Archiv für den Monat: September 2014

Ist das noch mein Land?

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

Die jetzt 70jährigen wussten noch, was ein Rappen war. Sie bewahrten ihn sorgfältig auf, sammelten ihn in alten Honiggläsern und trugen diese oft noch zur Bank, um daraus eine Einzahlung für das Sparkonto zu machen. Sie wussten auch noch, was ein „Foif“-Räppler wert war; er war vor einer Generation noch ein Wertgegenstand. Heute gibt es keinen Ein- und Zweiräppler und auch kein Sparbuch mehr.

Umso verständlicher wird die Haltung vieler, die finden, unsere Behörden, und besonders die Sozialbehörden, würden das Geld schaufelweise zum Fenster hinaus werfen. Ist dies noch mein Land, wo eine Asylantenfamilie mit Zehntausenden von Franken im Monat gepäppelt wird? Wo Asylanten Wohnungen und Unterkünfte verweigern, die oft besser sind als vieles, was die ältere Generation erlebte?

Die im Wohlstand aufgewachsenen 40jährigen, selbst nicht mehr wissend, was Pflichten sind, haben sich zu Verteidigern von Rechten anderer aufgespielt. Sie tun dies auf Kosten der einfachen Steuerzahler, vor allem auch der Älteren, die sich heute noch scheuen, den Weg zum Sozialamt zu gehen. Den Satz „…aber das ist Ihr Recht!“ verstehen sie nicht. Man geht in der Deutschen Schweiz nur zum Staat, wenn man besonders unverschämt ist. Ein ehrlicher Mensch erledigt seine Sachen alleine, autonom und authentisch. Darin liegt auch der tiefere Widerspruch im Fall der Berner Ammann Gruppe, wo sich der heutige FDP-Bundesrat von der kantonalen Regierung bestätigen liess, er dürfe Hunderte von Millionen Franken aus Steuergründen im Ausland verwalten. Welcher Normalschweizer hätte dies je getan? Das ist ein Spiel für Milliardäre (auch das Wort Milliarde kannte man vor einer Generation noch nicht; eine Million war das höchste, das man in der Schule lernte).

Wer im Land bestimmt, zahlt zu häufig wenig oder gar keine Steuern mehr. Das missmutige Stimmvolk hat es gelernt, seinen Vorbildern in Bundesbern oder den kantonalen Hauptstädten zu misstrauen. Sind das wirklich zuverlässige Leute, die man einst gewählt hat? Ist Bundesrätin Ruth Metzler wirklich nur deshalb zurückgetreten, weil Marcel Ospel ihr einen besseren Job angeboten hatte, damit ihr Platz für Christoph Blocher frei wird. Dann wäre ein Sitz im Bundesrat ja käuflich.

Ist das noch unsere Schweiz, wo Menschenschmuggler aus Nordafrika ehrgeizige Flüchtlinge in Seelenverkäufern auf das Meer fahren, um sie dann ersaufen zu lassen, werden sie nicht von EU-Helfern gerettet. Das Geschäft der Menschenschmuggler geht bei uns über in das der Sozialindustrie, wo mit Asylanten Vermögen gemacht werden. Die Vermietungsindustrie bringt ihre oft verwahrlosten Baracken für teures Geld auf den Markt, das von den Steuerzahlern aufgebracht wird.

Die Schweiz des Jahres 2014 ist nicht mehr diejenige des Jahres 1954. Damals bauten fleissige Menschen aller Berufe Fabriken und Banken auf. Heute sind die Fabriken an Russen und Deutsche verkauft, die Banken an Brasilianer, Ägypter und Saudis, die Hotels an Milliardäre aus aller Welt.

Die neuen Schweizer wissen nicht mehr, was ein Rappen und ein Foifer ist. Es sind die reichen Konsumenten aus ganz Europa und den USA, dazu stossen die armen Konsumenten aus Afrika, dem Kosovo und den Staaten des Nahen Ostens, die heute Ansprüche und Rechte geltend machen, aber von den alten Pflichten nichts wissen wollen.

Wer dies verstehen will, muss die Frage anbringen „Wem nützt dies?“. So wenig wie die Sozialdienst-Grossfirma ORS ihre Eigentümer nennen will, bekennen sich auch die anderen Armuts- und Asylantenprofiteure zu ihrem Tun. Ich nehme an, es sind hoch anständige Leute, die gerne auch einmal ein Nötli für die Menschen in der Dritten Welt spenden.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Altersarmut ist eine echte Gefahr

Klaus Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker

„Ab 55 Jahren sollen die Löhne nicht mehr steigen“, sagt Hans Hess, der Präsident von Swissmem, der Arbeitgebervereinigung der Schweizer Maschinenbauer. Das ist eine schlechte Nachricht für 90% der Mitarbeiter von ABB, Rieter, Sulzer oder Schindler. Hans Hess, sonst ein „gmögiger“ Typ, meint, dann seien keine Kinder mehr im Haus und viele bräuchten dann nicht mehr so viel Geld.

Alleine schon die Haltung, die hinter einer solchen Aussage steckt, ist aufschlussreich: Menschen sollen künftig mehr nach Massgabe der Notwendigkeit Geld erhalten als aufgrund von individueller Leistung und korporativer Möglichkeit. Auf die Landwirtschaft übersetzt: Nur Hochleistungskühe erhalten besseres Futter.

Für die Generation 50+, soweit es sich nicht um Staatsangestellte, Pfarrer oder Politiker handelt, ist dies eine schlechte Nachricht. Als Staatsangestellter profitiert man von sehr hohen Einkommen und noch besseren Renten und Pensionen, als Pfarrer wird man wie ein hoher Beamter behandelt, und für Bundes- wie Regierungsräte, Chefbeamte und Spitzenparlamentarier gibt es nach dem Rücktritt Tausende bestens bezahlter „Jöbli“, die das Taschengeld verbessern.

Nicht so bei normalen Schweizern, denen es nicht gelungen ist, sich aus der Abhängigkeit privater und staatlich geschützter Regulierungen zu befreien. Wer mit 65 Jahren, dem heutigen Rentenalter, noch weiter arbeiten will, darf nach Massgabe seiner körperlichen und geistigen Kräfte dann ein eher bescheidenes Zubrot verdienen, das sich dann seit mehr als zehn Jahren nicht mehr verbessert hat. Manche werden es nicht einmal freiwillig tun, denn die Belastungen durch Preisaufschläge nehmen ohnehin rascher zu als es die Inflationsrate verrät. Mit ihren Steuern, Abgaben und sonstigen Gebühren finanzieren diese „Normal“-Schweizer den Wohlstand ihrer Eliten.

Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie hat goldene Jahrzehnte hinter sich. Es sind jene bis 55jährigen, deren Fleiss und Innovationskraft dieses Wunder bewirkt hat. Der Schweizer Ingenieur und Facharbeiter hat mit einem bewundernswerten Einsatz sein Bestes gegeben; das gilt auch für die sehr vielen Ausländer, die unter schlechteren Bedingungen nicht weniger gegeben haben.

Als neue Regel soll gelten: Wer jung ist, erhält weniger Geld, wer weiblich ist, soll sich bescheiden, wer über 55 Jahre alt ist, darf mit dem unfreiwilligen Sparen beginnen. Kein Wunder, dass Motivationsseminare blühen – man muss einer solchen Haltung auch einen Sinn abgewinnen können.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Erleben wir eine Renaissance der Führungstugenden?

Prof. Dr. Stefan Wirz, Paulus Akademie

Prof. Dr. Stephan Wirz, Paulus Akademie

„In einem freien Wirtschaftssystem gibt es nur eine einzige Verantwortung für
die Beteiligten: Sie besagt, dass die verfügbaren Mittel möglichst gewinnbringend
eingesetzt und Unternehmungen unter dem Gesichtspunkt der grösstmöglichen
Profitabilität geführt werden müssen, solange dies unter Berücksichtigung der
festgelegten Regeln des Spiels geschieht, d. h. unter Beachtung der Regeln des
offenen und freien Wettbewerbs und ohne Betrugs- und Täuschungsmanöver.“

Milton Friedman, von dem dieses Zitat stammt, ist kein Verächter menschlicher Verantwortung, wie ein erster Eindruck dieses Zitats vielleicht vermuten lässt. Ein solcher Gewinn zeigt nämlich an, so dürfen wir seinen Gedankengang fortführen, dass das Unternehmen den Kundenbedarf effizient und wirksam deckt, also gemeinwohlfördernd arbeitet. Dennoch stösst diese marktwirtschaftliche Logik in manchen Bevölkerungskreisen auf Reserviertheit, ja Ablehnung. Sie wird als zu kühl empfunden; ihr fehle die soziale Wärme. In der Tat ist mit der eher abstrakten wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtungsweise noch nicht der unternehmerische Alltag eingefangen, in dem Menschen miteinander interagieren. Sie tun es nicht als rein rationale «homines oeconomici«, sondern sie treten sich gegenüber und treffen Entscheidungen als Menschen mit Emotionen, Sehnsüchten, Interessen, Sorgen und Begrenzungen.

