«Grenzen des Machbaren»

Ilse Oehler

Ilse Oehler

«Die Welt von oben zu sehen, das hat Bertrand Piccard schon als kleinen Jungen fasziniert. In bester Familientradition setzte er nicht nur seinen Traum vom Fliegen in die Tat um, sondern ging einen Schritt weiter als alle anderen. Ein Gespräch mit dem Mann, der Grenzen des Machbaren verschieben will.»

Das gewagte Abheben von Piccard in himmlische Höhen, wie er diese benennt, ging von SRF1 bewusst am „Auffahrtstag“ 2014 über den Äther. Aufflammten dabei bei mir auch Erinnerungen in den Sommer 1968, ein Jahr vor der ersten Mondlandung. Zwei Kinder. Zur Tochter/1966 gesellte sich Sohn/1968 soeben als frischer Weltbürger zu uns auf den Planeten, Hier die Sendung hören…

Es war üblich, das Auto, einen VW Käfer, vor der Garage zu waschen. Aufmerksam wurde ich als DRS-Autoradiozuhörerin bezüglich einer zukünftigen zivileren Gesellschaft im Bereich Ökologie- und Umweltschutz. Die verschiedenen weltweiten Strömungen spürte man auch in einer Schlafgemeinde vor den Toren einer Stadt. Die junge Generation stand im Umbruch. Was ist dann, wenn Kinder einen Beruf auswählen müssen, dann 17, 20 Jahre später? Was wird, wenn die Nahrung weltweit knapp werden sollte und die Strassen total überfüllt?
Der Mensch lebt nicht nur von Brot allein, auch von den Hoffnungsträgern, den Müttern und Vätern, von verantwortungsbewussten Menschen. Sehr nachdenklich ging ich zurück ins Haus, schaute aus dem Fenster in die Weite, ins Grüne, auf ein noch nicht besiedeltes Feld. «Ich würde Bauer werden, dann Helikopter fliegen. Als Bauer bin ich am Ball, mein eigener Herr und Meister, habe Respekt vor der Natur. Als Helikopterpilot bin ich dann flexibel.» Keinen allzu grossen Gedanken, wenn überhaupt, verschwendete ich wegen einer möglichen CO2-Verschmutzung. Verdrängt von jener in die Hochkonjunktur Hineingeborenen? Die N1 (heutige A1) wurde ja gerade geplant in unmittelbarer Nähe. Erst 19 Jahre später sollte sie dort dem Verkehr übergeben werden.

Diesen Gedanken, «was wenn, ich…», behielt ich im Schliessfach meines Herzens. Kinder im Umfeld gingen respektvoll und achtsam bei einer Bauernfamilie ein und aus. Die Frau des Bauern nahm die Kids oft mit dem Traktor auf das Feld mit. Wie muss die Welt in Ordnung gewesen sein. Die frische, noch warme und fein duftende warme Milch holten sie abends direkt ab Stall. Dann – der Schicksalsschlag. Der Bauer verunfallte tödlich bei einem Autounfall. Ein Ruhmesblatt gehört noch heute der Schulbehörde. Sie gewährte dem 3. Sekundarschüler unbürokratisch ein Timeout. Den noch in der landwirtschaftlichen Ausbildung stehende Bauernsohn, gerade Bauernknecht geworden, wurde dadurch tatkräftig unterstützt auf Hof, Feld und im Stall bis zur Regelung der Nachfolge. Eine Lebensschule für die beiden Jugendlichen.

Es gibt die offenen Grenzen des Machbaren in himmlischen Höhen und auf erdigem Grund.
Meine damaligen Gedanken hielt ich weiterhin tief verschlossen, heute würde ich sagen Vision. Sie hat sich erfüllt, Bauer, Helikopterpilot, Swissairpilot, anderweitig über den Wolken weltweit unterwegs. Bertrand Piccard setzt sich «mit Herz, Kopf und Hand» verantwortungsbewusst und vorbildlich für eine gerechtere Welt, eine bessere Zukunft ein. Lassen wir uns alle beflügeln. Der Pionier muss es wissen, dass es sich lohnt, wenn er aus diesen himmlischen Höhen auf uns herunter schaut. Vieles ist machbar.

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