Archiv für den Monat: Oktober 2014

Keine falsche Barmherzigkeit

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Wenn Sie nur ein wenig älter und etwas wohlhabend sind, werden Sie jetzt und in den kommenden zwei Monaten mit Bettelbriefen überschwemmt. Suchen Sie sich ein Projekt aus, das Sie einigermassen kontrollieren können, und werfen Sie den Rest der penetranten Anfragen in den Papierkorb oder Eimer.

Die Appelle an unsere Barmherzigkeit hat niemand anders als Papst Franziskus verdammt. Er sprach vor seinen Bischöfen und Kardinälen vom „buonismo distruttivo“, der sich vor allem bei Menschen finde, die sich als progressiv und liberal einschätzen würden. Diese falsche Barmherzigkeit, sagt der Papst, würde Wunden verbinden, ohne sie zuvor behandelt zu haben.

Genau das ist es: Wir werden laufend aufgefordert zu spenden, oft um unser schlechtes Gewissen zu beruhigen, aber an den miserablen Zuständen, sei es in der Schweiz oder der Dritten und Vierten Welt, ändert dies überhaupt nichts. Wir müssen vielmehr darauf achten und verlangen, dass die Wunden unserer Gesellschaft auch behandelt werden.

Ein gutes Beispiel sind die Flüchtlingsströme in die Schweiz. Sind einmal einige syrische oder eritreische Familien bei uns angesiedelt, telefonieren sie stundenlang nach Hause und beschreiben, wie herrlich es in der Schweiz ist. Kein Wunder, dass die ganze Verwandtschaft die letzten Äcker verkauft, um in die paradiesische Schweiz auszuwandern.

Hier werden sie von Gutmenschen empfangen, die ihren Lebensunterhalt bestreiten, indem sie noch Schwächere, als sie es selber sind, dauerhaft betreuen. Was sollte ein Sozialpfleger auch sonst tun? Keine Bank, kein Metzger und kein Industrieunternehmen würden ihn sonst anstellen. Als Pfleger hat er Macht und ein oft sehr gutes Einkommen.

Eine soziale Stufe höher leben die „bleeding hearts“-Menschen, wie sie in den USA genannt werden. Sie fühlen, empfinden und leiden mit allen Armen der Welt. Sie veranstalten Wohltätigkeitsfeste, versenden Briefe und Aufrufe an andere, oft ohne selbst nennenswerte Beiträge zu stiften. Seit Jahrzehnten ist auf diese Art eine namhafte Schweizer Verlegersgattin aktiv und hat sich einen guten bis berüchtigten Ruf als Geldsammlerin erworben, während ihr Mann mit Sex-Inseraten einen Teil seiner Blätter finanziert. Die Heldin dieser „bleeding hearts“ ist Bundesrätin Simonetta Sommaruga, der das Herz brechen würde angesichts des Leids in dieser Welt, hätte sie nicht einen grossen Terrassengarten am Wohnort der Reichen von Bern, in Köniz, wo sie sinnend ihre innere Balance zu re-etablieren sucht.

Papst Franziskus, ein immer sehr realistischer argentinischer Jesuit, der auch die Schreckensherrschaft der argentinischen Militärs ohne ernsthafte Schäden überstand, will zuerst die Wunden pflegen, ehe er sie mit barmherzigen Taten verbinden will. Was heisst das für uns in der Schweiz? Wie Sie Geld nur dort anlegen sollen, wo sie dessen Empfänger und seine Praxis gut kennen, dürfen Sie nur dort spenden, wo nicht irgendwelche Organisationen zuerst 30-50% abziehen, ehe der Rest, oft nach Jahren, an unbekannten Orten ankommt.

Seien Sie realistisch, ganz wie der jetzige Papst auch!

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Die Schönheit alter Männer

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Haben Sie schon einmal erlebt, wie Sepp Blatter, der Präsident der FIFA, durch den Raum tanzt? Der Endsiebziger, dessen Wiederwahl auf den höchsten Fussballthron der Welt bevor steht, bewegt sich voller Grazie und Temperament. Bewegungsscheue und tanzfaule Vierzigjährige, die ihr Leben stehend an der Bar-Theke verbringen, sonst aber nur motzen, können sich daran ein Beispiel nehmen.

