Wohin führt unsere konservative Haltung?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Mein Freund, der in Basel wohnhafte Walliser Schriftsteller Otto Zumoberhaus, ist 80 Jahre alt und baut jetzt einen Walliser Stadel um. Damit geht er weiter als Johann Wolfgang von Goethe, der zuletzt noch einen Baum setzen wollte. Goethe war aber einmal Finanzminister eines Zwergstaates und beruflich zum Geiz verpflichtet. Einen Baum setzen? Das ist doch eine Kleinigkeit. Man sollte es früh tun, wenn man sein Wachstum noch erleben will. Otto Zumoberhaus baut sich ein neues Holzhaus, das auf festen Steinen ruht. Seine Tochter wundert sich. Hat er etwas vor?

Haben Sie etwas vor oder gehören Sie zu jenen Alten, die im Lehnstuhl verdämmern, die sich von immer gleichen Konzerten berieseln lassen (wie ich es auch tue) oder in neuen Büchern verzweifelt nach jenen Formeln suchen, welche die Lebensrätsel erklären?

Die Schweizer Bevölkerung wird alt und konservativ. Das bestätigen auch die professionellen Volksbeobachter, die mit Befragungen die Seele des Volkes zu ergründen suchen. Zwischen 1974 und 2001, eine ganze Generation lang, entwickelten sich die Schweizer zu progressiven Menschen. Da mögen die 68er ein wenig mitgewirkt haben, dann auch unsere 80er. Zwischen dem „Roten Dani“ und dem gestreiften Thomas Held schoben sich die Bürger vorsichtig ein wenig ins Freie, auch ins freie Denken manchmal.

Dann kam die grosse Umkehr: Bis zum Jahr 2005 währte der progressive Schub, um seither wieder in eine Phase der inneren Ruhe umzukehren. Das Schweizer Volk will keinen Wirbel mehr, keine Neubauten, möglichst kleine „fremden Fötzel“ und auch sonst niemand, der nicht Ordnung hält.

Es sind die Ausländer, die unsere grossen Firmen nach vorne peitschen. Das ist so bei Novartis, bei Nestlé, bei der Swiss Re und den beiden Grossbanken UBS und CS. Ein Schweizer VR-Präsident ist dort wenig mehr als eine Dachverzierung, ein Geissenpeter für den Geldadel. Unsere kreativen Schweizer, Menschen wie Peter Spuhler oder Christoph Blocher einmal ausgenommen, die ohne Ausländer in ihren Firmen auch ziemlich verloren wären, dienen dann in den unteren Rängen. Bei den Bankiers hält Dr. Pierin Vincenz von Raiffeisen die Fahnen der Eidgenossen hoch, aber er ist genetisch ein Ostgote, wie der verstorbene Nationalrat Ernst Mühlemann die Gewaltmenschen aus dem Bündnerland bezeichnete.

Wohin führt unsere konservative Haltung? Sie wird dazu beitragen, dass ein grosser Teil der Schweiz die Zukunft verpasst. Wo bei uns die Erben ihre Vermögen verzehren oder verspielen, fahren die Schnellboote aus dem Ausland heran und kapern unseren Besitz. Seien es Industriefirmen (Oerlikon) oder Hotels (Bürgenstock, Andermatt), die Macht geht aus schwachen Schweizer Händen in starke ausländische über.

Der Verwaltung ist dies eigentlich gleich, denn sie weiss, nur in einem wachsenden Land muss die Verwaltung nicht abgebaut werden. Wer die Steuern und Gebühren zahlt, ist letztlich gleichgültig. Deshalb vermute ich, dass die Schweizerinnen und Schweizer langsam die Kontrolle über ihr Land verlieren. Gelegentliche Volksaufstände an der Urne werden dann in der politischen Praxis wieder normalisiert.

Ich wünsche Ihnen etwas Unruhe im Herzen. Otto Zumoberhaus, der alte Schriftsteller, baut sich eine neue Hütte. Recht hat er.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsarbeit in Zollikon/H

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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