Wir Alten haben die Mehrheit

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Ist Ihnen nicht auch unheimlich zumute? Noch nie wurde seit zehn Jahren vor einem Abstimmungswochenende derart getrommelt und geworben, wie es jetzt der Fall ist. Ganz offensichtlich geht es um viel. Es geht um Ihre und meine Stimme. Wollen wir ecopop mit einem „Ja“ zum Durchbruch verhelfen oder sollen wir ganz einfach den Gang der Dinge hinnehmen?

Wir über 70jährigen sind heute zahlreicher als die Generation der Einjährigen. Unsere Gesellschaftspyramide steht auf dem Kopf. Walter Kielholz, der letzte grosse Zürcher Wirtschaftsführer (weil alle anderen Ausländer sind), beklagt, dass unsere Kinder und Enkel sich für ein Ein-Kind-Politik entschieden haben, ganz wie die Chinesen, aber ohne Druck. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn ein Pärchen, das die Mieten der Swiss Re-Wohnungen bezahlen will, wo Walter Kielholz Präsident des Verwaltungsrates ist, muss arbeiten, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Nicht jedes junge Ehepaar will morgens um 6.30 Uhr, zwei Kinder an der Hand, durch die Parkgarage in die Kita rennen. Es gibt einen Zwang, keine oder wenig Kinder zu haben. Wer an der Zürcher Goldküste reich ist, leistet sich gerne vier bis sechs Kinder, nicht anders als früher.

Was machen unsere Arbeitgeber? Walter Kielholz sagt es: „Mit der Einwanderung können wir diesen Effekt einigermassen auffangen.“ So ist es, die Schweiz braucht offene Grenzen, Zuwanderer aus der Europäischen Union und aller Welt, damit ihr Arbeitskräftemarkt nicht zusammen bricht. Viele von uns älteren Schweizern wollen dies aber nicht, wollen im Tram nicht zwischen lauten Ex-Jugoslawen und aufdringlichen Afrikanern sitzen. In Zürich besteht die Hälfte der aktiven Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren aus Ausländern. Erst bei den über 65jährigen sind 90% der Zürcher Schweizer; das sind wenig gute Aussichten. Wir verstehen, warum das Schweizer Fernsehen weniger Jass- und Alpsendungen produzieren und mehr urbanes Tralala für Zugewanderte bringen will.

Wir erleben nichts anderes als eine Zeitenwende, und das alternde Schweizer Volk erinnert sich seiner demokratischen Rechte. Es errichtet keine Barrikaden, wie dies in Frankreich und Italien der Fall ist. Es ruft nicht „Podemos“, wie dies in Spanien mit Erfolg gegen die etablierten Parteien geübt wird. Es hat noch keine UKIP, sondern nur eine SVP, die nach den Worten ihres neuen Wahlkampfleiters Albert Rösti, Nationalrat in Bern, „gemässigter“ als bisher auftreten will. Das klingt vernünftig, denn Dr. Christoph Blocher kann man sich nicht mehr als Barrikadenkämpfer vorstellen.
Die Sozialdemokraten sind ohnehin oft wohlhabender als die Vertreter des Freisinns, SP-Nationalrätin Kiener-Nellen ist meine Zeugin. Sie nutzen Steuerschlupflöcher mit dem gleichen Geschick wie Bundesrat Johannes Schneider-Ammann dies guten Gewissens getan hat. Dass beide, wie andere auch, dies im Kanton Bern getan haben, hinterlässt insofern einen bitteren Nachgeschmack, als der Kanton ebenfalls armengenössig ist und mit monatlich 100 Millionen Franken von den reichen Kantonen unterstützt werden muss.

Wir Alten haben jetzt und in den kommenden zehn Jahren die Mehrheit; das sollten wir nicht vergessen. Unser Urteil zählt. Ehrlich, ich bin wirklich gespannt, wie unsere Stimmbürger am kommenden Wochenende entscheiden werden.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

 

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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