Unternehmen sind nicht abstrakte Kollektive, sondern sie werden belebt durch Menschen. Wie ein Unternehmen seine unternehmerische Verantwortung interpretiert und lebt, hängt davon ab, welches Verständnis von Verantwortung die einzelnen Führungspersonen dieses Unternehmens haben. Wir sollten deshalb in Zukunft unser Augenmerk wieder stärker auf die Führungsqualitäten legen, auf die fachliche, kommunikative und – horribile dictu – moralische Eignung von Führungspersonen. Ich bin mir bewusst, dass die Vorstellung, wie eine ideale Führungspersönlichkeit auszusehen hat, im Lauf der Jahre mäandert: Einmal wird die starke, charismatische Führungsperson gelobt, die über eine klare Vision von der zukünftigen Gestalt der Organisation verfügt und diese auch mit «harter Hand» durchsetzt. Zu einem anderen Zeitpunkt wird der seine Mitarbeiter einbeziehende, empathische Moderator gerühmt. Doch das ist kein Grund, auf den Diskurs über Führungstugenden zu verzichten.
Welches Führungsbild zeichnet sich gegenwärtig ab? Gibt es nach den stark pekuniär motivierten und sich selbst inszenierenden Managern gar eine Renaissance für Demut und Bescheidenheit als Führungstugenden? Ein solcher Eindruck speist sich nach meinem Dafürhalten aus drei Quellen:

  • Erstens erkennen die Führungspersonen in Unternehmen, wirtschaftsnahen Verbänden und Parteien, dass sich Reputationsdefizite nachteilig auswirken. In einer direkten Demokratie werden die abstimmungsmässigen «Kosten» mangelnder Reputation in Form von weniger unternehmensfreundlichen Rahmenbedingungen relativ rasch ersichtlich.
  • Zweitens erfährt das Bild des Patrons heute eine neue Wertschätzung. Dabei steht nicht mehr der absolutistisch regierende Unternehmenschef des 19. Jahrhunderts vor Augen, sondern der Unternehmer, der für den nachhaltigen Erfolg «seines» Unternehmens kämpft, für seine Mitarbeiterschaft eintritt und zugleich auch ein «homme (oder femme) politique» ist, sich also für das Wohlergehen des Gemeinwesens einsetzt.
  • Die dritte Quelle ist die mediale Berichterstattung über die Lebensweise und das Führungsverhalten von Papst Franziskus. Plötzlich sind Bescheidenheit und Demut, über Kirchengrenzen hinweg, chic geworden. Wer kann sich da noch «demonstrativen Konsum» und arrogantes Auftreten leisten?

Der Diskurs über Führungsqualitäten läuft. Stehen wir auch in der Unternehmenswelt vor einem tugendethischen Durchbruch oder ist das alles doch nur geschickte Inszenierung?

Prof. Dr. Stephan Wirz, Leiter Studienbereich Wirtschaft und Arbeit, Paulus Akademie Zürich

Ist Doris Leuthard gesundheitsschädlich?

Im Gegensatz zu alt Bundesrat Moritz Leuenberger, der sich darin verzehrte, uns gesünder zu machen, indem er das Autofahren behinderte und den Genuss von Fleisch als steinzeitlich anmuten liess, hat sich seine Nachfolgerin im gleichen Departement offensichtlich die Aufgabe gestellt, unserer Gesundheit zu schaden. Wie das?

Die Bevölkerung von Dübendorf, so liess das Leuthard’sche Verkehrsdepartement verlauten, dürfe nicht daran gewöhnt werden, ohne Fluglärm zu leben. Die Bevölkerung solle sich nach dem Abzug der lautstarken Tiger nicht an Ruhe gewöhnen, sondern müsse der privaten Verkehrsfliegerei und dem Heli-Lärm der Armee und der Rega ausgeliefert werden, um nicht zu begreifen, was Stille ist. Es bestehe sonst die Gefahr, die Dübendorfer würden verstehen, dass Fluglärm schädlich ist für sie und ihre Kinder und sie in Form von Demonstrationen gegen den Fluglärm das staatliche Walten behindern würden.

