Keine falsche Barmherzigkeit

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn Sie nur ein wenig älter und etwas wohlhabend sind, werden Sie jetzt und in den kommenden zwei Monaten mit Bettelbriefen überschwemmt. Suchen Sie sich ein Projekt aus, das Sie einigermassen kontrollieren können, und werfen Sie den Rest der penetranten Anfragen in den Papierkorb oder Eimer.

Die Appelle an unsere Barmherzigkeit hat niemand anders als Papst Franziskus verdammt. Er sprach vor seinen Bischöfen und Kardinälen vom „buonismo distruttivo“, der sich vor allem bei Menschen finde, die sich als progressiv und liberal einschätzen würden. Diese falsche Barmherzigkeit, sagt der Papst, würde Wunden verbinden, ohne sie zuvor behandelt zu haben.

Genau das ist es: Wir werden laufend aufgefordert zu spenden, oft um unser schlechtes Gewissen zu beruhigen, aber an den miserablen Zuständen, sei es in der Schweiz oder der Dritten und Vierten Welt, ändert dies überhaupt nichts. Wir müssen vielmehr darauf achten und verlangen, dass die Wunden unserer Gesellschaft auch behandelt werden.

Ein gutes Beispiel sind die Flüchtlingsströme in die Schweiz. Sind einmal einige syrische oder eritreische Familien bei uns angesiedelt, telefonieren sie stundenlang nach Hause und beschreiben, wie herrlich es in der Schweiz ist. Kein Wunder, dass die ganze Verwandtschaft die letzten Äcker verkauft, um in die paradiesische Schweiz auszuwandern.

Hier werden sie von Gutmenschen empfangen, die ihren Lebensunterhalt bestreiten, indem sie noch Schwächere, als sie es selber sind, dauerhaft betreuen. Was sollte ein Sozialpfleger auch sonst tun? Keine Bank, kein Metzger und kein Industrieunternehmen würden ihn sonst anstellen. Als Pfleger hat er Macht und ein oft sehr gutes Einkommen.

Eine soziale Stufe höher leben die „bleeding hearts“-Menschen, wie sie in den USA genannt werden. Sie fühlen, empfinden und leiden mit allen Armen der Welt. Sie veranstalten Wohltätigkeitsfeste, versenden Briefe und Aufrufe an andere, oft ohne selbst nennenswerte Beiträge zu stiften. Seit Jahrzehnten ist auf diese Art eine namhafte Schweizer Verlegersgattin aktiv und hat sich einen guten bis berüchtigten Ruf als Geldsammlerin erworben, während ihr Mann mit Sex-Inseraten einen Teil seiner Blätter finanziert. Die Heldin dieser „bleeding hearts“ ist Bundesrätin Simonetta Sommaruga, der das Herz brechen würde angesichts des Leids in dieser Welt, hätte sie nicht einen grossen Terrassengarten am Wohnort der Reichen von Bern, in Köniz, wo sie sinnend ihre innere Balance zu re-etablieren sucht.

Papst Franziskus, ein immer sehr realistischer argentinischer Jesuit, der auch die Schreckensherrschaft der argentinischen Militärs ohne ernsthafte Schäden überstand, will zuerst die Wunden pflegen, ehe er sie mit barmherzigen Taten verbinden will. Was heisst das für uns in der Schweiz? Wie Sie Geld nur dort anlegen sollen, wo sie dessen Empfänger und seine Praxis gut kennen, dürfen Sie nur dort spenden, wo nicht irgendwelche Organisationen zuerst 30-50% abziehen, ehe der Rest, oft nach Jahren, an unbekannten Orten ankommt.

Seien Sie realistisch, ganz wie der jetzige Papst auch!

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Dieser Beitrag wurde am von in Allgemein, K. J. Stöhlker veröffentlicht. Schlagworte: , , , , .

Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *