Ist den Jungen zu trauen?

Klaus Stöhlker

Klaus J. Stöhlker*

Ein alter Mensch tut gut daran, nur wenigen wirklich zu vertrauen. Das ist zwar schade, denn als Mensch wächst man sozial und intellektuell am besten im Kontakt mit anderen Menschen. Dies ist allerdings mit Risiken behaftet.
Was alle Menschen von alten Menschen in erster Linie wollen, ist ihr Geld. Die über 60jährigen sind die reichsten Schweizer überhaupt. Über 800 000 vorwiegend ältere Schweizerinnen und Schweizer versteuern ein Vermögen von über einer Million Franken, über 10 000 ein Vermögen von über 10 Millionen Franken. Es lohnt sich daher, mit diesen alten Leuten Kontakt aufzunehmen. Das gilt nicht nur für Enkelbetrüger.

Wichtig ist die Antwort auf die Frage, ob man Bankern, die früher einmal Bankiers waren, oder Politikern vertrauen kann. Ich rate in beiden Fällen zu extremer Vorsicht und unter Umständen doppelter Kontrolle. Ich habe zu viele alte Menschen gesehen, die auf Empfehlung ihres Bankberaters Hypotheken auf das Haus aufgenommen haben, um es dann irgendwo an den Börsen zu verspielen. Oft war dann auch das eigene Haus weg.

Sind unsere Politiker besser? Der bekannte Banker Oswald Grübel (CEO CS und UBS) sagte dieser Tage: „Wer den Schaden trägt, ist heute schon klar: Das Volk. Das war schon immer so bei politischen Fehlentscheiden.“ Er hat recht, denn es ist unglaublich, was sich unsere Bundesräte, Spitzenpolitiker und Nationalbankführungen leisten dürfen, ohne zur Rechnung gezogen zu werden. Hans-Rudolf Merz wollte das Schweizer Bankgeheimnis bis zur letzten Patrone verteidigen, Ueli Maurer gab als VBS-Chef Millionen aus für eine missglückte Gripen-Beschaffung. Was Doris Leuthard als Energieministerin bisher leistete, hat das Schweizer Volk Millionen gekostet.

Bleibt nur die Jugend; dürfen wir dieser vertrauen? Früher hätte ich dies blind mit einem grossen JA beantwortet, aber heute nicht mehr. Sicher gibt es 30% tolle junge Menschen, denen ich Auto und Golduhr samt Hausschlüssel anvertrauen würde. Doch die anderen 70% sind unser Problem. Sie sind lässig bis träge und faul, leben auf Kosten ihrer Eltern oder der Partnerin. Jegliches persönliche Engagement über das absolut Notwendige hinaus geht ihnen ab. Ich kenne Eltern, die von ihren Kindern über Jahrzehnte hinweg regelrecht ausgenommen wurden. Die Eltern wissen nicht, wie sie diesen Forderungen ihrer eigenen Kinder begegnen sollen. Schliesslich kommt gerade von dieser Seite noch der verdeckte und offene Vorwurf: „Wir sind es, die Eure Rente finanzieren.“ Was die ältere Generation in die Jugend investiert hat, will niemand mehr wissen.

Was tun? Bleiben Sie misstrauisch, aber seien Sie nicht zu geizig im Umgang mit der Jugend. Geben Sie das Geld lieber den eigenen Enkeln als der Vogelwarte Sempach oder dem Hilfswerk für syrische Flüchtlinge. Wenn Völker sich selbst zerstören, soll man nicht zu viel Mitleid mit ihnen haben. Wir haben unsere gefährlichen Leidenschaften auch besiegen müssen. Deshalb sind wir als Schweizer derart innengesteuerte und selbstkontrollierte Menschen geworden.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

 

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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