Nicht weniger elegant war Prof. Dr. Franz Blankart, zur gleichen Altersgruppe gehörend, der bedeutendste Staatssekretär im Bundesamt für Aussenwirtschaft, den die Schweiz je hatte. Er, der die Schweiz in die Globalisierung führte, tanzte gerne, wie Sepp Blatter auch, über die Flure. Geist und Körper verschmolzen zu einer Einheit.

Wer den bedeutendsten Cigarrenproduzenten der Schweiz, Heinrich Villiger, besucht, erlebt einen zielstrebigen und konzentrierten 84jährigen, der voller Charme ist. Villiger ist erst kürzlich vom geliebten Motorrad abgestiegen. Die Fahrt mit dem Auto zu seinen Konferenzen und Vorträgen lässt er sich nicht nehmen.

Das sind drei Beispiele, wie auch Männer in Würde reifen und altern können. Welches sind die Rezepte, die für solche Menschen gelten? Erstens ist es die geistige Bewegung, das dauerhafte Engagement in einer anspruchsvollen Beschäftigung. Wer mit 70 Jahren schon aus dem Beruf aussteigt, um sich alleine dem Golf oder der eigenen Wellness zu widmen, kann rasch altern.

Zweitens ist es ein Mindestmass an körperlicher Bewegung. Bei Sepp Blatter und Franz Blankart ist es der Tanz, der alle Muskeln und Rezeptoren fordert, einmal ganz abgesehen vom Tanzpartner, der zusätzliche Aufmerksamkeit erfordert. Auch Heinrich Villiger ist ein Bewegungstyp, der es nicht lange hinter dem Schreibtisch aushält.

Wer einmal 50 Jahre alt geworden ist, muss sich Gedanken über Auftritt und Aussehen machen. Ich beobachte, wie es heute gerade Frauen sind, die den Mann ihnen gegenüber gnadenlos beurteilen und bewerten. Nicht jedermann kann zu einem George Clooney werden, aber Dr. med. Christoph Schänzle, leitender Dermatologe der Pallas Kliniken, die heute an elf Standorten in der Schweiz vertreten ist, sagt: „Mit der Beseitigung der Altersflecken gewinnt ein älterer Mann schon viel.“ Die Scheu vor der Behandlung mit dem CO2-Laser, die nur Minuten in Anspruch nimmt, ist heute nicht mehr angebracht. Was bleibt, ist eine kleine Schürfwunde, die innerhalb weniger Tage verheilt.

Der Spätherbst und Winter ist eine günstige Zeit, um derlei kleine Fehler zu beseitigen. Das wenige Sonnenlicht strapaziert die Haut nicht und lässt sie langsam regenerieren. Wer dann noch tanzen lernen will, findet auch mit Sicherheit eine Tanzlehrerin.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Pause bitte! Ein Weckruf zur Ruhe

Ilse Oehler

Ilse Oehler

Die bis an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit uns auferlegte Alltagshektik führt zunehmend zu individuellen und gesellschaftlichen Denkfehlern nach dem Muster: Immer fit, unterwegs zu Wohlstand und Reichtum, alles ist machbar in der Wachstums- und Ich-Gesellschaft… Als Folge dieses Denkens bleiben Teile unserer Gesellschaft in erschreckender Oberflächlichkeit gefangen, ihre Lebensfreude scheint wie betäubt, ihre persönliche und berufliche Entwicklung weist schon heute ins morgige Abseits. Es darf doch nicht wahr sein, dass selbst in meinem unmittelbaren Umfeld zehn von zwanzig Menschen sagen: «I mag nümme no», ich komme nicht mehr mit!

Viele fürchten aber eine Aufforderung zur Pause wie der Teufel das Weihwasser, wie den Verlust von Macht. Weckrufe zur Besonnenheit schallen in der von überkommenen Dogmen beherrschten Zeit wie ein hohles Echo zurück. Demgegenüber sollte es uns gelingen, eine positive Entdeckungsreise in die Welt der Pause zu unternehmen, um auf den Boden einer lebendigen und lebenswerten Wirklichkeit zurückzukehren. Es sind die grundlegenden menschlichen Werte, über die wir in Ruhe nachdenken wollen. Ich frage mich: Fehlt der Welt das weibliche Gesicht? Immerhin führt der Verdrängungswettbewerb gegen Frauen, nicht nur in Führungspositionen, in vielen Ländern langsam auf Nebengleise. In Ansätzen und mit zunehmender Dynamik wird Platz frei für die längst erforderliche Umsetzung der Gleichstellung.