Vor Schreck biss ich in meinen Chüngel-Burger, fettarm und cholesterinfrei, um meine körperliche und geistige Form fit zu halten. Wer sich Auseinandersetzung mit der ebenso fitten Aargauerin stellen will, muss ein weltmeisterliches Training absolvieren, ist sie doch die durchsetzungsstärkste Bundesrätin. Sie hat entschieden, dass die Dübendorfer Bevölkerung auch künftig weiter belärmt werden soll und lässt BAZL wie Skyguide walten, damit aus dem City Airport Kloten endlich ein richtiger Hub wird mit Umsteigepassagieren aus aller Welt en masse und Fluglärm gegen über 200 000 Menschen rund um den Flughafen, denen die Nachtruhe gestohlen wird.

Die Generation 50+, früher einmal „Graue Panther“ genannt, kann sich zur Wehr setzen, wenn sie aus ihrem Agglomerations-Dämmerschlaf erwacht. Sie hat viele Erfolge und noch mehr Enttäuschungen erlebt. Sie hatte einmal sehr viel Geld am Monatsende übrig; jetzt wird es knapper und die Sorge nimmt zu, es könne einmal nicht mehr reichen.
Deshalbempfehle ich, drei Prioritäten zu setzen:

1. Die gesunde Ernährung mit wirklich guten Produkten nach dem Motto „Weniger und besser essen“.
2. Zweimal wöchentliches körperliches Training als Voraussetzung auch für geistige Fitness.
3. Mehr Beteiligung an öffentlichen und politischen Themen, denn Aufregung belebt das Hirn und verhindert Demenz.

Mein Chüngelfleisch enthält, das ist wissenschaftlich erwiesen, Anti-Oxydantien, die Herzkrankheiten ebenso wirkungsvoll bekämpfen wie manches Medikament und den Alterungsprozess verlangsamen. Das sind die richtigen Voraussetzungen, um den die Gesundheit gefährdenden Vorstössen unserer höchsten Magistratin zu begegnen.

Dübendorfs Stadtpräsident Lothar Ziörjen, der das Vertrauen seiner Bürgerinnen und Bürger geniesst, will nun mit aller Kraft gegen die Zumutungen der aargauischen Bundesrätin vorgehen. Er weiss die Gemeinden im oberen Zürcher Glattal hinter sich. Nun müssen die Stimmbürger rund um den Zürcher Flughafen Kloten nur noch begreifen, dass nicht hinter jedem lächelnden Gesicht auch eine echte Freundin steckt. Doris Leuthard als Jeanne d’Arc des freien Luftverkehrs hat nicht nur die Dübendorfer Bevölkerung enttäuscht; sie ist ein schlimmes Zeichen an der Wand für alle, die sich Gesundheit und Nachtruhe wünschen.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Die über 50jährigen sind Wahlsieger

PR Profi Klaus J. Stöhlker

PR Profi Klaus J. Stöhlker 

Weil die unter Dreissigjährigen bekannt stimmfaul sind und die bis zu 50jährigen oft, privat wie beruflich, völlig überlastet tun, müssen die über 50jährigen die Nationalratswahlen im Oktober des kommenden Jahres entscheiden. Sie sind es, die über den Träger des Siegeskranzes entscheiden. Damit sind die Alten im Land jetzt schon als die eigentlichen Wahlsieger 2015 erkennbar.

Ihnen stellt sich nicht die Frage, ob man an die Urne gehen soll. Man geht einfach. Sie stimmen zunehmend auch schriftlich ab, aber der feierliche Gang am Sonntagvormittag zur meist nahe gelegenen Stimmurne ist immer noch ein Bild, das nicht selten zu sehen ist. Das Volk demonstriert nicht gegen die Regierung, wie rund um die Schweiz der Fall, sondern stimmt für die Regierenden, ob zweifelnd oder nicht.

Angesichts einer solchen direkt-demokratischen Verantwortung stellt sich bald einmal die Frage: Haben wir die richtige Auswahl?
Als eigentlicher Herausforderer darf Dr. Christoph Blocher mit seinen Freunden gelten, der es im kommenden Herbst für die von ihm geschaffene SVP nochmals wissen will. Er verfügt über volksnahe Intelligenz und ein fast unerschöpfliches Wahlkampfbudget, um dies alle Mitbewerber ihn beneiden. Sein Geld gibt ihm Macht, mehr noch aber seine Botschaft an das Schweizer Volk: Macht den Zaun enger, lasst weniger Menschen heran und geht nicht zu weit nach Brüssel. Bleibt, wer ihr seid, Schweizerinnen und Schweizer nämlich.

Derlei kommt gerade bei der Generation 50+ gut an, die jeden Tag zusehen muss wie die Generation der Kinder und Enkel jenen Wohlstand und jene Autonomie vertun, welche sie geschaffen und ausgebaut hat. Hilft sie Christoph Blocher, über die 30%-Marke zu kommen? Auf diese Schlüsselfrage liegt heute noch keine Antwort vor.

Die FDP, liberal und freisinnig, hat unter Parteipräsident Philipp Müller so wenig Profil gewonnen wie unter seinen Vorgängern seit Franz Steinegger und Fulvio Pelli auch. Beim Urner stürzte die Partei ab, der Tessiner holte sie nicht mehr hoch und der Aargauer schleppt sie über die Distanz, einmal mehr rechtslastig, dann wieder zur Mitte pendelnd. Ohnehin ist die FDP Schweiz nur noch ein Wurmfortsatz ihrer einstigen Macht; alle Zeichen weisen darauf hin, dass sie eines nicht allzu fernen Tages untergehen wird wie ihre deutsche Schwesterpartei dies soeben auch getan hat. Legen die Freisinnigen nicht endlich den versprochenen Stilwechsel hin, weg von der Partei der Anwälte und Lobbyisten, hin zu einer echten Volkspartei, die sie unter Ulrich Bremi einmal war, ist jede Stimme für sie verloren.

Die CVP hat das gleiche Problem, nur eine Spur dramatischer. Von dem Traumteam Christophe Darbellay (Parteipräsident) und Doris Leuthard (Bundesrätin) ist wenig übrig geblieben. Darbellay tritt demnächst zurück, will im Wallis Staatsrat werden, aber auch einen Fuss in Bern behalten. Doris Leuthard hat nach ihrem glanzvollen Präsidialjahr mit Energie, Verkehr und Medien wenig dankbare Funktionen. Die Risse im Bild werden sichtbarer.

Die im Alleingang verlorene BDP will den Machterhalt für Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf durch den Anschluss an die CVP schaffen, ganz nach dem Motto „Blind und lahm gemeinsam in die Zukunft“. Beide Parteien vertreten jene Teile des alternden Bürgertums, das den Anschluss an die Gegenwart verloren hat und besorgt ist um die Zukunft seiner Restvermögens wie jener offenen und stillen Subventionen, die ein erträgliches Auskommen sichern.

Die SP ist seit 20 Jahren keine Arbeiterpartei mehr, sondern Hoffnungsträger der Angehörigen einer zu gross gewordenen Verwaltung auf städtischer, kantonaler und nationaler Ebene. Dazu kommt ein ausgedehntes kulturelles Prekariat, das sich auf der obersten Stufe staatlicher Subventionen gekonnt bedient und auf der unteren von ständigen Bettelaktionen lebt, die heute „crowd funding“ genannt werden. Ebenso gross ist die Unterstützung der SP aus den Kreisen der Schweizer Sozialindustrie, die davon lebt, auf Kosten der Steuerzahler Gelder an Menschen zu verteilen, die Arbeit als eine Zumutung betrachten.

Diese durchaus spannende Szene wird bereichert von Grünen und Grünliberalen, die ebenso gerne dem Fortschritt im Wege stehen, um dann sofort die Hand zu öffnen, wenn sie via Staat vom Steuerzahler Geld benötigen, um Randgebiete der Gesellschaft künstlich am Leben zu erhalten.

Grosse Teile der Jugend, soweit sie noch ein politisch-romantisches Weltbild hat, steht diesem politischen Blumenstrauss von Schwarz über Gelb zu Rot einigermassen verständnislos gegenüber. Es ist an der Generation 50+, jene politische Stabilität zu wahren, die ein Funktionieren der Schweiz noch einige Zeit sichert. In unseren Nachbarländern zeigt sich der Zerfall der einstigen politischen Kultur noch rascher als bei uns. Wir sind in eine „Demokratie à la Dürrenmatt“ eingetreten. Wer lacht, muss vor die Tür.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH