Ein wenig Fett im Alter schadet nicht

Klaus Stöhlker

Wenn der Künstler H. R. Giger in seinem Haus von der Treppe herunter stürzt, um danach zu sterben, darf dies auf die Tatsache zurück geführt werden, dass er zu wenig Muskeln hatte. Seinem Körper fehlte die Kraft, das verlorene Gleichgewicht wieder zu gewinnen.
Wer als älterer Mensch länger leben will, muss deshalb auf zweierlei grossen Wert legen:

– Die Muskeln müssen ihn, auch in kritischen Situationen, halten und tragen können.
– Mit dem richtigen Essen bleibt er fit und wird nicht Opfer einer gefährlichen Nasch-Leidenschaft.
Wer sich die Mühe macht, die neuen Kochbücher zu studieren, die jetzt auf den Markt gekommen sind, wird zweierlei feststellen:

– Die Vegetarier und Veganer sind im Vormarsch. Ich rate aber davon ab, sich gerade als älterer Mensch diesen oft sektenhaften Bewegungen anzuschliessen, denn eine solche Ernährung verlangt viel Kontrolle. Sie ist nicht ohne Risiken.
– Die Freunde einer gesunden Fleischküche kommen weniger zu Wort, obwohl ich dies für ganz falsch halte. Der Mensch lebt seit 100 000 Jahren vom Verzehr von Fleisch; er braucht es auch heute noch, um gesund und aktiv alt zu werden.
Die deutschsprachigen Oberwalliser nennen die Deutschschweizer gerne „die Grünkackete“, dies aber nur dann, wenn keine „Üsserschwizer“ anwesend sind. Woher kommt dieser Ruf? Die Oberwalliser, ein starker Volksstamm im Herzen der Hochalpen, der heute noch 67 000 Menschen zählt, hat sich immer auch von Fleisch ernährt. Die harte Natur verlangt eine Zufuhr von gesundem Fleisch. Die Deutschschweizer, im Gegensatz dazu, essen viel Salat und Gemüse. Ergebnis: „Grünkackete“.

Weil ich gerne in der Westschweiz und im Tessin unterwegs bin, habe ich dort den Chüngel wieder entdeckt. Nach den hunderten von Poulets, die ich schon verdrückt habe, war der Chüngel für mich eine echte Entdeckung.

Das Kaninchen, wie der Chüngel auch genannt wird, wurde in der Deutschen Schweiz fast ganz vom Poulet verdrängt. Erst die sich häufenden Warnungen vor dem Genuss von Pouletfleisch, wenn dieses nicht perfekt zubereitet wird, haben mich dazu veranlasst, den Chüngel genauer zu studieren. Bei „Bü’s“ in der Zürcher Kuttelgasse, gleich neben der Bahnhofstrasse, stiess ich auf ein phantastisches Kaninchen-Carpaccio und liess mich von der Karte „Lapin et vin“ animieren. Das Fleisch war zart und schmackhaft, eigentlich ein kräftiger Verwandter des Pouletfleisches, das ich lange Jahre vergessen hatte. Entworfen hatte dies der bekannte Sternekoch Thuri Maag, den auch ältere Menschen noch in Erinnerung haben. Maag ist ein Vertrauenskoch der Migros, die ihm Zutritt zu ihren modernen Verkaufstempeln erlaubt. Die Migros ist der mit Unterstützung der Delimpex AG grösste Importeur von Chüngelfleisch in die Schweiz. Das Kaninchen, das wir dort erhalten, ist eigentlich ein Auslandschweizer. Es wird in Ungarn nach den Vorgaben der Schweizer Tierschutzverordnung gezüchtet und frisch, über Nacht, in die Schweiz transportiert.

Heute empfehle ich allen: Esst mehr Chüngel!

Sein Cholesteringehalt pro tausend Gramm ist der geringste neben Geflügel, Rind und Schwein. Menschen mit höheren Blutfettwerten werden sich darüber freuen. Wer Herz-Kreislauf-Probleme hat wird den Chüngel als Sicherheitsfaktor schätzen lernen. Sein Kalorien- und Natriumgehalt ist gering, Kalzium und Phosphor werden dem Körper zugeführt. Für ältere Menschen ist dies wichtig.

Wir sollten uns die Lust am Fleischessen nicht verderben lassen. Begegnen uns die schlanken Vegetarier und die hyperschlanken Veganer auf der Strasse, ist dies kein Signal, dass wir es ihnen nachmachen sollten. Ganz im Gegenteil: Wer als älterer Mensch ein wenig Fett auf dem Körper trägt, wird im Falle einer Krankheit mehr Energie zur Verfügung haben, um diese zu überstehen. Sie wissen es: Wer im Krankenbett schwach und dünn wird, hat nur noch die halben Überlebenschancen.
Wie heisst die Dreiheit des Erfolgs für ein langes Leben? Muskeln durch Training und Bewegung, gesundes Chüngelfleisch für die Organe und viel Lust an täglich neuem Erleben. Das gibt Energie.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH

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Über Klaus J. S.

Als Doyen der Schweizer PR-Branche hat Klaus J. Stöhlker die Technik der Kommunikation seit über 30 Jahren bedeutend beeinflusst. Die von ihm gewählten Formulierungen in Geschäftsberichten oder im Krisenmanagement sind vielfach legendär geworden. In Deutschland geboren, hat er nach Führungsfunktionen bei Farner und Wirz 1982 in Zürich die Stöhlker AG gegründet. Sie ist seither eine der erfolgreichsten PR-Agenturen der Schweiz geworden, die heute von seinen beiden Söhnen Fidel und Raoul Stöhlker geleitet wird. Für Stöhlker setzt sich erfolgreiche Kommunikation aus Sachverstand und Energie zusammen. Wenn Spitzenvertreter der Wirtschaft erklären, sie würden weder von Aktionären noch von Kunden oder Medien richtig verstanden, antwortet er: Passen Sie Ihre Botschaft den Zeitbedürfnissen an! Wer sich nicht rasch und schnell in voller Klarheit äussern kann, wird im Wettbewerb zurück fallen. CFO’s trainieren bei Stöhlker, wie man der „hard power“ der Facts die „soft power“ der geschickten Argumentation zur Seite stellt.

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