Pause als Kraftquelle
In Ruhe sich einen Moment lang in der eigenen Ursprünglichkeit zu finden, könnte zu einer veränderten Art und Weise führen, aufeinander zuzugehen und sich darüber bewusst zu werden, welch grossartiges «Humankapital» im Gegenüber vorhanden ist. Werden wir aber auch zu Ich-Entdeckern, getragen von unserem Bauchgefühl, und tragen wir besonders Sorge zum persönlichen Umfeld. Das Einfügen von Pausen baut uns auf und stärkt uns nach innen ebenso wie nach aussen. Optimismus – die philosophische Auffassung, wonach die bestehende Welt die beste aller möglichen sei – ist in uns gratis abrufbar. Wir finden den Optimismus in der Pause, in der Stille, an Orten der Ruhe, wo wir richtig Atem holen. Henry Dunant hat für diese Momente mit der «strategischen Windstille im operativen Sturm» ein wunderbares Bild gefunden. Vor dem Hintergrund dieses Bildes mag die Skulptur dieses Buches stehen. Geschnitzt, geformt, gemeisselt, das ist der Mensch. Und doch beweglich!

Vorwort aus dem Buch „Pause bitte“ Und dann ein Neuanfang
Herausgegeben von Ilse Oehler

Mit freundlicher Genehmigung des Somedia Buchverlags

Gibt es noch ein Projekt Schweiz?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

„Zürich ist gebaut“, sagte vor 20 Jahren eine Zürcher Stadträtin, die dann aber glanzlos gehen musste und heute im Verborgenen lebt. Ist die Schweiz gebaut? Viele sind der Auffassung, dies sei der Fall, denn sie hassen die Staus rund um Zürich, den Verkehr auf der Autobahn Zürich-Bern, die zweimal täglich überfüllten Züge der SBB und den Siedlungsbrei im Schweizer Mittelland, wo eine Gemeinde mit der anderen zusammen wächst.

Andere, wie der Rektor der ETH Zürich, Prof. Dr. Ralph Eichler, sind der Auffassung, 12 Mio. Menschen hätten auf unseren 40 000 qm immer Platz, man müsse nur die Häuser in der Stadt Zürich um einige Stockwerke in die Höhe ausbauen. Da ich diesen Text in unserem Bürohaus in Zollikon/ZH schreibe, das seit gut 20 Jahren im eleganten Landhaus-Stil anspruchsvolles Bauen verkörpert, gefällt mir die Eichler’sche Aussage überhaupt nicht. Wir wollen in einer guten Umgebung leben und arbeiten, nicht in den modernen 7 qm-Hühnerkäfigen, die sich heute „zeitgemässe Büros“ nennen.

Der grosse Strom von Einwanderern aus dem Osten und Süden erweckt den Eindruck, als sei die Schweiz eines der grössten Opfer der modernen Völkerwanderung. Das stimmt insofern, als rund 40% der heutigen 8 Mio.-Bevölkerung einen Immigrationshintergrund haben. Menschen, die nicht aus dem europäischen Kulturraum stammen, fallen in den Strassen und Trams besonders auf. Sie treten oft eleganter auf als die zwinglianisch geprägten Einheimischen, reden lauter und machen sich „breit“, wie besorgte Frauen mir bestätigen. Ist das noch die Schweiz?

Es gibt auch andere Nachrichten: Georg Baselitz, der berühmte deutsche Maler, nimmt seinen Wohnsitz in Basel. Auch Emil und Niccel Steinberger lassen sich am Rheinknie exklusiv nieder, ausdrücklich mit der Bemerkung, Luzern sei ihnen zu „retro“. Derlei kulturelle Bereicherung, Zuzüger der künstlerischen „upper class“, schlägt weniger Wellen, ist aber nicht ohne Signifikanz.

