Sollen Frauen wirklich „heulen“?

Klaus Stöhlker

Klaus J. Stöhlker*

Die Schweiz ist ein wirtschaftlich sehr erfolgreiches Land und hat nur wenige Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft. Frankreich ist ein wirtschaftlich eher zusammen brechender Staat, wo die Frauen per Gesetz und Quote in Spitzenpositionen der Unternehmen berufen werden müssen. Das gilt auch für Norwegen, aber dort wird noch 30 Jahre die Ölschwemme aus der Nordsee alle Fehler, die man sonst macht, wegspülen. Das skandinavische Land schwimmt in Öl-Euros.

Es stimmt, Frauen sind in den Verwaltungsräten und Generaldirektionen unserer grossen Schweizer Firmen stark untervertreten. Sie stossen dort gegen „eine Glasdecke“, wie Bundesrat Johannes Schneider-Ammann von seiner seco-Chefin in der aufwändigen Zeitschrift „Volkswirtschaft“ schreiben lässt.

Dies ist noch einigermassen gesittet formuliert; anders aber in der freien Marktwirtschaft der Schweizer Redaktionen. Karin Baltisberger, die Nachrichtenchefin des „SonntagsBlick“, Untergebene von Christine Maier, der hoch emanzipierten Chefredaktorin des nämliches Blattes, fordert ihre Leserinnen auf, „lauter zu heulen“.

Was soll denn das? In den Schweizer Unternehmen, die oft toll geführt sind, braucht es weder Heulsusen noch Heulweiber, sondern fleissige und intelligente Frauen, die den Karriereweg nach oben nicht scheuen. Natürlich gibt es Zehntausende gut ausgebildeter, talentierter und fleissiger Frauen in unserem Land, die oft mehr bringen als abgeschlaffte Männer, welche die Büros besetzt halten, aber wie man Chef wird, haben sie nicht gelernt. Es ist die härteste Schule überhaupt, welche die Schweiz zu bieten hat.

Im globalen Wettbewerb, und nur darum geht es, müssen Frauen bereit sein, alles zu geben. Barbara Kux, die ihren Weg von McKinsey zu Siemens und Total machte, ist ein solches Rollenmodell. Was aber unsere Schönheitsköniginnen als Leiterin eines Filmfestivals oder Verwaltungsrätinnen grosser Schweizer Verlage betrifft, wohl eher nicht. Das sind keine wirklichen Unternehmerinnen, sondern intelligente und gut repräsentierende Frauen, die hoffentlich ein wenig Leben in die Männerbude bringen.

Es geht also nicht ums „Heulen“, sondern mehr um konkrete Leistung.

*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

 

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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