mehr, der das grösste Schweizer Tourismusunternehmen retten konnte. Kuoni blutete mit seinem Reisegeschäft langsam aus und alle schauten zu. War Kuoni nicht unser aller Reiseveranstalter, mit dem wir während Jahrzehnten in die Ferne flogen? Die exklusivsten Reisen der Welt buchte die gute Schweizer Gesellschaft bei diesem Unternehmen mit dem legendären Namen. Seine Reisebüros lagen an den besten Plätzen unserer Städte.

Es ist nicht wahr, dass das Internet Kuoni-Reisen ruiniert hat; es war die langjährige Unfähigkeit des Verwaltungsrates, eine richtige Strategie zu bestimmen. Der Ausverkauf, wie er jetzt, unglücklich bekannt gegeben auch, stattfindet, macht keine Freude. In der gleichen Zeit sind Knecht Reisen aus Windisch gewachsen, weil dort Ideen entwickelt wurden und der Kunde tatsächlich im Mittelpunkt steht, und beraten wird.

Wir trauern um Kuoni, wie wir um die Swissair heute noch trauern, die von der Deutschen Lufthansa glanzvoll wieder aufgebaut wurde. Unter der Führung von Bundesrat Kaspar Villiger wurden die Reste der Swissair nach Deutschland verschenkt; heute macht sie wieder Millionengewinne, die nach Frankfurt fliessen.
Wir haben auch die UBS verloren, die einmal eine stolze Schweizer Bank war und heute ein anonymer Konzern unter amerikanisch-deutscher Führung ist. Wir haben die Kreditanstalt verloren. Wir haben Sulzer Winterthur verloren, heute unter russischer Oligarchen-Kontrolle. Wir haben die Winterthur Versicherungen verloren, heute unter französischer Aufsicht. Wir haben Holcim verloren, denn dort regieren jetzt die Deutschen und die Franzosen.

Wir werden noch mehr alte Schweizer Firmen verlieren, denn viele Schweizer Unternehmer machen Kasse, wirklich grosse Schweizer Spitzenmanager gibt es immer weniger. Die Familien Hoffmann (Roche), Schindler (Aufzüge) und Spuhler (Züge) sind ihren Unternehmen treu geblieben, ganz wie Heinrich Villiger auch, der seine Cigarrenfabriken seit Jahrzehnten souverän führt.

Wir wollen sehen, was uns 2015 bringen wird. Eine Träne ist diese Entwicklung wert, welche die unabhängige Schweiz mehr bedroht, als wir es wahrhaben wollen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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