In den Randzonen der Gesellschaft nimmt die Armut zu. Die Zürcher Altersheime sind überfüllt, weshalb Heimweh-Zürcher nicht ohne weiteres dort unterkommen können. Diese Rückwanderer, kommen sie aus dem Aargau oder aus Argentinien, sind den angesessenen Einheimischen ein Dorn im Auge. Was wollen die hier? Im Alter zurück? Man geht auf Distanz.

Im Zürcher Limmattal schliesst gerade der Bruno Weber-Park. In Frankreich, England oder Tschechien, in Österreich und Deutschland ohnehin, hätte man schon längst eine grosse Attraktion daraus gemacht, aber irgendwie hat es nie geklappt zwischen Bruno Webers Witwe und allen anderen. Das ist schade, denn der begnadete neo-barocke Künstler, dessen Werke auch sonst häufig zu sehen sind, hätte eine gute Betreuung seines Hauptwerkes verdient. Doch die Gemeinden und Kantone müssen sparen und haben andere Prioritäten.

Die Tessiner Regierung, von einer Abstimmungsniederlage zur anderen gehend, muss mehrfach Zuwanderungsprobleme lösen. Die in der Schweiz Arbeit suchenden Italiener, die zu Luft, Strasse und Bahn einsickernden Afrikaner und Syrer und seit einiger Zeit auch die aus Afrika kommende Tigermücke. Deren Stich tut nicht nur echt weh, sondern kann auch vergiftet sein. Seit Jahren hat man im Tessin deren Bekämpfung verschlafen. Jetzt, so die Behörden, sei es zu spät dafür. Die Magadino-Ebene gilt es wieder rasch zu durchfahren, um keine unangenehme Überraschung zu erleben.

Neue Armut drückt sich gerade in solchen Entwicklungen aus, wo kein Geld mehr zur Verfügung steht, um Notwendiges und sogar Überflüssiges zu tun. Während das Bundesamt für Gesundheit – wieder einmal – Millionen ausgeben darf für eine überflüssige und erotisch aggressive Anti-Aids-Kampagne, fehlt das gleiche Geld andernorts. In Bern wird das Steuergeld zum Fenster hinaus geworfen, sei es für fehlgeleitete Beschaffungen, grosszügige Spesengewährung, überflüssige Berater, an welche die Beamten das Risiko delegieren, oder auch nur Bundesrats-Pensionen für Millionäre.

Immerhin, der Nachfolger von Abt (heute wieder Pater) Martin Werlen aus dem Kloster Einsiedeln, Abt Urban Federer, lächelt und lacht derlei irdische Veränderungen offensiv hinweg. Wer ein reiches Kloster mit vielen Besuchern führen darf, spürt Druck nur dann, wenn er an den fehlenden Mönchs-Nachwuchs denken muss.
Geniesse den Tag, gilt mehr denn je.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Reich zu sein macht selten Spass.

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Seit Thomas Pikettys Buch „Capital“ geben sich zweit- oder drittklassige Reiche, die Vermögen unter 200 Millionen Franken haben, und deren dienstleistende Professoren alle Mühe, den französischen Oekonomen zu widerlegen. Die Unterschiede seien keineswegs so gross, wie von diesem behauptet und überhaupt…..

Reichtum, so wird behauptet, unterscheide sich im üblichen kaum von gehobenem Wohlstand, „denn auch als Reicher kann ich nur ein Steak auf einmal essen“, lautet die oft gehörte Argumentation. Noch mehr beeindruckt sind wir, wenn ein wohlhabender Bankier einen grossen, aber unauffälligen VW fährt. Einige Zeit später begegnete er uns auf dem Flughafen Charles de Gaulle, wo sein Chauffeur mit Rolls auf ihn wartete. Zusatz: „In der Schweiz würde ich derlei nie tun.“

Dennoch sind die Reichen verschieden von den weniger Reichen. Wenn die US-amerikanische Besitzerfamilie der Kaufhauskette Walmart ein Vermögen versteuert, das so gross ist wie das der unteren 30% der amerikanischen Bevölkerung, kann von einem Unterschied an Lebensstandard und Lebensfreude gesprochen werden. Wenn sich ein ehemaliger Schweizer Botschafter in Peking ein Schloss in der Zentralschweiz mit See und Insel wie angrenzendem Land leisten kann, beruht dies nicht auf Sparsamkeit, sondern einem industriellen Erbe.

Wenn die drei Flughäfen Cointrin, Basel-Mulhouse und Kloten voller Privatflugzeuge stehen, darunter viele beachtlich grosse, von den Helis gar nicht zu sprechen, macht dies deutlich, dass auch bei uns der tägliche Stau auf den Strassen nicht jedermann gegönnt ist.
Diese Liste lässt sich unglaublich verlängern; wer mehr wissen möchte, möge „How to spend it“, die luxuriöseste Zeitungsbeilage der Welt, herausgegeben von der „Financial Times“ lesen, ein Art Warenhaus für die besten Kreise, wogegen die Beilagen Schweizer Verlage wie ein chinesischer Chramschopf aussehen.

Es geht nicht darum, nun den armen Reichen, die sich in verschwiegenen Resorts, möglichst den eigenen, treffen müssen, den Schwarzen Peter anzuhängen. Erstaunlich ist nur die Hilflosigkeit ihrer Verteidigung. Im Kapitalismus, in welchem wir leben, wenn er auch französischem und chinesischem Staatskapitalismus immer ähnlicher geworden ist, muss das Geld verdienen Freude machen. Wozu arbeitet der Mensch? Nicht zur Beglückung der Menschheit, das ist ein Nebenprodukt wie der Ford T und das iPad, sondern um reich zu werden. Wohlstand bedeutet schwankende Sicherheit, Reichtum Sicherheit über Generationen hinweg.

Der jungen Generation wird es heute schwer gemacht, ein richtiges Vermögen zu bilden. Wer nicht geerbt hat (Schindler, Matter, Gaydoul, Müller-Möhl, Model, Liotard-Vogt, Ringier etc.), dem fällt ein solcher Erfolg nicht in den Schoss. Zwei Ausnahmen fallen auf: Dr. Christoph Blocher und Peter Spuhler, beide von Zürich geprägt. Sie haben jenen Raubtierinstinkt und beherrschen das „power play“ echter Unternehmer, wie dies in Europa früher oft und heute selten anzutreffen ist. Hansjörg Wyss, ein Berner, der seine Karriere in den USA machte, zählt auch in diese Kategorie. Die Hofmann, Oeri und Landolt sind heute industrieller Adel, wo externe Topmanager das Geschäft betreiben. Nicht zu verwechseln ist dies mit den Spekulationsvermögen eines Dr. Tito Tettamanti oder eines Martin Ebner, wo dauerhafte Anlagen eher eine Seltenheit sind und Totalverluste hingenommen werden müssen.

Die Schweiz ist ein reiches Land, wo rund die Hälfte der Bevölkerung staatliche Zuschüsse für Wohnen, Krankenkassen, Ackerbau und Viehzucht, AHV und IV und vieles andere erhält. Viele Schweizer könnten es sich sonst nicht leisten, in der Schweiz zu wohnen. Das mag mit ein Grund sein, warum junge Schweizerinnen und Schweizer kaum noch eigene Kinder wollen; es ist einfach zu teuer, mindestens aber zu aufwendig, sie zu erziehen. Sie bilden den Volkskörper der B-Schweiz.

Die Vertreter der hoch produktiven A-Schweiz, die ihr Kapital mehr denn je global einsetzen, brauchen diese B-Schweiz, damit die solide Infrastruktur des Landes erhalten und gepflegt werden kann. Weil der Nachwuchs weder quantitativ noch qualitativ genügt für das anhaltende Wirtschaftswachstum der A-Schweiz, werden Zuwanderer aller Qualitätsstufen gesucht: Nordafrikaner für den Zirkus Knie, deutsche Ingenieure für die Chemie- und Pharmaindustrie. Deshalb hat die „Swiss“, Tochtergesellschaft der Deutschen Lufthansa, nun beschlossen, die Zahl der europäischen Kurzstreckenflüge auszubauen, damit diese Wirtschaftsflüchtlinge ohne Probleme zwischen dem Balkan, Süditalien, Nordportugal, Ostdeutschland und Zürich pendeln können.

