Was machen Sie mit Ihrem Vermögen?

Klaus Stöhlker

Klaus J. Stöhlker*
Wir sind ein wunderbares Land, denn während viele Menschen klagen, wie fürchterlich das Leben geworden ist, werden wir immer reicher. Jetzt sind 300 000 Menschen in der Schweiz Vermögensmillionäre in US-Dollar gerechnet – ohne Häuser und Wohnungen, Schmuck und Kunstwerke. Diese 300 000 Schweizerinnen und Schweizer sind meist über 55 Jahre alt. Werden sie einmal pensioniert, steigt das Vermögen weiter an.
Was machen Sie mit Ihrem Vermögen? Haben Sie Angst, 100 Jahre alt und arm zu werden? Oder vermachen Sie es der Schweizerischen Herzstiftung, dem Verkehrshaus in Luzern, das dringend Geld von Stiftern braucht, oder dem Zürcher Zoo, der in Millionen nur so schwimmt?
Es kommt noch besser: Gemäss der offiziellen Steuerstatistik des Bundes haben wir mindestens 10 500 Menschen in unserem Land, die ein Reinvermögen von 10 Millionen Franken und mehr versteuern. Nur zehn Prozent dieses Geldes geht im Rahmen von Erbschaften an Nichtverwandte oder Organisationen. Das ist nicht wenig, sieht man die Milliarden, die auf diesem Weg an die nächste Generation weiter geleitet werden.
Die jetzt über 60jährigen haben noch die arme Schweiz des letzten Jahrhunderts erlebt. Sie, ihre Eltern und Grosseltern, haben oft jeden Rappen auf die Seite gelegt, haben, oft erschöpft, rund um die Uhr gearbeitet. Jahrelang und ohne Ferien wurden, Schritt für Schritt, Vermögen aufgebaut.
Die jetzige Generation der unter 40jährigen will vor allem eines: konsumieren. Viele junge Schweizer haben aufgrund der Arbeit ihrer Vorfahren einen Lebensstandard, um den sie nie kämpfen mussten. Sie gehen mit dem Ego von bereits Besitzenden in die Verhandlungen und erzielen deshalb sehr oft nicht die besten Resultate. „Wer hungrig und intelligent ist, ist der beste Berater“, das wussten schon die Personalchefs von McKinsey, der berühmten Beratungsfirma.

Wenn FIFA-Präsident Sepp Blatter der Stadt Zürich ein FIFA-Museum schenkt und Dr. Christoph Blocher dem Kanton Zürich hilft, das Kloster Rheinau zu sanieren, sind dies beispielhafte Taten. Wenn eine reiche Erbin aus Winterthur ein Magazin finanziert und eine andere reiche Erbin aus Basel eine Internet-Zeitung, kann man dies nur begrüssen. Man sollte sein Geld, wenn überhaupt, für ganz konkrete Projekte ausgeben, die man auch persönlich kontrollieren kann. Ich kenne einen sehr wohlhabenden älteren Ingenieur, der in Nordwest-Indien die Einrichtung dringend notwendiger neuer Wasserstellen finanzierte. Als sie gebohrt waren und Wasser gaben und er mit seinem Team wieder abreiste, schütteten die Wasserverkäufer, die mit Lastwagen kamen, die Brunnen wieder zu. Sie wollten ihr Geschäft nicht verlieren.
Die Erbschaftssteuer steht, wieder einmal, vor der Tür. Ich glaube keine Sekunde, dass das Schweizer Volk diese an der Urne annehmen wird. Es ist das Volk, der Mittelstand, welcher in unserem Land mit Steuern, Gebühren, z.B. der SRG, und Bussen am meisten abgeschöpft wird. Der Zürcher Kleinbanker und SVP-Nationalrat Thomas Matter will nun, dass der Steuerzahler auch für Strafzahlungen der Grossbanken in Milliardenhöhe aufkommen soll. Genug ist genug. Gerade die Älteren unter uns haben nicht nur ihr Geld redlich verdient, sondern auch viele und hohe Steuern bezahlt. Niemand, weder Politiker, Gesundbeter noch Kinder, auf die kein Verlass ist, vor allem aber nicht der Staat, sollen davon profitieren.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, K. J. Stöhlker abgelegt am von .

Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

Ein Gedanke zu „Was machen Sie mit Ihrem Vermögen?

  1. Luzia Bucher

    Sie schreiben wirklich aus hoher Warte, Herr Stoehlker! Wir sind wirklich ein wunderbares Land, wenn von 8 Mio Einwohnern 300 000 Millionäre oder mehr sind! Was ist mit dem grossen Rest? Glauben Sie im Ernst, dass es so vielen Schweizern so rosig ergeht, vor allem im Alter? Da mache ich andere Erfahrungen mit dem, was ich sehe. Beiträge von Schweizern (ich gehe davon aus, dass Sie das sind) mit gutem finanziellem Polster, die keine Ahnung von Menschen unterer Schichten haben, die sich mit Mühe mit unseren hohen Preisen herumschlagen, ärgern mich.
    Wobei ich ausführen möchte, dass ich mich als ‚alte‘ Rüeschlikerin sehr privilegiert vorkomme. Ich habe eine schöne Eigentumswohnung, in die ich jahrelang alles Geld steckte, das ich erübrigen konnte (kein Auto, keine teuren Reisen, etc.). Jetzt ist sie abbezahlt, auch dank eines kleineren Erbes. Das ist der Geldvermehrung zwar nicht förderlich, aber ich bin zufrieden mit meiner nicht sehr üppigen Rente, mit der ich ohne Riesenansprüche angenehm leben kann. Aber ich kenne genügend Menschen, die eigenen Söhne mit eingeschlossen, die sich nur schon die heutigen Mietpreise nicht mehr leisten können, ganz zu schweigen vom Rest aller Forderungen.
    Exgüsi, aber Ihr Statement hat mich grad auf die Palme gebracht!
    Gruss Luzia Bucher

    Antworten

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *