Menschen muss man nicht wie Tiere schützen

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Schon der Tierschutz wird eines Tages wegen seiner Übertreibungen zugrunde gehen. Die Einführung von Luchsen, Bären und Wölfen in die Schweiz kostet den Steuerzahler zweistellige Millionenbeträge. Das kann sich nur ein reiches Land auf Dauer leisten. Wenn man sich vorstellt, dass die Regierungen Italiens und Spaniens Millionen für Wölfe und Bären im Apennin und in den Pyrenäen ausgeben, während ihre Jugend hungert und der Abfall sich in den Strassen türmt, dann sieht man, dass derartige Luxusprogramme kaum Zukunft haben.

Nun hat die Schweiz eine Kinder- und Erwachsenenschutz-Behörde aufgebaut, die offensichtlich auch den Tod der von ihr Betreuten nicht verhindern kann. Zur Entlastung der Kesb, die ich zuvor gar nicht kannte, darf angeführt werden, dass auch in Spitälern und Altersheimen es zu oft zu Fehlentwicklungen kommt, die mit dem Patientenwohl nichts zu tun haben.

Ich zweifle aber daran, ob der Mensch wirklich wie Tiere geschützt werden muss. In den Irrenanstalten und Jugendheimen der Schweiz und vieler anderer Staaten ist es in der Vergangenheit zu schrecklichen Entgleisungen gekommen. Schon damals wollte man das Beste, tat aber nicht einmal das Nötigste, um die ihnen Anvertrauten wirklich zu schützen und weiter zu entwickeln.

Kinder, die in echter Not sind, zu schützen, macht Sinn. Dazu braucht es aber Menschen, die andere Menschen verstehen und mit ihnen liebevoll umzugehen wissen. Wenn, wie dies zu häufig der Fall ist, Juristen Dokumente ausfüllen oder ausfüllen lassen, ist dies kein Kinderschutz sondern Beamten-Schutz.

Die Basler Autorin Zoë Jenny („Blütenstaubzimmer“) steht mir nicht sehr nahe, aber sie hat recht, wenn sie in ihrer Kampagne gegen die Kesb sagt: „Der Staat hat Demut vor der Familie zu haben.“ Diese Demut ist in der Kesb nicht vorhanden, denn sie ist eine Verwaltungsbehörde.

Wenn Kesb-Berater Christoph Häfeli in der NZZ vom 7. Januar 2015 sagt: „Die Kesb Winterthur-Andelfingen ist eine der besten Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden, die wir haben“, dann darf man nur mit Schrecken daran denken, wie schlecht es um die anderen bestellt sein muss. Häfeli bestätigt: „Es zeigt sich auch, dass die Professionalisierung Zeit braucht“, womit er bestätigt, dass es um diese Professionalisierung der Kesb-Mitarbeiter noch schlecht bestellt ist. Er verlangt „eine Harmonisierung der sehr unterschätzten Praxis“, was nichts anderes heisst, als dass jeder Kanton tun und lassen kann, was er will und die Pläne auf dem Papier nicht deckungsgleich sind mit dem, was in der Wirklichkeit anzutreffen ist.

Beamte und Beamtenberater, wie Christoph Häfeli einer ist, kennen auch nur einen Fluchtweg aus dieser Situation: „Es braucht intelligente Finanzierungssysteme.“ Das heisst, es braucht noch mehr Steuergeld, um die „mancherorts komplett überlasteten Kesb-Mitarbeiter“ zu entlasten. Reiche Gemeinden sollen die Kosten der ärmeren übernehmen, ein neuer sozialer Finanzausgleich.

Mit der Kesb wurde ein neues Sozialmonster geboren, dessen Misserfolgs-Bilanzen sorgfältig vor uns verborgen werden. Niemand unserer Gutmenschen kommt auf den Gedanken, dass der Versuch, Menschen vor ihrer Umwelt schützen zu wollen, die selbst krank ist, immer ein Misserfolg bleiben muss.

Im Kanton Luzern hat man soeben damit begonnen, Langzeitarbeitslose an ihren neuen Arbeitsplätzen durch beratende Begleitung zu „schützen“. Welcher Unfug! Man hat also Menschen einen Job verpasst, in den sie gar nicht passen. Das damit beauftragte Schweizerische Arbeiterhilfswerk verdient damit wieder etliches an Honoraren. Niemand fragt, ob es ein solches Arbeiterhilfswerk überhaupt noch braucht.

Die Schweiz entwickelt sich von einer lebendigen Volksgemeinschaft zu einer Schutzgemeinschaft. Das ist keine gute Nachricht für unser Land.

*Klaus J. Stöhlker, Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

Ein Gedanke zu „Menschen muss man nicht wie Tiere schützen

  1. Barbara D.

    Ich finde, es braucht eine offizielle Möglichkeit einer Unterstützung in besonderen Problemsituationen. Ich bin der Beiständin und damit auch der Behörde sehr dankbar, die über mehrere Jahre hinweg die finanziellen Belange eines von mir hochgeschätzten betagten Freundes geregelt hat und ihn auch auf grosses Bitten hin ermöglicht hat, ein letztes halbes Jahr in der eigenen Wohnung zu verbringen, Spitex organisiert hat usw., bis es nicht mehr ging. Ich selber hätte das nicht tun können und wollen, da ich mit Besuchen und als persönliche Vertrauensperson schon grenzwertig gefordert war.
    Ich denke, Herr Stöhlker ist einfach ein Manager und ist auch dazu sowieso ziemlich vermögend. Dann sieht soweiso vieles anders aus. Stöhlker hat als „Doyen der Kommunikationsbranche“ überhaupt nicht die konkrete Lebenserfahrung, die es braucht, um zu wissen, was eine Vormundschaftsbehörde oder KESB jenseits der süffigen Sprüche allenfalls wirkt und leistet.

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