Alàs, enrichissez-vous! Dieser Wahlspruch Napoléons III. aus dem späten 19. Jahrhundert soll wieder gelten. Thomas Piketty hat die Ausgangslage beschrieben. Wer seine Chance ergreift, kann ihn widerlegen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Geld – Gier – Lebenssinn

Mit Geld sind hohe Erwartungen verknüpft: Unabhängigkeit, Sicherheit, Macht, Einfluss, Attraktivität, Prestige, Lebensglück. Geld hat deshalb Suchtpotential. Gegen die Fixierung auf das Geld und übersteigerte Hoffnungen in seine Wirkkraft kämpfen traditionell philosophische und religiöse Denkansätze an. Probieren wir es einmal anders, schauen wir bei den Comics nach, was sie uns lehren können.

Haben Sie in Ihrer Kinder- und Jugendzeit auch Mickey Mouse gelesen? Sicher haben Sie dann auch Dagobert Duck bei seinem täglichen Bad in seinem Geldspeicher begleitet. Je nach Betrachtungsweise haben Sie sich über die lästige Anbettelei seiner Verwandtschaft oder über den Geizkragen Dagobert geärgert. Sie haben mitgefiebert, ob es Dagobert gelingt, die nimmermüden Panzerknacker abzuwehren, die ihm das riesige Vermögen „abknöpfen“ wollen. Welchen Kontrast liefert ein solches Bild: Das scheinbar so sorgenfreie Baden im Geld, das doch immer nur einen kurzen Augenblick währt, und das stete Abwehren von Schnorrern und Kriminellen, das mit der Zeit vielleicht auch den eigenen Charakter verändert: zunehmendes Misstrauen, Geiz, ein sich Zurückziehen auf sich selbst.

In Entenhausen kommt der Tod nicht vor; Dagobert Duck scheint unsterblich zu sein. Wir aber sind Sterbliche, und das bedeutet, dass die individuelle Vermögenssicherung über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt sein wird. „Das letzte Hemd hat keine Taschen“, sagt der Volksmund. Eine ähnliche Aussage findet sich auch im Neuen Testament: Von einem fleissigen Bauern wird dort erzählt, der kräftig in die Erweiterung seiner Aufbewahrungskapazitäten für einen grossen Ernteertrag investiert hat. Bald darauf kann er tatsächlich eine grosse Ernte einfahren; er nützt die stark erweiterte Infrastruktur seines Hofes aus. Damit wähnt er sich in Sicherheit. Er ist überzeugt davon, ausgesorgt zu haben. Nun kann ein geruhsames Leben beginnen. Doch seine Sicherheit ist trügerisch. Die Erzählung endet mit der Ankündigung: „Du Narr, noch heute wird Dein Leben von Dir zurückgefordert werden.“ Nichts wird ihm von seinem Reichtum bleiben.

Vielleicht hat er testamentarisch gut vorgesorgt. Sein landwirtschaftlicher Besitz wird auf beruflich geeignete Familienmitglieder übertragen. Doch die Buddenbrooks in der Literatur und manche Adels- und Industriellendynastien, ja selbst Staaten lehren uns, dass es in der Geschichte keine Besitzstandsgarantie gibt, sondern fortwährende Auf- und Abstiege. Nachfolgende Generationen können das Erbe verprassen, oder politische und wirtschaftliche Umstände vernichten es. Wir leben also nicht einmal geldmässig in unseren Nachkommen dauerhaft weiter. Wenn wir so über „Zeit und Ewigkeit“ nachdenken, welche Bedeutung messen wir dem Geld und seinem Erwerb bei?

Muss es nicht Bereiche in unserem Leben und im Leben unserer Gesellschaft geben, die dem Verrechenbaren und Käuflichen entzogen sind? Zeigt sich der Reichtum menschlichen Lebens nicht gerade dort, wo etwas nicht um des Verdienstes oder des Prestiges wegen, sondern aus der Grosszügigkeit des Herzens, aus selbstloser Liebe getan wird? Eine solche Haltung und ein kritisches Nachdenken über die Bedeutung des Geldes stärken die „Abwehrkräfte“ dafür, damit Geld im eigenen Leben nicht zum Selbstzweck wird, sondern zu einem Mittel, das Sinnvolles ermöglichen kann.

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie, Zürich

Wem schenken Sie Ihr Vertrauen?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Gerade ältere Menschen tun sich schwer, Menschen ihr Vertrauen zu schenken, die sie nicht schon seit der Schulzeit oder aus dem Militärdienst kennen. Sie vertrauen aber auch Enkelbetrügern, die sie um ihr Geld bringen, oder Bankberatern, die nicht selten auch teuer zu stehen kommen. Daher ist die Frage berechtigt: Wem schenken Sie Ihr Vertrauen? Wer mit Migros und Coop oder Volg aufgewachsen ist, hat im Allgemeinen keinen Grund, dem Angebot dieser Firmen zu misstrauen. Wer dann noch einen Metzger, Bäcker oder Feinkostladen in der Nähe hat, die mehr und Besseres bieten als die Grossanbieter, darf sich beglückwünschen.

Schwieriger wird es, weicht man zu Billiganbietern aus, die wie Pilze im Herbst aus dem Boden schiessen. Oft haben sie unmögliche Anfahrtswege, bieten nur eine schwache Beratung und machen es dem Käufer nach der Lieferung schwer, das Gelieferte richtig in Gang zu setzen. Das gilt besonders für die Lieferanten technischer Güter, deren Vor- und Nachteile mit einem normalen Verstand kaum zu begreifen sind.

Wie es oft eine wahre Kunst ist, das beste und billigste SBB-Ticket zu kaufen oder in den Bergstationen Bündens oder des Wallis die richtigen Familientickets für die Wintersaison zu bestellen, fällt es gerade älteren Menschen oft schwer, den günstigsten Flug in eine beliebte Nachbarstadt der Schweiz zu buchen. Einer meiner Freunde, 85 Jahre alt, ist seit Jahrzehnten Fahrplanspezialist, was einiges erleichtert. Aber nicht überall hat es derlei Menschen.

Jetzt wird es schwieriger:

  • Lesen wir die Zeitung, hören wir das Radio oder sehen wir fern, stellt sich immer die Frage: Wem soll ich was glauben? Was in den vielen Talks oder bei „Aeschbacher“ erzählt wird, kann auch oft nicht zur vollen Münze genommen werden. Die Kommentare nach Abstimmungen, sind diese auch nur knapp ausgegangen, bleiben zu oft im Unverbindlichen. Man bleibt so klug wie zuvor. Was die „Neue Zürcher Zeitung“ gut findet, muss nicht für alle Menschen das Beste sein und der „Tagesanzeiger“ liebt nun einmal alles Soziale, meist ohne sich zu fragen, wer die Rechnung dafür bezahlt.
  • Jetzt, ein Jahr vor den Nationalratswahlen im Oktober 2015, müssen wir uns auch fragen: Welchem Politiker wollen wir glauben? Ist Dr. Christoph Blocher der Retter der Nation vor allem Fremdem? Ist der Aargauer Philipp Müller wirklich ein liberaler Geist, der den Freisinn wieder auf die politischen Gipfel führen kann? Oder sind es die grünen und grünliberalen Politiker, die uns zum Konsumverzicht auffordern, die recht haben? Müssen wir Simonetta Sommaruga glauben, die mehr für die Einwanderer tut als für die alten Menschen aus dem eigenen Stamm oder ist Doris Leuthard die Lösung, die uns teuren Verkehr bringt, teures Radio und Fernsehen und eine noch teurere Energieversorgung?

Ich rate, den Bankier oder Banker ebenso zu kontrollieren wie unsere Medien, die Parteien und deren Politiker. Das ist eine aufwändige Angelegenheit, aber im Alter hat man etwas mehr Zeit als in früheren Jahren. Man sollte sich jedoch vor Menschen hüten, die fixe Vorstellungen haben, denn unser Land, Europa und die Welt verändern sich jetzt derart rasch, dass die alten Spielregeln immer weniger gelten.

Sie können sich jetzt einigeln, ihr Geld in einem Safe verstecken und nur noch Heftli lesen, aber niemand wird garantieren, dass es Ihnen dann besser geht. Bleiben Sie also hellwach oder besorgen Sie sich jemand, dem Sie wirklich vertrauen können und der auch wirklich etwas kann. Eine Familie bietet dann Vorteile, auch wenn einige auf das Erbe warten. Singles haben es ganz schwer und sollten rasch wieder heiraten in der Hoffnung, der neue Partner verprasse nicht das ganze Geld.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH