Sind Zukunftsforscher glaubwürdig?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Jetzt, in diesen dunklen Stunden des Jahres, wo die Kerzen zu leuchten beginnen, sitzen wir am Kaffeetisch zusammen und fragen uns: Was bringt die Zukunft? Viele Herzen sind bang, denn das Bankkonto hat im besten Fall stagniert, bei vielen ist es sogar rückläufig. Was kommt auf uns zu? Eine Erhöhung der AHV um zehn Franken am ersten Januar 2015. Das reicht nicht für die Gebührenerhöhungen, die uns fast täglich gemeldet werden.

Wer den Enkelbetrügern entkommen ist, muss nun riskieren, den Zukunftsforschern in die Hände zu fallen. Ich spreche nicht von Horoskopen, die natürlich blanker Unsinn sind, auch nicht von Uriella, die leidend im Schwarzwald liegt, sondern von jenen smarten Profis, die uns erzählen, was auf uns zukommt.
Wahrscheinlich kennen Sie den 46jäbhrigen Brett King nicht, einen Amerikaner, den unsere Banken gerne engagieren, um Fluchtwege vor lästigen Kontrolleuren zu finden. Dieser krawattenlose dynamische Kahlkopf meint, Bankfilialen werde es bald nicht mehr geben. Da ich seit 30 Jahren keine von innen gesehen habe, kann ich ob dieser Weisheit nur Beifall geben. Dann verspricht er uns, die Banken würden uns mehr Zinsen geben, wenn wir Freunde zur gleichen Bank bringen würden. Ich habe dies einige Male getan: Nie mehr wieder, denn die meisten waren nicht zufrieden mit der Bank.
Das Smartphone sei das richtige Instrument für unsere kommenden Bankbeziehungen. Die die UBS soeben eine derartige Dienstleistung einführt, mag der Guru aus den USA recht haben. Aber wozu dient das? Jetzt kommt die Schlüsselauskunft des Meisters: „Sagen wir, Sie stehen im Apple Store und wollen das heue i-Phone kaufen. Sie haben aber nur 300 Franken auf dem Konto, weil ihr Gehalt ein paar Tage später kommt als sonst.“
Ein Licht geht mir auf; das sind also die Bankkunden der Zukunft, die gerade noch 300 Franken auf dem Konto haben, deren Arbeitgeber auch nur unregelmässig das Salär überweist. Derlei Volk kenne ich nicht, will auch nicht manipuliert werden, Dinge zu kaufen, die mir gerade über den Weg laufen, sei es auch nur per App.
Die meisten meiner Leser kennen die bewährte Schweizer Regel: Gekauft wird nur, wenn Geld in der Tasche ist. Mein Geschenk an Sie zum Jahresende ist die Empfehlung: Bleiben Sie dabei, Sie werden es nicht bereuen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

 

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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